…aus der philippinischen Presse

 

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 04. Januar 2019

(zum Bild:  entführter Vogelkundler Ewold Horn immer noch in Geiselhaft)

 

Usman” war kein richtiger Taifun… – …aber auch nicht blosz schlechtes Wetter. Den groeszten Schaden richteten die Wassermengen an, die in der Bikol-Region und besonders in Camarines Sur vom Himmel kamen. Ueberflutungen und Erdrutsche kosteten mehr als 120 Menschen das Leben und 28 werden noch vermisst. Praesident Rodrigo Roa Duterte wird die Region heute besuchen, wie Sprecher Salvador Panelo gestern bekannt gab.

Fall geloest – In einer Presse-Konferenz gab Oscar Albayalde, Chef der PNP (Philippine National Police) bekannt, dass der Mord an Rodel Batocabe und dessen Polizei-Begleiter geloest sei. Hinter dem Anschlag an dem Abgeordneten der “Ako Bikol”-Party List steckt der Buergermeister von Daraga, Carlwyn Baldo. Als Batocabe im August letzten Jahres verkuendete, dass er 2019 fuer das Amt des Buergermeisters in Daraga kandidieren will, heuerte Baldo Rebellen und ehemaligen Soldaten fuer 5 Mio Peso an, Batocabe zu ermorden. Plan und Tat wurden klar, als ein anfangs Beteiligter absprang und nun als Zeuge auftrat. Ein gewisser Henry Yuson, ehemaliges Mitglied der NPA (New People’s Army) wurde als Schuetze benannt, er ist fluechtig. Albayalde: “Wir betrachten den Fall als geloest aber noch nicht abgeschlossen. Einige Verdaechtige sind noch nicht gefasst worden.” Die PNP reichte gegen Baldo und sechs andere Klage wegen Doppel-Mordes ein, und wegen versuchten Mordes, da auch Unbeteiligte bei der Schieszerei verletzt wurden.

In einem Video-Statement, das gestern im TV zu sehen war. verwahrte sich Buergermeister Baldo gegen die Anschuldigung und bezeichnete sich als unschuldig. Das ist er, bis zum Urteil des Gerichts. Ob auch danach, werden wir sehen.

Zur Pressefreiheit… – …unter Praesident Duterte aeuszerte sich Ende 2018 der Gouverneur von Maguindanao Ismael “Toto” Mangudadatu in einem Interview mit der PNA (Philippine News Agency) und sagte: “Als Buergermeister Duterte Praesident wurde, hatten Journalisten mehr Meinungs-Freiheit.

Mangudadatu forderte 2009 Andal Ampatuan jr. bei der Wahl zum Gouverneur von Maguindanao heraus. In einem Tross wurden seine Frau und 57 Unterstuetzer und Journalisten bei dem Ampatuan-Massaker am 23. November 2009 getoetet, als sie seine Kandidatur einreichen wollten. 197 Personen wurden angeklagt, 15 mit Nachnamen Ampatuan, 114 verhaftet, auch Andal Ampatuan Senior und Junior. Ampatuan sr. verstarb in Haft. Das Urteil in der Sache wird fuer dieses Jahr erwartet.

Unter den 58 Opfern damals waren 32 Journalisten, was fuer Aufmerksamkeit der internationalen Presse sorgte. Mangudadatu selbst war nicht in dem Tross. Vier Tage nach dem Massaker reiste er auf derselben Strecke zur Stadt und reichte seine Kandidatur ein. Er ist seit 2010 Gouverneur von Maguindanao.

Von dem Tiefstand, den die Philippinen in der Liste der toedlichsten Laender fuer Journalisten damals einnahm, hat sich das Land erholt. Am 11. Oktober 2016 schuf Duterte die Presidential Task Force on Media Security, die Angriffe auf Journalisten verfolgt und zur Anzeige bringt. Seit 2018 werden die Philippinen nicht mehr unter die fuenf toedlichsten Laender gerechnet, trotz aller Unkenrufe der Opposition. Den Platz fuenf nehmen nun die USA ein, das gelobte Land der Duterte-Kritiker.

Ein Genuss zu lesen… – …ist die gestrige Kolumne von Jojo Robles in “The Manila Times”, auf die ich wegen eines anderen Themas nicht einging. Unter der Ueberschrift “Ein Schreiner, kein Heiliger” laesst Robles sich darueber aus, wie unsinnig es sei, wenn die Opposition Praesident Duterte seine unflaetigen Reden und Laster vorwirft. Die Waehler kannten das aus seiner Zeit als Buergermeister und wollten ihn, statt dieser “netten Jungs”, die in den Jahren zuvor nur Schaden bewirkt hatten. Robles bringt als Vergleich: “Wenn ich einen Schreiner beauftrage, mir einen Schrank zu bauen, frag ich ihn, ob er das so bauen kann, wie ich das will, ob er das in der Zeit und zu dem Preis hinkriegt, … Ich frag ihn nicht, ob er zur Kirche geht, den ganzen Tag flucht oder seiner Frau treu ist, und mich kratzt auch nicht, ob er fuer seinen Lohn Schnaps kauft. Ich will nur, dass er den Schrank baut.

Wie die Opposition Duterte nun kritisiert koennte man meinen, dass der ein provinzielles Schandmaul sei, so inkompetent und nutzlos wie zum Beispiel der fruehere Praesident Benigno “Noynoy” Aquino. Jedoch – Duterte fasst Sachen an und realisiert, was bei der vorigen Regierung vom Zeichenbrett nie in die Fertigung ging, und so bleibt die Zustimmung so “stratosphaerisch”, obwohl ein Wachhund im Senat vor zwei Jahren voraussagte, dass sie zum Ende des ersten Jahres unter 50 Prozent sinken wird. Ist sie nicht, denn die Schafe folgen nicht mehr der Elite, und das aergert die, die glauben, dass die Leute nur waehlen koennen, was die Elite sie waehlen laesst.

Und weil man Opponenten nicht unterbricht, wenn sie Fehler machen, kommentiert Robles das nicht weiter, sondern sieht die Opposition bei kommenden Wahlen wie ein Zug-Unglueck in Zeitlupe: es werde ein Desaster – fuer die Opposition.

Wir werden sehen, ob Robles Recht hat. Vorhersagen sind ungleich schwieriger als Nachhersagen, sprich: Nachrichten.

Immer noch” – Heute lese ich in “PhilStar”, dass der niederlaendische Vogelbeobachter Ewold Horn zu fuenf Personen gehoert, die von Abu Sayyaf immer noch als Geisel gehalten werden. Horn wurde zusammen mit dem Schweizer Vogelbeobachter Lorenzo Vinciguerra am 1. Februar 2012 in Panglima Sugala, Tawi-Tawi, entfuehrt. Vinciguerra konnte am 6. Dezember 2014 seine Waechter beim Angriff des Militaers auf die Terroristen in Jolo ueberwaeltigen und entkommen. Er sagte damals, dass Horn zu schwach war, um mit ihm zu fliehen.

Die Nachricht, dass Horn immer noch lebt, kam am Sonntag von Jelster Ed Quimbo, der auf Jolo von Abu Sayyaf entlassen wurde. Quimbo ist ein Geschaeftsmann der Gegend, und auch wenn es geleugnet wird, ist da Loesegeld geflossen. Er sagte, er habe Horn, einen Vietnamesen und drei Filipinos in der Gewalt der Abu Sayyaf gesehen. Die Gefangenen seien in guter Verfassung.

Nun verfolge ich die Entfuehrungen durch Abu Sayyaf seit Beginn meines Blogs 2016, und da tauchte der niederlaendische Vogelkundler, bzw. Vogelbeobachter wieder und wieder beilaeufig auf. Im Juli 2016 schrieb ich im Zusammenhang mit der Entfuehrung von der Insel Samal bei Davao: “Abu Sayyaf soll noch ein Dutzend Menschen gefangen halten, einen niederlaendischen Vogelkundler, den norwegischen Resortleiter von Samal, sieben indonesische Seeleute und drei Filipinos.” Im Maerz 2017 schrieb ich im Zusammenhang mit der Entfuehrung des Deutschen Juergen Kantner: “Abu Sayyaf haelt immer noch 31 (einige sagen 33) Geiseln, meist Seeleute aus Vietnam, Indonesien und Malaysia, aber auch 6 Filipinos und ein niederlaendischer Vogelkundler, der seit 2012 dort festgehalten wird, von dem ich nicht einmal weisz, ob er ueberhaupt noch lebt.

Ich bin Ende 2011 in die Philippinen gekommen, ein paar Monat bevor Horn entfuehrt wurde. Ich kann mir nicht vorstellen, was ich alles nicht haette tun koennen, waere ich damals entfuehrt worden und saesze seither irgendwo im Dschungel auf Jolo, stets mit den Entfuehrern auf der Flucht vor dem Militaer. Nun weisz ich dass Ewold Horn lebt, da er wieder in den Nachrichten ist, wieder mal beilaeufig mit den begleitenden Worten “immer noch”. Wann ist er mal Hauptperson der Nachricht mit den begleitenden Worten “entkommen” oder “befreit”?

Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “CNNPhil”, “GMANews”, “PNA”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.