…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 27. Februar2019

(zum Bild: Nur Misuari und Präsident Rodrigo Duterte im Gespräch)

 

Nur Misuari – Das ausstehende Gespraech von Praesident Rodrigo Roa Duterte und Nur Misuari fand Montag Abend statt. Es war kurz, und viel mehr weisz man nicht. Man weisz aber, dass Misuari heute in die UAE (United Arab Emirates) fliegt zu einer Konferenz des OIC (Organization of Islamic Cooperation) und dann im Maerz nach Marokko zur Parlamentarian Union der OIC-Mitglieder.

Da ein Verfahren wegen Schiebung aus seiner Zeit als Gouverneuer der ARMM (Autonomous Region in Muslim Mindanao) gegen ihn laeuft, musste er nur 920 Tsd Peso Kaution hinterlegen, weil Duterte sich fuer ihn stark gemacht und empfohlen hatte, die Ausreise zu gestatten. Er wies Polizei und Militaer an, ihn reisen zu lassen, der kaeme wieder.

In dem Zusammenhang kam Duterte auf die Umbenennung der Philippinen in “Maharlika” zu sprechen, was Ferdinand Marcos schon einmal vorgeschlagen hatte. Duterte sagte ueber Misuari: “Er ist ein Tausug [Mensch der Stroemung]. Er wuerde sich selbst wohl nicht als richtiger Filipino betrachten, weil das der Name eines spanischen Koenigs ist, Philip, Philippinen, und das akzeptieren die Moros nicht. Glaubt mir.” Zu dem Namen “Maharlika” sagt der Sprecher des Praesidenten, Salvador Panelo, dies bedeute “koeniglich”. Die Maharlika waren in vor-kolonialer Zeit die Klasse der Krieger, weisz die “Wikipedia”, die zwar gleiche Rechte und Pflichten in der Tagalog-Gesellschaft hatten wie der Adel, diesem aber nicht angehoerten.

Ob “koeniglich” oder “kriegerisch” duerfte vorerst von nachrangiger Bedeutung sein. Wichtiger ist Panelos Anmerkung zu dem Treffen der beiden am Montag: “Was letzte Nacht bekannt wurde, war dass der Praesident dem Vorsitzenden [der MNLF, Misuari] sagte, dass er dessen Geduld bewundere, und er entschuldigte sich, dass welche Vereinbarungen auch immer sie zuvor hatten bezueglich des Foederalismus, dies nicht umgesetzt zu haben.” Die meiste Zeit habe der Praesident gesprochen, er sei aber nicht auf die Rangelei um die BTA (Bangsamoro Transition Authority) eingegangen (siehe gestern).

 



 

Mehr wurde von dem Gespraech vorerst nicht bekannt, doch ist mir von Bedeutung, dass Duterte um’s Verrecken keinen Krieg in oder um Sulu haben will, sich aber auch nicht damit zufrieden gibt, nur die MILF (Moro Islamic Liberation Front) fuer sich zu gewinnen, die von Misuari und seiner MNLF (Moro National Liberation Front) als Verraeter betrachtet werden. Ein “Sulu-Loch” in Bangsamoro wuerde die Friedens-Bemuehungen in Frage stellen, und so versucht Duterte gut Wetter zu machen. Deshalb die erneute Einladung an Misuari, sich in Bangsamoro zu engagieren: “Ich hab’s doch schon mal gesagt, komm und mach mit!

Man weisz, dass Misuari lieber eine foederalistische Verfassung statt des Sonderstatus von Bangsamoro haben moechte. Holt er nun bei der OIC taktische Weisungen ein, wenn er in die UAE und nach Marokko fliegt? Die Politik der Philippinen wird nicht nur in Peking und Washington gemacht; im globalen Dorf hat jeder mit jedem zu tun. Einen Hinweis gab es von Praesident Duterte, als er gestern Nacht im Manila Hotel sprach und meinte, Misuari sei bereit mit ihm zu reden und warte auf seine Entscheidung, wenn er zurueck ist. Duterte: “Ich meine, es ist Zeit einen neuen Vertrag mit der MNLF zu zimmern.

Also ist die Sache voellig offen, als waere das BOL (Bangsamoro Organic Law) an der MNLF glatt vorbeigegangen. In dem Zusammenhang ging mir gestern um 6 Pia Hontiveros in ihrer “News Night” bei “CNNPhil” mal wieder auf den Keks, als sie telefonisch aus Salvador Panelo Informationen gegen Duterte herausholen wollte, wie der zur Kirche und zu Nur Misuari stuende und woher der wisse, dass das angeschwemmte Kokain an der Pazifik-Kueste von einem Drogen-Kartell aus Kolumbien kommt. Panelo hat sich den Mund fusselig geredet, ohne verstanden zu werden. Pia Hontiveros ist genauso begriffstutzig wie ihre Schwester, Senatorin Risa Hontiveros, und manchmal habe ich den Eindruck, diese TV-Damen halten Quengeln fuer investigativen Journalismus. “CNNPhil” folgt der Linie von “CNN”. So wie “CNN” in den USA Opposition gegen Donald Trump macht, so stellt sich “CNNPhil” gegen Rodrigo Duterte. Das spricht fuer die Pressefeiheit in diesem Land, aber es werden immer weniger Sender, die ich anschauen kann, ohne dass sich mir die Fusznaegel aufrollen.

 



 

Inday Sara – Zu beachten sind fuer Duterte nicht nur auslaendische Ruecksichten, da gibt es noch eine Macht, die ihm naeher steht: seine Tochter Sara Duterte Carpio, “Inday Sara”, die Buergermeisterin von Davao. Bei seiner Rede am Montag vor der Liga der Barangays in Pasay City sagte er, er kontrolliere seine Tochter nicht, koenne das auch gar nicht: “Auch in der Politik. Sie orchestriert alles, ich nicht mehr. Sie ignoriert mich praktisch. … Ich wusste das nicht, bis zu dem Tag der SONA [State of the Nation Address]…”, als sie im Verbund mit Imee Marcos und Gloria Macapagal Arroyo den Sprecher Pantaleon Alvarez stuerzte und ihren Vater kalt erwischte, der mit seiner Rede warten musste, bis dieses Polit-Drama ueber die Buehne gegangen war. “Doch jetzt uebernimmt Inday die Fuehrung. Inday kontrolliert die [politischen Entscheidungen]. Ich bin erledigt. Ich weisz, dass ich nach drei Jahren gehen kann. Ich werde es nicht laenger tun koennen, und ihr koennt Inday auch nicht sagen, was sie tun soll.

Harry Roque, vormals Sprecher des Praesidenten, sagte einst, man duerfe den Praesidenten niemals woertlich, aber man solle ihn immer ernst nehmen. Und ueber Inday Sara ist schon viel geredet worden, auch vom jetzigen Sprecher Salvador Panelo, der kuerzlich meinte: “Ich ware nicht erstaunt, wenn sie nach ihrem Vater Praesident dieses Landes wird.” Da passt auch der Kommentar der Duterte-Kritikerin Ellen Tordesillas, die zum Spruch eines Kolumnisten Stellung nahm, der ueber Sara sagte, sie sei Dutertes Verlaengerung der Amtszeit. Hierzu Tordessillas: “Man muss die Verfassung nicht aendern, um Duterte zu erlauben nach 2022 an der Macht zu bleiben. Saras Nachfolge in Malacañang versichert Duterte, dass der International Criminal Court [ICC] nicht in’s Land kaeme, um ihn zu verhaften, wenn der Fall dieses Stadium erreicht. Er muesste nicht fuer die ‘extra-judicial killings’ Rede stehen, die ihm zugeschrieben werden. Sara als naechste Praesidentin wuerde auch die Unterdrueckung des Anti-Money Launderung Council und des Ombudsmannes fortsetzen, sodass Dutertes unerklaerter Reichtum un-untersucht bliebe.

 



 

Panelo wies darauf hin, dass Tordesillas Senator Antonio Trillanes bewundert. Mir faellt auf, dass der ICC keine Polizei hat, er ist auf die Mitarbeit der Mitglieds-Laender angewiesen. Er muesste also die PNP (Philippine National Police) bitten, Duterte zu verhaften – falls die Philippinen dann noch Mitgleid sind. Sonst kann der ICC sich den Haftbefehl auf’s Klo haengen, egal, wer hier Praesident ist.

Doch will ich nicht zu weit abschweifen. Auch wenn ich Dutertes Rede nicht woertlich nehme und ihm sehr wohl zutraue, seine Linie bis 2022 zu verfolgen, das Bild der kommenden Sara draengt sich immer mehr nicht nur mir, sondern auch vielen anderen auf. Sie wehrte sich dagegen, und will sich erst 2021 dazu aeuszern, doch will sie dann sagen – “Atik-atik lang! War nur Spasz!”?

Kaum. So wie Inday Sara mit dem Coup bei der SONA loslegte, ihre eigene Partei “Hugpong ng Pagbabago” gruendete und nun Kandidaten wie Cynthia Villar, “Bong” Go und Imee Marcos ins Senatoren-Rennen schickt, kann sie 2022 nicht kneifen. Und mir faellt niemand ein, der dagegen halten koennte, wenn schon Duterte einen Bammel vor ihr hat.

 



 

Mensch Duterte – Ich habe die Rede in Pasay City live im TV gesehen, “PTV” war wie immer dabei. Duterte war nicht in Form, hatte wohl Schnupfen. Er sah geschlaucht aus, immer wieder holte er das Taschentuch raus und wischte sich die Nase. Es war die uebliche Rede. Ich glaub, wenn ich die die naechsten drei Jahre noch oefter sehe, verstehe ich sogar Duterte-Tagalog. Im Moment muss ich noch das Transkript von “PCOO” lesen, war diesmal 29 Seiten lang. Er hat ueber eine Stunde geredet. Meine Frau lief ab und zu durch’s Zimmer und wunderte sich, warum ich mir das antue. Seit Duterte sich mit der Kirche anlegt und ueber Gott lustig macht, hat er bei ihr verschissen, auch wenn sie ansonsten fuer seine Politik ist. Ich frag mich, warum er sich das antut. Und er kam gleich am Anfang auf Inday Sara: “Ich kontrolliere meine Tochter nicht. Ich kann meine Tochter nicht kontrollieren. Es ist wirklich schwierig mit ihr umzugehen.” Das hatte er neulich mal so formuliert: “In Front meiner Toechter bin ich nur ein Feldwebel. Sie sind die Generale.” Und kurz darauf gibt er nun ein feierliches Versprechen ab: “Ich werde sterben. Ich gehe vor euch.” Er schaetzt das Durchschnittsalter der Zuhoerer auf 32, 33 Jahre. Okay, da tut sich ein 74-jaehriger mit der Prognose leicht. “Ich werde sterben. Ich werde verschwinden. Ich werde vergessen, und ich erwarte nicht erinnert zu werden. Ich will nicht erinnert werden.” Das wiederum liegt nicht in seiner Hand. Ich erinnere die Kolumne von Rigoberto Tiglao am 24. Oktober 2016 in “The Manila Times”, in der er voraussagte: “Wenn Praesident Duterte seine Amtszeit beendet, und ich glaube er wird, und wenn er nicht seine Sicht der Welt und unseres Platzes darin aendert, und ich glaube nicht er wird, werden Gelehrte in der Zukunft die moderne philippinische Geschichte aufteilen in die Periode ‘before Duterte’ (BD) und ‘after Duterte’ (AD).

Wie kann ein Mensch sich selbst so anders sehen, als er von seinen Zeitgenossen gesehen wird?

 



 

Es koennte ein verzoegerter Generations-Wechsel sein. Eine gedankliche Auseinandersetzung fuehrt Duterte (geb. 1945) mit Nur Misuari (geb. 1942) und “Joma” Sison (geb. 1939) – alle Opas, die sich mit Kolonialisierung (Misuari) oder Weltrevolution (Sison) befassen. Diese Auseinandersetzung der 70er Jahre bekam einen Bruch in den Philippinen mit EDSA. Man hielt mit einem Schlag alle Probleme fuer geloest. Das war ein Irrtum. Das Gefuehl der Unfreiheit blieb, weil die Aquinos sich in politischer Selbstaufgabe als US-Dienstleister entpuppten, und die Revolutionstraeume wurde von Sison von den Niederlanden aus am Koecheln gehalten. Die gedankliche Auseinandersetzung, 1986 durch EDSA unterbrochen, wird nun als Generations-Konflikt ausgetragen – Sara vs Rodrigo.

Die Generation von Inday Sara sieht die Welt anders als ihre Vaeter sie sahen. Wie, weisz ich nicht, ich (geb. 1946) gehoere auch zu den Opas. Das Sultanat Sulu, von dem Misuari – schaetze ich – heimlich immer noch traeumt, kommt nicht wieder. Und die Weltrevolution wurde in aller Stille zu Grabe getragen, und davon hat Sison nichts mitgekriegt. EDSA hat nichts geaendert, sondern nur die Sicht verstellt. Es ist nun an Indays Generation, die Welt ohne diese Gedanken-Ruinen zu sehen und damit fertig zu werden. Von daher ist auch der Gedanke dieser Tordesillas abwegig, das Saras Nachfolge die Fortsetzung von Dutertes Politik sei – sie wird anders werden.

Und daher mein Rat fuer heute: hoert nicht auf die Opas, besonders nicht auf mich! Ich hab keine Ahnung, was da kommt.

 



 

Saysay sa adlaw – “Kinsa tong imong kaestorya bag-o lang?” “Wala ko ka-ila ning labay lang siya.

Kinsa tong imong kaestorya bag-o lang? – kinsa wer, tong ~ to nga to kurz fuer kadto das, jenes + Verbinder, imong ~ imo nga (Genitiv von ikaw du) + Verbinder, estorya erzaehlen, sagen (span.) + Vorsilbe ka aendert Bedeutung kaestorya unterhalten, bag-o neu, grad, lang nur ~ Wer war die die sich grad mit dir unterhalten hat?

Wala ko ka-ila ning… – wala kein, nicht, ko kurz fuer ako ich, ila kennen, identifizieren + Vorsilbe ka aendert Bedeutung ka-ila sich kennen, ning ~ ni nga ni kurz fuer kini dies + Verbinder ~ ich kenn die nicht…

…labay lang siya. – labay vorbeigehen (labay lang ko? kann ich vorbei?), lang nur, siya er, sie ~ sie kam nur vorbei.

Satz des Tages – “Mit wem hast du dich grad unterhalten?” “Ich kenne die nicht, sie kam nur vorbei.”

 



 

Gemaeszz “PNA”, “CNNPhil”, “PTV”, “PCOO”, “Wikipedia”, “ManilaBulletin”, “ManilaTimes” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.

2 Gedanken zu „…aus der philippinischen Presse

  • Februar 27, 2019 um 15:37
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    Ich wollte nur mal ein dankeschön sagen.es macht ja allerhand mühe soviele
    „einsichten“ zu verfassen und informationen sufzurollen und zu analisieren.

  • Februar 28, 2019 um 04:03
    Permalink

    …und ich bedanke mich dafuer, dass das bemerkt wird.

Kommentare sind geschlossen.