…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 16. Dezember 2018

(zum Bild: Duterte und die Balangiga-Glocken)

 

Die Glocken von Balangiga… – …sind wieder dort, wo sie hingehoeren: in Balangiga, Eastern Samar, von wo sie vor 117 Jahren als Kriegsbeute von amerikanischen Soldaten mitgenommen wurden.

Bei der Uebergabe war Praesident Rodrigo Roa Duterte anwesend, und er hat eine der Glocken auch sieben Mal gelaeutet, wie ich im “Manila Bulletin” lese. Ich hab das im TV gesehen, “PTV” war live dabei, aber nicht mitgezaehlt. Ich sah, dass er erst einmal gelaeutet hat, und dann noch ein paarmal, als ihm oder den anderen Honoratioren das nicht genug erschien. Er las eine kurze Rede vom Blatt, ohne Exkurse, in der er betonte, dass kein Einzelner behaupten koenne, die Rueckgabe bewirkt zu haben: “Die Glocken sind zurueckgekehrt, das Verdienst gebuehrt dem amerikanischen Volk und dem Volk der Filipinos. Punkt.

Nach der Uebergabe ging er zu einem Gedenkstein, in dem die Namen der Opfer des Gefechts damals gemeiszelt waren. Er legte seine Hand an den Stein und strich ueber einige der Namen und sprach ein stilles Gebet. Ueberhaupt, weil das ja immer einer der meist beachteten Punkte bei seinen Auftritten ist, war er diesmal recht “staatstragend” und schlug auch gegenueber der Kirche einen versoehnlichen Ton an, als er bei der Rede einleitend unter den Gaesten auch Romulo Valles, Erzbischof von Davao, begrueszte und ihn als seinen “spirituellen Berater” bezeichnete. Der Erzbischof im Publikum, Vorsitzender der CBCP (Catholic Bishops Conference of the Philippines), mit der Duterte ansonsten in Fehde liegt, laechelte geschmeichelt dazu.

Wer Duterte gesehen hat, wie er betete und mit der Hand ueber die Namen auf dem Gedenkstein strich, fuehlt, dass er ein frommer Mensch ist, doch sein Herr ist nicht in der Katholischen Kirche zu Hause. Der einzige Scherz, den Duterte sich daher gestern gestattete, war nach seiner kurzen Rede, als einen Moment unklar war, wie es weiterging, dass er, auf die Glocken hinter sich weisend und mit Blick auf die Kirche gegenueber, in die Runde fragte; “Und, soll ich die jetzt da ruebertragen?” Natuerlich nicht, eine Assistentin kam hinzu und alle mussten sich fuer ein Foto aufstellen. Es wurden ueberhaupt viele Fotos gemacht, jeder in der Menge hatte ein IPhone dabei, und als Duterte durch die Massen zu dem Gedenkstein und spaeter zurueck zum Wagen ging, war es wie bei einer Sport-Veranstaltung, wenn der Star an der Tribuene entlang geht und die Haende abklatscht, die ihm hingehalten werden. Schon bei Majestaeten war es in frueheren Zeiten wichtig, wenn man sie sieht, ihr Kleid zu beruehren – soll gegen Krankheiten helfen.



Ein Leser fragt… – …ob Rigoberto Tiglao die Folgen des Espinosa-Mordes kommentiert hat, da die beteiligten Polizisten alle wieder im Amt seien. Ich glaube das nicht, weil ich regelmaeszig in seine Kolumne schaue – Pflichtlektuere – und mir ist da nichts aufgefallen. Es waere aber auch unwichtig, und deshalb gehe ich auf die Frage ein.

Bis zum Urteil des zustaendigen Gerichts hat jede geaeuszerte Meinung nur Unterhaltungswert. Wer wie ich, die Untersuchung des Vorfalls durch den Senat gesehen hat, die Senator Panfilo Lacson leitete, schlieszt sich dessen Meinung an: “There’s one word to describe this: premeditated ~ Da gibt’s nur ein Wort das zu beschreiben: vorsaetzlich”.

Vorsaetzlich” heiszt “Mord”, aber das heiszt nichts. Wie ich las, wurde die Anklage vom Gericht auf Totschlag herabgestuft, und dafuer kann man Kaution hinterlegen. Also sind sie frei, und da sie bis zu einem Gerichts-Urteil als unschuldig zu gelten haben, sind sie folgerichtig wieder im Dienst. Wie Getsy Tiglao einst schrieb, ich zitierte das gestern, “Dies ist nicht der Sudan, wir haben ein geregeltes Justiz- und Polizei-System. Es ist nicht perfekt, aber es funktioniert.” Daran haelt sich Duterte, und so fand ich im “Rappler” die Meldung vom Februar, dass Marvin Marcos, Chef dieses Roll-Kommandos, bei einer Party anlaeszlich des 65sten Jahrestages der Gruendung der CIDG (Criminal Investigation and Detection Group) in Camp Crame in Uniform gesehen wurde – ja und?

Sich gegen Marvin Marcos und seine Schergen auszusprechen, macht genausowenig Sinn wie Leila de Limas Vorgehen gegen Duterte. Sie hat keine Zeugen, nur einen, der Duterte nie gesprochen hat, und einen zweiten, der erst unter Eid alles negierte, und dann unter Eid, nachdem er pensioniert war und Duterte ihm kein Poestchen besorgt hatte, alles bestaetigte. Ein Zeuge, der nichts weisz, der andere meineidig – damit kann man vor keinem Gericht bestehen.

Auf der anderen Seite ist lustig, dass de Lima sich dagegen wehrt, dass einsitzende Druglords gegen sie aussagen – die Anklage sei politisch motiviert. Nun, wenn das politisch motiviert ist, was war dann ihr Vorgehen gegen Duterte? Und ihre Behauptungen wurden weltweit aufgegriffen und in der Presse dort verbreitet.

Es ist ein beliebter Ausweg, sich Hilfe woanders zu besorgen, wenn man sie auf dem Rechtsweg nicht erhaelt. Schwester Patricia Fox sucht sie bei Gott. Es gehoere zu ihrem Missions-Aftrag, die Freilassung aller politischen Gefagenen zu fordern. Senatorin de Lima und die Steuer-Trickserin Maria Ressa suchen sie bei der Presse im Ausland. Es waere gegen die Meinungsfreiheit, wenn man sie verklagt. Senator Antonio Trillanes tourt derzeit ja auch durch Europa und USA, um Stimmung fuer sich zu machen – oder sieht er sich schon nach einem auslieferungs-sicheren Wohnsitz um? Und wer Marvin Marcos & Co vorwirft, dass die noch nicht verurteilt sind, maszt sich einen hoeheren Maszstab an als den, der in jedem Rechtsstaat gilt: das Urteil des zustaendigen Gerichts, und das muss man halt abwarten. Und wer gegen geltendes Recht verstoeszt, weil er meint “mehr” oder “besseres” Recht haben, der wird schon sehen, wie weit er damit kommt.

Aber da ist doch ein Verdacht!



Den kann man gerne haben, doch man braucht Beweise. Und die sind grad im Falle Espinosa duerftig, denn der Speicher der Ueberwachungs-Kameras wurde entfernt, dafuer sogar das Wachbuch gefaelscht, in das nachtraeglich “Reparatur” eingetragen wurde. Das Modul duerfte vermutlich an der tiefsten Stelle des Manila-Grabens liegen. Und auch ansonsten ging man sehr umsichtig vor, sodass es schlieszlich einen derartigen Beweis-Mangel gab, der das Gericht dann zur Herabstufung von “Mord” auf “Totschlag” veranlasste. Die Bedeutung von Beweisen vergessen auch jene Menschenrechtler, die von EJKs (Extra Judicial Killings) in den Philippinen reden. Offenbar brauchen Menschenrechtler keine Beweise, und so naehren sie ihre Statistik. Wenn irgendwo ein Mann seine Frau beim Nachbarn im Bett erwischt, die beiden mit dem Bolo zerhackt und sich in den Bergen den Rebellen anschlieszt, um nicht in den Knast zu kommen, dann jubeln Menschenrechtler – wieder zwei ungeklaerte Morde unter Duterte, und entsprechend wird ihre Zahl der EJKs erhoeht.

Ich will Duterte hier nicht als Engel zeichnen, ich will ihn verstehen, und da komme ich auf das Bild des Koenigs zurueck, das ich schon oefter verwendet habe. Ein Koenig befiehlt nicht, er wuenscht. Und die Prinzen um ihn, die etwas werden wollen, machen die Wuensche wahr. Klappt das, kriegen sie die Tochter des Koenigs zur Frau. Geht das schief, muessen sie den Kopf hinhalten. Die Moerder des Kian delos Santos sind verurteilt, im Eiltempo, und Duterte hat nicht mal mit der Wimper gezuckt. Das Opfer von Marvin Marcos & Co war ein Drugdealer – weshalb sollte Duterte dem nachweinen? Hier sieht er sich eher in der Rolle des Dienstherrn, der seinen Beamten Rechts-Hilfe angedeihen laesst soweit das moeglich ist. Kann man ihm das vorwerfen? Deshalb sagte ich neulich, dass ich da auf das Urteil warte, um mir eine Meinung zu bilden.

Ein paralleler Film laeuft derzeit in den USA – und ich sage Film, weil das bei “CNN” reine Unterhaltung ist, was insbesondere Chris Cuomo und Don Lemon in ihren Shows ueber US-Praesident Donald Trump und die Untersuchung gegen ihn bringen. Das ganze Hin und Her bringt nichts. Am Ende zaehlt nur, was Sonderermitter Robert Mueller berichtet, davor kann jeder sagen, was er will.

Der Unterschied ist nur, dass Trump seine ganze Familie in die Sache reingezogen hat. Sie duerfen sich nicht wundern, wenn sie alle im Knast landen. Da ist Duterte geschickter. Er hat keine Verwandten in die Regierung geholt. Wenn die Probleme haben, sind das ihre eigenen, und seine Suppe loeffelt er selbst aus – sagt er. Mache ihm gar nichts, wenn man ihn in’s Gefaengnis bringt.

Doch dahin muesste man ihn zuerst bringen. Malacañang ist nicht das Weisze Haus, wo es wohl selbst auf dem Klo Mikrofone gibt, die alles aufzeichnen. Duterte telefoniert auch nicht mit seinen Ministern, so wie das arabische Kronprinzen tun, weil er nicht will, dass die CIA das mitschneidet, und weil er mit dem IPhone gar nicht klar kommt, wie er neulich zum Besten gab. Manchmal hat technische Dummheit Vorteile. Duterte spricht mit seinen Leuten persoenlich. Als Beweise braucht man irgendetwas Aufgezeichnetes, schriftlich, audio, video, um eine Befehlskette nachzuweisen, und da bin ich wieder bei Koenig Duterte – Koenige wuenschen, sie befehlen nicht.

Und was Recht ist, sagt das Gericht, und – so ist das in einem Rechtsstaat – dem hat ein Praesident nichts zu sagen. Und er ist der erste Praesident, den die Philippinen haben, der die Unabhaengigkeit der Justiz achtet. Also sollte man auch ihm seinen exekutiven Spielraum lassen. Ein Gedanke, den er bei seiner Vereidigung angesprochen hatte. Und weil der wichtig ist, wiederhole ich den Abschnitt seiner Rede damals: “Sehen Sie es von daher und sagen Sie mir, dass ich falsch liege. In diesem Kampf bitte ich Kongress, die Menschenrechtskommission und Gleichrangige, uns einen Regierungsgrad zu erlauben, der sich mit unserem Mandat vertraegt. Der Kampf wird gnadenlos und unnachgiebig sein. Als Anwalt und frueherer Staatsanwalt kenne ich die Grenzen der Macht und Autoritaet des Praesidenten. Ich weisz, was legal ist und was nicht. Mein Festhalten an korrektem Vorgehen und die Regeln des Gesetzes ist kompromisslos. Kuemmern Sie sich um Ihre Arbeit, und ich werde mich um meine kuemmern.



Gemaesz “PTV”, “ManilaBulletin”, “Rappler”, “CNN” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.