…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 01. Februar 2019

(zum Bild: Es geht um Land im Moroland – Wandmalerei in Sitio Sandugo)

 

Eine Frage der Kompetenz – Wer unter uns Auslaendern spricht ueber das, was im Dorf, der Stadt, auf der Insel, im Land geschieht mit seinen Nachbarn fluessig in deren Muttersprache – also in Tagalog, Visayan oder einer anderen hiesigen Sprache? Englisch zaehlt nicht. Das ist nicht Muttersprache auch nur eines einzigen “natural born filipino”. Die Frage kann jeder Leser fuer sich selbst im stillen Kaemmerlein beantworten.

Ich fuer meinen Teil kann das nicht. Ich habe mich da zwar mal reingekniet – wenn’s denn interessiert: sites/google.com/site/eckardvisayan/ – aber in Sprachen war ich nie gut. Englisch nur ausreichend, Franzoesisch nicht einmal das. Deshalb bin ich inkompetent, ueber das hiesige Leben oder Politik zu schreiben. Da mich das jedoch interessiert, lese ich die Online-Ausgaben hiesiger Zeitungen in Englisch – von einheimischen Autoren.

Da schreibt zum Beispiel Rigoberto Tiglao in seiner Kolumne in “The Manila Times” heute unter der Ueberschrift “Moro-Konflikt ging nie um Religion, sondern um Land”. Nun wollen Auslaender aber den Konflikt hier im unruhigen Sueden der Philippinen als Religions-Konflikt sehen. Irgendwie scheint das leichter verstaendlich, und so kommt mit dem BOL (Bangsamoro Organic Law) gleich die Furcht, weil da die Scharia als Gesetz fuer Bangsamoro anerkannt wird. Jeder denkt nun gleich an Auspeitschungen und Enthauptungen, aber – die Scharia unter dem BOL gilt nur fuer Taten, die mit maximal 30 Tagen Haft bestraft werden. Alles andere geht an die ordentliche Gerichtsbarkeit. Die Scharia ist mehr fuer Familien- und Zivil-Recht interessant, das man nach “altem Recht” regeln will. Zudem gilt sie nicht fuer jeden in Bangsamoro, sondern dort nur fuer Muslime. Und man sollte bedenken, dass das gar keine Aenderung ist, denn diese Zustaendigkeit wurde schon unter Ferdinand Marcos eingefuehrt.

Also, lassen wir die Scharia auszen vor, was bleibt? Das Land – meint Tiglao, was ich gestern auch schon behauptet hatte, nur kannte ich den Grund nicht. Der sind Margarine und Seife – meint Tiglao. Die wurden Ende des 19. Jahrhunderts erfunden und wurden wichtige Artikel in den 1920ern im Westen. Um sie billig herzustellen brauchte man – Kopra, um das Kokos-Oel daraus zu gewinnen. Das war Hintergrund zur Kolonialisierung der Philippinen durch die USA, mit Procter and Gamble als Produzenten, wie auch von Indonesien durch die Niederlande, mit Unilever. Die entdeckten das paradiesische Mindanao unter Feudal-Herrschaft der Muslims. Man musste nur einen Mann bestechen, und schon war man Besitzer der Laendereien, und die Menschen dort wurden Arbeiter auf den Plantagen. Tiglao: “Schaut euch die Provinzen an, in denen die Moro-Rebellion seit Jahrzehnten anhaelt – Sulu, die Zamboanga Halbinsel, Maguindanao – und das sind ueberwiegend Kopra-produzierende Gebiete.” Und genau in diesen Gebieten streitet man sich – ueber das Land.

Und was hat das mit der Kathedrale von Jolo zu tun? Nun, da koennte man die Gegenfrage stellen, warum dort Auslaender mit Sprengstoff-Guerteln hingehen und sich selbst nebst anderen in die Luft jagen. Das ist der derzeitige Stand der Kenntnis. Woher man das weisz? Das ist mal wieder so eine Geschichte: Menschen begraben ihre verstorbenen Angehoerigen. Nun gibt es aber Ueberbleibsel von zwei Koerpern, fuer die sich niemand gemeldet hat, offenbar gibt es keine Angehoerigen in der Gegend. Zudem sind das lediglich Fetzen, sodass naheliegend ist, dass der Sprengstoff sich am Koerper befand.

Hier kommt Religion in’s Spiel. Der IS (Islamic State) moechte gern, wie Verteidigungs-Minister Delfin Lorenzana das ausdrueckte, diesen Konflikt um Land und Selbstbestimmung “auf die hoehere Ebene eines Religionskrieges bringen. Doch Katholiken, Christen und sogar Mainstream-Muslime schlucken den Koeder nicht.” Den Leuten vor Ort geht es eben nicht darum, nur der Abu Sayyaf, deren Gruendung Osama bin Laden einst finanzierte, und die sich seither mit Kidnapping, Erpressung, Raub und Drogenhandel ueber Wasser haelt. Ueber diese Verbindung will der IS in’s Land kommen, da schickt er Leute vor. Man vermutet, dass die Ajang-Ajang-Gruppe die Selbstmoerder aus Sabah “importiert” hatte. Woher sie genau sind, weisz man nicht. Lorenzana sprach von Jemeniten, ohne zu sagen, woher er das weisz. Wichtig daran ist nur, dass der IS versucht, hier zu landen, weil es fuer sie im Mittleren Osten zu eng wird. Auch das hat nichts mit Religion zu tun, sondern nach den Ausbeutern in Sachen Margarine und Seife, sehen sich nun versprengte Terroristen nach einem Stueck Land fuer ihr “Austragshaeusle” um.

Religion wird nur vorgeschoben, weil es so einfach ist. Ob jemand die Bibel oder den Koran liest, ob er in die Moschee oder in die Kirche geht, kann man sehen. Man sieht nur nicht, ob einer nur so tut und was der im Kopf oder um den Leib gebunden hat.

Gemaesz “ManilaTimes” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.

2 Gedanken zu „…aus der philippinischen Presse

  • Februar 1, 2019 um 10:24
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    Ich habe schon live Interviews gesehen wo Deutsche zum IS übergetreten sind. Dort wurde gesagt dass man alle Ungläubigen, also alle ausser Islamisten, ausrotten will und nur den Islam als Weltreligion akzeptiert weshalb man alle anderen ausrotten will.

    • Februar 3, 2019 um 05:24
      Permalink

      Ich werde darauf am Sonntag im kleinen Philosophicum eingehen. Man muss das in einem groeszeren Rahmen sehen.

Kommentare sind geschlossen.