…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 01. März 2019

(zum Bild: Präsident Rodrigo Duterte erklärt sein Veto)

 

Veto – Da Praesident Rodrigo Roa Duterte Regierungs-Chef und Staatsoberhaupt ist, wird ein Gesetz erst wirksam, wenn er es unterschrieben hat – womit er praktisch ein Veto-Recht hat. Das koennte zwar per Zwei-Drittel-Mehrheit im Haus plus Zwei-Drittel-Mehrheit im Senat ueberstimmt werden, was bei gegebenen Mehrheiten jedoch eher Theorie ist. Auch muss er sein Veto binnen 30 Tagen einlegen und begruenden, worueber der Kongress dann zu beraten hat, sonst braucht es seine Unterschrift nicht (Verfassung von 1987, Article VI, Section 27, (1)).

Sein Veto hat der Praesident nun gegen das von der Abgeordneten Bernadette Herrera-Dy eingebrachte Gesetz eingelegt, das die koerperliche Bestrafung von Kindern daheim, in der Schule oder wo auch immer verbietet. Er begruendet das so:

Ich glaube genau wie der Kongress, dass jedes Kind vor demuetigenden Formen der Bestrafung zu schuetzen ist. Das ist ein gesunder Grundsatz der Gesetzgebung. Jedoch bin ich sehr betroffen, dass das Gesetz sehr viel weiter geht als dieser Grundsatz, weil es alle Formen der koerperlichen Strafe aechtet, seien sie demuetigend oder nicht, einschlieszlich derer, die im Haus der Familie stattfinden. Ich teile eine solch ueberbordende Verdammung der Praxis nicht. … Ohne jede Unterscheidung wuerde das Gesetz es der Regierung gestatten in die Privatsphaere der Familie einzugreifen, und Masznahmen autorisieren um koerperliche Strafe zu unterdruecken, unberuecksichtigt, wie sorgsam sie gehandhabt werden.

 



 

Er findet, dass kulturelle Trends anderer Laender nicht notwendig den Philippinen dienlich sind: “Unkritisch der Fuehrung dieser Laender zu folgen, besonders in so spezifischen Dingen wie der Familie, waere eine grosze Missleistung gegenueber den folgenden Generationen.

Ich sehe bei Duterte da einen Zusammenhang mit dem Mindestalter der Verantwortung eigener Taten, die Ende Januar diskutiert wurde. Mit dem Alter von 12 Jahren endet das “Gewaltmonopol” der Eltern (wenn das Gesetz durchkommt). Bis dahin tragen die Eltern volle Verantwortung fuer die Kinder, und diesen Bereich der Familie will Duterte schuetzen. Das Argument der funktionierenden Familie taucht in seinen Reden immer wieder auf, besonders wenn die durch einen Shabu-Suechtigen zu einer “dis-funktionalen Familie” wird. Da hat der Staat den Eltern nicht reinzureden, da ja auch die Verfassung die Familie schuetzt, worauf er groszen Wert legt. Mit 12 Jahren beginnt die Abnabelung von der Familie, die mit Volljaehrigkeit im Alter von 18 Jahren abgeschlossen ist. Diese Zeit wird bei Straffaelligkeit von den “Bahay Pag-asa ~ Haus der Hoffnung” abgedeckt, in der die Bestrafung noch nicht in den Strafvollzug fuehrt, sondern in “milderer Form” von der Gesellschaft uebernommen wird. Man beruecksichtigt die Jugend des Betroffenen, aber “das wird nicht mehr in der Familie geregelt”. Das Gewaltmonopol der Eltern klingt da aus.

Man kann nun nicht mit dem Argument kommen, dass die Eltern dann ja “tun koennen, was sie wollen”. Koennen und duerfen sie nicht. Gesetze gegen Misshandlung gibt es bereits. Ich erinnere da einen Fall in GenSan, den ich aus Artikeln der “Brigada” kenne, eine Boulevard-Zeitung in Visayan hier in Mindanao. Ein Vater, mit dem Kind allein, wollte Saufen. Also bindet er das Kind im Haus an und zieht los. Nachbarn werden mit der Zeit auf das laute Geschrei in der Huette aufmerksam, schauen durch die Ritzen. Das Kind liegt voll Mueckenstiche am Boden und Ameisen krabbeln auf ihm herum. Das war ein Fall fuer das DSWD (Department of Social Welfare and Development), das da eingriff.

 



 

Man kann nicht tun, was man will. Und das erinnert mich an ein anderes Erlebnis, bei dem es um die andere Grenze geht, die zur Volljaehrigkeit. Im Netz macht der Hilferuf eines gescheiterten Deutschen grad die Runde. Ich hab auch mal aus lauter Mitleid einem Deutschen geholfen. Auf die 7 Tsd Peso warte ich nicht mehr, die zurueck zu geben er versprochen hat. Ich habe die verschmerzt, doch mich aergert, dass er eine Filipina in 50 Tsd Peso Schulden gestuerzt hat, weil die ihn unterhalten und in die Kasse der Apotheke gegriffen hat, die sie verwaltete. Und was war? Dem Kerl war nicht die Kreditkarte gestohlen worden (1. Version), er hatte sie auch nicht in Deutschland vergessen (2. Version), sondern – wie ich erst erfuhr, als er wieder in Deutschland war und die angeschmierte Filipina meiner Frau ihr Leid klagte – der Kerl lebte in Scheidung, muss Unterhalt fuer ein Kind aus der Ehe zahlen, lebt mit einer Frau aus der Karibik zusammen, die er nach Deutschland gelockt hat, die hat seine Kreditkarte einbehalten (3. Version), weil sie weisz, was fuer ein Vogel er ist. Der Kerl hatte seine Arbeit verloren, weil Rumaenen billigere Fleischer sind, reiszt sich per Facebook eine Filipina auf, laesst sich aushalten, bis die in Schulden ersaeuft und er zurueck muss zu seinem Karibik-Liebchen.

Dies und andere Erlebnisse fuehrten dazu, dass ich mich von Deutschen hier fernhalte, und da komme ich auf den Fall zurueck, der grad im Netz diskutiert wird und auf die Volljaehrigkeit – wer alt genug ist auszuwandern, der ist auch alt genug zu scheitern. Und von daher finde ich die Linien nachvollziehbar, die Duterte bezueglich des Gewalt-Monopols zieht: Kinder (bis 12) – Familie, Jugendliche (bis 18) – DSWD und “Bahay Pag-asa” – Erwachsene – Straf-Gesetzbuch und -Vollzug.

Das Veto des Praesidenten fand seinen Niederschlag im Ausland. “The Straits Times” uebernimmt eine “Agence France-Press”-Meldung mit der Ueberschrift “Philippinens Duterte unterstuetzt Kinder-Versohlen”. Der Artikel bringt ausfuehrlich die Meinung von Richard Dy, Sprecher von Child Rights Network, wobei mir mal wieder auffaellt, dass die Autorin des Gesetzes Bernadette Herrera-Dy ist, Abgeordnete der Bagong Henerasyon (Neue Generation) Party-List. Der gemeinsame Nachname Dy koennte eine eheliche Verbindung andeuten. Ist Frau Herrera-Dy die Lobby des Child Rights Network im Haus? Dann verstuende ich, wie “kulturelle Trends anderer Laender” hier in die Gesetzgebung gelangen. Nach dem Menschenrechts-Gedusel kommt nun das Kinderrechts-Gedusel, da fehlt dann nur noch das Tierrecht fuer Straszenhunde.

 



 

Das schwarze Loch – Das Team der Opposition fuer die Wahl in den Senat, “Otso Diretso” hadert mit der Weigerung der “Hugpong ng Pagbabago” (Allianz fuer den Wechsel) mit ihnen oeffentlich zu diskutieren. Die waren einer Einladung der “Otso Diretso” zu einer solchen Diskussion auf der Plaza Miranda nicht gefolgt. Deren Fuehrerin, Sara Duterte Carpio, lehnt es ab, auf diesen “palengke-style” einzugehen. Nun geht “Otso Diretso” die Comelec an, sie moege eine Diskussion organisieren, weil Duterte-Carpio auch gesagt hatte, sie moegen einen “unabhaengigen Organisatoren” finden.

Dennoch hat Inday Sara keine Lust auf eine solche Begegnung: “Wenn die von Hugpong unterstuetzten Kandidaten die Sonne sind, und Hugpong ng Pagbabago ist der Mond, dann sind die ein schwarzes Loch. Sehr niederdrueckend, dunkel und sehr unorganisiert. … Ich wollte ihnen helfen, doch dann entschied ich mich, mein Licht nicht mehr mit ihnen zu teilen.

Daraus spricht ein gesundes Selbstbewusstsein, und sie hat Recht. Die Agenda, welche “Otso Diretso” fuer die Debatte vorschlaegt dreht sich nur um die Vorwuerfe, die gegen Praesident Duterte seit seiner Wahl vorgebracht werden – fremdes Eindringen in unsere Gewaesser, sprich: South China Sea-Politik, die Steuer-Gesetzgebung und die Gegen-die-Armen-Politik, die alarmierende Zahl ungeklaerter Morde im Land und so weiter und so weiter.

Die Opposition hat kein Programm, sie will Duterte madig machen und damit punkten, und weil das hier niemanden aus dem Haus holt, wollen sie Inday Sara auf die Buehne holen, um etwas von ihrem Licht abzukriegen. Das laesst Inday Sara nicht mit sich machen, die Frau weisz was sie will – und was nicht. Diese Weigerung versucht “Otso Diretso” nun seinerseits als undemokratische Haltung der “Hugpong ng Pagbabago”  zu verkaufen, wie ja alles, was mit Duterte zu tun hat, immer gleich “undemokratisch”, also ”diktatorisch” ist. “CNNPhil” berichtete gestern ausfuehrlich in Pia Hontiveros “News Night” zu dieser Weigerung zu demokratischer Auseinandersetzung. Dahinter steckt ein grobes Missverstaendnis der Meinungs-Freiheit: das Recht auf freie Rede des einen beinhaltet nicht den Zwang, dass der andere sich das anhoeren muss.

 



 

Saysay sa adlaw – “Maoy gihatag sa Ginoo sa ako. Bastos og baba. [laughter] Eh wa na koy mahimo diha eh. Gikan mi sa – taga-Danao mi, 1948. [cheers] Naay mga bigaon, hilom diha. [laughter, cheers, and applause] Istorya ko, paminaw gani. [laughter]” (Duterte)

Maoy gihatag sa Ginoo sa ako. – maoy ~ mao ang (das ang kann als angehaengt werden) mao dies ist ang der, die, das maoy dies ist das, hatag geben + Vorsilbe gi Gegenwart/Vergangenheit Passiv gihatag wurde gegeben, sa von, Ginoo Gott (hoert man meist als Ginoo ko! Mein Gott!), sa an, ako ich ~ Das ist was Gott mir gegeben hat.

Bastos og baba. – bastos unanstaendig, versaut (span.), og ein, unbestimmter Artikel, baba Mund ~ Einen versauten Mund.

Eh wa na koy mahimo diha eh. – eh Floskel wie ey, wa kurz fuer wala nichts, kein, na kurz fuer kana dies, koy ~ ako ang ich das, himo tun, machen + Vorsilbe ma Zukunft, Moeglichkeit mahimo wird, kann machen, diha da, dort ~ Ey, da kann ich nichts dran machen, ey.

Gikan mi sa… – gikan von her, mi kurz fuer kami exklusives wir (ohne euch), sa von ~ wir kommen von…

…taga-Danao mi – taga als Vorsilbe bedeutet Herkunft (taga-GenSan gebuertig aus GenSan), mi wir ~ …wir sind aus Danao (Cebu)

Naay mga bigaon, hilom diha. – naay ~ anaa ang es gibt der, die das, mga Plural, biga ein sexuelles Beduerfnis haben + Nachsilbe on bildet Substantiv mga bigaon Luestlinge, hilom Ruhe, diha da ~ Da sind viele Luestlinge, Ruhe da.

Istorya ko, paminaw gani. – istorya (oder estorya, i oder ist mundartlich) erzaehlen, ko ich, minaw zuhoeren + Vorsilbe pa Imperativ paminaw hoert zu!, gani eigentlich ~ Wenn ich rede, hoert gefaelligst zu.

Satz des Tages – “Das ist was Gott mir gegeben hat, den versauten Mund. [Gelaechter] Ey, da kann ich nichts dran machen, ey. Wir kommen von – wir sind aus Danao, 1948. [Jubel] Da sind viele Luestlinge, Ruhe da. [Gelaechter, Jubel und Applaus] Wenn ich rede, hoert gefaelligst zu. [Gelaechter]”

(Praesident Duterte erklaert in der Visayan-Rede am 24. Februar in Cebu, warum er so ist, wie er ist. Das Gute an den “PCOO”-Transkripten ist, dass sie auch die Reaktion des Publikums wiedergeben – bei seinen Landsleuten kommt die Sprache an.)

 



 

Gemaesz “DailyTribune”, “PhilStar”, “StraitsTimes” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.