…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 08. März 2019

(zum Bild: Der unsägliche Francisco S. Tatad ist aus der Manila Times herausgeflogen – Danke!)

 

Bravo! – Der Leitartikel der “Manila Times” kommt heute aus der Feder des Besitzers Dr. Dante A. Ang selbst und er verwahrt sich gegen die Luege des Francisco S. Tatad, bisheriger Kolumnist der “Manila Times”, er, Ang, habe ihn, Tatad, auf Weisung des Praesidenten Rodrigo Roa Duterte rausgeworfen.

Ich hab’s nicht weiter gelesen. Ich weisz nicht, seit wann ich die Luegen von Tatad schon nicht mehr lese. Ich hab mich gewundert, dass ein Blatt wie die “Times” so einem Schmieren-Schreiber ueberhaupt Raum gibt, aber – hab ich mich beruhigt – das ist gelebte Meinungs- und Pressefreiheit.

Das hatte Dr. Ang bisher auch so gesehen, jedoch: “Eine Zeitung existiert zu dem Zweck, die Menschen zu informieren indem sie akkurate, faire und objektive Nachrichten und Kommentare liefert, und gegen den Missbrauch der Macht ist, sei das nun in oder auszerhalb der Regierung. Die Times steht zu diesem Grundsatz.

Und genau deshalb hat Tatad in der “Times” keine Kolumne mehr. Die letzte Luege, er sei auf Weisung des Praesidenten rausgeworfen worden, die er in seiner “Abschieds-Kolumne” verbreiten wollte, wird deshalb von der “Times” nicht mehr gedruckt.

Mich freut’s.

 



 

Frust – Ueber den Frust von Praesident Rodrigo Roa Duterte schrieb ich vor einem Monat, als er aus einer Kabinetts-Sitzung lief, um sich mit den “netten Damen da drauszen” zu unterhalten, statt weiter zuzuhoeren, wer alles zu befragen ist, wenn bei der Arar-Reform ein Landtitel gewandelt werden soll. Praktisch jedes Ministerium – auszer dem Auszen-Ministerium – muesse da zustimmen. Duterte kam am Mittwoch darauf zurueck, als er zum Jahrestag der PACC (Presidential Anti Corruption Commission) sprach. So ein System lade zur Korruption geradezu ein. Der Antragsteller rennt sich die Hacken ab auf dem Weg von Pontius zu Pilatus, bis ein Fixer ihm zufluestert: “Zahl doch einfach dafuer.” So sei das bei den Filipinos.

Ein radikaler Wandel ueber Nacht sei erforderlich, um die Korruption in der Regierung zu beenden. Er sei total frustriert, und zweimal war er schon so weit, seinen Ruecktritt anzubieten. Im August 2018 feuerte er 20 Offiziere, darunter ein Brigade-General. Sie hatten in der Beschaffung fuer die medizinische Versorgung und Ausstattung des Militaer-Krankenhauses V. Luna Medical Center in eigene oder andere Taschen gewirtschaftet. Das traf ihn hart, weil er an dem Tag, als er davon erfuhr, grad den kompletten Vorstand von Nayong Pilipino – ein Themenpark, der die philippinische Kultur darstellt – gefeuert hatte, die ohne jede Ausschreibung einen Vertrag abgeschlossen hatten, der die Errichtung eines Spielcasinos in dem Park beinhaltete. Er hatte die Schnauze gestrichen voll und bot seinen sofortigen Ruecktritt an, wenn nun alle aufstuenden und ihn loswerden wollten. Wollte aber keiner. Sie blieben sitzen.

Das zweite mal war eben vor einem Monat bei dieser Sitzung zur Agrar-Reform, wo er meinte: “Ich will zuruecktreten, denn ich fuehle mich nutzlos in diesem gottverdammten Gebaeude.” Tat er nicht, wie gesagt, er beruhigte sich im Gespraech mit den “netten Damen da drauszen”.

Er will sich nun mit COA (Commission on Audit) und Ombudsmann zusammensetzen, um Audit-Regeln zu vereinfachen. Sonst werden Regierungs-Projekte behindert, und haelt man sich nicht daran, landet man vor dem Sandiganbayan wegen grober Regel-Verletzung. Das stinkt ihm, und vor einiger Zeit meinte er, man solle Auditoren entfuehren und foltern. Macht er nicht, war nur so ein Witz, den die uebel nehmen, die mit seinem Humor nicht zurechtkommen – Bischoefe zum Beispiel.

 



 

Auf der anderen Seite muss man auch sehen, dass Duterte durchaus ein handgreifliches Verstaendnis von Recht und Ordnung hat. So gibt es hier grad grosze Aufregung, dass der Chef der Polizei der National Capital Region, Generalmajor Guillermo Eleazar, einem Polizisten vor laufenden Kameras einen Anschiss verpasste und ihn dabei auch grob anfasste und durchruettelte. Das gehoert sicherlich nicht zu einem ordnungsgemaeszen Verfahren, auch wenn da jemand verhaftet wurde, der selbst ein Polizist, von der Angehoerigen eines von ihm Verhafteten Geld erpresste, mit dem Versprechen die Anzeige fallen zu lassen. Das erinnert verflucht an den Fall des koreanischen Gechaeftsmannes Jee Ick Joo, der Anfang 2017 von Polizisten entfuehrt und spaeter im Hauptquartier der Polizei erwuergt wurde. Hier kam es wohl noch (?) nicht zu dem Mord, aber die Verhaftung war im Wachbuch nicht eingetragen. Wie waere es weitergegangen, haette die Angehoerige sich nicht an andere Stellen gewandt, die dem Schurken-Polizisten auf die Spur kamen?

Und da ist der Haken: bis zur Verurteilung ist der Scheiszkerl unschuldig. Alle selbst ernannten und verbeamteten Hueter der Menschenrechte entsetzen sich. Eleazar entschuldigte sich fuer sein Verhalten, doch Praesident Duterte versichert ihm, dass er hinter ihm steht, und – hinter dem Praesidenten steht die “Stimme des Volkes”. Als wir das im TV sahen, fand meine Frau das voellig richtig. Das ist nicht die juristische Aufarbeitung der Angelegenheit, doch so drueckt sich das Gerechtigkeits-Empfinden des Volkes aus: so ein Kerl muss vor aller Augen beschaemt und gedemuetigt werden! Es ist keine Frage der Justiz, die das technisch abfertigt und Schlusz damit, es ist eine Frage der Massen-Psychologie. Das Volk will sehen, wie die Schande auf dem Taeter abgeladen wird. Das Volk hat nichts davon, dass in drei, vier Monaten ein Herr in Begleitung seines Anwalts vor Gericht erscheint, eine Horde Reporter mit Kameras drumherum, Blitzlicht-Gewitter, zugerufene Fragen ohne Antwort – das soll Gerechtigkeit sein?

Duterte weisz, was fuer sein Volk gut ist, und er laesst Eleazar nicht haengen.

 



 

Warnung – Malaysias Premier Mahathir Mohamad warnte gestern Praesident Duterte, er solle nicht zu viel Auslaender ins Land holen, das koenne das “politische Gleichbgewicht stoeren”. Seit der Wahl 2016 sind 200 Tsd Chinesen ins Land gekommen. Duterte will da nicht viel unternehmen, denn in Hong Kong arbeiten gleich viele Filipinos als Helfer im Haushalt.

In einem Interview warnte Mahathir auch vor Chinas “dept trap diplomacy”. Hiesige Politiker meinen, dass sie da aufpassen und nichts geschehen koenne. Die Londoner Denkfabrik Capital Economics warnt aber, dass bei den gegebenen Korruptions-Problemen und den chinesischen Infra-Strukur-Projekten man sich “bereits einer unhaltbaren Ebene” chinesischer Investitionen naehere, “die Probleme verschlimmern koennten.” Das ist eine Meinung. Wie das so ist gibt es andere. Ernesto Braam, ein Analyst der Botschaft der Niederlande in Singapur, sieht das nicht so, wie ich in einem Artikel in der “Times” mit dem Titel “PH won’t fall into dept trap” heute lese. Er haelt die philippinische Wirtschaft fuer stark genug das zu stemmen.

Ich kann das nicht beurteilen. Ich sehe nur an dem Streit Huawei vs USA, an dem EU-Sponsoring des kommunistischen Terrors hierzulande, an dem Handels-Krieg USA vs China, dass Kriege weniger an den Grenzen als innerhalb eines Landes ausgetragen werden, und dass es an den Grenzen um Geld- und Warenstroeme geht, mit denen Laender versuchen, sich ueber Wasser zu halten oder anderen eben das Wasser abzugraben. Interessante Zeiten kommen auf uns zu.

Die derzeit spannendste Frage duerfte dabei sein, ob ein US-Gericht in Sachen Huawei vs USA sich traut, den USA vorzuwerfen, dass sie bei der Verhaftung der Finanzchefin Meng Wanzhou von Huawei nicht ordnungsgemaesz vorgegangen seien, dass es nicht korrekt ist, bei den Sanktionen gegen Huawei in Person des US-Kongresses zugleich Anklaeger, Richter und Vollstrecker zu sein. Nehmen wir mal an, ein Richter traut sich das, wer in den USA sollte das Urteil gegen die USA vollstrecken? Das wird spannender als jede Seifenoper.

 



 

Saysay sa adlaw – Lalaki misukol sa polis, priso.

lalaki Mann, sukol sich wehren, widersetzen + mi… Vgh/Ggw misukol widersetzt, wehrt sich, sa gegen, polis ~ pulis Polizei, priso Haeftling, einsperren

Satz des Tages – Mann widersetzt sich der Polizei, eingesperrt.

 



 

Gemaesz “ManilaTimes”, “PhilStar”, “ManilaBulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.