…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 27. Januar 2019

(zum Bild: Militär nimmt Lager von IS-Maute-Gruppe in der Nähe von Marawi ein)

 

Collateral advantage”… – …(beilaeufiger Vorteil) mag zynisch klingen, aber auch im Deutschen kennt man den Spruch “Aus Schaden wird man klug”. Der Kampf um Marawi war eine Katastrophe, menschlich betrachtet. Nicht nur wegen der ueber Tausend Toten, sondern vielleicht mehr noch wegen der ueber Hunderttausend Vertriebenen, von denen viele bis jetzt nicht in die zerbombte Stadt zurueckkehren koennen. Doch zu der gestrigen Meldung, dass Truppen ein Maute-Lager 50 km von Marawi entfernt eingenommen haben, gehoert auch eine Aussage von Oberst Romeo Brawner, die mir erst im Nachklapp (on second thaught) bewusst wird: “Die sozialen Bedingungen vor Ort zeigen eine grosze Verachtung gegenueber den versprengten Terroristen. Nach massiver Informations-Kampagne sind sich die Leute bewusst, welche Zerstoerungen diese Extremisten gebracht haben. Die Gemeinden geben nun bereitwillig Information an die Regierungs-Truppen, um diese Terroristen in ihren Gemeinden los zu werden.

Man moechte selbst kein zweites Marawi werden. Also gibt man nun Hinweise an die Armee, wo man zuvor die Klappe gehalten hat. Das Schweigen der Ansaessigen ist der groeszte Schutz der Rebellen vor der Armee. Wenn aber die Angst vor den Folgen des Schweigens groeszer ist als die Angst vor den Rebellen, dann werden die Rebellen schutzlos – ein “collateral advantage” fuer die Armee.

Collateral damage”… – …(beilaeufiger Schaden) ist ein Begriff der Kriegsfuehrung, wenn durch Kriegshandlungen Unbeteiligte zu Schaden kommen. Nun ist die Globalisierung der Wirtschaft auf den ersten Blick kein Krieg, doch betrachtet man den Davoser Wirtschaftsgipfel koennte das im Nachklapp (on second thaught) so gesehen werden. Kanzlerin Angela Merkel hatte dort laut der “Sueddeutschen Zeitung” kritisiert “es gebe Politiker, die glaubten, ‘der Welt geht es am besten, wenn jeder an sich denkt’. Dies sei unverantwortlich. Staaten muessten angesichts der globalen Probleme – Klimawandel, Umweltverschmutzung, Fluechtlinge, Finanzkrisen – gemeinsam handeln und die ‘multilaterale Ordnung staerken’. ‘Alles andere wird ins Elend fuehren.’” Allerdings merkt der Artikel an, dass Merkel zwar die Probleme benannt haette, aber nicht, wie sie zu loesen seien.

In Davos war auch George Soros laut “Welt” so zu hoeren: “’Xi Jinping ist der groeszte Feind der offenen Gesellschaft’, sagte Soros. China sei zwar nicht das einzige autoritaere System in der Welt. Doch die Kombination aus relativem Wohlstand und technologischem Fortschritt mache das Regime zu einer groszen Gefahr fuer die westlich Welt.

Nach Soros ist die “offene Gesellschaft” das Mittel, das die Welt heilen soll, und deshalb hat er einen Groszteil seiner Milliarden bereits der Open Society Foundation vermacht, damit sie in seinem Sinne die Welt bekehrt, der sich an der US-Demokratie orientiert. Er ist einer der groeszten Unterstuetzer der Demokraten in den USA. Fuer die Philippinen faellt davon ab, dass HRW (Human Rights Watch), von der Open Society gesponsort, staendig an Praesident Rodrigo Roa Duterte herumnoergelt.

Nun hat aber die “offene Gesellschaft” zu den von Kanzlerin Merkel benannten Problemen gefuehrt. Wie soll sie da Heilmittel sein?  Darauf wies auch Fang Xinghai, Vizepraesident der chinesischen Boersenaufsicht hin, und sagte in Davos, dass westliche Demokratien nicht besonders effektiv funkionieren, und er schlug dem Westen politische Reformen nach dem Vorbild von China vor. Dafuer wurde er zwar ausgelacht, aber – er hat es gesagt.

Also, wie haetten wir’s gern? Multilaterale Ordnung, offene Gesellschaft oder das Vorbild China?

Mir gefaellt an allen Modellen nicht, dass dort Staaten anderen Staaten in deren Politik reinreden wollen. Die multilaterale Ordnung will ein Muster, das vermutlich ziemlich europaeisch aussehen wird, und wer sich nicht so verhaelt, wird abgestraft. Das unterscheidet sich nicht grosz vom Modell China als Vorbild, nur duerfte das Europaern nicht gefallen. Und die offene Gesellschaft sieht die USA als Modellfall mit denselben Folgen, weshalb sie einen Handelskrieg gegen den Rest der Welt fuehren.

Warum haelt man sich nicht an das Modell, das – im Maszstab erweitert – dem Alten Fritz zugeschrieben wird? Auf dieser Welt soll jeder nach seiner Fasson selig werden.

Ich hasse Missionare. Jeder, der sich im Besitz von Wahrheiten glaubt, ist im Grunde ein Extremist, mit dem man nicht mehr reden – und dann auch nicht mehr verhandeln kann. Im Handel muss man aber miteinander reden. Also?

Jeder Hinweis auf “hoehere Gueter” – “Klimawandel, Umweltverschmutzung, Fluechtlinge, Finanzkrisen” – ist ein Glaubenssatz, eine sogenannte Wahrheit, ueber die man nicht streiten kann. Wer’s glaubt, gut, wer’s nicht glaubt, auch gut. Was will man tun? Schaedel einschlagen?

Wie der erste Beitrag oben gezeigt hat, werden einige erst durch Schaden klug. Damit muss man leben – “collateral damage”. Boracay und die Manila Bay mussten auch erst verschmutzt werden, bevor man darauf kam, dass man Dreck wieder wegraeumen muss, den man gemacht hat. Vorher hat da keiner dran gedacht. Klimawandel? Yen Makabenta fuehrt in seiner Kolumne in „The Manila Times“ einen einsamen Kampf gegen die „Church of Global Warming“ und triumphiert, wenn wieder ein Wissenschaftler diesem Aberglauben den Ruecken kehrt und zugibt, dass er mit falschen Rechen-Modellen gearbeitet hat. Wie das ausgeht? Warten wir’s ab! Bei der derzeitigen Kaeltewelle in Deutschland und USA werden die „Erderwaermer“ keine neuen Anhaenger finden.

Gemaesz “ManilaBulletin”, “SZ”, “Welt” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.