…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 11. Februar 2019

(zum Bild: Die Kritiker von Duterte werfen eher mit Dreck als mit Argumenten)

 

Kritik an Duterte – Wenn 80 Prozent der Bevoelkerung hinter Praesident Rodrigo Roa Duterte stehen, dann beinhaltet das, dass nicht alle fuer ihn sind. Das wird in meinem Blog vielleicht nicht so deutlich, weil ich mich mehr mit positiven Dingen befasse, doch will ich die Kritik nicht unerwaehnt lassen. So kommen heute mal die anderen zu Wort.

Gar nicht gut findet Frances Cynthia Guiani Sayadi, Buergermeisterin von Cotabato City, dass die Regierung und MILF (Moro Islamic Liberation Front) konspiriert haben, um die Annahme des BOL (Bagnsamoro Organic Law) in Cotabato City zu erzwingen. Die haetten 20 Tsd Leute in Wahl-Lokale geschickt, damit das “yes” gewinnt, behauptet sie in einem Interview mit “The Manila Times”, die heute exklusiv damit aufmacht. Da das “exklusiv” ist, gibt es keine andere Bestaetigung dafuer. Ich erinnere aber, dass die Buergermeisterin schon vor der Wahl ihre Bedenken gegen das BOL im TV geaeuszert hat.

Gar nicht gut finden die Kokos-Farmer, dass Praesident Duterte ein Gesetz zur Staerkung der PCA (Philippine Coconut Authority) nicht unterschreibt. Dem Praesidenten gefaellt nicht, dass von den 15 Leuten des Aufsichtsrates der PCA 7 aus der privaten Kokos-Industrie sind. Damit haetten private Unternehmer die Hand auf Geldern der Regierung. Mit anderen Worten: Duterte sieht da eine moegliche Quelle der Korruption. Den Farmern gefaellt nicht, weil damit Gelder blockiert sind, auf die sie zur Entwicklung ihrer Unternehmen gehofft hatten. Senatorin Cynthia Villar will sich fuer die Farmer einsetzen: “In den kommenden Tagen werde ich hoffentlich aufgeklaert, warum der Praesident glaubt, das Gesetz vermachlaessige vitale Sicherungen, und werde mit ihm arbeiten um das Gesetz zu verbessern.



Gar nicht gut findet der fruehere Agrarreform-Minister Rafael Mariano, er sei fuer Verzoegerungen bei der Umwandlung von Ackerland in Gewerbeland verantwortlich. Der Streit um das Verfahren mit Genehmigungen hier und da hatte den Praesienten neulich aus einer Kabinetts-Sizung vertrieben, und die Dauer dieser kafkaesken Prozedur fand er unertraeglich. Nun sagte Duterte dazu: “Es gab Nachrichten zu meinem Weggang, da eine Bescherde auf meinen Schreibtisch kam. Die Sache hing im DAR [Department of Agrarian Reform] fuer zwei Jahre. Das war nicht der Fehler von Castriciones [jetziger Agrarreform-Minister]; er ist neu. Es war Mariano.” Das laesst Mariano nicht auf sich sitzen und schieszt zurueck: “Der Hauptgrund und die schmutzige Politik hinter Dutertes grotesker Aussage mich zu beschuldigen fuer die langsame ‘Landumwandlung’ ist die Rechtfertigung der anti-Farmer-Anordnung … des jetzigen DAR-Ministers John Castriciones. Diese DAR-Anordnung ist eine beispiellose Beschleunigung der Umwandlung von Farmland in gewerbliche Zwecke und sie gefaehrdet den Status der Farmer und unsere nationale Nahrungs-Sicherheit.” Mariano sieht darin eine Art Korruption, mit der Duterte seine Unterstuetzer belohnen will. Mariano war einer der linken Minister, die Duterte ins Kabinett nahm, um seinen guten Willen gegenueber den Kommunisten fuer Friedens-Gespraeche zu zeigen. Mariano wurde vom Ausschuss fuer Bestaetigungen abgelehnt.

Gar nicht gut findet Vize-Praesidentin Leni Robredo, dass eine chinesische Studentin einen Polizisten mit “Taho”, eine Art Soja-Joghurt, beworfen hat. Sie sieht als Hintergrund da die Sonderbehandlung der Chinesen durch den Praesidenten, sodass die immer unverschaemter werden: “Das ist ein Weckruf fuer uns. Wir sorgen fuer sie, doch sie repektieren uns nicht.” Der Kandidat fuer den Senat Gary Alejano, der einst den Amtsenthebungs-Antrag gegen Duterte gestellt hat, der abgewimmelt wurde, zu der Sache: “Das ist es was passiert, wenn unsere Regierung die Chinesen favorisiert und unser Land eine ‘Provinz von China’ nennt. … Filipinos werden Buerger zweiter Klasse und werden von Auslaendern in unserem eigenen Land verachtet. Es sind nicht nur Fischer und Soldaten in der West Philippine Sea, die Einschuechterung erfahren, sondern auch unsere Polizei.

Ich lass das mal so im Raum stehen.



Sprachspiele – Da ich in Sprachen nicht so gut bin, eher das, was in Zeugnissen herabsetzend mit “er hat sich immer sehr bemueht” abqualifiziert wird, fallen mir Wendungen auf, die mir besser gefallen als die Uebersetzung. So ein Ausdruck ist “she lies through her teeth”, was man deutsch mit “sie luegt ohne rot zu werden” oder “sie luegt unverschaemt” wiedergeben kann. “Durch die Zaehne luegen” sagt man nicht. Und zu unverschaemt faellt mir die Wendung in Visayan ein “Ka’baga ba nimo’g nawong?” Woertlich heiszt das “Was hast du fuer ein dickes Gesicht?”, es bedeutet “Was bist du fuer ein unverschaemtes Stueck?

Wieso geht mir das grad jetzt durch den Kopf? In seiner Kolumne in “The Manila Times” schreibt Rigoberto Tiglao, wie unverschaemt doch Senatorin Risa Hontiveros ist, wenn sie den Ruecktritt der Oeffentlichen Anklaegerin Persida Acosta fordert, weil die angeblich fuer das mangelnde Vertrauen in das Impfprogramm der Regierung und damit fuer den Ausbruch der Masern verantwortlich sei. Ich schrieb darueber am Samstag unter dem Stichwort “Dengue vs Masern”, muss ich nicht wiederholen, neu ist fuer mich jedoch, dass dieses Gerede vom Rueckgang des Vertrauens kein originaler Einfall der Hontiveros ist, sondern von interessierter Seite gut vorbereitet wurde, wie Tiglao herausfand.

Die London School of Hygiene and Tropical Medicine veroeffentlichte in einem Artikel eine “Umfrage”, nach der in den Philippinen das Vertrauen in die Impfungen von 93 Prozent in 2015 auf 32 Prozent in 2018 zurueckgegangen sei. Spannend daran ist, dass einer der drei Autoren der Veroeffentlichung ein Filipino ist, Dr. Kenneth Hartigan-Go. Er war Chef der Food and Drug Administration, die 2015 gruenes Licht fuer den Einsatz von Dengvaxia gab, und er ist jetzt am Asian Institute of Management Chef der Stephen Zuellig Graduate School of Management. Zu Zuellig faellt mir wieder ein, dass das der Laden ist, der den Vertrieb von Dengvaxia in den Philippinen uebernommen hatte. Muss ich mir dabei etwas denken? Tiglao faellt auf, dass unter dem Artikel der London School steht: “No potential conflict of interest was reported by the authors”, und er kommentiert: “Was fuer ein Luegner dieser Hartigan-Go doch ist.

Tja, und mir fielen die Luegen durch die Zaehne und das dicke Gesicht von Risa Hontiveros ein.



In eigener Sache – Ein Leser sagt mir, dass ich mal geschrieben habe, dass ich auf Antworten und Kommentare nicht reagiere. Ich nehm mal an, dass das stimmt, auch wenn ich nicht auswendig weisz, was ich seit Mitte 2016 alles geschrieben habe. Ich meinte sicherlich, dass ich Brief- oder Facebook-Freundschaften nicht haben will. Das wird mir zu aufwendig. Wenn es aber “interessante” Einwaende, Ansichten oder Fragen zu meinen Themen im Blog gibt, geh ich da gerne drauf ein, weil es ja auch mich weiterbringt. Ich will Duterte verstehen, und durch ihn 80% der Filipinos. Sie stuenden nicht hinter ihm, wuerden sie nicht so ticken wie ihr Praesident. Das Problem dabei ist nur, was “interessant” ist, entscheide in meinem Blog ich.

Ein anderer Leser schreibt, dass meine Schreiberei manchmal “auch schwere Kost” sei. Das ist sicher Ansichtssache. Ich hab mal ein Buch geschrieben, “Das Geheimnis des Elfenbeinturms – Geschichten zur Geschichte zur Philosophie”. Das hat einem Lektor der WB (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) gefallen. Er lud mich ein, ein Buch zur Kuenstlichen Intelligenz zu schreiben. Hab ich getan, “50 Jahre nach Dartmouth – An der Grenze von menschlicher zu maschineller Wissensverarbeitung”. Das gefiel ihm, aber er konnte es bei der WB nicht durchsetzen, weil es “nicht wissenschaftlich” war. Es war in demselben Stil wie der “Elfenbeinturm”, und ich hatte keine Lust es umzuschreiben. Irgendwie sitze ich mit meiner Art immer zwischen allen Stuehlen. Tut mir Leid, ich kann nur so, aber – ich fuehl mich wohl dabei.



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaStandard”, “ManilaBulletin”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.