…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 06. Februar 2019

(zum Bild: Einer der asiatischen Tiger – Philippinen)

 

Wichtig? – Wende ich meinen gestrigen Gradmesser fuer Nachrichten an, so ist es wahr, dass heute die zweite Runde des Plebiszits zum BOL (Bangsamoro Organnic) stattfindet, denn das melden alle Blaetter. Doch das ist wohl nicht so wichtig, denn “Straits Times” und “South China Morning Post” im Ausland erwaehnen das mit keinem Wort.

Wie auch immer. Zur Einstimmung gab es gestern einige Explosionen in der Gegend, doch soll niemand verletzt worden sein. So kann also in ausgewaehlten Gemeinden entschieden werden, ob man kuenftig zu Bangsamoro gehoeren will oder nicht. Darueber stimmen aber nicht nur die betroffenen Gemeinden ab, sondern in der Verwaltungs-Einheit stimmen auch die nicht betroffenen Gemeinden ab, ob sie die anderen ziehen lassen wollen. Will eine Gemeinde zu Bangsamoro, aber eine Nachbar-Gemeinde dieser Verwaltungs-Einheit will das nicht haben, dann nuetzt ihr das also nichts – sie darf nicht. Klingt kompliziert, ist es auch. Ich habe gestern im TV den Herrn von der Comelec nicht verstanden, der das erlaeuterte, und so fuerchte ich, dass heute viele Stimmberechtigte ueber etwas abstimmen, was sie kaum verstanden haben koennen. Ich erwarte Chaos und Aufruhr, wenn das Ergebnis bekannt wird.



ROTC – Ich schrieb letzten Sonntag in meinem philosophischen Ueberlegungen zum Nationalismus, dass Praesident Rodrigo Roa Duterte das ROTC (Reserve Officers’ Training Corps) fuer College-Studenten wiederbeleben moechte, um den Sinn der Jugend fuer die Nation zu foerdern und gegen andere – islamistische oder kommunistische – Ideologien zu wappnen. Der Wunsch des Herrn ist dem Fuszvolk Befehl, und so hat in dritter Lesung ein entsprechendes Gesetz nun das Haus passiert.

Dies thematisiert Getsy Tiglao in ihrer Kolumne im “Manila Bulletin” und stellt schon in der Ueberschrift fest: “Nur die Kommunisten sind gegen die Neuauflage des ROTC”. Sie meint, dass es damit “beim Senat liegt zu entscheiden, ob sie den Nationalismus foerdern wollen indem sie das Gesetz stuetzen, oder ob sie die Roten unterstuetzen wollen indem sie das ROTC-Gesetz ablehnen. Denn, seien wir mal ehrlich, es sind nur die Kommunisten und ihre Alliierten vom linken Fluegel, die gegen jede Art von Gesetz sind, welches hilft, die Liebe zum Land bei der Jugend zu foerdern.

Nun sieht Tiglao trotz der Stoszrichtung des Gesetzes gegen rote – vaterlandslose? – Gesellen die Ursache aber auf einer anderen Seite: “Es ist eine Tatsache, dass viele junge Filipinos fuehrungslos wurden in den andauernden Kampagnen der Gelben Opposition, philippinische Institutionen herabzusetzen zugunsten westlicher globalistischer Zumutungen.” Derart fuehrungslos werden sie anfaellig fuer Rote Propaganda, die den Sturz der demokratischen Regierung zum Ziel hat. Verdaechtigerweise ist das Scheitern des “Duterte-Regimes” auch das Ziel des Gelben Kults, dem jede Unterstuetzung und jedes Mittel der Herabsetzung Recht ist, wie ich gestern im Abschnitt “True News” ausgefuehrt habe.



Getsy Tiglao schrieb zu diesem Thema schon im November 2018. Damals sah sie die Philippinen im Vergleich zu benachbarten asiatischen Tigerstaaten: “Die Asian Tigers haben sich bekannterweise entwickelt wegen starker nationaler Gefuehle, die den Kick-Start fuer ihr wirtschaftliches Wachstum gaben. Ihr entschlossenen Regierungen engagierten sich in einheimischer Industrie und foerderten Exporte, waehrend ihre Geschaeftsleute sich entschlossen im eigenen Land zu investieren, statt ihr Geld ins Ausland zu bringen (ungleich unserer Geschaefts-Elite).

Natuerlich schafft das ROTC auch eine Reserve fuer die Armee und kann Sprungbrett fuer eine Offiziers-Laufbahn sein. Doch Hinweise schon bei Duterte, der im Juni 2017 waehrend der Marawi-Krise die Liebe zum Vaterland bei der Jugend vermisste und das Thema lostrat, auf Ideologie und wirtschaftliche Entwicklung stellen die Ueberlegungen und das Gesetz in einen Rahmen, der sich mir auch im Brexit und in Donald Trumps “America first” zeigt.

Man will nicht noch einen Staat ueber dem, in den man unwissend und unwillentlich hineingeboren wurde. Soll der doch mit den anderen reden, dafuer kriegt er ja mein Kreuzchen auf dem Wahlzettel. Wer noch eine Instanz mehr haben will, ist entweder ein Masochist, dem die Qual einfacher Untertaenigkeit nicht genug ist, oder er fluechtet sich in Traumwelten, aus denen eh nichts werden kann – Gottesstaaten, Weltkommunismus, Menschenrechtsfantasien oder irgendwelche Rettet-die-Erde-Religionen.

Reicht es nicht, dass man einen Pass hat? Einen Welt-Pass wird es nie geben, auch wenn wir in einer Welt leben muessen. Gut! Aber dann sollte der Aussteller des Passes, den ich lieben soll, sich um den Rest der Welt kuemmern und nicht ich, sonst kann er mich gernhaben – koennte sich Otto Normalverbraucher oder Dodong Pinoy denken.



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaBulletin” u.a.