…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 25. März 2019

(zum Bild: Konferenz zur künstlichen Intelligenz in Makati)

 

Was ist wichtig? – Ganz bestimmt unwichtig ist der Aufmacher des “Standard” heute, dass laut “Joma” Sison die NPA (New People’s Army) “toedliche Schlaege gegen schwache Punkte des Feindes in laendlichen Gebieten fuehren” soll. Wir wissen, dass Sison nichts zu sagen hat, und dass die NPA in Aufloesung begriffen ist. Dass die Trockenzeit beginnt, hat sich auch herumgesprochen, und so ist heute Zeit, sich um das zu kuemmern, was sonst liegen bleibt.

Ein Artikel in der “Times” mahnt: “Robots to replace workers, warns Pinay scientist”, wozu mir ein Artikel zur KI (Kuenstliche Intelligenz) einfaellt, den ich gestern in der “SZ” wegen des provozierenden Titels las: “Der Mensch als Fehler”.

Ich fange mit Sarah Spiekermann an, die die Ansicht beklagt, dass KI-Forscher und -Fans den Menschen als Fehler betrachten, der vor dem Computer sitzt, weil Computer ueberlegen sind. Ich will das nicht referieren – der Artikel ist selbst-lesenswert – sondern einfach meine Sicht daneben stellen.

Fuer jeden wohl definierten Zweck kann man eine Maschine bauen, welche das besser, schneller, praeziser erledigt als der Mensch. Der Witz an dieser Behauptung ist der “wohl definierte Zweck”, denn so gesehen ist der Mensch “zwecklos”. Er wurde nicht fuer diese oder jene Aufgabe geschaffen, sondern er hat sich durch eine Unzahl von Fehlern in der DNA-Kopiererei bei Fortpflanzung dahin entwickelt, mit der Welt fertig zu werden, wie er sie vorfindet. Um das zu erreichen setzt er selbst Zwecke.

 



 

Klassischer Einschub: Die Aelteren unter den Lesern erinnern vielleicht den kategorischen Imperativ des Immanuel Kant, den man frueher am Gymnasium auswendig koennen musste. Wie das heute ist, weisz ich nicht, ich war lange nicht mehr in der Schule. Wie auch immer, das musste man wissen: “Handle so, dass die Maxime deines Willlens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten koenne.“ Kein Mensch hat das verstanden, aber umso besser liesz sich darueber reden. Kant hat noch einen Leitsatz verfasst, der leicht zu verstehen ist und mehr ueber den Menschen aussagt – den praktischen Imperativ, den man am Gymnasum nicht kennen musste: “Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern, jederzeit zugleich als Zweck, niemals blosz als Mittel brauchest.” Man kann das anders sagen: der Mensch dient keinem Zweck, und damit sind wir bei der Maschine, die immer nur fuer Zwecke eingerichtet wird – sonst ist es Kunst.

Der Fehler, der zweimal eine Boeing 737 Max 8 abstuerzen liesz, sasz nicht vor dem Computer, sondern im Programm des automatischen Trimm-Systems, das menschliche Fehler beim Trimmen des Flugzeugs verhindern sollte.

Und damit sind wir bei dem anderen Thema, dass Roboter den Menschen verdraengen werden. Die “Pinay scientist”, die das behauptet, ist Reinabelle Reyes, eine Astrophysikerin, die im Team mit James Gunn und Rachel Mandelbaum an der Princeton Universitaet durch Messungen an ueber 70 Tsd Galaxien bewies, dass diese sich, obwohl mehr als 3,5 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt, an die Voraussagen halten, die Einstein zur Gravitation gemacht hatte.

 



 

Sie kommt zu der Einsicht: “Doch fuehrende Koepfe, die in die Zukunft schauen, sagen, dass Menschen nicht mehr arbeiten muessen, weil all die Computer das fuer uns erledigen. Wir koennen uns mit Kunst beschaeftigen. Dies haengt auch mit der Idee eines Mindest-Einkommens zusammen. Sie koennen tun, was sie wollen, ihre Faehigkeiten entwickeln.

Ich glaube das so wenig wie die Aussage, dass der Fehler vor dem Computer sitzt. Die Automatisierung vergroeszert nur die Schere zwischen Arm und Reich, und wer nichts zu tun hat, entwickelt keine Faehigkeiten, weil die nur mit den Anforderungen wachsen, sondern die verkuemmern, wenn man sie sich nicht gleich mit Shabu aus der Birne blaest.

Wenn Frau Reyes meint: “Wir sind kuenftige Fuehrer, die das verstehen und Beweise finden, und wir koennen eine Politik fordern, die von Daten und Studien getragen wird”, dann hoffe ich, dass kein Politiker je auf sie hoeren wird. Wir kriegen sonst nur noch so eine Sorte KI-Experten, die, um die Welt zu retten, nicht zur Schule, sondern zur Demo gehen – am besten Montag, der Freitag ist ja schon fuer den Klima-Wandel frei, und da hat man dann ein langes Wochenende fuer die Kunst. Wenn dieses Gedankengut der KI-Experten Schule macht, sind wir wirklich nicht mehr zu retten.

 



 

Saysay sa adlaw – Agi, ka’nindot, kon tinuod! 

agi Ausdruck des Staunens, ka’ Betonung eines Adjektivs, nindot schoen, kon wenn, tuod  zeigt Zustimmung an + …in… bezeichnet Art und Weise tinuod dem man zustimmen kann, wahrhaftig, tatsaechlich

Satz des Tages – Oh, wie schoen, wenn es wahr ist!

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Sueddeutsche Zeitung”, “Science” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.