…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 13. Februar 2019

(zum Bild: Die Grenzen des Sulu Sultanats)

 

Wahlen – Gemaesz der Verfassung von 1987 wird alle 3 Jahre jeweils am zweiten Montag im Mai gewaehlt, das ist heuer der 13. Mai. Zur Wahl stehen 12 der 24 Sitze im Senat. Senatoren werden fuer 6 Jahre gewaehlt und koennen einmal wiedergewaehlt werden. Zur Wahl stehen 243 Sitze im Haus. Die Abgeordneten werden fuer 3 Jahre gewaehlt und koennen zweimal wiedergewaehlt werden. Offen ist im Moment, wieviel Party-List-Sitze zur Wahl stehen; “Wikipedia” meint 60. Zur Wahl steht das Parlament fur Bangsamoro, und es gibt Regionale Wahlen. Der Praesident wurde 2016 fuer 6 Jahre gewaehlt; dessen Wahl steht also erst 2022 an. Er kann nicht wiedergewaehlt werden – will er auch nicht.

Die Wahlkampagnen auf nationaler Ebene fuer den Senat haben gestern begonnen, sie enden am 11. Mai. In einem Gespraech von Pia Hontiveros mit einem Experten in ihrer “News Night” bei “CNNPhil” meinte der, dass es bei Wahlen um Personen geht, nicht um Programme. Es kaeme fuer die Kandidaten darauf an, Name und Gesicht mit einer Sache oder Aussage zu verbinden, die ihm der Waehler abnimmt und fuer die er seine Stimme gibt.

Bei einem Kick-Off der “Hugpong ng Pagbabago” der Buergermeisterin von Davao Sara Duterte Carpio gestern in Pampanga sah ich im TV die Kandidaten Cynthia Villar, Christopher “Bong” Go, Imee Marcos und Ronald dela Rosa. Dazu gehoert auch Aquilino “Koko” Pimentel zur Wiederwahl.

Senatorin Grace Poe startete ihre Kampagne zur Wiederwahl mit einer Schulspeisung in Quezon City; sie bleibt unabhaengig.

Die Opposition ging als “Otso Diretso ~ Acht direkt” mit 8 Kandidaten in’s Rennen, darunter Paolo “Bam” Aquino zur Wiederwahl, Mar Roxas und Gary Alejano.

Die anderen Kandidaten sagen mir nicht viel, oder ich nehme die Kandidatur nicht so ernst, wie z.B. die des 94-jaehrigen Juan Ponce Enrile oder die des Folk-Saengers Freddie Aguilar. Kann sein, dass ich mich da taeusche, denn bekannt sind beide.

Nach Umfragen haben wohl Cynthia Villar, Grace Poe, “Bong” Go und Imee Marcos gute Aussichten. Auf Ronald dela Rosa wuerde ich nicht setzen, er ist der Typ des Guten Kumpels von jemandem, ohne eigenes Gesicht. Gary Alejano schafft es hoffentlich nicht. Er praesentiert sich derzeit als Nachfolger des unsaeglichen Antonio Trillanes, dessen Amtszeit als Senator gluecklicherweise endet und den er wohl zu beerben hofft. Er hatte auch Klage gegen Praesident Rodrigo Roa Duterte beim ICC (International Criminal Court) eingereicht, der dieser Tage entscheiden muss, ob er gegen Duterte ermittelt oder nicht, sonst laeuft die Frist ab, und die Philippinen gehoeren dem Verein nicht mehr an. Ich kann nicht einschaetzen, wie sich eine Ermittlung gegen Duterte auf Alejanos Kandidatur auswirken wird, positiv wohl kaum. Viel Hoffnung duerfte sich auch Mar Roxas nicht machen. Vielleicht erinnern die Waehler sich, dass sie alle Probleme mit der MRT-3 ihm und seinen “preisguenstig ausgehandelten” Wartungs-Vertraegen zu verdanken haben.

Wo ich grad bei Wahlen bin, bleibt nachzutragen, dass die zweite Runde des Plebiszits fuer das BOL (Bangsamoro Organic Law) immer noch nicht voll ausgezaehlt ist. Es sieht so aus, als waere Lanao del Norte fuer Bangsamoro verloren, doch in North Cotabato geht es in 7 Orten wohl mit “yes” aus, das waeren Aleosan, Carmen, Kabacan, Midsayap, Pikit, Pigkawayan und Tolonan, aber – man zaehlt noch.

 



 

Blick in’s Ausland – Die “Straits Times” hat einen Artikel zu der chinesischen Studentin, die einen Polizisten mit “Taho” beworfen hat, und der das jetzt fuerchterlich Leid tut. Auszen-Minister Teodoro Locsin mahnt zur Ruhe und meint: “Sie hat Taho geworfen, sie ist nicht in unser nationales Territorium eingedrungen.” Die Studentin lebt seit 6 Jahren legal hier und Locsin fuerchtet, eine Ueber-Reaktion koenne OFWs (Oversea Filipino Workers) in China und Hongkong gefaehrden. Ich fuerchte, eine Unter-Reaktion koennte hier die Meinung foerdern, dass man den Chinesen in den Arsch kriecht, was Wasser auf die Muehlen der Opposition waere. Meine Frau, “Stimme des Volkes”, kann “arrogante Chinesen” eh nicht leiden. Die “South China Morning Post” befasst sich damit, dass die Globe Telecom Philippines gruenes Licht fuer die Ausruestung mit Huawei-Geraeten gegeben hat. Die USA haben etwas gegen Huawei, und US-Auszen-Minister Mike Pompeo meinte kuerzlich, dass man Dinge in Europa und anderen Laendern zurueckfahren muesse, die sich mit Huawei ausruesten. Das passt nicht gut zu dem Artikel, den der US-Botschafter Sung Kim heute im “Manila Bulletin” veroeffentlicht, und in dem er sich ueber “unsere gemeinsam Zukunft auslaesst”. Ob das so bleibt?

 



 

Passiert da noch was? – Manchmal draengt sich diese Frage auf, wenn ein Fall Aufsehen erregt, und irgendwann faellt einem auf, dass man nichts mehr davon hoert. Im Zeitalter der instantanen Antworten auf jede beliebige Frage bringt das in Erinnerung, dass die Muehlen der Justiz nun einmal langsam mahlen. Im Januar 2017 wurde der koreanische Gechaeftsmann Jee Ick Joo von Polizisten entfuehrt und im Hauptquartier der Polizei erwuergt. Seine Leiche wurde gleichen Tags in einem Krematorium verbrannt, das einem Ex-Polizisten gehoert. Der Gattin des Ermordeten taeuschte man vor, dass er noch lebt, die daraufhin 5 Mio Peso Loesegeld in einem Fastfood-Restaurant in Angeles uebergab. Als die Kidnapper mehr Geld forderten, jedoch keinen Beweis brachten, dass Jee noch lebt, ging die Gattin zum NBI (National Bureau of Investigation) und erstattete Anzeige.

Das war der Fall, bei dem Ronald dela Rosa fuer mich Gesicht verlor. Er fuehrte beteiligte Polizisten vor und liesz sie vor laufenden Kameras Liegestuetze machen. Ich fragte mich angesichts dieser hilflosen Reaktion, ob er Chef der Polizei oder des Polizei-Kindergartens ist. Wie auch immer, Ricky Sta. Isabel, Jerry Omlang und Roy Villegas waren seither  in Haft. Aus dieser Haft wurde Villegas nun als Zeuge der Anklage entlassen. Er gestand und bezeugte, Sta. Isabel habe Jee Ick Joo stranguliert. Der Richter befand, dass er damit seine Pflicht als Zeuge der Anklage genuege getan haette und nicht einsitzen muss, weil die Klage gegen ihn als Mittaeter fallen gelassen wurde.

Ich hoffe, dass ihm in Freiheit nichts passiert, denn ich erinnere den Fall der Mary Jane Veloso. Dieser war von Maria Sergio, einer guten Bekannten, ein Koffer untergejubelt worden, in dessen Futter Heroin verborgen war, was Veloso nicht wusste. Das Heroin wurde bei ihrer Einreise am Flughafen in Indonesien entdeckt, und ein Gericht verurteilte Veloso zum Tode. Praesident Benigno Aquino setzte sich fuer sie ein. Sergio stellte sich in den Philippinen, und in dem Prozess gegen die und ihren Komplizen sollte Veloso aussagen.

Die fuer den 29. April 2015 angesetzte Hinrichtung wurde von indonesischen Behoerden aufgeschoben, “solange der Prozess gegen Maria Cristina Sergio und Julius Lacanilao in den Philippinen nicht abgeschlossen ist.” Velosos Aussage sollte am 27. April 2017 in Yogjakarta, Indonesien, vor dem Richter ueber die Buehne gehen, hatte Richterin Anarica Castillo-Reyes vom Distrikts-Gericht Sto. Domingo, Nueva Ecija, entschieden. Geht nicht, befand der von den Verteidigern von Sergio und Lacanilao angerufene CA (Court of Appeals) im Maerz 2017, weil in Kriminal-Faellen der Zeuge persoenlich vor Gericht und “face to face” mit dem Angeklagten aussagen und seinen Eid ablegen muss. Nun kann die in Indonesien inhaftierte Veloso genauso wenig in Nueva Ecija erscheinen, wie das Gericht in einem indonesischen Gefaengnis tagen kann. Also bat Velosos Familie den CA, die Entscheidung zu ueberdenken. Das tat der CA, kam mit Entscheid vom 13. Dezember 2017 aber zu demselben Ergebnis wie im Maerz.

Ich hab keine Ahnung, was mit Mary Jane Veloso ist. Ich hoffe nur, dass Roy Villegas lebend vor Gericht erscheinen und seine Aussage “face to face” machen und beeiden kann, damit die Taeter nicht mangels Beweisen freikommen. Wann verhandelt wird, stand nicht in dem Artikel. Es sind noch Eingaben der Angeklagten gegen die Ausagen des Villegas beim CA anhaengig, dessen Entscheid abzuwarten ist. Die Muehlen der Justiz…

 



 

As im Aermel? – Ich dachte gestern zu den Unruhen in “the unrestive South of the Philippines” alles Wissenswerte gesagt zu haben, doch da macht mir der “Daily Tribune” einen Strich durch die Rechnung. Das liegt daran, dass dessen Rechner wohl noch schlaeft, wenn ich morgens an meinem Blog sitze. So entgingen mir zwei Artikel, die sich damit befassen, dass die MNLF (Moro National Liberation Front) einen Antrag bei der UN laufen hat, sie als BMR (Bangsa Moro Republic) anzuerkennen, was Mindanao, Sulu, Palawan und Malaysias Sabah und Sarawak umfasst – mit anderen Worten, das fruehere Sultanat Sulu. Die MNLF setzt dieses Begehren nun zeitweilig aus, bis Praesident Rodrigo Roa Duterte mit dem Vorstzenden der MNLF Nur Misuari gesprochen hat.

Der BMR-Antrag entstand seiner Zeit, als Ex-Praesident Benigno Aquino die Gespraeche mit der MNLF aufgab und nur mit der MILF verhandelte, mit der dann ja auch das BOL ausgekaspert wurde, wobei sich die MNLF zurueck hielt. Der BMR-Antrag verfolgt ein “Kosovo-Modell”, was von der OIC (Organization of Islamic Cooperation) in Jeddah, Saudi Arabien, unterstuetzt wird. Was immer das auch sein soll, es ist ein unabhaengiges Gebilde, was Praesident Duterte abgelehnt hat. Dem Sinne nach sagte er mal, er koenne sich Einiges vorstellen, was er Misuari geben koenne, damit der ruhig ist, nur Unabhaengigkeit eben nicht.

Der heikle Punkt dabei ist, dass die Philippinen in Sabah Gebiets-Ansprueche an Malaysia haben, die ausgeklammert wurden, um die MNLF in den Griff zu bekommen und Unruhe in ASEAN zu vermeiden – Nachbarschaft erfordert Ruecksichtnahme. Auf diese Ansprueche kann Duterte nicht einfach verzichten, wie er ja auch auf die Gebiets-Ansprueche in der West Philippine Sea nicht verzichtet, sondern sich die Strategie zurecht gelegt hat, mit China darueber erstmal nicht zu reden.

Die Lage ist komplizierter, als ich gestern meinte. Es sind nicht nur MILF (Moro Islamic Liberation Front) und MNLF, die es zu versoehnen gilt, was allein schon unmoeglich erscheint, sondern die MNLF hat da noch ein As im Aermel, die Sache international aufzuplustern, was Duterte kaum Recht sein kann. Was immer Duterte also mit Misuari beredet, wenn er denn mit ihm redet, ein leichtes Spiel wird das nicht. Ob er das deshalb vor sich herschiebt?

 



 

Saysay sa adlaw – Mga club nga namaligya og ecstasy lisud ipasira? (Quelle: “Banat”)

Mga club nga… – mga bildet den Plural (bata Kind, mga bata Kinder, aber mga heiszt nicht “viel”, es entspricht der Nachsilbe “er”, die im Deutschen aus einem Kind mehrere macht, Kinder), engl. clubnga Verbinder ~ Clubs die…

…namaligya og ecstasy… – baligya verkaufen mit Vorsilbe na Gegenwart/Vergangenheit, wobei das folgende zu m wird, verkauft – og unbestimmter Artikel ein, engl. ecstasy ~ …verkauft ein Ecstasy…

lisud ipasira? – lisud schwer, schwierig – sira schlieszen mit Vorsilbe ipa Zukunft passiv, wird geschlossen ~ …schwer wird geschlossen?

Satz des Tages – Sind Clubs die Ecstasy verkaufen schwer zu schlieszen? (Ueberschrift eines Artikels zum Drogenhandel in Cebu City.)

 



 

Gemaesz “Wikipedia”, “ManilaTimes”, “CNNPhil”, “ManilaStandard”, “ManilaBulletin”, „StraitsTimes„, „SCMP„,  “PhilStar”, “DailyTribune”, “Banat (ein PhilStar-Ableger in der Sprache Visayan)” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.