…aus der philippinischen Presse

 

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 12. März 2019

(zum Bild: Äußerst brutaler Mord in Lapu-Lapu City)

 

Gefeuert oder gegangen? – Auch ich schrieb letzten Samstag dem “Bulletin” folgend, Praesident Rodrigo Roa Duterte habe den General Manager des PCSO (Philippine Charity Sweepstakes Office) Alexander Balutan wegen Korruption gefeuert. Der wehrt sich seither dagegen und behauptet, er habe um seine Entlassung gebeten. Er verweist darauf, dass er vorher gesagt habe, er werde gehen, wenn Dinge von ihm verlangt werden, die er nicht schlucken kann. Nun gibt der Sprecher des Praesidenten Salvador Panelo zu, dass Balutan wegen Vorgaengen im PCSO um seine Entlassung gebeten habe, allerdings – fuegt Panelao an – der Brief kam erst in Malacañang an, als die Kuendigung schon beschlossen war.

Zwei Saetze. Zum einen ist Balutan vorzuwerfen, wenn es Dinge im PCSO gibt, die er nicht “schlucken kann ~ cannot stomach”, dann hat er als Chef des PCSO das namhaft zu machen und durchzugreifen. Dafuer ist ein Chef da, nicht zum Weglaufen.

Zum anderen aber geht mir Panelo nicht nur hier auf den Keks mit seiner “groszzuegigen Darstellung” von Tatsachen. Gerade bei den blumigen Reden seines Dienstherrn – Barack Obama sprach von Dutertes “colourful language ~ schillernden Sprache” – sollte dessen Sprecher sich um Klartext bemuehen, der sich an Tatsachen messen laesst.

So graebt Panelo angesichts des naeher kommenden Ablaufs der Mitgliedschaft beim ICC (International Criminal Court) die Behauptung aus, der ICC habe gar keine Jurisdiktion ueber die Philippinen, weil die Roemischen Vertraege nicht in der “Official Gazette” veroeffentlicht wurden, mithin gar nicht gueltig sind. Das war im Gespraech, als Duterte die Vertraege kuendigte, und es war damals und ist heute Ochsenkot.

Wenn die Vetraege nicht gueltig sind, warum haben die Philippinen Beitraege gezahlt und auch Richter ernannt? Und – hier beiszt sich Dutertes juristischer Berater, der Panelo ja auch ist, selbst in den Hintern – warum kuendigen die Philippinen ihre Mitgliedschaft, wenn sie nie Mitglied waren?

 



 

Rappler nicht philippinisch – Der CA (Court of Appeals), bei dem “Rappler” gegen den Entscheid der SEC (Securities and Exchange Commission) geklagt hatte, die ihnen die Lizenz entziehen will, weil Massen-Medien zu 100 Prozent in philippinischem Besitz sein muessen, haelt den Entscheid des SEC aufrecht. Omidyar Network habe Weisungs-Befugnis fuer sein Investment, womit es Mit-Besitzer ist, und damit ist “Rappler” nicht 100 Prozent philippinisch.

Das wundert mich, denn nach meiner Kenntnis hat Omidyar Network ihr Investment Maria Ressa und dem “Rappler” geschenkt – weshalb die jetzt Klagen wegen nicht bezahlter Schenkungs-Steuer am Hut haben. Offenbar haben “Rapplers” Anwaelte das vermasselt. In der Entscheidung des CA heiszt es: “Dieses Gericht stellt fest, dass die Festlegungen und Bedingungen der Schenkung von Omidyar von den Antragstellern in ihrem Antrag nicht diskutiert wurden. Auch haben die Antragsteller keine Kopie des Dokumentes dem Antrag beigefuegt, der die angebliche Schenkung beinhaltet.

Nun, das laesst sich sicher in der naechsten Instanz – vor dem Obersten Gericht – mit kompletter Anlage ausbuegeln, vorausgesetzt, dass die Schenkung selbst nicht eine der ueblichen Fake News war, fuer die “Rappler” ja auch bekannt ist. Aber warum will man dann Schenkungs-Steuer von ihnen?

Das mag verstehen wer will. Die Nachricht kam als “Bloomberg”-Meldung auch in der “Bangkok Post”.

 



 

Haushalt 2019 – Der Haushalt fuer 2019 ist immer noch nicht genehmigt, obwohl man sich doch schon mal ueber dessen Ratifizierung gefreut hatte. Nun scheint es, dass es nach dieser Ratifizierung durch Haus und Senat Aenderungen gab – “Pork” sagt Senator Panfilo Lacson. Nur eine Aufteilung von Betraegen, die eh schon im Haushalt waren, sagt Mehrheitsfuehrer Rolando Andaya, und hat den Haushalt an Malacañang geschickt zur Unterschrift durch den Praesidenten.

Ich will auf die miesen Details nicht eingehen, im Austeilen von Anschuldigen stehen sich Haus und Senat in nichts nach. Hintergrund ist offenbar ein Machtkampf zwischen Senator Lacson und der Sprecherin des Hauses Gloria Macapagal Arroyo im Gespann mit Rolando Andaya. Lacson hegt einen Groll gegen Arroyo, worueber ich am Sonntag schrieb, weswegen er 2010 fuer ueber ein Jahr das Land verliesz, um der Verhaftung zu entgehen. Darueber ist er nicht hinweg. Arroyo und Andaya wollen auf der anderen Seite wohl jene Abgeordneten “belohnen”, die beim Machtwechsel im Haus mit Sturz des ehemaligen Sprechers Pantaleon Alvarez fuer sie gestimmt haben, indem sie durch die “Aufteilung” des Haushalts denen nun hoehere Etats gewaehren – eine Praxis, die es nach dem Obersten Gericht gar nicht mehr geben sollte.

Es lohnt nicht, darueber nachzudenken, der Haken dabei ist jedoch, und Praesident Duterte weist darauf hin, dass ohne verabschiedeten Haushalt, wenn man mit verlaengertem Vorjahres-Haushalt weiter wurstelt, die Wachstumsrate der Philippinen sinkt. Neue Projekte koennen nicht gestartet werden. Auf der anderen Seite sagt Duterte aber auch, er werde kein illegales Dokument unterschreiben.

Tja, da ist guter Rat teuer.

 



 

Abscheulicher Mord – Jeder Mord ist abscheulich, doch manche sind anders. Die Ermordung des koreanischen Geschaeftsmannes Jee Ick Joo durch Polizisten, die Ermordung des Buergermeisters Rolando Espinosa durch Polizisten im Gefaengnis, glaubte Duterte mit Umorganisation in den Griff zu kriegen. Doch der Mord an dem 17-jaehrigen Kian delos Santos durch Polizisten (fast) unter laufenden Ueberwachungs-Kameras machte klar, dass etwas schief laeuft und gehandelt werden muss.

Vergewaltigung ist ein leider haeufiges Verbrechen, weil manche Maenner nicht Herren ihrer Hormone sind, und der Mord folgt, um die Tat zu verdecken. Warum aber zieht man dem 16-jaehrigen Opfer der Tat die Gesichtshaut ab? Demuetigung? Trophaee?

Der Mord letzten Sonntag an Christine Silawan in Lapu-Lapu City wird das Gegenstueck zu dem Mord an Kian werden. So wie der Kian-Mord zeigte, dass Polizisten nicht nur “die Guten” sind, und die Justiz durchgreifen muss – die Taeter wurden im November 2018 zu “reclusion perpetua” verurteilt – so zeigt der Christine-Mord, dass Taeter nicht immer nur “arme Drogenabhaengige” sind, die man resozialisieren muss. Der Polizei-Chef von Lapu-Lapu-City vermutet die Taeter seien “high on illegal drugs”, und so wird der Mord an Christine in Dutertes Reden seinen Platz bekommen als Beispiel, dass Shabu “Menschen zu Unmenschen” macht – und der Drogenkrieg geht weiter wie gehabt.

 



 

Saysay sa adlaw – Nihit kaayo ang tubig kon ting-uga. 

Nihit knapp, kaayo sehr, ang der, die, das, tubig Wasser, kon wenn, uga trocken + ting- stiftet einen zeitlichen Zusammenhang, ting-ugaTrockenzeit (bunga Frucht, tingbunga Reifezeit – Tingbunga sa mangga ron. Jetzt ist Mango-Saison).

Satz des Tages – Wasser ist sehr knapp in der Trockenzeit.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “Bangkok Post”, “Manila Standard”, “PNA” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.

2 Gedanken zu „…aus der philippinischen Presse

  • März 12, 2019 um 13:07
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    Der Mord an Espinosa würde sogar vom Präsidenten gut geheißen und er äusserte damals, dass er diese Polizisten befördern wolle. Super Rechtsstaat!

    • März 13, 2019 um 07:35
      Permalink

      Man kann sich einer Person auf verschiedenen Wegen naehern. Einige wollen ihn fertigmachen, ich will Duterte verstehen. Die Untersuchung gegen die Beteiligten des Espinosa-Mordes laeuft, sie haben Kaution hinterlegt, und bis zur Verurteilung gelten sie als unschuldig. Wo ist das Problem?

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