…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 18. Oktober 2018

 

Harry Roque hat ein Problem… – …und das ist er selbst. Nun hat er sich gestern bei der Comelec doch als Kandidat fuer den Senat gemeldet, nachdem er sich zuvor nach langem Zaudern angeblich fuer das Haus entschieden hatte.

Das erinnert an eine Episode, als er erst ein paar Tage im Amt war. Roque versprach im Oktober 2017, wenn man mit Steinen nach der Regierung wirft, ab sofort mit “hollow blocks” zu antworten. Das kam gut an, auch bei Jojo Robles, der im “Manila Standard” wuenschte: “Viel Glueck, Harry, mach ihnen die Hoelle heisz!” Seine Ansage wurde Roque jedoch zum Verhaengnis. In einem Radio-Interview mit Roque schlug der moderierende Blogger Rey Joseph Nieto im Spasz vor, die “Rappler”-Reporterin Pia Ranada Robles, eine Duterte-Kritikerin, solle mit “hollow blocks” attackiert werden. “Rappler” und seine Reporterin forderten darauf vom Rundfunk-Verband, der solle gegen Nieto und die Radio-Station vorgehen, die “das Leben der Reporterin bedrohen.” Zum naechsten Presse-Treffen brachte Roque “pan de sal” mit und sagte, dass Kritiker, die den Praesidenten “steinigen” kueftig mit Broetchen beworfen werden.

Roque hat gekniffen (copped out),” schrieb Jojo Robles damals, “und er wusste es.

Ich weisz nicht, wie tief so ein Vorwurf “gekniffen zu haben” bei jemandem sitzt. Doch Roque hat wohl gemerkt, nachdem er lange auf den Senat hingezielt hatte, Praesident Rodrigo Roa Duterte ihn im Spasz schon als “Senator Roque” ansprach, dass man ihm die Wendung in Richtung Haus als “Angst vor der eigenen Courage ~ vulgo: Kneifen” auslegen koennte. Ich fuerchte jedoch, dass dieser Rueckzieher vom Rueckzug ihm nun beide Wege verbaut. Er segelt, vermittelt durch die Tochter des Praesidenten und Buergermeisterin von Davao, Sara Duterte-Carpio, die sich immer mehr als politische Strippen-Zieherin erweist, unter der Flagge der PRP (People’s Reform Party), welcher Partei die im September 2016 verstorbene Senatorin Miriam Defensor-Santiago angehoerte. Roque toent nun: “Meine Warnung an die Korrupten und die Narren in der Regierung, sie werden nun gejagt von Miriam Defensor-Santiago in Gestalt von Harry Roque.

Nun erinnere ich da eine bezeichnende Anekdote. Als Defensor-Santiago einst als Chefin des Bureau of Immigration von einem Auslaender bei einer Presse-Konferenz unterbrochen wurde, fuhr sie den an: “Sir, ich erinnere Sie, dass ich als Chef der Einwanderungsbehoerde die Majestaet der Philippinischen Republik repraesentiere. Sie schulden mir Respekt und Hoeflichkeit. Jetzt halt die Klappe, oder ich schlag dir die Zaehne ein!

Da kann Harry Roque mit seinen “pan de sal”-Wuerfen nicht mithalten, an das Format reicht er entfernt nicht heran.

Gedanken sind wie Tee, sie muessen erst eine Weile ziehen, bevor sie ihre Wirkung entfalten. So hatte ich diesen Absatz ueber Roques Sinneswandel bereits gestern bis zu den “pan de sal”-Wuerfen geschrieben und abgehakt, aber – das Hirn ist selbsttaetig. Besonders morgens beim Aufwachen, wenn man noch nicht so recht drauf aufpasst, und es voellig unbeaufsichtigt vor sich hin denkt, kramt es Sachen aus, die man laengst beiseite gelegt hatte. So hatte der Leitartikel der “Manila Times” vom 30. Oktober 2017, als Roque sein Amt als Sprecher gerade antrat, diesen als “turncoat ~ Ueberlaeufer” von der Sache der Menschenrechte bezeichnet, wobei nicht ganz klar war, wohin er denn uebergelaufen war. Am 9. Oktober diesen Jahres schrieb Yen Makabenta in seiner Kolumne in „The Manila Times“ ueber eine „kreative Zerstoerung“ der Position des Sprechers, als der “dann mal weg war” und das Kommunikations-Wesen der Regierung umgekrempelt werden sollte. Makabenta meinte, man moege sich nicht wundern, wenn Roque demnaechst der Senatoren-Riege der Opposition angehoert. Mir stiesz Dienstag auf, dass Roque sich in seinem Job nicht wohlgefuehlt haben kann, als er  sagte, dass er Dutertes Kuss in Soeul als “unangemessen” empfunden habe. Welche Gedanken “zogen” da in Roque? Und ist der Tee jetzt fertig, als er gestern bei Antrag seiner Kandidatur fuer den Senat ueber Duterte sagte, ich hab das im Fernsehen gesehen und jetzt im “SunStar” gelesen: “Bis jetzt meine ich, er ist der beste Praesident unter den bestehenden Bedingungen.

Koennte das morgen also anders aussehen? Tee wird ja bitter, wenn er zu lange zieht.



Dynastien – Die Frage, ob man politische Dynastien verhindern soll, geistert durch Verfassungs-Entwuerfe. Mal steht nichts dazu drin, mal sind es komplexe Aufzaehlungen von Verwandschafts-Graden, denen da Knueppel zwischen die Beine geworfen werden. Nachdem sich nun Yen Makabenta heute in seiner Kolumne in “The Manila Times” darueber aufregt, wie viele Binays und Cayetanos sich fuer die Wahl gemeldet haben, faellt mir auf, dass er nicht erwaehnt, wie viele Marcoses und Dutertes sich zur Wahl gestellt haben. Zudem meint Makabenta, dass es kein verfasstes Recht gebe, fuer ein Amt zu kandidieren.

Das sehe ich anders.

Gemeaesz der Verfassung von 1987, die ja noch gilt, werden in Article VI, “The Legislative Department”, Section 3 diese Anforderungen an Senatoren gestellt: er moege ein “natural-born citizen of the Philippines” sein, mindestens 35 Jahre alt, er moege Lesen und Schreiben koennen, ein registrierter Waehler und zum Wahltag schon zwei Jahre in den Philippinen wohnhaft sein.

Ich halte das fuer ein Recht zur Kandidatur fuer alle, die die Bedingungen erfuellen, und zum Dynastien-Verbot bin ich der Meinung, dass das ein verkapptes Berufs-Verbot ist – wobei mir auffaellt, dass ein Recht auf freie Berufswahl in der “Bill of Rights” in der Verfassung nicht vorkommt. Vielleicht war es zu selbstverstaendlich, das zu erwaehnen.

Wie auch immer.

Was mit dem Dynastien-Verbot eigentlich gemeint ist, ist Korruption, Schiebung und was auch immer bei der Wahl. Dass man irgendwie anders als durch freie Wahlen an ein Amt kommt, weil Stimmen gekauft werden, weil man im Amt an bestimmten Stellen “etwas drehen” kann – darum geht es grad in der Klage von “Bongbong” Marcos vs. Leni Robredo – und was weisz ich, das soll verhindert werden. Das Problem jedoch ueber Verwandschaften in den Griff bekommen zu wollen, heiszt den Karren vor das Pferd spannen. Leni Robredo ist nicht mit der Liberalen Partei verwandt, aber die wollte sie ins Amt heben, koste es was es wolle. Und das hat die Liberale Partei sich offenbar einiges kosten lassen. Nicht umsonst haelt sich der ehemalige Chef der Comelec vorsichtshalber in den USA auf, und hat sich fuer “reiseunfaehig” krank schreiben lassen (von seinem Bruder).

Wenn man erst Korruption und Schiebung beseitigt hat, spielt Verwandschaft keine Rolle mehr.

Vor einem Jahr… – …am 17. Oktober 2017, erklaerte Praesident Duterte die Marawi-Krise nach fuenf-monatigen Kaempfen fuer beendet, nachdem die Fuehrer Isnilon Hapilon und Omar Maute getoetet wurden. Daran erinnerte am Mittwoch der Sprecher des Praesidenten, Salvador Panelo, und erklaerte: “Die Befreiung von Marawi sandte eine starke Botschaft aus: Unser Volk steht – und wird unnachgiebig stehen – vereint gegen das Uebel des Terrorismus.

Das klingt gut, nur gab es am Dienstag einen Protest von Einwohnern und Studenten in Marawi, als der erste Spatenstich fuer den Wiederaufbau des zerstoerten Zentrums, der gestern stattfinden sollte, wegen Termin-Schwierigkeiten des Praesidenten auf den 28. Oktober verschoben wurde.

Das kam gar nicht gut an.

Ein Student: “Wir waren froh und dankbar, dass wir in Zelten untergebracht wurden, als wir aus unseren Haeusern in der Stadt fliehen mussten. Voruebergehende Unterkuenfte um unsere traurigen Gemueter und Seelen zu beruhigen, dachten wir. Aber das ist nun schon fast ein Jahr und ein halbes bisher. Ein langes, langes ganzes und ein halbes Jahr.

Ja, es wurde gestern der Toten gedacht, das gehoert sich so, doch sollte man die (Ueber-)Lebenden darueber nicht vergessen. Mir ist da immer noch in Erinnerung, was Gouverneur Mangudadatu am 23. November 2017 zum 8ten Jahrestag des Ampatuan-Massakers bei einer Gedenk-Veranstaltung sagte: “Das ist hier fast schon eine Tradition, nicht nur der grausamen Tat zu gedenken, sondern weit wichtiger, die Welt zu erinnern, dass der Ruf der Angehoerigen der Opfer nach Gerechtigkeit immer noch unerfuellt ist.

So eine Gedenk-Tradition sollte den Wiederaufbau von Marawi nicht ersetzen.



Gemaesz “Inquirer”, “ManilaTimes”, “SunStar”, “ManilaBulletin”, “MindaNews” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

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