…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 05. März 2019

(zum Bild: Die Kandidaten von Otso Diretso.)

 

Eine notwendige Fortsetzung – Manchmal, wenn man etwas geschrieben hat und man schaut es sich wieder an, hat man das Gefuehl, da fehlt was, und das will raus. So ging es mir mit meinem gestrigen Beitrag, und das will ich heute zu Ende bringen.

Michael Tomasello beschreibt in seinem Buch „Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens“ ausgehend von Untersuchungen mit Affen und Kindern, was am Menschen nachvollziehbar anders ist als beim Tier. Dabei kam er auf eine menschliche Eigenart, den Artgenossen als ebenfalls wollendes Wesen wie sich selbst zu verstehen. Der hat auch einen Willen, und um herauszufinden, was er will, muss man dessen Aufmerksamkeit verfolgen. Diese Fertigkeit beginnt, wenn Kinder ungefaehr neun Monate alt sind. Relativ schnell lernen sie dann, die Aufmerksamkeit der Erwachsenen zu pruefen, zu verfolgen, worauf die achten, und dann selbst die Aufmerksamkeit der Erwachsenen auf etwas zu lenken, was sie moechten. Diese Fertigkeiten finden sich bei Affen nicht, auch nicht, wenn die von Menschen groszgezogen wurden.

Und damit bin ich bei dem, was ich gestern schrieb: Sprache ist dazu da, die Gedanken des Zuhoerers zu fuehren und zwar moeglichst an den Punkt, von dem aus der Zuhoerer genau das sieht, was der Redner ihn sehen machen will. Reden und Zuhoeren ist ein gemeinsamer Spaziergang im Kopf zur Fuehrung der Aufmerksamkeit. Man beschreibt nicht etwas, was der Hoerende als Information nimmt. Das erklaerte mir ein Bibliothekar aus Bonn, den ich vor Jahren mal bei Herausgabe einer gemeinsamen Zeitschrift kennengelernt hatte.

Schreibe nicht, dass der Mann alt ist“, riet er mir, „lass ihn aechzen, wenn er aufsteht, und zur Tuer schlurfen. Dann sieht der Leser, dass er alt ist.

 



 

Man knallt dem anderen keine Information vor den Kopf, man laedt zum “gemeinsamen Gedankengang” ein und kann dabei den anderen “sehen machen”. Dazu sind nur Menschen faehig, weil nur sie den Artgenossen als ein auch wollendes Wesen wie sich selbst verstehen. Und das loeste mir die Frage, mit der ich mal in die Philosophie aufgebrochen war: was geschieht in meinem Kopf, wenn ich etwas verstehe? Es ist ganz einfach: eine Geschichte zeigt mir einen Weg, wie ich dahin komme. Und so endet alles, was wir verstehen, immer bei Geschichten, die unsere Aufmerksamkeit wie bei einem Spaziergang auf das lenken, was wir sehen wollten oder sollten und so auch “verstanden haben”, was nichts heiszt, als dass wir jetzt wissen, wie man dahinkommt.

All die komplizierten Theorien der Erkenntnistheorie kann man vergessen. Es geht nur um ein paar Wege im Kopf, die sich durch Geschichten erschlieszen. Und weil das so einfach ist, versteht sich auch, dass alle Menschen das koennen, einfach so. Sie muessen nicht Philosophie studieren – ganz im Gegenteil.

Von daher versteht sich auch, dass Praesident Rodrigo Roa Duterte bei den Menschen ankommt. Er kennt die Geschichten, auf die sie ansprechen, und Kritiker, die mit Menschenrechten, Demokratie und anderen Gedankengebilden kommen, haben da das Nachsehen. Es ist Wahlkampf, und die Oppositions-Plattform “Otso Diretso” will eine Diskussion mit den regierungs-nahen Kandidaten, damit der Waehler sehen kann, was denn zur Wahl steht. Sie wollen die Politik Dutertes kaputtreden, das weisz jeder, und so lassen sich die regierungs-nahen Kandidaten nicht darauf ein. Im Gegenteil, sie verspotten “Otso Diretso”. Am Sonntag Abend in Zamboanga sagte Duterte: “Otso Diretso to hell”, und ein Kommentar zu einem Artikel darueber im “Daily Tribune” meint: “Otso Diretso sa basura” – “basura” heiszt Muell.

Ich weisz, jetzt kommen die Einwaende Populismus, Simplifizierung, hoehere Werte, das Grosze Ganze – dieser ganze Gedankenmuell, der die Sicht darauf versperrt, dass es bei der Wahl im Mai nur darauf ankommt, die Mehrheit der Menschen dazu zu bringen, fuer sich selbst und nicht fuer die anderen zu stimmen. Am Ende ist alles ganz einfach, sogar in der Demokratie.

 



 

Saysay sa adlaw – Pastilan, dili ka magtagad anang mga tsismis.

Pastilan… – herrjeh!, ach du meine Guete!…

…dili ka magtagad anang mga tsismis. – dili nicht, nein, ka kurz fuer ikaw du, tagad auf etwas achten + Vorsilbe mag Zukunft/Moeglichkeit magtagad wird, kann auf etwas achten, anang ~ kana nga jenes + Verbinder, mga Plural, tsismis Geruecht ~ kuemmer dich nicht um die Geruechte.

Satz des Tages – Herrjeh, kuemmer dich nicht um die Geruechte.

 



 

Gemaesz “ManilaTimes”, “DailyTribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.