…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 27. März 2019

(zum Bild: Senat unterzeichnet Haushalt 2019 unter Vorbehalt)

 

Praesident Rodrigo Roa Duterte… – …wird zum “Belt & Road Forum” vom 26. bis 28. April nach Peking reisen. Es wird erwartet, dass er dort auch die Frage der philippinischen Fischer anspricht, weswegen ja von oppositioneller Seite eine Klage gegen Xi Jinping vor dem ICC (International Criminal Court) eingereicht wurde. Die juristische Seite wird kaum zur Sprache kommen, weil Duterte wie auch Xi den ICC ignorieren. Sollte aber wirklich die chinesische Kuestenwache philippinische Fischerboote am Scarborough Shoal verscheuchen, dann kann Duterte das nicht hinnehmen, denn das war ja der Erfolg seiner ersten China-Reise im Oktober 2016. Auf der anderen Seite duerfte Xi daran liegen, den “status quo” zu erhalten: laesst er die Filipinos da fischen, schaut Duterte nicht hin, was die Chinesen auf den anderen Inseln treiben.

Man sollte den mitunter mueden bis resignierten Eindruck nicht ueberschaetzen, den Duterte macht, sein politischer Wille ist ungebrochen. So hat er bei einer Wahlkampf-Rede am 24. Maerz in Cagayan de Oro zu derzeit ins Land stroemenden Drogen gesagt: “Grabe karon, ni-grabe. Halos mu-surrender na ang mga police. ~ Es ist hart jetzt, es ist hart. Fast koennten die Polizisten aufgeben.” Das wird im Transkript der Rede bei “PCOO” so uebersetzt: “Things have worsened. My policemen are at the brink of surrendering.” Die Rede war in Visayan, da das nicht jeder im Land spricht, wird das von “PCOO” in Englisch uebersetzt; wer will kann daher die Rede selbst im Transskript lesen – 34 Seiten.

 



 

Es ist das Problem, dass in Visayan Zukunft und Moeglichkeit dieselbe grammatische Form haben, im Englischen muss man sich aber entscheiden “are at the brink / might be at the brink”. Ich finde, die angebotene Uebersetzung klingt sehr hart. Es ist der Unterschied von Schwarzmalerei und drohender Mahnung – „lost in translation„. Was fuer den Chef der PNP (Philippine National Police), Oscar Albayalde, dann auch nur eine Herausforderung an die Polizei war, sich mehr ins Zeug zu legen, war fuer die Schwarzmaler das Scheitern des Drogenkrieges.

Ist es aber nicht. Es sollte wach machen. Dazu ein Satz in 34 Seiten und das Ausmalen der boesen Folgen – “Am Ende, genau wie Mexiko. Wir werden / koennten von Drogen-Kartellen kontrolliert werden.” Der Mann gibt nicht auf, im Gegenteil. Harry Roque, vormals Sprecher des Praesidenten, sagte einst, man duerfe den Praesidenten niemals woertlich, aber man solle ihn immer ernst nehmen. Man sollte das im Hinterkopf haben. Wer den Praesidenten beim Wort nehmen will, muss sich an die “proclamations” und “executive orders” in der “Official Gazette” halten, aber dann kriegt er halt nicht mit, was Rodrigo Duterte zu sagen hat.

Den mitunter mueden Eindruck sollte man nicht auf den politischen Willen, sondern vielleicht auf das Lebensalter zurueckfuehren. Morgen wird Rodrigo Duterte 74 Jahre alt, und er wird den Tag im Kreis der Familie verbringen. Sein frueherer Assistent, nun Kandidat fuer den Senat, Christopher “Bong” Go bittet Unterstuetzer, fuer den Praesidenten zu beten: “Gebete seiner Unterstuetzer an seinem Geburtstag wuerden ihn sicher sehr gluecklich machen.

 



 

Der gordische Knoten… – …wurde nicht geloest, in welchen Haus und Senat den Haushalt 2019 verschlungen haben. Niemand hat sich getraut, wie einst Alexander, das Schwert zu nehmen und einen glatten Schnitt zu machen. Man hat den Knoten nur in einen Brief gepackt und Praesident Duterte untergejubelt.

Senats-Praesident Vicente Sotto hat den Haushalt mit den “Aufteilungen” des Hauses unterschrieben und an den Praesidenten zur Unterschrift geschickt, dazu aber angemerkt, dass er die “Aufteilungen” fuer verfassungs-widrig haelt. Er stellt es daher dem Praesidenten anheim, den Haushalt ohne die “Aufteilungen” zu genehmigen.

Damit ist Sotto den Schwarzen Peter los, der Senat blockiere den Haushalt, sieht sich dafuer nun aber moeglichen Klagen gegenueber, Verfassungswidriges unterschrieben zu haben. Senator Franklin Drilon, der Sottos “Unterschrift mit beschraenkter Haftung” vorschlug, und der Abgeordnete Ronaldo Zamora, Verhandlungs-Fuehrer des Hauses in der Sache, beide “topnotcher in the bar exam ~ in Deutschland wuerde man sagen: Einser-Juristen”, haben Sotto versichert ihn zu verteidigen, sollte das akut werden.

 



 

Offen bleibt die Frage, was passiert, wenn Duterte den Haushalt wie Sotto ohne die “Aufteilungen” abzeichnet, sich also dessen Rechts-Auffassung zu eigen macht. Dann steht Rolando Andaya bloed da, den Haushalt verzoegert zu haben, ohne durch die “Aufteilungen” fuer “seine Leute” etwas erreicht zu haben. War sein Argument, ein Haushalt mit “lump sums” sei verfassungs-widrig, nicht nur eine Finte im Duell mit dem Senat, dann muesste er gegen Duterte vor das Oberste Gericht gehen. Dasselbe umgekehrt muesste geschehen, wenn Duterte die “Aufteilungen” absegnet, die der Senat fuer verfassungs-widrig haelt, dann muesste Sotto vor Gericht gehen.

Ich glaube jedoch, weder Sotto noch Andaya werden die Entscheidung des Praesidenten anfechten, wie auch immer die ausfaellt – selbst wenn er die Unterschrift verweigert und ihnen das Dokument zurueckschickt. Die Drohgebaerden der beiden mit der Verfassung sind bloszes Aufplustern vor dem Spiegel, um sich ihrer selbst zu versichern. Vor dem Praesidenten werden sie kuschen.

Die Misslichkeit an der Sache ist, dass Haus und Senat miteinander nicht koennen und nicht wollen, sonst haetten sie eine Loesung gefunden, statt den “Stock zu schieben”. Das aendert sich hoffentlich nach den Wahlen im Mai.

 



 

Saysay sa adlaw – Nataranta siya dihang gipangutana siya sa abogado. 

taranta sich aufregen + na… V/G nataranta wurde aufgeregt, nervoes, siya er, sie, diha nga ~ dihang dort, als + Verbinder, kutana fragen + gipa… V/G pass. verschliffen zu gipangutana wurde befragt, sa von, abogado Rechtsanwalt (span.)

Satz des Tages – Er wurde nervoes als der Rechtsanwalt ihn befragte.

 



 

Gemaesz “Manila Bulletin”, “Daily Tribune”, “PCOO” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.