…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 09. Oktober 2018

 

Die Schlagzeile… – …der „Manila Times“ befasst sich mit einem Verfassungs-Entwurf, der auf die Sprecherin des Hauses Gloria Macapagal Arroyo zurueckgeht. Die wesentlichen Punkte darin scheinen mir, dass Praesident plus Vize ein Team einer Partei sein sollen, gemeinsam gewaehlt und einmal wiederwaehlbar fuer je vier Jahre. Abgeordnete und Senatoren werden fuer vier Jahre gewaehlt und sind beliebig wieder waehlbar (hier schreit die Opposition, Arroyo will nur selbst wieder gewaehlt werden), und der Kongress kann Bundesstaaten schaffen. Das Letztere ist wohl nach dem Bangsamoro-Modell angedacht und hat den Vorteil, dass man nicht die Philippinen insgesamt auf einen Schlag zu hohen Kosten umkrempelt, sondern nach und nach das Land zu einer Foederation umgestalten kann.

Die erste Wahl nach dieser geaenderten Verfassung ist fuer Mai 2022 vorgesehen. Mich wundert, dass das Thema, das ja wegen wichtigerer Probleme – Reis-Preise und Inflation – auf ein „Nebengleis“ rangiert worden war, ploetzlich wieder da ist, und zwar mit hohem Tempo auf der Hauptstrecke.

Das Bureau of Immigration… – …hat den letzten Antrag der Polit-Nonne Patricia Fox abgelehnt, ihren Aufenthalt mit einem Missionars-Visum zu gestatten. Damit ist aber keineswegs klar, was nun passiert. Hat sie ein Touristen-Visum? Wird sie deportiert? Sucht sie Asyl in einem Kloster? Ich kann mich nur noch wundern.



Ich bin dann mal weg„… – …war eine Formulierung von Hape Kerkeling, als er sich auf den Pilgerweg nach Santiago de Compostela begab. Fuer einen TV-Entertainer ein gelungener Coup, der auch den Verkauf seines Buches mit diesem Titel versilberte. Aber wie ist das mit dem Sprecher eines Praesidenten, in diesem Fall des Harry Roque?

Eigentlich war fuer Montag das uebliche Presse-Briefing angesetzt in Malacañang. Stattdessen gab es eine Mitteilung an die Medien, dass Harry Roque eine Auszeit nimmt.

Es gab Miszlichkeiten. So liebaeugelte Roque mit einer Kandidatur fuer den Senat, und in den Medien munkelte man seit seiner Ernennung im Oktober 2017, dass er den Posten als Sprecher nur als Sprungbrett betrachte. Duterte hatte ihn wegen seines aggressiven Stils statt des etwas pastoralen Ernesto Abella eingestellt. Jojo Robles stellte sich dann auch im Januar 2018 die Frage: „Wann spricht der Sprecher des Praesidenten fuer den Praesidenten, und wann spricht er tatsaechlich fuer sich selbst?“ Praesident Rodrigo Roa Duterte riet ihm jedoch von einer Kandidatur ab, er habe keine Chance und bot ihm wohl einen neuen Job als Presse-Minister an. Dann kamen zwei „unglueckliche Vorfaelle„. Roque war nicht informiert, als Duterte zu einer Untersuchung ins Krankenhaus ging und sagte, der habe eine Auszeit. Und er war wieder nicht informiert, als Duterte mit Frau und Kind einen Ausflug nach Hong Kong unternahm und Roque sagte, der sei in Davao.

Beide Dinge gingen Roque an die Nieren, als er sie im Presse-Briefing eingestehen musste. Er sah sich aus dem Kreis derer ausgeschlossen, die ueber Tun und Lassen des Praesidenten informiert sind und sagte, er braeuchte das Wochenende zu ueberlegen, ob er in seiner Position nicht fehl am Platze sei. Er wolle am Montag dazu etwas sagen. Nun, die Aussage gestern war „ich bin dann mal weg.“ Er sagte auch seine Teilnahme ab an der Fahrt des Praesidenten nach Bali, Indonesien, am 11. Oktober zum Treffen der ASEAN-Fuehrer. Jemandem, der sein Amt „at the pleasure of the president“ ausuebt, steht so ein Schritt nicht gut an.

Es gibt da zu beachtende Feinheiten, die ich auch einmal kennenlernte. Ich wollte Lehrer werden, was nicht so lief, wie ich mir das vorgestellt hatte, und so kuendigte ich halt. Der Leiter des Lehrerseminars, ich war damals Referendar, belehrte mich, dass ich gar nicht kuedigen kann, sondern ich koenne nur um meine Entlassung aus dem Amt bitten. Deshalb solle ich mir, es war vor den Sommerferien, das nochmal ueberlegen. Also liesz ich mir die Sommerferien fuer’s Ueberlegen bezahlen und bat dann um meine Entlassung – der Bitte wurde entsprochen.

Roques Verhaeltnis zum Praesidenten ist nach diesem „ich bin dann mal weg“ zerstoert. So geht das nicht, er kann unter Duterte kein Amt mehr bekleiden. Eine Sitzung des Kabinetts letzte Nacht gab keine Klaerung, und in seiner Kolumne in „The Manila Times“ spricht Yen Makabenta heute von einer „kreativen Zerstoerung“ der Position des Sprechers, da das Kommunikations-Wesen umgekrempelt werden soll. So moege man sich nicht wundern, wenn Roque naechstes Jahr der Senatoren-Riege der Opposition angehoert.

Das ist eine kuehne Spekulation, doch Roque ist ehrgeizig, und derart beschaedigt, wie er derzeit ist, kann er nicht weitermachen als ob nichts geschehen sei – das waere „politische Selbstzerfleischung.



Gemaesz „ManilaTimes„, „ManilaStandard„, „ManilaBulletin„, „PhilStar„, „PTVNews„, u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.