…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 31. Januar 2019

(zum Bild: Muslim Mindanao)

 

Otto Normalverbraucher… – …denkt sich die Welt einfach. Ist der Taeter ein Muslim, dann ist Mord ein Religionskrieg. Ist das Opfer ein Muslim, dann muss es Auslaenderhass sein. Mit dieser schiefen Sicht versteht er auch die Philippinen, die er in Christen und Muslims einteilen kann. Ein solch schlichtes Gemuet kann vielleicht austariert werden, wenn es die Kolumne von Emil Jurado gestern im “Manila Standard” zu Rate zieht. Dem liegt der Frieden in Mindanao am Herzen, und er schreibt, dass Nur Misuaris MNLF (Moro National Liberation Front) kaum Teil von Bangsamoro sein kann: “Geschichte, Kultur und Tradition unter Muslims sagen uns, dass zwischen den Maranaos (Haendler) in den Lanao-Provinzen und den Maguindanaos (Bauern) in den Cotabato-Provinzen, die Tausugs, wozu Misuari und seine MNLF gehoeren, niemals mit den Maranaos leben koennen. Fuer die Maranaos und die Maguindanaos sind die Tausugs Piraten. 

Heilige Banane! Warum glaubt ihr wohl sind die MILF (Moro Islamic Liberation Front) von der MNLF abgebrochen? Diese Art von Feindschaft kann nicht einfach ausgeloescht werden von einem Gesetz wie dem BOL (Bangsamoro Organic Law).

Wir Auslaender wissen zu wenig ueber Mindanao. Mit der groben Unterteilung Christen und Muslims meinen wir etwas zu verstehen, das dann seinen Weg in’s Ausland findet, das von Korrespondenten in Manila gefuettert wird. Ich behaupte mal ganz frech, dass Manila von Mindanao genauso weit entfernt ist wie Berlin von Mindanao – was das Verstaendnis der Menschen angeht. Es ist ein Segen, dass mit Rodrigo Roa Duterte jemand Praesident ist, der selbst aus Mindanao kommt, dessen Geschichte kennt, und dem es am Herzen liegt. So versteht sich vielleicht auch das Lob, wenn Richard Heydarian unter der Ueberschrift “Duterte’s finest hour” heute in der “Straits Times” schreibt: “Was Mr. Dutertes Fall einzigartig und auszergewoehnlich macht, ist jedoch seine unvergleichliche Gewissheit, wenn er zu seinem Schwur kommt, die ‘historische Ungerechtigkeit’ zu beenden, die an der muslimischen Minderheit begangen wurde.

Wenn in GenSan ein Mord geschieht, dann ist das eine Messerstecherei im Suff, oder es wird wegen Land geschossen. Ich wuesste nicht, dass hier mal einer wegen seines Glaubens getoetet wurde. Land, Stamm und Familie sind viel wichtiger. Dass Familie mit Religion zu tun hat, ist sekundaer. Verwandte meiner Frau sind muetterlicherseits muslimisch. Ihre Mutter und sie selbst waren bzw. sind engagiert katholisch. Ich war mal mit meiner Frau bei der muslimischen Hochzeit ihres Neffen zweiten Grades, alles kein Problem.

Wenn aber der IS (Islamic State) versucht, jeden Mord mit muslimischem Taeter als Glaubenskrieg hochzustilisieren, dann ist das genauso “normal beschraenkt” wie jene Sicht, die das umgekehrt auch so sehen will. Und genau deshalb ist es so schwer zu verstehen:

Zwei falsche Sichten geben nicht eine richtige.

An den Religionskrieg glaub ich einfach nicht, und Verteidigungs-Minister Delfin Lorenzana auch nicht: “ISIS will das vielleicht auf die hoehere Ebene eines Religionskrieges bringen. Doch Katholiken, Christen und sogar Mainstream-Muslime schlucken den Koeder nicht.

Im Uebrigen haben sich vier Personen bei der Polizei gemeldet, die auf den Bildern der Ueberwachungs-Kameras zu sehen waren und verwahren sich gegen den Verdacht. Da werden viele umdenken muessen, wie ich, was sie in die Bilder interpretiert haben. So wurden auch die Luft-Angriffe gegen Abu Sayyaf-Lager auf Jolo bestaetigt, und es wird die Idee von Selbstmord-Attentaetern wieder gehandelt, und man koennte zudem ueber einen Zusammenhang mit der Granate nachdenken, die in Zamboanga City in der Nacht zu Mittwoch in eine Moschee geworfen wurde, in der um Mitternacht muslimische Prediger schliefen – 2 Tote und 5 Verletzte. Ich will nicht spekulieren. Ich weisz zu wenig und will die Ergebnisse der Untersuchungen abwarten. Einfache Gedanken muessen nicht immer richtig sein.

Eine Kaeltewelle… – …macht derzeit den USA zu schaffen, und schon machen sich Kritiker des US-Praesidenten Donald Trump wie Chris Cuomo und Don Lemon bei “CNN” ueber den lustig, wie ignorant der sich gegenueber der Wissenschaft zeige, wenn er twittert, wo denn nun “Global Warming” sei. Das Thema ist das Hobby von Yen Makabenta in seiner Kolumne in “The Manila Times”. Ich lese ihn stets, wenn er sich nicht damit, sondern mit Politik befasst. Doch nun habe ich aus aktuellem Anlass dessen Kolumnen seit 2018 durchgeblaettert, was er zu den “Erderwaermern” zu sagen hat.

Der Ausdruck “Erderwaermer” ist kein Spott. Es ist in Analogie zum Ausdruck “Erdplaetterer”, mit dem der Philosoph und fuehrende Intellektuelle seiner Zeit, François Marie Arouet, genannt Voltaire, den angesehenen Wissenschaftler Pierre Louis Moreau de Maupertuis verspottete. Voltaire hing der Idee einer kugelrunden Erde an, als die “Newtonianer” der Aufklaerung darueber ihre Zweifel bekamen und Messungen durchfuehrten, die am Ende zeigten, dass die “Erdplaetterer” Recht hatten. Die Erde ist nicht kugelrund, sondern an den Polen abgeplattet. Das Folgende versteht sich nicht als Argumentation gegen die “Erderwaermer”, sondern als Beispiel, dass es in der Wissenschaft mit ihren Propheten und Gegnern immer schon kontroverse Meinungen gab und gibt, die nicht stets zugunsten der Eloquenz oder der Schlichtheit des Gedankens ausgehen.

Am 9. Januar 2018 fragte Makabenta in seiner Kolumne: “Was waere, wenn das wirkliche Problem heute extremes Wetter waere, und nicht der Klima-Wandel?” Und er beginnt mit dem Bekenntnis, dass er kein Glaeubiger der “Kirche der globalen Erwaermung” sei, eine Wendung, die er von Charles Krauthammer uebernahm, der sich als Agnostiker (Unwissender) gegenueber dem Haupt-Glauben von Umweltlern bekannte. Makabenta fielen zwei Dinge auf. Waehrend der Nordosten der USA bei -73 Grad Celsius einfror, wurde Sydney bei 47 Grad Celsius gebacken – das passt heuer wieder ganz gut. Auf der anderen Seite meldeten die Zeitungen damals, dass sich trotz Riesen-Erfolgs des ersten, niemand fuer den zweiten Teil von Al Gores Klima-Filmen interessierte. “Eine unbequeme Wahrheit” von 2006 war Top, “Immer noch eine unbequeme Wahrheit” von 2017 war dagegen ein totaler Flop.

Am 3. Juli 2018 meinte Makabenta: “Klima-Wandel ein Mythos”. Ihm ging es da um unzutreffende Vorhersagen und zitierte den “Daily Telegraph”, der 2015 schrieb, dass “…in 2013 und 2014, nachdem sich das Volumen des arktischen Eises verringert hatte, es wieder um 33 Prozent wuchs.” Und dass kanadische Wissenschaftler, “…die die Wirkung des Klimawandels auf das arktische Eis auf einem Eisbrecher erforschten, ihre Arbeit unterbrechen mussten, als ihr Schiff zu Hilfe gerufen wurde fuer andere Schiffe, die im dicksten Sommer-Eis der Hudson Bay seit 20 Jahren gefangen waren.” Makabenta schrieb dazu: “Ich fuer mich selbst wurde von einem Klima-Wandel-Zweifler zu einem Klima-Wandel-Leugner. Ich werde den Kongress auffordern, die Climate Change Commission aufzuloesen und uns Geld zu sparen, bis die Witzbolde dort die Wahrheit des Klima-Wandels beweisen koennen.

Am 21. Juli 2018 schrieb Makabenta in seiner Kolumne unter dem Titel “Schaut auf die Fakten: Die Erde erwaermt sich nicht, sie kuehlt ab”, dass wegen zunehmender Eisdicke in der Arktis und einem ausgefallenen Sommer in Groenland Umweltler vorsichtigerweise den Ausdruck “Global Warming ~ Erderwaermung” vermeiden und sich auf den Ausdruck “Climate Change ~ Klimawandel” verlegen.

Am 21. und 22. September 2018 verwies Makabenta auf den Mitbegruender von Greenpeace, Patrick Moore, der 2014 vor dem US-Kongress sagte: “Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis dafuer, dass menschliche Kohlendioxyd-Emissionen der fuehrende Faktor einer minimalen Erderwaermung ueber die letzten 100 Jahre seien.” Moore kehrte Greenpeace den Ruecken, als er fand, dass Wissenschaft dort gegen Politik ausgetauscht wurde.

Am 13. Oktober 2018, nachdem IPCC (Intergovernmental Panel on Climate-Change) der Welt noch 12 Jahre gab, das Steuer herumzureiszen, sonst ginge sie unter, schrieb ein Kritiker der Klima-Alarmisten: “Alle 10 Jahre sagen uns Klima-Forscher, dass uns noch 10 Jahre bleiben um den Planeten zu retten. Manchmal wollen sie uns vor der Erderwaermung retten, und andere Male sagen sie, sie wollen uns vor der Erdabkuehlung retten.” Und Makabenta verwies auf einen Aufsatz von Charles Krauthammer von 2015 in der “Washington Post” mit dem Titel “Der Mythos der gesicherten Wissenschaft”, der IPCC den Boden entzog. Viele Wissenschaftler sahen danach die Klima-Forschung als eine “Pseudo-Wissenschaft”. Er selbst, schrieb Makabenta, hoffe 2030 noch zu leben um zu sehen, dass die Vereinten Nationen den IPCC endlich abgeschafft haben.

Am 17. November 2018 berichtet Makabenta, dass die Untersuchung einer Studie von Ralph Keeling zur Erwaermung der Ozeane einen mathematischen Fehler aufdeckte. Dann geschah Bemerkenswertes, so Makabenta, was Politikern nie passiert: der Wissenschaftler Keeling sah seinen Fehler ein. Er musste feststellen, dass seine alarmierenden Zahlen nach Korrektur sich mit der normalen Erwaermung von 1993 bis 2016 deckte.

Am 13. Dezember 2018 berichtet Makabenta, dass Judith Curry, Klimatologin am Georgia Institute of Science and Technology, einen Bericht ueber “Erhoehung des Meeresspiegels und Klimawandel” schrieb, in dem sie sagt, dass Vorhersagen ueber die Erhoehung des Meeresspiegels nur “sehr schwach gerechtfertigt” seien. Makabenta findet, dass die UN-Klima-Agenda broeckelt.

Am 10. Januar 2019 berichtet Makabenta von einer neueren Untersuchung, die eine Erhoehung des Meeresspiegels um lediglich 1 Fusz (30 cm) durch Abschmelzen der Antarktis im Jahre 2100 sieht – man hatte zuvor mit 3 Fusz gerechnet.

Dies waren nur Highlights aus Makabentas Klima-Kolumnen, doch, wie zuvor gesagt, geht es mir nicht darum, dem einen oder anderen Recht zu geben. Ich habe mich selbst mit dem Thema nicht befasst, und wie man sieht, sind sich Wissenschaftler auch nicht einig. Mich amuesierte nur, wie bissig Makabenta das Thema verfolgt, und es ist ein guter Rat, nicht alles ungekaut fuer wahr zu nehmen, was mit dem Etikett “wissenschaftlich” um die Ecke kommt. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille, und ob Kopf oder Zahl oben liegt, sieht man erst, wenn die Muenze gefallen ist.

Egal, was man von ihm haelt, man muss Donald Trump seinen Spleen lassen, wenn er sich ueber die “Erderwaermer” lustig macht. Cuomo und Lemon sind die “Normalverbraucher bei CNN”. Sie sollten sich mit Wissenschaftsgeschichte befassen, um ihre schlichte Sicht wissenschaftlicher Wahrheiten zu differenzieren. Aber dazu muessten sie die politische Brille absetzen, durch die sie die Welt betrachten.

Gemaesz “ManilaStandard”, “GMANews”, “CNN” “ManilaTimes”, “StraitsTimes” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.