…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 22. März 2019

(zum Bild: Duterte und der Schuhmacher von Marikina)

 

Mensch Duterte – Mit dem Ausdruck “ad personam ~ zur Person” oder “ad rem ~ zur Sache” zu sprechen unterscheidet man einen persoenlichen Angriff, der mit der Sache meist nichts zu tun hat, von einer sachlichen Auseinandersetzung, die im oeffentlichen Umgang miteinander erwuenscht ist. In der Politik wechselt man gern schon mal von der Sache zur Person, wenn man sieht, dass man mit sachlichen Argumenten nicht durchkommt.

Es ist aber auch so, dass man nie nur zur Sache spricht. Man richtet sich ja an eine Person, die man dazu bewegen will, dies oder jenes, wenn nicht gar einzusehen, dann doch wenigstens zu tun oder zu unterlassen. Das kann soweit gehen, dass man dem anderen droht. Ein von mir gern und oft zitiertes Beispiel ist die verstorbene Senatorin Miriam Defensor-Santiago. Als sie in ihrer Zeit als Chefin des Bureau of Immigration von einem Auslaender bei einer Presse-Konferenz unterbrochen wurde, fuhr sie ihn an: “Sir, ich erinnere Sie, dass ich als Chef der Einwanderungsbehoerde die Majestaet der Philippinischen Republik repraesentiere. Sie schulden mir Respekt und Hoeflichkeit. Jetzt halt die Klappe, oder ich schlag dir die Zaehne ein!

Hier kommt ein weiterer Aspekt zur Geltung. In der Situation spricht Santiago gar nicht selbst, sondern sie personifizert die Philippinische Republik. Dies erinnert an die Herkunft des Begriffes Person, der im alten Rom als “persona” die Maske bezeichnete, die der Schauspieler auf der Buehne trug, um so “als dieser” zu sprechen. Die Maske verbirgt den Traeger, nimmt ihn aus dem Spiel, das so versachlicht wird – es geht nicht um ihn, sondern “um das Spiel”.

Das ist die bevorzugte Haltung von Politikern, die sich hinter einer Maske verbergen und zur Sache reden. An sich selbst lassen sie niemanden heran, so bleiben sie unangreifbar.

 



 

Duterte traf sich mit Nur Misuari und der drohte mit Krieg, bekaeme er nicht den Foederalismus. Senats-Praesident Tito Sotto: “Ich frag mich, ob es ein Gesetz dagegen gibt, der Regierung zu drohen.” Senator Franklin Drilon: “Mit der Drohung in den Krieg zu ziehen, falls das wahr ist, hat Misuari uns das wichtigste Argument gegen den Foederalismus geliefert.

Die beiden Senatoren wollen sich nicht mit Misuari auseinandersetzen, sie blocken ab – ganz sachlich distanziert. Duterte will mit Misuari klar kommen. Im August 2016 wies er seinen Friedensberater Jesus Dureza an, nicht nur mit der MILF, sondern auch mit der MNLF zu sprechen, ganz besonders mit Misuari, denn sollte dem etwas geschehen “kannst du nie wieder mit den Tausugs reden.” Deshalb blockt er diesen “Tausug ~ Mensch der Stroemung” nicht ab, sondern schlaegt ein Gremium vor, die Sache zu diskutieren, und, wie Sprecher Salvador Panelo vor Reportern erlaeutert: “Dann werden die beiden sich zu einem Vier-Augen-Gespraech zusammensetzen, und dann sagte er, nachdem werden sie den Erfolg feiern, und wenn es scheitert, werden wir zusammen sterben. So die Antwort des Praesidenten.

Duterte baut keine juristische Abwehrstellung auf wie die Senatoren. Er geht auf Misuari zu – den ich genauso einschaetze, sonst wuerde er nicht so zu Duterte sprechen – er ist gespraechsoffen, was auch immer dabei herauskommen mag, denn auf keinen Fall soll es dahin kommen, “nie wieder mit den Tausugs reden” zu koennen. Das ist schwierig, wie einst Emil Jurado im “Standard” schrieb: “Geschichte, Kultur und Tradition unter Muslims sagen uns, dass zwischen den Maranaos (Haendler) in den Lanao-Provinzen und den Maguindanaos (Bauern) in den Cotabato-Provinzen, die Tausugs, wozu Misuari und seine MNLF gehoeren, niemals mit den Maranaos leben koennen. Fuer die Maranaos und die Maguindanaos sind die Tausugs Piraten. Heilige Banane! Warum glaubt ihr wohl sind die MILF von der MNLF abgebrochen? Diese Art von Feindschaft kann nicht einfach ausgeloescht werden von einem Gesetz wie dem BOL.

Praesident Duterte hat sich fuer das BOL stark gemacht, aber das ist kein Schlussstein. Wenn es nicht reicht, muss man weitersehen. Er verbirgt sich hinter keiner Maske. So macht er sich angreifbar, was politische Masken-Traeger entsetzt: so etwas darf sich ein Praesident nicht sagen lassen. Duterte laesst, und das unmaskierte Volk mag Duterte, weil er sich nicht verbirgt und verbiegt. Eigentlich will er ja gar nicht Praesident sein, wie er immer wieder betont – tja, Mensch Duterte, so iss’er eben.

 



 

Und wie sind die anderen? Gute Frage, naechste Frage – muesste ich sagen, wenn ich nicht grad heute lese, Ex-Ombudsfrau Conchita Carpio-Morales und Ex-Auszenminister Albert del Rosario haben eine Klage beim ICC (International Criminal Court) gegen China eingereicht wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, begangen an philippinischen Fischern.

Morales wurde unter Benigno Aquino bekannt, als sie mit selektiver Justiz gegen dessen Gegner vorging, nie aber gegen die Verbrechen, die ihr Schuetzling zum Beispiel in Mamasapano beging, auch wenn es da 44 Tote gab. Tote Fischer gab es nicht, sondern verschiedene Berichte, dass Chinesen ihnen die besten Fische weggenommen und dafuer billige Zigaretten gegeben haetten. Del Rosario wurde bekannt, als er beim Standoff am Scarborough Shoal die philippinischen Schiffe zurueckbeorderte, weil er glaubte, die Chinesen taeten das dann auch mit ihren Schiffen. Taten die aber nicht, und so koennte sein Vorgehen als verspaetete Retourkutsche gegen die Chinesen gesehen werden, die ihn damals reingelegt hatten.

Spasz beiseite. Auch wenn entsprechende Artikel in der “Straits” und der “Post” im Ausland gelandet sind, dann ist das Ziel der Aktion erreicht: Presse-Aufmerksamkeit. China ist kein Unterzeichner der Roemischen Vertraege, wie Praesident Duterte kommentierte, als er um seine Meinung befragt wurde, also ist die Anzeige sinnfrei. Die Opposition kommt in der Presse derzeit praktisch nicht vor, wo doch Wahlkampf ist, und da muessen eben ein paar alte Strategen helfen. Dass “CNNPhil” sich bemueht Wirbel um die Oppositions-Kandidaten zu machen, ist vernachlaessigbar. “CNNPhil” ist kein FreeTV, wird also von der Masse hier nicht wahrgenommen – wobei ich nicht weisz, was man bei “ABS-CBN” zu sehen bekommt, der hier auf dem Fernseher in jeder Karenderiya laeuft. Ich schau mir das nicht an.

 



 

Duterte kommt da besser weg. Im “Tribune” las ich heute, dass Christopher “Bong” Go bei einer Wahl-Veranstaltung im Marikina Hotel and Convention Center den Schuhmacher Rolando de Guzman Santos, genannt “Tatay Orly”, in der Menge bemerkte und aufforderte doch aufzustehen, dass die Leute ihn sehen koennten. Dieser Schuhmacher hatte Praesident Duterte einst ein paar Schuhe geschenkt. Dazu sagte “Bong” Go: “Tatay Orly, die Schuhe, die du Praesident Duterte gegeben hast, sind genau die Schuhe, die er benutzt, wenn er korrupten Beamten den Tritt gibt. Da erkannte ich, dass Marikina-Schuhe in der Tat solide und wert sind, sie zu kaufen.” Das kam in Marikina, der Schuh-Hauptstadt der Philippinen – vergleichbar Pirmasens frueher in Deutschland – sicher gut an.

In dem Zusammenhang hoffe ich, dass die neuen Outdoor-Schuhe, die ich gestern bei MSE – Marikina Shoe Exchange – gekauft habe, auch so solide sind. Meine Frau ist Dealer bei MSE und bekommt 40 Prozent Rabatt. So haben mich die Schuhe nicht ganz 600 Peso gekosten, die bei KCC so um 3000 gekostet haetten. Bei Gaisano gab’s welche fuer 1500, aber die hatten meine Groesze nicht. Da sprach meine Frau ein Machtwort. Ich musste mir den MSE-Katalog ansehen, meine Wahl fiel auf das Modell “Olympus”, und auf dem Weg zum Essen sind wir gestern kurz bei MSE rein, Schuhe probiert und gekauft. Dann ging’s weiter zu Rachels Grill in Bula, wo es den besten Tuna-Belly in GenSan gibt, der Tuna-Capital of the Philippines. Ist ja nicht so, dass nur Marikina fuer seine Schuhe bekannt ist. Meine Wahlheimat hat auch etwas zu bieten.

 



 

Saysay sa adlaw – Wa koy kuwartang ipalit og awto. 

wala ~ wa kein, nicht, ako ang ~ koy ich + best. Art., kuwarta nga ~ kuwartang Geld + Verbinder, palit kaufen + i… Z/M ipalit wird, koennte kaufen, og unbest. Artikel, awto Auto

Satz des Tages – Ich habe kein Geld um ein Auto zu kaufen.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Straits Times”, “South China Morning Post”, “Manila Standard”, “Daily Tribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.