…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 28. September 2018

 

Praesident Rodrigo Roa Duterte… – …sprach gestern in Malacañang vor verdienten Beamten und solchen, die neu vereidigt wurden, „PTV“ war live dabei. Er begann wie ueblich mit dem Hinweis, dass er Reden nicht ablesen mag, er haette hier zwei Seiten, die er spaeter vorliest, doch vorher moechte er kurz dies sagen. Und dann nannte er als wichtigstes Problem der Regierung die Korruption und folgerte „solange wir die Korruption nicht beenden und solange nicht Recht und Ordnung in den Philippinen herrschen, muss ich Euch leider sagen, werden wir uns nie ueber den jetzigen Stand der Regierung erheben.

Ich bleib mal bei diesem Anfang der Rede, denn der beiszt sich mit dem, was das Volk laut einer Umfrage von „PulseAsia“ fuer wichtig haelt: die Bekaempfung der Inflation, danach kamen hoehere Loehne – was man als Eins zaehlen kann: man will mehr Geld wegen der Inflation. Das Thema ist bekannt, und dazu ist zu sagen, dass man fuer den Oktober ein Sinken des Preises fuer Reis erwartet, weil grosze Mengen geordert wurden.

Interessant ist nach der Umfrage jedoch, dass das Volk nach derselben Umfrage die Bekaempfung der Korruption nicht fuer wichtig haelt.

Gut, kann man sagen, die Preise im Palengke und das Geld in der Lohntuete lassen sich leicht nebeneinander halten – aber wie merkt man das Verschwinden der Korruption? Man koennte sagen, am Ende auch in der Lohntuete, aber das ist ein unueberschaubarer Umweg, wie der Einzelne profitiert, wenn von den Steuern nicht ein groszer Teil unterwegs versickert, und wenn man, um die Leistungen des Staates zu erhalten, nicht noch zusaetzliche „Schmiermittel“ erbringen muesste.

Man kann der Regierung zu Recht vorwerfen, dass sie ihre ziemlich gute Politik ziemlich schlecht verkauft.

Da hilft es auch nicht, wenn Duterte in derselben Rede Witzchen ueber die Reis-Knappheit macht. Er erzaehlte, dass all die Drogen-Abhaengigen, die jetzt in den Rehabilitations-Zentren sind, statt Shabu nun Reis essen, deshalb sei fast nichts mehr da. Okay, das gab einen Lacher, aber ist damit den Filipinos geholfen?

Ich will mich nicht dem Vorwurf anschlieszen, der in Pia Hontiveros‘ „NewsNight“ bei „CNNPhil“ so klang, als ob der Praesident damit die Noete des Volkes verhoehnt. Das war so nicht formuliert, kam aber so rueber. Wir wissen, dass der Praesident keine sprachlichen Beruehrungs-Aengste kennt, aber gerade das sollte ihn nicht hindern Dinge sachlich anzugehen, die den Leuten auf den Naegeln brennen.

Eine seltsam anmutende Aeuszerung… – machte Praesident Duterte in derselben Rede, als er sagte: „Welche Suende habe ich begangen? Hab ich auch nur einen Peso gestohlen? Habe ich jemand verfolgt, den ich eingesperrt habe? Meine einzige Suende ist das auszergerichtliche Toeten.

War das ein Gestaendnis? Oder wird diese Aeuszerung vom Sprecher des Praesidenten spaeter ins rechte Licht gerueckt werden. Auf jeden Fall ist das Wasser auf die Muehlen der inhaftierten Senatorin Leila de Lima , die seit dem Jahr 2009 versucht, Duterte auszergerichtliche Toetungen ans Bein zu binden.

Ab und an sollte man, will man nicht geistig erstarren, einen Gedanken auf das Undenkbare verschwenden, das sollte man von der Evolution gelernt haben. Alles was dort neu entstand, war ein Fehler des Vorhergehenden, genauer: ein Fehler in der Vererbung der DNA. So kam das Neue in die Welt. Und wir sollten davon mitnehmen, dass wir nicht die Krone der Schoepfung, sondern das Ergebnis einer unendlichen Fehlerkette sind. Ein Schluck Demut tut da ganz gut.

Also, was waere, wenn eine Zahl – ueber die man dann wieder streiten kann, aber das ist uninteressant – der auszergerichtlichen Toetungen doch auf Dutertes Kappe geht?

Immerhin haben wir jetzt ja dieses Zitat, und er hat das in der Rede nicht abgeschwaecht, sondern ist nur darauf herumgeritten, dass der ICC (International Criminal Court) ihn nicht kriegen kann. Er machte auch Witzchen ueber den ehemaligen UN-Menschenrechts-Chef Zeid Ra’ad Al Hussein, der einst vorschlug Duterte sollte “psychiatrisch untersucht” werden. Ueber den habe er mit dem Koenig in Jordanien gesprochen, dem Bruder von Prinz Zeid, und der habe ihm gesagt, und dann machte Duterte diese Geste, bei der man den Finger an der Schlaefe dreht, was wieder einen Lacher gab.

Die Aussage steht erstmal im Raum. Wie gehen wir damit um? Ist Duterte jetzt ein schlechter Mensch? Oder lassen wir das durchgehen als „Preis von Recht und Ordnung?“ In der Rede sagte er: „Es gibt Dinge, die ich tun muss, weil ich sie tun muss. Wer soll’s sonst tun?“ Daran haengte er, dass es vor ihm auszergerichtliche Toetungen gab, dass sich nur niemand darum gekuemmert hat. Rigoberto Tiglaos heutige Kolumne in „The Manila Times“ passt dazu mit der Ueberschrift „US-Wissenschaftler: Menschenrechts-Verletzungen unter Cory schlimmer als unter Marcos.“ Gut, das mit dem „schlimmer“ scheint mir uebertrieben, doch Verhaftungen und auszergerichtliche Toetungen gingen nach den Zahlen in der Kolumne unter Praesidentin Corazon „Cory“ Aquino nicht wesentlich zurueck gegenueber der vorhergehenden Marcos-Diktatur.

Aber rechtfertigt das Duterte? Dass unter „Cory“ nichts besser und unter ihrem Sohn „Noynoy“ alles schlimmer wurde, wissen wir. Unter Letzterem verdreifachte sich die Kriminalitaet, unter Duterte sinkt sie nun, und das Volk stimmt dem Kampf gegen Drogen zu. Wie haetten wir’s denn gerne?

Ist es legitim zu fragen, ob der Praesident dem Wohl des Volkes oder dem Wohl des Gesetzes dienen muss?

Oder kann nicht sein, was nicht sein darf?



Gemaesz „ManilaTimes„, „ManilaStandard„, „PTV„, „PCOO„, „ManilaBulletin„, „CNNPhil“ u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

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