…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 05. Februar 2019

(zum Bild: Einfache aber eindeutige Erklärung zur Steuerhinterziehung von Rappler)

 

Als Gradmesser… – …fuer die Wahrheit und Wichtigkeit von Nachrichten nehme ich ihre Verbreitung, wobei ich “Wahrheit” genau genommen eher durch “Wahrscheinlichkeit” ersetzen moechte im Hinblick auf Yen Makabentas heutige Kolumne in “The Manila Times” mit dem Titel “’Misinformation’ named 2018 Word of the Year”. Doch da heute ja Neujahr des Erdschweines ist, will ich mal nicht zu pingelig sein. Also: kommt eine Nachricht nur in einem Blatt, bin ich vorsichtig. Kommt sie in allen Blaettern, spricht viel dafuer, doch ob sie wichtig ist, sehe ich, wenn sie im Ausland erwaehnt wird.

In allen Blaettern und in einem Artikel in der “Straits Times” und einer “Agence France-Press”-Meldung in der “South China Morning Post” wird gemeldet, dass der Hauptverdaechtige des Anschlags auf die Kathedrale in Jolo, Kamah Pae, sich mit vier weiteren Mitgliedern der Ajang-Ajang-Gruppe des Abu Sayyaf gestellt hat. Zwar leugnet er seine Teilnahme – die zwei vermutlich indonesischen Selbstmord-Attentaeter gefuehrt zu haben – doch die vier anderen zeigen auf ihn.

Der Leitartikel der “Manila Times” weist vorsichtig darauf hin, dass es nicht nur um Jolo geht. “In der Tat, etwas mehr Alarmierendes wurde im Laufe der Untersuchung und bei Operationen der Sicherheitskraefte in Mindanao entdeckt. Ueber’s Wochenende meldete die Armee, dass  8 Terroristen, unter ihnen Auslaender, von Regierungs-Truppen getoetet wurden, als sie ein Lager des Islamic State in Maguindanao bombardierten. Unter den identifizierten auslaendischen Terroristen, die nach Berichten in dem Versteck waren, war aus Singapur Mawiya, zwei nach Mittlerem Osten aussehende Individuen, zwei Malaysier und zwei Indonesier.” Ich schrieb erst gestern, dass es Terror-Tourismus ueber das Sulu-Archipel gibt, und dass der IS (Islamic State) hier Fusz fassen will, weil er die Philippinen fuer einen schwachen Staat haelt, weisz auch jeder. Der Leitartikel schlieszt: “Die Untersuchung des Jolo-Anschlags ist eine Sache. Die Bombardierung durch die AFP [Armed Forces of the Philippines] eines Rebellen-Lagers, das mit auslaendischen Terroristen verseucht ist, ist eine andere Sache. Das Bild, das sich so der Nation darstellt, ist eine hoch-komplexe Konflikt-Situation, die besondere Masznahmen erfordert. Viele Filipinos glaubten, dass das Land die Bedrohung durch auslaendische Jihadisten mit der Befreiung und Wiedereroberung von Marawi City bewaeltigt haette. Dieser Glaube erscheint nun voreilig. Es gibt fuer unsere Sicherheits-Kraefte mehr zu tun, um unser Land von auslaendischen Terroristen zu saeubern.

Mit anderen Worten: das Kriegsrecht in Mindanao ist durchaus der Situation angepasst.



True News” – Nachdem ich mich gestern zumeist mit “Fake News” befasste, will ich heute zum Ausgleich “True News” bringen, fuer die keine Zeit mehr war. Rigoberto Tiglao schrieb gestern in seiner Kolumne in “The Manila Times” zu einem Leitartikel des “Inquirer”, in welchem der fruehere Journalist und Anchor bei “GMANews” und jetzige Kandidat als Senator unter der PDP-Laban fuer die Zwischenwahl im Mai, Rodrigo “Jiggy” Manicad in der uebelsten Art und Weise verrissen wurde. Ein “hatchet job ~ Hackebeil Artikel” urteilte Tiglao, also ein Artikel, der ohne Ruecksicht auf “wahr oder falsch” geschrieben wird, nur um jemanden so richtig fertig zu machen. Manicad hatte in einem Radio-Interview ueber “Rappler” gesagt: “Ich glaube, die Regierung hat einen Grund zu sagen, dass auslaendische Gelder in Rappler sind, und dass das eine Verletzung der Verfassung ist.” Und er fragte: “Laesst die Untersuchung und Entscheidung der Security and Exchange Commission, dass dies eine Verfassungs-Verletzung ist, sich als Angriff auf die Pressefreiheit verstehen?

Nun ist aber die News-Webseite “Rappler” inklusive ihrer Chefin Maria Ressa eine Heilige Kuh des Gelben Kults, also der Liberalen Partei, erkennbar an der gelben Schleife, mit der sie rumlaufen, und der “Inquirer” ist die Hauspostille dieser gewesenen Herren des Landes. Schlieszlich hat das “Time”-Magazin die Ressa im Dezember 2018 als eine “Person of the Year” benannt, die sich als “Waechter der Wahrheit” stark gemacht hat, in einem Atemzug mit dem im Konsulat von Saudi-Arabien in Istanbul ermordeten Journalisten Jamal Kashoggi. Seither stilisiert sie sich zur Saeule der Meinungsfreiheit hoch. Ein Angriff auf eine ihrer Heiligen Kuehe – die andere ist die selbsterklaerte politische Gefangene Senatorin Leila de Lima, ueber die ich mich hier nicht auslassen will – kann der “Inquirer” nur mit einer Breitseite beantworten, sprich: mit einem Leitartikel. Ein Leitartikel – englisch “Editorial” – gibt die Meinung der Herausgeber wieder, insbesondere wenn er mit keinem Namen gekennzeichnet wird, wie dieser Hackebeil-Artikel.

In diesem Leitartikel wird Manicad bezeichnet als “Verraeter, Betrueger [betrayer], Betrueger [double-dealer], Judas, Quisling [nach dem norwegischen Premier, der waehrend der Besatzung Norwegens von den Nazis als Premier einer Marionetten-Regierung eingesetzt wurde], Ausverkaeufer, Abtruenniger, Ratte, Klatschmaul, und – passend fuer jemand, der einst in den Medien arbeitete – Tratsch-Onkel”. Soviel Worte, jemand in Englisch zu beleidigen und zu verleumden, kannte ich gar nicht; die Haelfte musste ich nachschlagen.

Was Rigoberto Tiglao erregt sind zwei Dinge. Zum einen war es Tiglao selbst, dessen investigative Kolumnen die Untersuchung gegen “Rappler” ins Rollen brachten, und zum anderen ist schlicht und einfach wahr, was Manicad gesagt hat. Da das in der verkehrten Welt der gelben und westlichen Presse nicht erwaehnt wird, dort ist es ein Angriff auf die Pressefreiheit, hier zusammengefasst, worum es in der wirklich wahren Welt geht.

In der Verfassung von 1987 heiszt es in Article XVI, Section 11 (1) leicht verstaendlich, ich uebersetz das mal nicht: “The ownership and management of mass media shall be limited to citizens of the Philippines, or to corporations, cooperatives or associations, wholly-owned and managed by such citizens.” Nun fand aber Tiglao, dass “Rappler” einen amerikanischen Geldgeber hat, was General Staatsanwalt Jose Calida nach Lektuere von Tiglaos Kolumne zum Anlass nahm, eine Untersuchung durch SEC (Security and Exchange Commission) in Auftrag zu geben. Die fand, dass die Vorwuerfe stimmen. Hier suchte Ressa gegenzusteuern und verkuendete lauthals: “Dies ist ganz klar ein Verfassungs-Fall; hier geht es um Presse-Freiheit.” Ihr Geldgeber Pierre Omidyar sah da wohl klarer, und um die drohende Klippe zu umschiffen, schenkte er den Mitarbeitern von “Rappler” einfach das Geld, das er in den Laden gesteckt hatte. Damit war der “Rappler” aus dem Schneider was die Verfassung angeht, aber – so eine Schenkung hat einen Pferdefusz. Man muss dafuer Steuern zahlen, und das tat kein Mitarbeiter des “Rappler”, auch Maria Ressa nicht. Ist ja auch schwierig: das geschenkte Geld bekamen sie nicht bar auf die Klaue, sondern das steckte in “Rappler”. Nun haben sie das Problem des Steuerbetrugs, was auch mit Presse-Freiheit nichts zu tun hat, und das sind die “true news” aus der wirklich wahren Welt.



Warum aber nun diese offenkundige Verleugnung der Wirklichkeit? Tiglao: “Das Gelbe Regime hatte waehrend seiner gesamten Amtszeit eine Gruppe von Journalisten auf seiner Lohnliste, wobei es um monatlich 4 Mio Peso ging. Das ist keine Spekulation von mir, und nicht aus ungenannten ‘Quellen’. Das ist aus den Akten der Regierung. Ich vermute die Botschaft, die damit ruebergebracht wird lautet: Stellt unsere Lohnliste wieder hier, und wir werden unterstuetzen.” Der letzte Satz “etwas freier” uebersetzt: “Schreibt die [Duterte]-Regierung kaputt, und ihr kriegt wieder Geld von uns.

Tiglao will der Sache nachgehen, ich bin gespannt. Das Problem ist naemlich, wenn Leute wie “Bong” Go oder hier “Jiggy” Manicad im Juli in den Senat kommen, aus dem Antonio Trillanes und Franklin Drilon ausscheiden, weil sie ihre zwei moeglichen Zeiten hinter sich haben, hat Duterte dort eine solide Mehrheit. Dann haben die Gelben nichts mehr zu bestellen, und deshalb schreiben ihre Rufmoerder jetzt gegen alles, was sich im Duterte-Lager zeigt. Eigentlich das, was Trillanes seit dem Wahlkampf 2016 gegen Duterte tut; mit Dreck werfen und hoffen, dass etwas haengen bleibt. Ziemlich einfallslos, aber – wir sind im Wahlkampf.

In den Zusammenhang passt die Diskussion um Senkung des Mindestalters fuer Kriminalitaet von 15 auf 12 Jahre, die gerade im Senat laeuft. Senator Richard Gordon, pro-Duterte, ist dafuer; Senatorin Risa Hontiveros, anti-Duterte, ist dagegen. Gordon betont, dass Kinder nicht ins Gefaengnis kommen, sondern zur Rehabilitation und Reformation im “Bahay Pag-asa ~ Haus der Hoffnung”. Hontiveros haelt dagegen, dass es nicht genug davon gibt, weshalb die Kinder doch im normalen Strafvollzug landen und dort nach dem Oelsardinen-Prinzip gestapelt werden. Sie sagt aber auch, dass es dabei nur um mickrige 1,75 Prozent der Kriminalitaet dreht, und daher keine Senkung der Kriminalitaet bewirken koenne. Hier beiszt sich die Katze in den Schwanz. Wenn es eh nur ein paar sind, um die es da geht, soll man die dann laufen lassen, nur weil die Haeuser der Hoffnung nicht gut ausgestattet sind? Hier kapituliert man in lauter Ruehrung ueber den Einzelfall und verliert die Verhaeltnismaeszigkeit aus dem Blick.

Es hat zwar nichts mit dem Alter zu tun, das Maedel aus Saudi Arabien war schon 18, das dort floh und aus Angst vor ihrer Familie sich im Hotelzimmer in Bangkok verbarrikadierte und um politisches Asyl bat. Kanada gewaehrte ihr Asyl und flog sie aus mit Begrueszung durch die Auszen-Ministerin bei der Ankunft. Aber – wollen wir wirklich alle Kinder, die in ihrer Familie bedroht werden, weltweit ausfliegen und ihnen im Land ihrer Wahl Asyl gewaehren?

Eine interessante Idee, die Fluggesellschaften sind sicher dafuer, aber – das geht nicht.

Jede Altersgrenze ist willkuerlich, aber irgendwann muss man fuer sein Tun grade stehn. Wie dafuer oder dagegen argumentiert wird, hat weniger mit Wissenschaft zu tun, viele zweifeln, ob Psychologie ueberhaupt eine Wissenschaft ist, sondern viel mehr geht es um Politik. Ist Duterte dafuer, muss die Opposition dagegen sein – wofuer ist sie sonst da?



Gemaesz “StraitsTimes”, “SCMP”, “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “BusinessWorld” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.