…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 28. November 2018

(zum Bild: Sparrow Einheiten)

 

Praesident Rodrigo Roa Duterte… – …hat zwei Untersekretaere aus dem Buero seines Friedens-Beraters gefeuert, worauf der, Jesus Dureza, selbst zurueckgetreten ist. Es soll noch jemand rausfliegen, doch mehr gab Duterte gestern bei der Eroeffnung des neuen Flughafens in Panglao, Bohol, nicht bekannt.

Damit ist der Frieden mit den Kommunisten in der Schwebe, heiszt es in einem Artikel in der “Manila Times”, aber – da war der Frieden vorher schon, und Duterte legte auch gleich nach. Gegen die “sparrows ~ Spatzen” – so wurden Killer-Kommandos der Kommunisten in Davao genannt, gegen die er in seiner Zeit als Buergermeister angeblich mit der “Davao Death Squad” vorging – die heute im Land toeten, sagte er: “Ich werde [selbst] eine Sparrow[-Einheit] schaffen. Die Duterte Death Squad gegen die Sparrows. Das ist kein Problem, sie sind Feinde.

Ich halte das fuer ein sehr groszes Problem, allein schon wegen der Wortwahl. Er hat doch grad regulaere Truppen in die gefaehrdeten Gebiete geschickt – wofuer dann noch besondere Killer-Kommandos? Welchen Status haben die – Polizei oder Armee? Wenn man das hoert, fragt man sich unwillkuerlich, ob nicht an den Vorwuerfen der Leila de Lima doch etwas dran ist, die ihm ja die “Davao Death Squad” nicht an’s Bein binden konnte. Ich bin mir sicher, dass in der Liberalen Presse dieses Thema wieder aufgewaermt wird – inklusive dem Ruf nach dem ICC (International Criminal Court). Irgendwie steht Duterte sich immer selbst im Weg.

Real Numbers… – …veroeffentlichte gestern die PDEA (Philippine Drug Enforcement Agency) zum Kampf gegen Drogen. Diese monatliche Information wurde eingerichtet, um sich der Fantasie-Zahlen mancher Medien zu erwehren.

Gemaesz PDEA wurden 4.999 Drogen-Verdaechtige in der Zeit vom 1. Juli 2016 bis 31. Oktober 2018 in Polizei-Operationen getoetet. Das sind 51 mehr als ein Monat zuvor.

Der Sprecher der PNP (Philippine National Police), Chief Supt. Benigno Durana, bestaetigte, dass es daneben 26 bis 30 Tsd DUI (Death Under Investigation ~ Todesfaelle in Untersuchung) gibt. Eine Zahl, die von manchen Medien als Zahl der Opfer des Drogenkriegs verbreitet wird. Das seien meist “simple homicide cases ~ einfache Faelle von Totschlag”, und hoechstens 2 Tsd haetten etwas mit Drogen zu tun, sagt Duraba und erklaert: “Sie bringen sich gegenseitig um. Es ist eine Luege, dass einige Lager darauf bestehen, die 30.000 DUIs seien mit Polizei-Operationen verbunden. Wir sind sehr transparent und aufrichtig darin, dass wir 4.999 [Verdaechtige] haben, die in legitimen Polizei-Operationen starben.

Daneben sollte auch beruecksichtigt werden, dass in derselben Zeit 161 Tsd Verdaechtige festgenommen wurden, 3 Tsd im letzten Monat. 1,2 Mio Drogen-Abhaengige haetten sich bisher freiwillig gestellt, und 292 Tsd haetten Rehabilitierungs-Programme von Polizei oder Gemeinden durchlaufen.



Ihren Cicero… – …hat die ehemalige Ombudsfrau Conchita Carpio-Morales wohl gut studiert, der einst schrieb: “Eine Nation kann seine Narren ueberleben, sogar die ehrgeizigen. Doch sie kann nicht Verrat von innen ueberleben. Ein Feind vor den Toren ist weniger beeindruckend, denn er ist bekannt und traegt seine Farben offen. Der Verraeter jedoch bewegt sich frei unter denen innerhalb der Tore, sein verschlagenes Wispern rauscht durch die Straszen, wird gehoert in den Hallen der Regierung selbst. Denn der Verraeter erscheint nicht als Verraeter; er spricht in dem vertrauten Ton seiner Opfer, er hat deren Gesicht und Argumente, er spricht die Gemeinheit an, die tief im Herzen aller Menschen verborgen ist. Er verdirbt die Seele einer Nation, er arbeitet insgeheim und unerkannt in der Nacht, um die Saeulen der Stadt zu untergraben, er infiziert den politischen Koerper, dass dessen Widerstand zerbricht. Ein Moerder ist weniger zu fuerchten.

Nein, ich hab meinen Cicero nicht so gut gekannt. In Latein war ich eine Niete, mir fiel nur auf, als Morales das MOU (Memorandum of Understanding) der Philippinen und China zur Erkundung der Oel- und Gas-Foerderung in der South China Sea nun kritisierte, dass sie diese Worte – woertlich – so waehlte: “Eine Nation kann seine Narren ueberleben, sogar die ehrgeizigen. Doch sie kann nicht Verrat von innen ueberleben.

Da erinnerte ich, dass ich die Stelle kenne. Ich hatte sie schon mal zitiert, Anfang September, als Adam Garrie in der “Eurasia Future” dieses klassische Zitat gegen die Opposition in’s Spiel brachte, die sich schuetzend um den Senator Antonio Trillanes stellte, als dem die Verhaftung drohte. – Klassische Bildung hat schon etwas fuer sich, sie laesst sich ueberall gut zitieren.

Doch bleiben wir bei dem aktuellen Fall, der auch der “Manila Times” einen Leitartikel wert ist, in dem die Anwuerfe der Morales und der Vize-Praesidentin Leni Rodredo zurueckgewiesen werden, denn das MOU enthalte keinerlei Regelungen, sondern nichts als die Absicht, etwas untersuchen zu wollen. Der Sprecher des Praesidenten, Salvador Panelo, vermutet: “Die beiden Damen haben daher das Memorandum of Understanding ueber die Zusammenarbeit bei der Oel und Gas-Foerderung weder studiert noch ueberhaupt gelesen, bevor sie ihre unangebrachten Beobachtungen und Wahrnehmungen manifestierten, ganz zu schweigen von den unfreundlichen Anschuldigungen.



Man koennte das also als das uebliche Geplaenkel von Opposition und Regierung abhaken – diesmal in klassischer Fassung mit dem Dolch im Gewande – doch man koennte auch darueber nachdenken, wieso die Opposition sich momentan so ueber ungelegte Eier aufregt. Der Stimmfuehrer hierbei ist Antonio Carpio, dienstaeltester Richter am Obersten Gericht und aussichtsreicher Kandidat, dort Chef zu werden, der hier die Souveraenitaet des Landes gefaehrdet sieht, und der – wie ich schon am Dienstag schrieb – all das auf’s Tapet bringt, was er bereits in Den Haag beim Staendigen Schiedshof vorgebracht hat. Was treibt den Kerl?

Die Antwort darauf gibt Rigoberto Tiglao in seiner Kolumne in “The ManilaTimes” mit der Ueberschrift “Is Carpio General Almonte’s mouthpiece?” Dahinter ist das journalistische Fragezeichen, doch das streicht man in Gedanken, wenn man die Kolumne liest, die ich hier nicht in extenso referieren kann. Es lohnt sie selbst zu lesen.

Jose T. Almonte war Sicherheits-Berater unter Fidel V. Ramos, den Amerikanern und insbesondere dem CIA eng verbunden, der einen Hass gegen die Chinesen entwickelte, als die ihn 1994/95 mit Konstruktionen auf dem Mischief Reef duepierten. Mit diesem China-Hasser hat Carpio sich 2011 unterhalten, und er habe ihn gefragt, welches Riff die Chinesen sich als naechstes vornehmen wuerden. Der habe ohne zu zoegern gesagt: Scarborough Shoal, denn “Erstens, Scarborough Shoal ist essentiell fuer China um ein Dreieck von Luft-Stuetzpunkten zu komplettieren fuer eine Air Defense Identification Zone in der South China Sea. Zweitens, eine Luft- und Marine-Basis in Scarborough Shoal erlaubt China den Bashi Kanal zu schuetzen, der Chinas Ausgang in den Pazifik fuer seine Nuklear-Unterseeboote. Solch eine Luft- und Marine-Basis ist ein Dolch, der auf Manila zeigt.

Prompt kam das Standoff am Scarborough Shoal, von dem Tiglao in anderen Kolumnen vermutete, ob das Verhandlungs-Desaster, das das Trio von Praesident Benigno Aquino, Auszen-Minister Albert F. del Rosario und Sonder-Unterhaendler Senator Antonio Trillanes anzettelte, nicht durch eine gezielte Falsch-Information der USA ueber den Stand der Verhandlungen mit China verursacht wurde, was dazu fuehrte, dass die Chinesen dort nun die Herren sind. Absicht der CIA: China ist so vor der Welt der Aggressor, der sich die South China Sea gegen Recht und Gesetz unter den Nagel reiszt.

Und von diesem CIA-hoerigen Almonte liesz Carpio sich briefen und stellte fest: “Meine umfassenden Unterhaltungen mit General Almonte brachten mich zu der Entscheidung, mich fuer eine Sache zu engagieren – die philippinische Regierung die Gueltigkeit der Nine-Dash Line Chinas vor dem Unclos-Tribunal in Frage zu stellen.

Und diese vom CIA getriggerte Position vertritt er immer noch. Es geht nicht um die Souveraenitaet der Philippinen, es geht um die Geo-Politik der USA.

In den Zusammenhang passt die Bemerkung des US-Botschafters Sung Kim, der die Entwicklung der Beziehung Philippinen-China in einem Interview mit “ABS-CBN” so kommentiert: “Aber es ist wichtig zu erinnern, dass wir der einzige Verbuendete sind, den ihr habt, und ich glaube nicht, dass eure verbesserten Beziehungen mit anderen Laendern, sei das nun China oder wer auch immer, die Allianz ersetzen kann, die ihr mit den Vereinigten Staaten habt.” Und er fuegt hinzu: “Wenn ihr betrachtet, wieviel des interhantionalen Handels durch die Region flieszt, so haben wir alle ein Interesse zu sichern, dass die Region konflikt-frei ist und frei von einseitiger Militarisierung und aggressivem, einschuechterndem Benehmen.



Der Praesident… – …reitet mal wieder eine Attacke gegen die Kirche. Diesmal hat er einen “Bischof David” auf dem Kieker, dem er nachsagt, dass der Spenden der Kirchgaenger stehle und an seine Verwandten verteile, und am Montag kam in einer Rede in Davao hinzu, dass dieser “Bischof David” im Verdacht sei, mit Drogen zu tun zu haben. Wenn er ihn mit Drogen erwische, werde er ihm den Kopf abschneiden, und die Leute sollten einfach nicht mehr in die Kirche gehen. Die Lehren dort seien “archaisch”: “Die Leute damals waren Nomaden. Was wissen sie ueber die heutige Welt?

Ich lass das mal so im Raum stehen.

Der Bischof Arturo Bastes von Sorsogon meint: “Jeder Filipino, der bei Verstand ist, sollte diesen Unfug ignorieren. Ich will diese verrueckte Idee nicht kommentieren. Ich bin dieser bloeden Bemerkungen muede.” Bischof Pablo Virgilio David von Caloocan ignoriert die Tiraden nicht, denn soweit er wisse, sei er der einzige “Bischop David” in der CBCP (Catholic Bishops Conference of the Philippines). Er leugnet das alles und meint: “Seht ihr, kranke Leute wissen manchmal nicht, worueber sie reden, also sollten wir das mit ihnen ertragen.

Nun hatte Duterte im Juli kein Problem mit der Kirche: “Ich mag keinen Streit. Ich werde einen Dialog mit der CBCP fuehren, der Praesident – Valles – ist von Bohol. Wir verstehen uns. Er ist sehr nett. Solange er fuer sich arbeitet und ich arbeite fuer mich, gibt es kein Problem.” Seither war eigentlich Ruhe, und ich weisz nicht, welche Laus ihm nun ueber die Leber gelaufen ist. Da ich kein Kirchgaenger bin, meine Frau sehr wohl, fragte ich sie, ob sie in der Kirche Bemerkungen zur Politik gehoert haette – hat sie nicht. Der Praesident ist in der Kirche kein Thema – wieso ist dann die Kirche ein Thema fuer den Praesidenten?

Duterte scheint ein Problem damit zu haben, dass andere Leute seine Probleme als Gottsucher nicht haben. Aber dann haette er Missionar werden sollen, nicht Praesident eines Landes, in dessen Verfassung in Article II, “Declaration of Principles and State Policies”, Section 6 es heiszt: ”The separation of Church and State shall be inviolable ~ Die Trennung von Kirche und Staat ist unverletzlich.

Sollte das Duterte entfallen sein?



Gemaesz “ManilaBulletin”, “PNA”, “ManilaTimes”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

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