…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 17. Januar 2019

(zum Bild: Duterte und seine Chinapolitik)

 

Antonio Contreras… – …befasst sich in seiner Kolumne in “The Manila Times” mit dem Vertrauen, welches Institute wie SWS (Social Weather Stations) oder Pulse Asia in Umfragen erfassen wollen. Er sieht zwei Uspruenge des Vertrauens, es beruht auf Vernunft oder auf Gefuehl. Er schreibt: “Filipinos bewegen sich typischerweise in einem persoenlichen Netz des Vertrauens, in dem Zuneigung nicht das Ergebnis von Wissen und Augenschein ist, sondern schlicht der Ausdruck einer gefuehlsmaeszigen Bindung, Und dies findet sich wieder in Dingen wie Treue zu Marken, gefeierten Personen, TV-Programmen oder politischen Figuren.

Und das ist genau das, warum man Umfrage-Ergebnisse mit hohen Vertrauens- und Zustimmungs-Werten nicht werten sollte als Masz fuer die tatsaechliche Arbeit eines Politikers. Ein hoher Wert dort bedeutet nicht notwendig, dass der Politiker effektiv ist oder dass seine Politik vom Volk unterstuetzt wird. Analog steht ein niedriger Wert auch nicht fuer schlechte Amtsfuehrung.

Diese Diskrepanz sieht Contreras deutlich in der China-Politik von Praesident Rodrigo Roa Duterte: “Dieses Verhalten ist nirgends offenbarer als dass in derselben Umfrage [nach dem Vertrauen in den Praesidenten] von Pulse Asia, die Ergebnisse zeigten, dass nur 39 Prozent Vertrauen in China haben, waehrend eine Mehrheit von 60 Prozent kein Vertrauen hat. Der Praesident, dem 76 Prozent vertrauen, verfolgt eine pro-China Politik. Es ist daher eine spuerbare Unstimmigkeit im Volk, das jenem Praesidenten vertraut, dessen Politik dazu neigt, einem Land gewogen zu sein, dem das Volk nicht traut. Dies wird noch klarer, wenn man die Tatsache betrachtet, dass eine grosze Mehrheit von 84 Prozent den USA traut, gegenueber denen der Praesident eine eher kritische Position einnimmt.

So kommt Contreras zu dem Schluss: “Daher ist Vertrauen nicht laenger ein verlaessliches Masz, wie gut der Praesident seine Arbeit als Politiker macht, sondern es ist ein Ausdruck der Unterstuetzung. Das ist der exakte Grund, warum Postings, Meinungen und Nachrichten, die ihn kritisieren, selbst wenn sie Fakten und Beweise beinhalten, nicht gemocht werden, und Leuten die das tun, kuendigt man die Folge (are unfollowed) und werden heruntergemacht (bashed). Teil des Vertrauens ist das Tragen der Last, den Vertrauten zu verteidigen vor Feinden und Kritikern.

Richard Javad Heydarian… – …schreibt in einem Artikel fuer die “South China Morning Post”, ob Duterte, Modi und Widodo wiedergewaehlt werden oder nicht, ihr “Populismus” werde weiterleben. Wichtig in dem langen Artikel – auch so ein “Romanschreiber” – sind mir die zwei letzten Saetze: “Die Lektion ist klar: der beste Weg um Populisten zu besiegen ist nicht, indem man allein sich auf Werte beruft, denn der demokratische Geist ist dramatisch abgesunken in der breiteren Gesellschaft. Nur indem man ihre Inkompetenz und ihre Misswirtschaft bloszlegt und zugleich eine alternative politische Agenda Menschenrechte mit effektiver Regierung verbindet, kann der verstimmte Mittelstand an die Macht gelangen.

Allein hieraus ergibt sich der Rest des Artikels, doch damit habe ich einige Probleme.

Warum muessen Populisten besiegt werden? Ueber die Praesidenten von Indien, Modi, und Indonesien, Widodo, will ich dabei nicht reden, da weisz ich zu wenig. Da Heydarian sie aber mit Praesident Duterte gleichsetzt, reicht es, wenn ich mich an den halte. Wo sehe ich da Inkompetenz und Misswirtschaft? In dem Artikel ist kein Hinweis. Er setzt voraus, dass Populisten keine Ahnung haben und die Wirtschaft zugrunde richten. Dafuer finde ich aber auch keinen Hinweis in der Realitaet. Wenn aber alles gut laeuft, wofuer dann eine alternative politische Agenda?

Der Artikel sagt nichts ueber irgendeine Realitaet, aber viel ueber den Standpunkt des Autors. Ein Banause wie Duterte kann gar nicht richtig liegen, weil nur richtig ist, was die “Elite” tut. Auch wenn die “Elite” dasselbe macht wie der Banause ist es anders, denn sie verbindet die “Menschenrechte mit effektiver Regierung”. Wenigstens sagt die “Elite” das. Nun lehrt die Erfahrung, dass in der westlichen Welt ueber “Menschenrechte” geredet wird, aber geht es den Menschen dort deshalb besser? Oder sieht das nur so aus, weil der Westen wirtschaftlich staerker ist und beneidet wird? Beneidet um den hoeheren Konsum, nicht um die hoeheren Werte! Der Westen – und hier westlich erzogene Intellektuelle – meinen, dass die Befolgung ihrer Ideale ihnen zu Wohlstand verholfen hat. Es ist umgekehrt: ihr Wohlstand gestattet ihnen, sich solche Ideale zu leisten.

Es geht auch ohne westliche Werte, siehe China (wobei ich das Modell nicht fuer mich selbst wuensche). Aber es verraet, warum man im Westen wuetend ist auf diese Veraechter demokratischen Geistes. China zeigt, wie hohl die Werte des Westens sind, und sie dadurch anfaellig fuer den Populismus machen.

Ich bin Heydarian sehr dankbar, dass er das so klar herausgearbeitet hat, auch wenn er selbst das wohl genau andersrum versteht. Doch der vormalige Professor fuer Politik und politische Berater des Kongresses, nun Autor von Buechern und Artikeln zu Suedostasien und zu Duterte und gern gesehener Gast-Experte in diversen TV-Sendungen – er sieht gut aus und hat eine angenehme Stimme – gibt da ein Beispiel fuer die Hilflosigkeit der Opposition, dem Populisten eine Alternative entgegen zu setzen. So bleibt ihnen nur, sich ueber seine Reden aufzuregen.

Der Rest der Welt sollte nicht so tun, als sei das ein rein philippinisches Problem. Der Populismus, von dem niemand so genau weisz, was das sein soll, blueht auch dort. Und wenn der “demokratische Geist”, den Heydarian als Gegenpol sieht, so gut ist, wie zu sein von ihm geglaubt wird, dann moege man mir die Frage beantworten: wie konnte es dann dazu kommen, dass sich auch im demokratischen Westen Populismus breit macht? Der Brexit ist – auch wenn es grad so aussieht – kein Problem von Theresa May. Es ist ein Problem der EU.

Statt lediglich den Umgang der beteiligten Staaten miteinander zu regeln, schuf man ein Monster – ein neuer Staat ueber ihren Staaten. Wer lebt darin? Wer denkt und spricht “europaeisch”? Kein Wunder, dass die Englaender, die schon immer eine gewisse Reserve gegenueber dem Kontinent hatten, sich da nicht zu Hause fuehlten. Und ganz im Sinne von Winston Churchill haben sie mutig einen Beweis fuer dessen These geliefert: “Die Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen – abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.

Und hier greife ich nun auf die oben angefuehrten Gedanken von Antonio Contreras zurueck, der Filipinos “in einem persoenlichen Netz des Vertrauens” sich bewegen sieht, das eher vom Gefuehl als vom Wissen geleitet wird. Koennte es sein, dass es in der westlichen Welt auch jede Menge Menschen gibt, die genauso gestrickt sind? Das wuerde sehr leicht erklaeren, wo der Populismus weltweit seine Wurzeln hat.

Der Mensch ist vernunftbegabt. Das heiszt aber nicht, dass er staendig davon Gebrauch macht. Schlieszlich hat er ja auch noch Gefuehl.

Gemasz “ManilaTimes”, “SCMP” u.a

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

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