…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 04. Februar 2019

(zum Bild: Duterte zu seinen Todesgerüchten)

 

Fake News – Nachdem Praesident Rodrigo Roa Duterte am Freitag seine Teilnahme am Barangay Summit on Peace and Order in Palo, Leyte, absagen musste, meldete ein Spaszvogel namens Ray Abad in Social Media bereits das Ableben des Praesidenten. Selber ein Spaszvogel – “Wenn ich den Mund aufmache, kommen Luegen raus” – veroeffentlichte Duterte unter dem Account seiner Lebensgefaehrtin Honeylet Avanceña ein Dementi. In Anlehnung an Mark Twains beruehmten Widerruf – “Die Nachrichten von meinem Tod sind stark uebertrieben” – sagte Duterte: “Fuer jene die glauben, dass ich verstorben bin, ich halte euch an, bitte betet fuer mich, fuer die ewige Ruhe meiner Seele. Vielen Dank.

Wer’s nicht glaubt, hier O-Ton Duterte:

https://twitter.com/i/status/1092000450054766593

Fake News? – Bei einer Pressekonferenz in Manila behauptete ein ehemaliger Rebell, der sich als Ka George ausgab, dass der Berater der NDF (National Democratic Front) Randy Malayao auf Befehl der kommunistischen Fuehrung erschossen wurde, weil man dort fuerchtete, er “wuerde auf die andere Seite des Zaunes springen”. Ka George will frueher mit Malayao in der kommunistischen National Youth gearbeitet haben, bevor er sich selbst absetzte.

Malayao starb am 30. Januar in einem Bus in Nueva Vizcaya, als der an einem Rastplatz hielt. Malayo war nicht ausgestiegen, sondern schlief im Bus, als zwei Verdaechtige einstiegen und ihm in den Kopf schossen. Nun schwor die CPP (Communist Party of the Philippines) ihrerseits den Mord an Malayao aufzuklaeren, da die PNP (Philippine National Police) das nicht tue, sondern “falsche Informationen” ueber Ka Randy verbreite.

Nach Lage der Dinge kann man sich aussuchen, wem man glauben will, oder gespannt sein, wen die CPP als Moerder identifiziert. Unwahrscheinlich ist nicht, dass sie selbst Auftragsgeber sein koennte. Die CPP laesst Abweichler gnadenlos hinrichten.



Terror-Tourismus – Dass es im Sulu-Archipel einen Tourismus von Terroristen gibt, ist bekannt. Die Insel-Kette von Sabah, malaysische Provinz im Norden Borneos, ueber Tawi-Tawi, Jolo und Basilan nach Mindanao ist kaum zu kontrollieren. Das Attentat in Jolo soll von Indonesiern – ein groeszerer Teil von Borneo gehoert zu Indonesien – begangen worden sein, die von der Ajang-Ajang-Gruppe gefuehrt wurden. Zur Untersuchung reist derzeit ein Team einer indonesischen Anti-Terror-Einheit hierher, um bei der Identifizierung der Reste der Selbstmord-Taeter zu helfen, wie die “Straits Times” meldet. Leider ist das ein “Premium”-Artikel, sodass ich nur den Anreiszer lesen konnte. An der Stelle sei angemerkt, dass die “Manila”-Blaetter “Times”, “Bulletin” und “Standard” und der “PhilStar”, meine Haupt-Quellen, diesem weltweiten Trend der Bezahl-Artikel noch nicht gefolgt sind. Hoffentlich bleibt das so, sonst koennte ich mein Blog einstellen.

Diese auslaendischen Terroristen werden von Abu Sayyaf auf Jolo und den BIFF (Bangsamoro Islamic Freedom Fighters) auf Mindanao beherbergt – Schlagzeile der “Manila Times” heute: “Abu Sayyaf coddling more foreign terrorists” – und von der Armee nach Dutertes Anweisung zum “all-out war” gnadenlos verfolgt – Schlagzeile des “Manila Standard” heute: “Bombs rain on ASG lair; 8 die”, wobei ASG fuer Abu Sayyaf Group steht. Diese Leute wollen hier Fusz fassen fuer ihr Kalifat, und nicht Sultanat, wie ich gestern faelschlich schrieb, sorry. Die Wiederbelebung des alten Sultanats Sulu ist ein Wunschtraum des Nur Misuari, Gruender der MNLF (Moro National Liberation Front), von dem man immer noch nichts gehoert hat.

In den “MindaNews” erschien aber gestern ein Artikel, dass MNLF und MILF (Moro Islamic Liberation Front), die sich sonst spinnefeind sind, gemeinsam fuer das zweite Plebiszit fordern: “Lasst Christen und Muslims in Lanao del Norte waehlen, frei von Drohungen und Einschuechterungen”. Es gibt also doch Gemeinsamkeiten, und in “CNNPhil” sah ich gestern eine laengere Interview-Serie in Jolo, in der christliche und muslimische Einwohner dort ihr friedliches Miteinander betonten. Es gibt da – noch? – keinen Religionskrieg. Beruecksichtigt man dazu, dass die Gruendung von Abu Sayyaf auf Gelder von Osama bin Laden zurueckgeht, so kann man den Terror im Sulu-Archipel insgesamt als “importiert” betrachten. So bildete die Ajang-Ajang-Gruppe sich aus den Kindern von Abu Sayyaf-Terroristen, die bei den Kaempfen getoetet wurden. Ohne Ernaehrer leisteten die Zubringer-Dienste fuer Abu Sayyaf, bis sie selbst zu Terroristen herangewachsen waren. “Der Terror zeugt seine Kinder” koennte man den Buchtitel abwandeln, nach dem die kommunistische Revolution ihre Kinder entliesz.

Anders ist das denn auch auch bei MILF und MNLF, denen es um das Land geht, auf dem sie leben und arbeiten, wobei sie bisher aber stets von Herren aus Spanien, den Vereinigten Staaten oder “Imperial Manila” behindert wurden. Die MNLF ist bereit zu verhandeln, auch wenn sie eigene Vorstellungen ueber das Ziel hat. Ihnen ist eine “wirkliche Republik” lieber als die “blosze Selbstverwaltung” ihrer Region, weshalb sie sich den Verhandlungen zum BOL (Bangsamoro Organic Law) widersetzt haben. Nur Misuari – “Mit Verraetern setze ich mich nicht an einen Tisch” – ist da ein harter Brocken, der es nicht verknusen kann, dass die MILF sich einst von der MNLF abspaltete und mit der Regierung in eigene Verhandlungen trat. Da spielt verletzter Stolz eine Rolle. Doch die MNLF kaempft nicht gegen das BOL, sie raet lediglich mit “no” zu stimmen.

Die BIFF kaempfen auch nicht gegen das BOL, sondern sie kaempft gegen die Regierung, wie Abu Sayyaf, und wie die importieren sie auch “Gast-Terroristen”. Die BIFF haben sich einst von der MILF abgespalten, als es darum ging, dass mit Abschluss eines Vertrages mit der Regierung die Waffen abgegeben werden sollen. Dazu waren die BIFF nicht bereit, und die Entwaffnung der MILF-Verbaende mit Wirksamkeit des BOL ist ein heikler Punkt. Das wird die Probe auf’s Exempel, ob die MILF-Mitglieder auch hinter dem stehen, was ihre Fuehrer mit dem BOL ausgehandelt haben. Die Kaempfer der MILF haben schon laenger mit der AFP (Armed Forces of the Philippines) zusammen gearbeitet, auch in der Marawi-Krise, und die AFP hat Plaene, Kaempfer in die Armee als regulaere Soldaten zu uebernehmen. Doch das sind ungelegte Eier, oder wie es im Englischen heiszt: “Counting the chickens before they are hatched”.

Also, wie ich schon oefter hier sagen musste – warten wir’s ab. Bei der Vergangenheit weisz man, was da herausgekommen ist, naemlich das Heute, die Zukunft ist ergebnisoffen, wie das irgendein schlauer Mensch mal ausgedrueckt hat.



 

Gemaesz “ManilaBulletin”, “PhilStar”, “DailyTribune”, “CNNPhil”, “StraitsTimes”, “ManilaTimes”, “ManilaStandard”, “MindaNews” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.