…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 07. März 2019

(zum Bild: Premier Mahathir Mohamad in Manila)

 

Hoher Besuch – Den “Manila”-Blaettern ist es keine Schlagzeile wert. Es gibt eine kurze Notiz der “PNA” und eine Meldung der “dpa”, die ich in der “Straits Times” fand: Der malaysische Premier Mahathir Mohamad kam gestern abend zu einem Besuch ins Land. Dazu heiszt es: “Von Mr. Duterte und Tun Mahathir wird erwartet, dass sie Wege zur Festigung des Friendens-Prozesses in der suedlichen Region von Mindanao diskutieren, nachdem ein Gesetz eine neue autonome Einheit schuf, die kuerzlich in einem Plebiszit ratifiziert wurde. Dr. Mahathir war immer ein ueberzeugter Unterstuetzer des Friedens-Prozesses in Mindanao; Malaysia diente als Vermittler in den Verhandlungen zwischen philippinischer Regierung und Muslim-Rebellen.

Sonst weisz man im Ausland auch nichts Neues. Die “South China Morning Post” uebernimmt einen Rufmord-Artikel der “Washington Post”, der sich mit einer Leiche befasst, die im Januar im Pasig-River gefunden wurde. Die uebliche Hetze gegen Dutertes Kampf gegen Drogen schlieszt mit dem Zitat eines Einwohners der Gegend zu einer Bruecke, unter der oefter Leichen gefunden wurden: “Extrajudicial killings always happen under this bridge … this is Manila.” Gut, dass die Amerikaner das jetzt wissen, dafuer hat der Verfasser es an den Schluss gestellt. Das bleibt haengen, auch wenn der Artikel in einem unscheinbaren Nebensatz zuvor anmerkt, dass die Rate der Morde in den Philippinen “gut unter der von den gefaehrlichsten Plaetzen der Welt in Sued-Amerika und den Vereinigten Staaten liegt.” Warum dann diese ausgewaehlte Aufmerksamkeit fuer die Philippinen unter Duterte?

 



 

Wahlkampf – Ende April 2016 war der Wahlkampf hier in vollem Gange, und da fragte mich eine Bekannte, wen von den Kandidaten ich denn waehlen wuerde. Ich antwortete damals: “Von denen keinen!” Das hatte einen einfachen Grund. Fuer Politik hatte ich mich bis dahin nicht interessiert, das begann erst mit der Wahl Dutertes in jenem Jahr, und was ich im TV mitbekam, war eher abstoszend. Heuer wird kein Praesident gewaehlt, doch vielleicht gerade deshalb wird die Wahl als Plebiszit zur Politik von Praesident Rodrigo Roa Duterte gesehen.

Wahlen unterscheiden sich von deutschen Wahlen wesentlich dadurch, dass es hier keine Parteien im politischen Sinne gibt. Es sind Soeldner-Heere, die sich hinter einem Namen versammeln, von dem sie sich am meisten versprechen. Man beachte: ich habe nicht gesagt, wer am meisten verspricht, sondern, von dem man sich etwas verspricht. Es geht um Kick-Backs. Bar auf die Kralle ist nicht mehr so angesagt, aber wenn man erst auf einen Beifahrer-Sitz gekrabbelt ist, kann man ja sehen, was sich da mitnehmen laesst.

Populaer ist das Team fuer den Senat, das Sara Duterte Carpio ins Rennen schickt. Viele sehen in ihr die naechste Praesidentin, und da will man gern dabei sein, und so hat sie auch vielversprechende Kandidaten. Die Opposition sieht nicht so gut aus. Einen herausragenden Namen gibt es da nicht, und wen ich von denen kenne, wuerde ich gern ueberall sehen, nur nicht im Senat. Mein “Von denen keinen!” beziehe ich momentan auf die Opposition, und so will ich hier mal die zu Wort kommen lassen, die das etwas anders sehen.

 



 

Yen Makabenta liesz sich am Dienstag in seiner Kolumne in “The Manila Times” darueber aus, dass weder Regierung noch Opposition mit einer “coherent message ~ nachvollziehbaren Aussage” ins Rennen gehen. Er haelt das fuer uanbdingbar und zitiert Autoren politischer Buecher. Ich kenn die nicht, aber ich nehme an, dass die eine Menge Ahnung haben. Lobend erwaehnt Makabenta dabei Margaret Thatchers Gedanken zur “conviction politics ~ Ueberzeugungs-Politik” und meint: “Sie war eine einzigartige Fuehrerin, die erfolgreich starke Ueberzeugungen mit Politik und Regierung verband.” Nun, das kann man so oder so sehen. In Erinnerung ist mehr ihr Satz “I want my money back”, mit dem sie eine Britenrabatt der EU-Beitraege erreichte – Helmut Kohl fuerchtete sie nach eigener Aussage “wie der Teufel das Weihwasser” – von wo aus man eine ziemlich gerade Linie zum Brexit ziehen kann. Ob das nachahmenswerte Politik ist, kann ich nicht beurteilen. Ich meine, dass feste Ueberzeugungen nur ein beschraenktes Haltbarkeitsdatum haben, und in dem Zusammenhang zitiere ich einen Spruch des Schauspielers Anthony Hopkins, auf den mich ein Freund kuerzlich aufmerksam machte: “Keiner von uns kommt lebend hier raus. Also hoert auf euch wie ein Andenken zu behandeln. Esst leckeres Essen. Spaziert in der Sonne. Springt ins Meer. Sagt die Wahrheit und tragt euer Herz auf der Zunge. Seid albern. Seid freundlich. Seid komisch. Fuer nichts anderes ist Zeit.

Leila de Lima aeuszerte sich gestern zu Dutertes Kritik an den Kandidaten der Opposition, die er bei einer Rede einzeln durch den Kakao zog und sich ueber ihre Qualifikation lustig machte. Sie sagte, die von der Opposition gewuenschte Debatte mit den Kandidaten der Regierung aufgreifend: “Da gibt es einen sicheren Weg um Dutertes Angeberei zu beweisen oder zu widerlegen, eine live im Fernsehen uebertragene Debatte zwischen seinen Favoriten Bong Go und Tolentino und irgendjemandem der Otso Diretso-Kandidaten, … Das einzige Problem ist, Dutertes Favoriten sind zufrieden, sich unter seinem Rock zu verstecken, zu aengstlich sich in irgendeiner Debatte mit ihren Opponenten zu stellen.” Tja, das ist nun mal das Problem. Die Regierungs-Kandidaten haben keine Lust, die unbekannten bis verrufenen Kandidaten der Opposition in das Scheinwerferlicht zu holen, das die so jaemmerlich vermissen. Und da faellt mir aus Bertolt Brechts “Dreigroschenoper” die Moritat von Mackie Messer ein, in der es heiszt: “Denn die einen sind im Dunkeln / Und die andern sind im Licht. / Und man siehet die im Lichte / Die im Dunkeln sieht man nicht.

Socrates Villegas, Erzbischof von Lingayen-Dagupan, ehemaliger Vorsitzender der Katholischen Bischofs-Konferenz der Philippinen, hat sich auch zur Wahl geaeuszert. Er bejammerte schon einmal in einem imaginaeren Brief an den verstorbenen Kardinal Sin, Adresse vermutlich im Himmel, dass Dutertes Mord-Politik das Bild der unblutigen EDSA-Revolution beschmutzt. Darauf gab ihm Sara Duterte Carpio eine gepfefferte Antwort, die ihn mit ihrem Vater verglich und mit den Worten schlosz: “Aber du bist wirklich, irrsinnig und zutiefst schlechter als hundert Praesidenten Duterte.”  Dieser unweise Socrates hat ein Video mit Dutertes Tiraden gegen die Kirche in seine Facebook-Seite eingestellt, und am Ende des Videos fragt er scheinheilig: “Meine lieben Brueder und Schwestern, wollt ihr Gott betruegen, wollt ihr euren Glauben verleugnen durch eure Stimme.” Ich wollte mir die Facebook-Seite mal ansehen, wieviel Abonnenten er hat. Es gibt eine Reihe Profile, die von sich behaupten Erzbischof Socrates Villegas zu sein. Aber auf keiner fand ich ein Video mit Dutertes Tiraden. Tja, sagte ich mir – “lost in the world wide web”, wozu mir dann wieder die Textzeile einfiel “Voellig losgeloest / Von der Erde…

 



 

Saysay sa adlaw – Tuo-tuo lang nga naay aswang diri. 

Tuo-tuo lang nga… – tuo Glaube, tuo-tuo Aberglaube, lang nur, nga Verbinder ~ Es ist nur Aberglaube, dass…

…naay aswang diri. – naay ~ anaa ang es gibt der, die das, aswang (das sind kleine gemeine Kobolde, die einem Boeses tun – sagt man), diri hier ~ …dass es hier einen Aswang gibt.

Satz des Tages – Es ist blosz Aberglaube, dass es hier einen Aswang gibt.

 



 

Gemaesz “StraitsTimes”, “PNA”, “SCMP”, “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.