…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 18. November 2018

(zum Bild: US-Kriegsschiff im Südchinesischen Meer)

 

Bekenntnisse eines Unglaeubigen – Manchmal fragt man sich, wieso man nicht selbst darauf gekommen ist, oder, wenn schon nicht grad das, warum man nicht mal danach gefragt hat. So kurven US-Kriegschiffe um von Chinesen besetzte Inseln in der South China Sea herum, angeblich fuer die “Freiheit der Meere”. Ich hab das geglaubt, bis ich gestern die Kolumne von Mauro Gia Samonte las in der “Manila Times” mit der Ueberschrift “Duterte ist darauf aus China zu umwerben, nicht auf Krieg”.

Um mit dem Ende zu beginnen, und mich dann langsam zurueck zu arbeiten: Es geht nicht um die “Freiheit der Meere”, es geht um den Manila-Graben.

Aus der “Wikipedia”: “Der Manila-Graben ist ein ozeanischer Graben im Pazifischen Ozean, westlich der Inseln Luzon und Mindoro auf den Philippinen. Der Graben erreicht eine Tiefe von etwa 5.400 Metern, im Gegensatz zur durchschnittlichen Tiefe des Suedchinesichen Meeres von etwa 1.500 Metern.

Samonte schreibt: “Die USA wollen die South China Sea kontrollieren, denn es ist genau dort – speziell im Manila-Graben – wohin sie ihre Nuklear-U-Boote manoevrieren koennen, um Nuklear-Raketen auf die Ost-Kueste von China feuern zu koennen, wo die chinesische Bevoelkerung und die Industrie konzentriert sind. Von weiter entfernten Plaetzen abgefeuert, in Australien oder Guam zum Beispiel, koennten solche Raketen von Chinas High-Tech Abwehrwaffen weit vor den Zielen heruntergeholt werden.

Die Beschluesse, dass ASEAN – wozu alle Anrainer der South China Sea gehoeren – und China zu einem COC (Code of Conduct) kommen, mit dem sie Konflikte intern regeln – ohne die USA – was der Hintergrund war, warum die Philippinen an den Staendigen Schiedshof nach Den Haag gegangen sind, und die Bildung der RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership) – ohne die USA, aber mit China – als weltstaerkste Wirtschafts-Einheit, bringen die USA in eine missliche Lage, die sie mit Donald Trumps Handels-Politik selbst angerichtet, bzw. verschaerft haben. Sie sind in groszen finanziellen Noeten und hoch verschuldet, allein China gegenueber mit 1,17 Trilliarde Dollar.

Es sieht aus, als finde die Welt kuenftig ohne die USA statt, und dazu schreibt Samonte: “Die USA werden nicht wollen, dass dies geschieht. Und dies muss Praesident Duterte wirklich Sorgen machen. Die USA neigen dazu, in den Krieg zu ziehen, um ihre wirtschaftlichen Ziele zu erreichen.

Dutertes Sorgen haben nicht nur den einen Grund, den er in Singapur nannte, weil die Philippinen seit 1951 ein MDT (Mutual Defense Treaty) mit den USA haben. Daneben gibt es noch ein VFA (Visiting Forces Agreement) von 1998, und – noch rasch mit dem US-hoerigen Benigno Aquino eingefaedelt – ein EDCA (Enhanced Defense Cooperation Agreement) von 2016, zu dem Samonte schreibt: “Dieser letzgenannte Vertrag ist eine besonders clevere handwerkliche Arbeit der Vereinigten Staaten. Waehrend zuvor die US-Basen im Land von den USA unterhalten wurden – zum Beispiel Subic Naval Base und Clark Airfield – nutzen die USA unter EDCA die Basen der AFP (Armed Forces of the Philippines) ‘gratis et amore ~ frei und um Gottes Lohn’ mit dem Privileg US-Lager einzurichten, einschlieszlich nuklearer Arsenale, die von AFP-Personal nicht inspiziert werden duerfen. Dies scheint Praesident Dutertes momentane Sorge zu sein.

Zu EDCA schrieb Rigoberto Tiglao in der “Manila Times” im September 2016, da das Abkommen auf Dringen der USA zur Eile von Ex-Praesident Benigno Aquino ohne Beteiligung des Senats unterzeichnet wurde, koenne Duterte von einem Tag auf den anderen das Abkommen aufkuendigen, ohne irgendwen um Zustimmung zu bitten.

Duterte will da offenbar nicht vorschnell handeln und die USA in der Hinterhand behalten. Er koennte aber jederzeit sagen, sie sollen ihm den Buckel runterrutschen, wenn sie ihn nicht seine Politik verfolgen lassen. Von daher versteht sich, dass zwar US-Vize Mike Pence weiter toent “die South China Sea gehoert niemandem”, die USA aber dennoch die Balangiga-Bells zurueckgeben, um ihre “Freunde und Alliierten” bei Laune zu halten, damit sie dort ihr Kriegsgeraet weiter horten und ihre U-Boote im Manila-Graben verstecken koennen. Nur der ist tief genug, dass man sie nicht finden kann.



Und ganz so… – …wie ich die “Freiheit der Meere” lange Zeit geglaubt, so ging es mir mit der “global warming ~ globalen Erwaermung”, vor der alle Welt warnt, seit Al Gore sie erfunden und sicher nicht zu eigenem finanziellen Schaden vermarktet hat. Eher amuesiert hatte ich bisher zur Kenntnis genommen, dass Yen Makabenta in seiner Kolumne in der “Times” immer wieder darauf herumritt, dass “global warming” ein Maerchen sei, dem eine ganze Menge Wissenschaftler auch widersprechen.

Zuletzt war das im Oktober, als das IPCC (International Panel on Climate Change) der UN eine Warnung herausgab, dass der Menschheit grad noch 12 Jahre bleiben, um die weitere Erwaermung der Welt aufzuhalten. Darueber machte Makabenta sich lustig und verglich das mit der mythologischen Kassandra, die die Seher-Gabe besasz, der nur niemand glaubte. Diese Kassandra-Rolle kaeme dem IPCC zu. Ich machte mich darueber lustig mit dem Hinweis, dass Kassandras Vorhersagen, die niemand glaubte, alle eingetroffen waren.

Gestern war der Spasz vorbei, als mir die Kolumne von Yen Makabenta mit der Ueberschrift “Klima-Alarmist gesteht Fehler ein, dankt Skeptiker darauf hinzuweisen” im Hals stecken blieb. Einer der Wissenschaftler, der diese 12-Jahres-Katastrophen-Aussicht vertritt, hat einen Fehler in seinem Rechen-Modell eingestanden, auf den ihn ein Kritiker aufmerksam gemacht haette. Die Katastrophe in 12 Jahren ist damit gestorben. Alles nicht so schlimm, aber – spricht sich das nun auch rum?

Ich selbst kann das nicht nachpruefen, ich kenn das Rechen-Modell nicht. Ich kann nur Makabenta glauben, und der findet es interessant, dass jemand aus der “global warming”-Gemeinde ueberhaupt einen Fehler zugibt, die Charles Krauthammer einmal als “the church of GW [Global Warming]” bezeichnet hat. Kirchen geben keine Fehler zu, oder wenn, aeuszerst ungern und recht spaet. So hat die Katholische Kirche erst 1992 eingeraeumt, dass sie gegenueber Galileo einen Fehler gemacht hat – 359 Jahre nach dem Prozess.

So fragt sich Makabenta, ob dann der Klima-Gipfel in Polen – 3. bis 14. Dezember in Kattowitz – ueberhaupt noch stattfindet, und ob Duterte eine philippinische Delegation auf Kosten der Steuerzahler dorthin schicken will.

Wir werden es sehen.

Denn wird der Unfug weiter geglaubt, dann sieht Makabenta: “Die groszen Verlierer sind, wie ueblich, diejenigen, die die Rechnung bezahlen – die Steuerzahler der Mittelklasse – und die Armen der Welt, denen die unmittelbare Hilfe billiger, genuegend vorhandener fossiler Brennstoffe vorenthalten wird.



Teufel oder Belzebub? – Bekanntlich soll man das Kind nicht mit dem Bade ausschuetten, doch seit ich hier bin, habe ich nun schon oefter den Glauben an die eine oder andere Sache verloren. Es begann mit dem “Maerchen von Cory und EDSA”, das ich voll geglaubt habe, bis ich die Kolumnen von Rigoberto Tiglao und anderen in hiesigen Zeitungen gelesen habe. Die Aquinos und die Liberalen haben nichts mit Demokratie am Hut. Sie haben die Diktatur des Ferdinand Marcos durch die Wieder-Einrichtung des Feudal-Systems ersetzt, und wir werden noch ein paar Jahre mit den anhaengigen Prozessen aus den Missetaten dieser Damen und Herren zu tun haben.

Nun sind es die “Menschenrechte”, die “Freiheit der Meere” und “Global warming”. Mit all dem laesst sich wunderbar Politik machen, wenn man Glaeubige um sich geschart hat. Wem soll ich da glauben?

Mike Pence versichert laut “Straits Times” auf dem APEC-Gipfel: “Wir ersaeufen unsere Partner nicht in einer See von Schulden. Wir bedrohen oder kompromittieren nicht eure Unabhaengigkeit. Wir bieten keine beengenden Guertel oder Einbahn-Straszen an…”, womit er gegen Chinas BRI (Belt and Road Initiative) alias “Neue Seidenstrasze” redet.

Xi Jinping mahnt laut “Xinhua” auf dem APEC-Gipfel: “Die Menschheit steht wieder mal an einem Scheideweg. Welche Richtung sollen wir nehmen? Kooperation oder Konfrontation? Offenheit oder verschlossene Tueren? Win-win-Fortschritt oder ein Null-Summen-Spiel? Die Interessen alle Laender, in der Tat – die Zukunft der Menschheit haengt an der Wahl die wir treffen.

Praesident Duterte ist fruehzeitig vom APEC-Gipfel zurueckgekehrt. Es sei Dringendes im Land zu tun. Im Gegensatz zu all den Traum-Politikern scheint er mir der einzige Real-Politiker zu sein. In der Rede vor der philippinischen Gemeinde in Port Moresby hat er gesagt, dass er wieder einen korrupten Politiker aus dem Kabinett werfen wird: “…und wenn ich zurueck gehe, wird eine andere Person gefeuert. Ich muss dich wirklich feuern, tut mir Leid.

Irgendwem wird jetzt der Stuhl unter dem Hintern so richtig heisz werden, aber anders geht es nicht, wenn aus diesem Land was werden soll, egal – ob mit dem Teufel oder mit Belzebub oder mit beiden.



Gemaesz “ManilaTimes”, “Wikipedia”, “StraitsTimes”, “Xinhua” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.