…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 05. November 2018

 

Auf wessen Kosten? – Ich bin noch nicht fertig mit dem Begriff der “moral morons”, den Auszen-Minister Teodoro Locsin in die Debatte gebracht hat. Er haelt den strafrechtlichen Ansatz, den Praesident Rodrigo Roa Duterte im Drogenkrieg gewaehlt und der den Drogenhandel hierzulande drastisch reduziert hat, fuer richtig und wehrt sich gegen den Ansatz der EU, die darin ein gesundheitliches Problem sieht und zu dementsprechenden Masznahmen raet. So einen Unfug koennten nur “moral morons” vertreten, meint Locsin, und wundert sich, wie viele von denen auf der Lohnliste des Drogenhandels stehen (might be traced to a drug trade payroll). Ich lass das einfach mal so stehen, weil es sinnlos ist, Politiker belehren zu wollen – sind halt “morons”.

Die EU wird mit eigenen Gesundheits-Problemen nicht fertig und heuert daher Schwestern aus den Philippinen an, damit ihr System nicht kollabiert. Diesem verfehlten System wollen sie die Behandlung von Drogensuechtigen aufhalsen – nicht bei sich selbst, sondern in den Philippinen. Das System hier wird jedoch schon mit gegebenen Problemen nicht fertig. Jede Krankheit ist schlimm genug, kommt Krankenhaus dazu, wird sie zur Katastrophe – fuer den normalen Filipino. Bei anderen, “niederen” Arbeiten sieht es aehnlich aus. Die Arbeits- und Lebensbedingungen philippinischer Fahrer in einem Unternehmen in Padborg, Daenemark, die nun aufgedeckt wurden, zeigen, dass das Ganze Methode hat – der Westen lebt auf Kosten der “Dritten Welt”.



Wehrt man sich dagegen, so wie Praesident Duterte, der sich vom Westen nicht belehren lassen will, kommt man auf die Schwarze Liste. Und da werden nicht nur Verguenstigungen im Handel gestrichen. Wie von unsichtbarer Hand gefuehrt stoeszt auch die westliche Presse in dasselbe Horn – er ist nun mal der boese Bube. Das sagen alle moralischen Institutionen – die New York Times, Human Rights Watch, Amnesty International, Schwester Patricia Fox (am Sonntag bei Ankunft in Melbourne: “Derzeit mehren sich in den Philippinen die Menschenrechts-Verstoesze und es herrscht ein tyrannisches System. Es gibt eine Kultur der Unbestrafbarkeit seit langer Zeit, und es wird schlimmer.”) und die inhaftierte Senatorin Leila de Lima meint, die Militarisierung des BOC (Bureau of Customs) sei verfassungswidrig und offenbare die Einfallslosigkeit Dutertes, mit den Problemen des Landes fertig zu werden. Sie muss das wissen, unter ihr hatte sich Kriminalitaet in den Philippinen verdreifacht, Bilibid wurde zur Drogenhandels-Zentrale, und dafuer hat die Liberale Internationale sie ja mit Menschenrechts-Preisen ueberhaeuft – wer will dagegen etwas sagen?

Es gibt zwei Einsichten des 19. Jahrhunderts, deren Tragweite bis heute kaum erkannt wurde. Die erste ist, dass jede Taetigkeit Energie verschwendet und damit die Entropie des Universums erhoeht, d.h. jede Ordnung – Essbares kommt in den Mund, Ungenieszbares in den Abfall – geht auf Kosten des Universums. Die zweite ist, dass man nichts tut, wenn man nichts daran verdient. Das hat Karl Marx in einem dreibaendigen Werk – “Das Kapital” – beschrieben, das kein Mensch gelesen hat, ich auch nicht, in dem es darum geht, dass einige Menschen gut von der Arbeit anderer leben koennen, denen es nicht ganz so gut geht. Der unvoreingenommene Leser erkennt, dass beide Einsichten eigentlich nur eine sind: alles, was wir tun, geht stets auf Kosten anderer.

Die westlichen Laender haben sich damit gesund gestoszen, dass sie nach Abschaffung der Sklaverei ungesunde oder langweilige Arbeiten in Laender verlagert haben, wo es den Menschen so dreckig ging, dass die das fuer ein geringes Entgelt gern uebernommen haben. Nun haben sich die Laender zwar muehsam von so wenig Geld, aber immerhin weiterentwickelt und wollen mitreden. Halt – sagen da die westlichen Laender – wer mit am Tisch sitzen will, muss sich auch so benehmen wie wir.

Das geht Duterte quer runter, denn den Vorsprung, den der Westen da gewonnen hat, ging auf Kosten der Dritten Welt, zum Beispiel auch der Philippinen. Also: lasst uns erstmal aufholen, dann koennen wir darueber reden.

Diese Zeit wollen ihm die “morons” nicht geben. Sie wollen eine Ordnung ohne Kosten.

Das geht nicht, so sagt es der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik, und so sagt es Karl Marx. Und so funktioniert auch die andere Seite nicht, die meint, mit dem Kommunismus alles ins Lot zu bringen, nach dem kein Mensch von der Ausbeutung anderer leben soll. Dann arbeitet keiner mehr, wenn er nichts verdient, und wo der Kommunismus an die Macht kam, zeigte sich schnell, dass da eine Klasse sich entwickelte, die gut auf Kosten der anderen leben konnte. Das haetten Kommunisten bei Marx nachlesen koennen, aber wer hat den gelesen?

So werden wir uns auch kuenftig auseinandersetzen muessen, wenn wir weiter miteinander leben wollen. Und es wird haerter werden, aber das wird kein “moron” verstehen.



Gemaesz “DailyTribune”, “ManilaTimes”, “ManilaStandard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.