…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 18. Januar 2019

(zum Bild: Maithripala Sirisena sieht das Drogenproblem genauso wie Rodrigo Duterte)

 

Ein Beispiel fuer die Welt – Der ansonsten von den Medien wenig beachtete fuenf-taegige Besuch des Praesidenten von Sri Lanka, Maithripala Sirisena, fand seinen Niederschlag in allen Blaettern, als Sirisena beim Staatsbankett zu seinen Ehren am Mittwoch den Toast von Praesident Duterte beantwortete und sagte: “Exzellenz, der Krieg gegen Kriminalitaet und Drogen, den Sie fuehren, ist ein Beispiel fuer die ganze Welt, und persoenlich fuer mich. Die Drogen-Plage wuchert in meinem Land, und ich spuere, dass wir Ihren Fuszspuren folgen sollten, um dieser Gefahr zu begegnen.

Sri Lanka ist kein Riese wie China, das allein durch den schieren Umfang abgeschlossener Vertraege Beachtung findet – Geld regiert nun mal die Welt. Doch diese zwei Saetze koennen Geschichte machen. Je mehr Laender sich der “Methode Duterte” anschlieszen – der “Daily Tribune” hat die Schlagzeile “Sri Lanka clones Tokhang” – umso mehr wird der ICC (International Criminal Court) es sich ueberlegen, ob er noch eine Untersuchung gegen Dutertes Drogenkrieg einleitet.

Das erste Plebiszit… – …fuer das BOL (Bangsamoro Organic Law) steht am Montag an, und Praesident Duterte hat den 21. Januar als arbeitsfreien Tag in ARMM (Autonomous Region in Muslim Mindanao) und in Isabela City und Cotabato City erklaert. Die beiden Staedte gehoeren nicht zur ARMM, werden aber gefragt, ob sie sich dem BOL anschlieszen wollen. Praesident Duterte wird heute in Cotabato City erwartet, wo er fuer das BOL sprechen will.

Das Plebiszit wird am 6. Februar in Lanao del Norte, auszer Iligan City, und in einigen Gemeinden in North Cotabato abgeschlossen. Trotz anhaengiger Klagen beim Obersten Gericht, waere die Annahme ein groszer Schritt zum Frieden auf Mindanao, und es ist anzunehmen, dass ein positiver Ausgang auch einen gewissen Einfluss auf den Entscheid des Obersten Gerichts haben wird.

Ein Scheitern des Plebiszits waere eine Katastrophe.

Populismus – Zu meinem gestrigen Beitrag, der sich mit dem Vorwurf des Populismus von Richard Heydarian gegen Duterte und andere befasste, hat sich im Netz ein Diskussion entwickelt, in der man sich ueber das Wort aufregt oder gar eine Definition beitraegt. Wer da was wie versteht, ist mir egal. Heydarian verwendet es als Kampfbegriff gegen den volksnahen Duterte und stellt sich damit selbst in die Reihen der Elite – wo er auch hingehoert.

Zu meinem Verstaendnis gibt es keine Definition. Definitionen sind fuer Juristen, die sich damit vor Gericht beharken koennen, fuer mich gibt es nur Geschichten. So habe ich gestern abend bei “HBO” den Film “Darkest Hour (dt. Titel: Die dunkelste Stunde)” gesehen mit Gary Oldman in der Hauptrolle des Winston Churchill.

Im Mai 1940 kommt es zu einer Kabinetts-Krise in London, wie man dem Kriegszug Hitlers begegnen sollte. Neville Chamberlain scheitert mit seiner Appeasement-Politik und tritt zurueck. Koenig Georg VI. ernennt Churchill zum Premier. Der muss sich mit den Beschwichtigern auseinandersetzen, was ihm als Hardliner quer runtergeht, aber ignorieren kann er die auch nicht, sonst ist er seinen Posten los und kann gar nichts tun. So von Argumenten und Gedanken hin und her gerissen sitzt er im Wagen auf dem Weg nach Westminster, als sie vor einer Ampel halten muessen. Ob das nun historisch richtig ist, ist mir Wurst, es geht um die Geschichte. Einer Eingabe folgend steigt Churchill aus dem Wagen und geht in die naechste U-Bahn Station. Vor dem Schaubild der Zug-Verbindungen fragt er eine Frau: “Wie komme ich nach Westminster?” Die sieht ihn mit offenem Mund an, erlaeutert aber, welche Linie er nehmen muss. Er steigt in den Zug und wird wieder angestarrt. Churchill: “Habt ihr noch nie den Premier in der U-Bahn gesehen?” Das loest die Spannung, und dann startet er eine “Volksumfrage”, ob man Widerstand leisten oder mit “dem Kerl” verhandeln soll. Die Antwort ist ein einstimmiges “Never!” Churchill ignoriert die Beschwichtiger und haelt am 4. Juni 1940 im Unterhaus seine Rede “We shall fight on the beaches”.

Nachdem Benigno “Noynoy” Aquino sechs Jahre lang der Kriminalitaet ihren Lauf liesz und seine Justiz-Ministerin Leila de Lima dafuer sorgte, dass Bilibid zur Drogenhandels-Zentrale des Landes mutierte, schubsten Unterstuetzer den Hardliner Rodrigo Duterte in der dunkelsten Stunde der Philippinen in die U-Bahn der Linie “Wahl 2016”. Das Ergebnis war so einstimmig wie die Antwort des Volkes in der U-Bahn in diesem Film, den ich gestern abend im TV gesehen habe.

Ich habe nichts gegen diese Spielart des Populismus, und, wie oben erwaehnt, nehmen sich inzwischen andere Laender ein Beispiel.

Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “PhilStar”, “DailyTribune”, “Wikipedia” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.