…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mitwoch, den 09. Januar 2019

(zum Bild: Abdusakur “Sakur” Tan [Archivbild])

 

Fuer das Fest des Schwarzen Nazareners… – …wurden gestern schon Straszen gesperrt, damit die Prozession, bei der die kreuztragende Figur Jesu durch den Bezirk Quiapo, Manila, getragen wird, glatt ueber die Buehne geht. Die Figur ist geschwaerzt, vermutlich von einem Brand auf dem Schiff, mit dem sie 1606 von Mexiko nach Manila gebracht wurde. Millionen kommen, die sich Heilung oder Vorbeugung gegen Krankheiten versprechen, wenn sie die Statue beruehren, was nur indirekt moeglich ist. Man wirft ein Tuch zu den Leuten, die auf dem Wagen die Statue vor Zugriffen schuetzen, die beruehren damit die Statue oder das Kreuz und werfen es zurueck. Die Straszen werden gruendlich gereinigt, weil man traditionell der Statue barfusz folgt, da die “Traslacion” den Weg Jesu mit dem Kreuz zum Kalvarienberg symbolisiert. Das ist, wie der Leitartikel der “Manila Times” heute erlaeutert, eigentlich ein Missverstaendnis, denn der Zug durch die Stadt erinnert nur an die Uebertragung der Figur von der alten San Nicolas de Tolentino Church in Intramuros zur Quiapo Church im Jahre 1787. Das Fest des Schwarzen Nazareners muesste eigentlich an Karfreitag sein, aber nun hat es sich eben anders als Tradition herausgebildet.

Laengs der Route schalten die Provider das Handy-Netz ab, weil auf diese Weise hier uebliche IEDs (Impovised Explosive Devices) gezuendet werden. Wer es noch nicht gesehen hat, sollte den Fernseher einschalten und sich die “Traslacion”, den Zug mit dem “Black Nazarene” vom Quirino Grandstand im Rizal Park zur Minor Basilica of the Black Nazarene in Quiapo, Manila, live anschauen. Es dauert bei dem Chaos den ganzen Tag.

Dabei begann es eigentlich gestern mit dem “Pahalik ~ Kuessen”. Die Figur wurde auf dem Quirino Grandstand in einem Verschlag bereitgestellt, der nur den Fusz des Schwarzen Nazareners freigibt. Daran zogen die “Devotees” vorbei, wischten den Fusz mit einem Tuch ab und kuessten ihn. Hier koennen sie die Figur tatsaechlich beruehren, was bei der “Traslacion” kaum moeglich ist. Im letzten Jahr nahmen 153 Tsd am “Pahalik” teil, waehrend 1,1 Mio bei der “Traslacion” dabei waren.

Bei all dem kommt mir da die gestrige Kolumne von Antonio Contreras in den Sinn, die sich mit der Trennung von Kirche und Staat befasst. Dass Duterte sich gegen Angriffe des Klerus auf seine Politik verwahrt, ist verstaendlich, die Inhalte des Glaubens jedoch gingen ihn nichts an. Und so findet Contreras “…Praesident Duterte waere wohlberaten, wenn er seine Fixierung auf die Daemonisierung nicht nur der katholischen Hierarchie, sondern auch deren Dogmas nicht ueberzieht.

Das waere ein Angriff auf die Glaubensfreiheit, meint Contreras, und ich meine, dass Dutertes Attacken gegen Heilige, die Beichte oder die Drei-Einigkeit Gottes nicht einen der “Nazarene devotees”, der Verehrer des Schwarzen Nazareners davon abhalten, heute wie verrueckt zu draengeln und zu schubsen, um der Statue moeglichst nahe zu kommen, sein Handtuch hinaufzuwerfen, und dann gluecklich zu sein, wenn er es zurueckerhaelt. Und so geb ich Emil Jurado in seiner Kolumne heute im “Manila Standard” voellig Recht, wenn er so beginnt: “Heute ist der Tag der Traslacion. Das koennte gut die beste Antwort auf die Tiraden des Praesidenten gegen die katholische Kirche sein.

Und es sind nicht nur Hoehepunkte im Leben der Glaeubigen, die unbeeinflusst bleiben. Vorgestern waren wir beim 60sten Geburtstag des Schwagers, es gab ordentlich was zu essen, doch – bevor die Schlacht am Buffet begann, standen alle auf, falteten die Haende und der Praesident der dortigen GKK (Gamay Kristyanon Katilingban ~ Kleine christliche Gemeinschaft) sprach ein Gebet.

Das wird auch nach Duterte nicht anders sein.

Duterte ist kein spiritueller Fuehrer, und wenn sein Sprecher Salvador Panelo versucht die kuerzliche Bemerkung, die Lehre von der Dreieinigkeit sei “silly ~ albern”, als Versuch zu rechtfertigen, “eine intellektuelle Diskussion” einzuleiten, dann beweist er nur, dass er seinen Chef nicht versteht. Duterte ist kein Intellektueller. Das zeigt sich auch darin, wie ich neulich schrieb, dass er sich im Kabinett als “Mayor” gibt und das Amt ummodelt, dass es zum Selbstverstaendnis als “politischer Handwerker” passt. Sein Ringen um den eigenen Glauben ist sein Problem, das in seiner Politik keine Rolle spielen sollte. Wenn die Leute ueber diese Witzchen lachen, sollte es damit auch gut sein. Man muss nicht mehr daraus machen, als es hergibt.

Das Vernuenftigste in der Angelegenheit, ich zitierte das bereits im Juni letzten Jahres, als die “Gott ist bloed”-Debatte begann, hat Dutertes Tochter Sara Duterte Carpio damals gesagt: “Bitte hoert nicht auf ihn, wenn er die Bibel oder den Koran interpretiert. Er ist kein Priester, kein Pastor und kein Imam. … Er ist der Praesident. Hoert nur zu, wenn er ueber seine Arbeit spricht, und kritisiert seine Arbeit, nicht wenn er ‘talkalese’ spricht.” Mit “talkalese” bezeichnet Duterte selbst sein Reden um des Redens willen, ob das Sinn macht oder nicht. Man koennte das mit “Brabbelei” uebersetzen, meine Frau sagt dazu “to keep the mouth busy ~ den Mund beschaeftigen”.

Als Exklusiv-Meldung… – …bringt die “Manila Times” heute die Aufforderung von Abdusakur “Sakur” Tan, der im Mai fuer das Amt des Gouverneurs von Sulu kandidiert, an Praesident Duterte, der solle eine “revolutionaere Regierung” ausrufen, um den Foederalismus einzufuehren. Er ist gegen das BOL (Bangsamoro Organic Law), das keinen Foederalismus braechte. Tans Sohn, Abdusakur “Toto” Tan, derzeit Gouverneur von Sulu, machte letztes Jahr eine Eingabe beim Obersten Gericht, das BOL als verfassungswidrig zu verbieten.

Das kommt alles etwas unguenstig, da am 21. Januar und am 6. Februar das Plebiszit fuer das BOL durchgefuehrt wird. Die Tans wollen das BOL nicht, das sie mit anderen Regionen zusammenwirft, die sie irgendwie nicht moegen. Im Dezember gab es eine Meldung, dass eine Gruppe an dem Plebiszit teilnehmen, jedoch mit “no” stimmen will, damit das BOL nicht durchkommt. Daneben gibt es eine Gruppe in der MNLF (Moro National Liberation Front) unter dem frueheren Sulu-Gouverneur Yusop Jikiri, die BOL unterstuetzt.

Welche Position MNLF-Gruender Nur Misuari einnimmt ist unklar, auf den Praesident Duterte grosze Stuecke haelt. Die Frage ist, ob Duterte da nicht wie schon bei dem mit Misuari gleichaltrigen “Joma” Sison auf das falsche Pferd setzt. Offenbar haben weder Sison bei den Kommunisten, noch Misuari bei den Tausugs auf Sulu etwas zu sagen. Sie sind Schatten ihrer eigenen Vergangenheit.

Auf der anderen Seite hat Praesident Duterte oefter davon gesprochen, Mindanao zu einer foederalen Region zu machen, wenn der Kongress die Verfassung nicht entsprechend ergaenzt oder umgemodelt bekommt. So nimmt der aeltere Tan Duterte beim Wort und sagt: “So steht Praesident Duterte zu seinem Wort und meint, was er sagt. Wenn du ein foederales System willst, musst du jetzt eine revolutionaere Regierung ausrufen. Ein foederales System durch eine revolutionaere Regierung, und wir muessen das jetzt erklaeren, je eher, desto besser. … Mehr als die Haelfte der Buergermeister oder 15 von 19 Gemeinden sind dafuer und folgen mir in diesem Ruf fuer den Foederalismus und falls noetig, fuer eine revolutionaere Regierung. Die legitimen Sultane von Sulu werden dabei sein, und da bin ich sehr sicher. Als ihr Sprecher und besonderer Gesandter spreche ich fuer den koeniglichen Rat des Sultanats von Sulu, der die fuenf Sultane von Sulu einschlieszt.

Die 5 Sultane haben sich jedoch im Mai 2018 in Zamboanga City als Ziel auf einen Zambasulta Federal State unter einer foederalen Philippinischen Regierung geeinigt. Die Philippinen sind aber (noch?) keine Foederation, und soweit ich das verstehe sollen zu diesem Zambasulta Federal State auch Teile von Palawan und Borneo gehoeren, weniger die Teile Mindanaos, die nun unter dem BOL angepeilt werden. Da ist jedoch ein Aspekt, den Praesident Duterte derzeit nicht gebrauchen kann. Und ob er das mit dem Ausrufen einer revolutionaeren Regierung immer noch ernst meint ist eine andere Frage. Vielleicht war das ja auch nur “talkalese”.

Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaStandard”, “Rappler” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.