…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 09. November 2018

(zum Bild: Präsident Rodrigo Duterte verteilt 623 Grundstückstitel in Boracay)

 

Todernst – In seiner gestrigen Kolumne in “The Manila Times” schrieb Antonio Contreras, dass der Sprecher des Praesidenten, Salvador Panelo, seinem Dienstherrn,  Rodrigo Roa Duterte, in drei einander folgenden Dingen nun widersprochen und dessen Aussagen praezisiert hat. Es ging darum, ob der Zoll militarisiert wird, ob der Chinese Michael Yang sein wirtschaftlicher Berater ist, und ob er Wahlwerbung fuer Freddy Aguilar gemacht hat. Stets griff Panelo ein und stellte die Aussagen des Praesidenten in’s rechte Licht  – das sei nicht gut.

Contreras schreibt: “Der Praesident ist fuer seine Spontaneitaet bekannt. Er hat Erfolg mit einem Kommunikations-Stil, der ihn unterstuetzt hat, als er Buergermeister von Davao war – informell, beilaeufig, persoenlich. In diesen gewachsenen Kommunikations-Plattformen ist Authentizitaet nicht nur gegeben durch Wahrheit und Tatsaechlichkeit der Forderungen, sondern eher durch Vertrauen und Kamaraderie. Es ist fast so wie bei einem Gelage mit Freunden im Sari-Sari Store an der Straszen-Ecke, wo die Gemeinschaft zaehlt, selbst wenn Leute sich da nur reinlegen mit Prahlereien und anzueglichen Witzen. Doch der Praesident leitet nun ein ganzes Land, ein weiteres, komplexeres und streitlustigeres Feld. …

Und genau hier moechte ich Contreras das Heft aus der Hand nehmen. Authentizitaet hat Duterte zum Wahlsieg 2016 verholfen, die kann er nicht ablegen. “Authentizitaet” ist das, was sich durchhaelt und bleibt. Genau darauf verlaesst man sich, und die bleibende Zustimmung zu Duterte zeigt, dass “das Volk das auch so will”. Die Leute, die gegen ihn sind und ihm diesen Stil ankreiden, die waeren immer noch gegen ihn, selbst wenn er nun “Kreide frisst” wie der boese Wolf in Grimm’s Maerchen.

Und dass er Fehler macht – wer macht keine?



Viel schlimmer sind die Politiker, die Falsches sagen, was niemals korrigiert wird. Wie zum Beispiel jene Senatoren, die jetzt eine Senats-Untersuchung des Sagay-Massakers fordern. Das NBI (National Buereau of Investigation) untersucht den Fall, die PNP (Philippine National Police) untersucht den Fall, die CHR (Commission on Human Rights) untersucht den Fall – was wollen die Oppositions-Senatoren de Lima, Drilon, Aquino, Hontiveros, Pangilinan und Trillanes da noch untersuchen? Untersuchungen des Senats duerfen nur angestrengt werden “zur Unterstuetzung der Gesetzgebung”. Sie sagen, es ginge um die Umstaende der Agrar-Reform. Das ist eine glatte Luege. Die Agrar-Reform hat schon “Cory” Aquino nicht interessiert, und gegen die hat Benigno Aquino den Obersten Richter Renato Corona absaegen lassen und dafuer die Fake-Richterin Maria Lourdes Sereno eingesetzt. Woher das ploetzliche Interesse fuer die Reform? In sieben Monaten sind Wahlen, und eine Senats-Untersuchung kommt live im TV. Da koennen sich Senatoren dem Volk zeigen, die man sonst nicht zu sehen kriegt. Es ist Wahlkampf, die erschossenen Bauern und die Agrar-Reform sind das Letzte, was die Senatoren der Opposition interessiert. Sie wollen, ganz so wie Trillanes bei der Untersuchung zum Drogenschmuggel den Sohn des Praesidenten anging, nur wieder den Leuten des Praesidenten irgendwelche Luegen ans Bein binden.

Da ist mir Duterte lieber.

In der Rede zur Eroeffnung der Guangzhou Automobile Corporation, die hier in den Philippinen produzieren will, sagte der Praesident am Mittwoch im Metrotent, Metrowalk Commercial Complex in Pasig, Metro Manila, was die Korruption angeht: “Das ist von Gesetzes wegen verboten. Das ist nicht mein Einfall. Ich bin nur dazu da, das durchzusetzen. Deshalb sagte ich, solange wir die Korruption nicht stoppen, bewegen sich die Philippinen wie ein Flosz, das in der See treibt, vor und zurueck. Doch wenn ihr irgendetwas gegen jemanden in der Regierung habt, wer auch immer, kommt zu mir. Ich werde mich mit euch und der betreffenden Person in Verbindung setzen und wir drei werden miteinander reden. Und ich versichere euch, wenn da irgendwas dran ist, was nach Korruption oder Schiebung schmeckt, gebe ich euch das Privileg, die Person in meiner Gegenwart ein Dutzend Mal zu ohrfeigen. [Applaus] Auf diese Weise demuetigt ihr ihn und entkleidet ihn seiner Wuerde. Und das ist die rechte Behandlung fuer einen Idioten, der in der Regierung nicht gebraucht wird, und vielleicht ist der Verlust des Gesichts viel schlimmer als nur das Geld. Es ist der schlimmste Weg, das zu verlieren, was immer von einem auf diesem Planeten noch uebrig bleibt.

Der Praesident kann niemanden berechtigen, jemand anders zu schlagen – siehe Penal Code soundso – doch er hat auslaendische Investoren versichert, dass unter ihm nach Recht und Gesetz gehandelt wird, und die haben ihn verstanden – Applaus! Selbst wenn er dazu mal wieder was gesagt hat, was sein Sprecher im Presse-Briefing richtig stellen muss, wenn ein Journalist nachfragt, ob der Praesident das “ernst gemeint hat”.

Das war todernst.

Viel Aufregung ist auch um Dutertes Aussage, dass er einen Polizisten belohnen will, der in einer Scheinkauf-Operation einen “Ninja” erschossen hat, einen Polizisten, der mit Drogen handelt. Duterte dazu letzten Dienstag – kann man in den Transcripts bei “PCOO” nachlesen – an der Stelle sprach er grad Englisch: “I am going to reward that policeman. Any policeman who kill his superior because the superior is in drugs, I will give you a prize and a trip to Hong Kong. ~ Ich werden Polizisten belohnen. Jeder Polizist, der seinen Vorgesetzten erschieszt, weil der Vorgesetzte in Drogen macht, ich geb dir einen Preis und eine Reise nach Hong Kong.

Das war todernst.

Wer nun meint, dass das ein Freibrief fuer Polizisten ist, ihre Vorgesetzten zu erschieszen, der hat sich seit Mai 2016 nicht bemueht, Duterte zu verstehen. Ein Senator der Opposition muss das auch nicht, und so sagt Francisco Pangilinan zu dem Mord an Rechtsanwalt Benjamin Ramos, der mit dem Sagay-Massaker moeglichwerweise in Verbindung gebracht werden kann: “Es ist abstoszend, wie selbst jene, die die Armen und Stimmlosen verteidigen, Opfer der Gesetzlosigkeit unter der Duterte-Regierung werden.” Damit hat Pangilinan nicht gesagt, dass Duterte fuer den Mord verantwortlich ist, aber er hat es gemeint – soviel Englisch kann ich – und deshalb will Pangilinan ja auch eine Untersuchung des Senats, um das im TV richtig verkaufen zu koennen.

So koennte man auch hier wieder einen Fall fuer Panelo sehen, der Journalisten im Presse-Briefing erklaert, wie das Orakel Duterte das gemeint haben koennte. Man koennte aber auch mal ganz so fuer sich ueberlegen, wie oft man selbst gesagt hat “den bring ich um” oder “dem schlag ich die Zaehne ein” oder was weisz ich, und nichts davon ist passiert.

Duterte spricht so. Das muss einem nicht gefallen, aber es laesst sich verstehen – wenn man ihn verstehen will. Zuhoeren ist kein passives Erdulden, man muss im Kopf der Geschichte des Redners folgen und mit ihm gehen. Die Opposition will das nicht – auch gut. Muss sie eben dumm sterben.



Boracay – Praesident Duterte hat gestern in Boracay 623 Landtitel ueber insgesamt 274 Hektar an 484 Berechtigte verteilt. 6 Titel gingen an die indigene Gemeinschaft der Ati, die urspruenglichen Bewohner der Insel. 45 Familien nutzen diese 3,2 Hektar. Minister John Castriciones vom DAR (Department of Agrarian Reform) versicherte die Ati, dass diese Titel sicher seien: “Kein Grund zur Sorge, Boracay ist Staatseigentum.

Das war nicht immer so. Unter Praesident Benigno Aquino hat dessen Innen-Minister Mar Roxas blendende Geschaefte mit allem moeglichen Investoren und damit die Insel zu der Jauchegrube gemacht, die Duterte fuer ein halbes Jahr schlieszen musste, um dort aufzuraeumen. Dieser Roxas kandidiert uebrigens 2019 fuer den Senat. Ich hoffe niemand hat vergessen, welches Desaster er unter Aquino angerichtet hat.

Wie auch immer.

Duterte hielt seine uebliche Rede, und er dachte auch einleitend an den Redenschreiber, den er nicht kennt: “Ich weisz nicht, wer dies vorbereitet hat … doch um der Arbeit eines Menschen gerecht zu werden, der vermutlich in der Nacht gearbeitet hat…” Er selbst habe bis 8 Uhr geschlafen, weil er soviel zu unterschreiben hatte, denn er fahre nun fuer drei Tage nach Singapur und Papua Neu-Guinea. Also will er ein biszchen was erzaehlen, und so weiter und so weiter…

Er kam gegen Schluss dann auf die Agrar-Reform und die Landverteilung, gegen die die Aquinos – Mutter und Sohn – sich mit Haenden, Fueszen und anderem gestraeubt haben, das Sagay-Massaker ist da nur das neueste Beispiel, und sagte: “An die Nutznieszer der Agrar-Reform aus den Gemeinden von Buruanga, Tangalan und Malay hier in Aklan richte ich meine herzlichsten Gruesze an alle von euch, die ihr nun voll berechtigte Besitzer des Landes seit, das ihr die laengste Zeit bebaut habt. Es ist jetzt eures. [Applaus] Ich versichere euch, dass die Regierung euch fortgesetzt schuetzen und eure Rechte wahren wird, die Fruechte des Landes, das ihr bebaut, zu besitzen, zu kontrollieren, zu sichern, zu verbessern und zu reifen.

Nun, dieser Schutz der Regierung wird wohl noetig sein, denn wie ich gestern abend bei Jessica Soho in ihrem “State of the Nation” bei “GMANews” hoerte, haben Pagcor (Philippine Amusement and Gaming Corp.) und die Galaxy-Gruppe, die dort eine Riesen-Casino-Anlage errichten wollen, ihre Arbeiten nicht eingestellt. Dass der Praesident mal gesagt hat, es werde keine Casinos auf Boracay geben, scheint die nicht zu beeindrucken. Wie weit dies jedoch das Land betrifft, das gerade an die indigenen Staemme vergeben wurde, weisz ich nicht. Vielleicht muss Duterte dort erst das Kriegsrecht erklaeren und die Armee hinschicken, bevor Unternehmer in den Philippinen etwas einsehen, oh je – was wuerde die Opposition dann jaulen!



Gemaesz “ManilaTimes”, “PCOO”, “PhilStar”, “Inquirer”, “DailyTribune”, “GMANews” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.