…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 26. September 2018

 

Das Ende der Demokratie… – …sah Senator Antonio Trillanes gestern gekommen, als das Distrikts-Gericht Manila wegen Rebellion einen Haftbefehl ausstellte, zugleich aber Haftverschonung bei 200 Tsd Peso Kaution gewaehrte. Trillanes stellte sich, wurde erkennungs-dienstlich behandelt, hinterlegte die Kaution und durfte gehen. Das Land darf er nicht verlassen.

Was aber wird Trillanes sehen, wenn die Klage wegen Staatsstreich, die bei einem anderen Richter am gleichen Gerichtshof anhaengig ist, auch zu einem Haftbefehl fuehrt – und bei Staatsstreich gibt es keine Kaution? Ob dann das Ende der Welt kommt?

End of the Road for Duterte?„… – …war die Zeile in der Nachrichten-Uebersicht, die auf eine Meldung des „Express“ hinweist, dem Internet-Auftritt des britischen „Daily and Sunday Express„. Das war mir neu, da musste ich reinschauen und fand, dass die Zustimmungs-Rate zu Praesident Rodrigo Roa Dutere auf seinen tiefsten Stand gesunken sei, sonst nichts.

Die Zustimmung zu Duterte ist auf dem niedrigsten Stand seit seiner Wahl, das ist wahr. Sie liegt laut „Pulse Asia“ derzeit bei 75%. Ich weisz nicht, wie weit das ueber der Zustimmung fuer Theresa May in ihrem Land liegt. Wo befindet sich die britische Regierungs-Chefin, wenn Duterte am Ende der Strasze sein soll?

Kurzer Prozess – Der Rechtsausschuss des Hauses hat den Antrag zur Amtsenthebung gegen die Oberste Richterin Teresita de Castro und die beisitzenden Richter Diosdado Peralta, Lucas Bersamin, Francis Jardeleza, Noel Tijam, Andres Reyes Jr. und Alexander Gesmundo in weniger als 15 Minuten verworfen.  Die Abgeordneten Edcel Lagman, Teddy Baguilat Jr. und Gary Alejano hatten den Antrag gestellt, weil diese Richter die Fake-Richterin Maria Lourdes Sereno vor die Tuer gesetzt hatten. Sie sahen darin eine Verletzung der Verfassung, das sah der Rechtsausschuss nicht so.



Die Kolumnen… – …von Rigoberto Tiglao und Jojo Robles in „The Manila Times“ regen sich ueber Bekanntes auf. Tiglao aergert sich dass Jose Maria Sison, Staatsfeind Nummer Eins, vom philippinischen Staat 2,4 Mio Peso Entschaedigung als Opfer unter dem Kriegsrecht waehrend der Marcos-Diktatur erhaelt. Warum bezahlt man Leute, die hier Polizisten und Soldaten ermorden lassen? „Das gibt’s nur in den Philippinen,“ meint Tiglao.

Robles findet es nicht gut, dass die AFP (Armed Forces of the Philippines) nun in Politik macht und das Bild einer Oktober-Revolution zeichnet. Dass „Joma“ Sison Duterte stuerzen will, hat er selbst gesagt, also – was ist neu? Wenn sie Aufruehrer haben, sollen sie sie umzingeln und festnehmen und keine Presse-Konferenzen geben.

Auch Getsy Tiglao verbreitet im „Manila Bulletin“ keine Neuigkeit, wenn sie auf die Zustimmung des Volkes zu Dutertes Drogenkrieg eingeht. Die Kriminalitaet ist je nach Gebiet und Art der Verbrechen zwischen 30 und 40 Prozent gesunken. Das ist im Land fuehlbar, also sind die Leute hier zufrieden. Im Ausland wird weiter geschimpft. Klar, die merken das ja auch nicht.

Kindersoldaten – Wo alles normal laeuft, also weniger interessant ist, sollte ein Blick auf das gestattet sein, was nicht normal sein sollte, aber normal zu sein scheint. Es wird nicht nur in Deutschland beobachtet, dass Neo-Nazis mit Sommerlagern fuer sich werben, es gibt Verfuehrer an amerikanischen Unis, ueber die ich am Samstag schrieb, und die Kommunisten, die die Universitaeten hier fest im Griff haben. Es gibt aber auch noch den IS (Islamic State). In „The Manila Times“ erschien von Montag bis heute eine dreiteilige Artikel-Serie ueber die Praxis der Terroristen Jugendliche anzuwerben mit den Ueberschriften „Drogenkrieg zwingt Kinder-Kuriere in den IS„, „Ein Jahr nach Marawi lockt der IS weiter Jugendliche an“ und „Frauen bilden Front gegen Jugend-Radikalisierung„.

Kinder-Kuriere sehen nicht aus wie Gangster, also kann man sie gut als Drogenkuriere einsetzen. Sie sind strafunmuendig, und wo sollen sie Geld herbekommen? In Lanao del Sur war der Weg fuer Heranwachsende praktisch vorbestimmt, bis der Kampf gegen Drogen einsetzte. Da bot der IS eine Alternative. Es ging nicht um Ideologie, es ging um Geld. Die Familien bekamen 30 Tsd Peso, wenn sie einen Sohn an den IS verdingten, der Werber bekam 20 Tsd. Sie werden ein halbes Jahr ausgebildet, dann koennen sie eingesetzt werden. Der Artikel berichtet von einem Jungen, der abgesprungen ist und nun seinen Schulabschluss machen will. Sein ehemaliger Rekrutierer sagt ueber ihn: „Jetzt ist er in der Schule, aber ist immer hungrig. Was sagst du dazu? Ist das nicht verrueckt? Als er bei mir war, konnte er kaufen, was er wollte. Wenn er es satt hat hungrig zu sein, wird er zu mir zurueckkommen. Wenn er das nicht tut, ist er wirklich verrueckt, nicht wahr?

In Lanao del Sur gab es eine bluehende Shabu-Industrie, deren Druglords und Narco-Politicians sich mit dem IS zusammentaten, um sich gegen Dutertes Drogenkrieg zu schuetzen. Aus Drogenhandel, Waffengeschaeften und Entfuehrungen hatten sie genug Geld fuer ihren Versuch Marawi zu uebernehmen. Einer der Menschen, die waehrend der Krise Marawi verlassen mussten: „Zuerst war ich voller Wut gegen Praesident Duterte, weil er unser Heim und unser Leben hier in Marawi zerstoert hat. Aber jetzt, mehr als ein Jahr nach der Belagerung von Marawi, bich ich dankbar, dass ‚Vater Digong‘ das Geschaefts-Zentrum von Marawi bombardiert hat, weil ich schlieszlich eingesehen habe, dass es keinen anderen Weg gibt, um den massiven Crystal Meth-Handel im Herzen von Marawi zu beenden, und weil es auch keinen anderen Weg gibt, die Rekrutierung von IS-Kinder-Soldaten zu beenden.

Doch so einfach ist das nicht. Ein Jugendlicher: „Es ist hart fuer meine Familie Almosen anzunehmen und um Hilfe zu bitten, weil wir es gewohnt waren denen zu helfen, die in Not waren. Doch fuer andere sieht es in ihrer Verzweiflung so aus, als wollten sie zum IS gehen um der Armut zu entkommen. Da wird eine Menge geworben, sogar in Facebook.

Es wird nicht nur geworben. Ein Informant: „In den Bergen von Piagapo, Lanao del Sur, ist das groeszte Trainings-Lager fuer Kinder-Soldaten, das erst noch vom Militaer eingenommen werden muss.“ Und sie sind nicht nur da. Die bereits Ausgebildeten sind in Marawi auf Abruf, bis der IS sich wieder stark genug fuehlt. Folgen sie nicht, wenn der Ruf zu den Waffen kommt, laufen sie Gefahr erschossen zu werden.

Als Kraft gegen die Rekrutierungen werden die Muetter gesehen. Einer der Jugendlichen, der mit seiner Famile aus Marawi fliehen musste: „Heute sind die meisten meiner Altersgenossen und Bekannten tot, die zum IS gegangen sind. Sogar unsere anderen Verwandten, die zum IS gegangen sind, sind schon tot. Wegen meiner Mutter und meines Vaters wurde ich nicht rekrutiert. Doch der IS versuchte pausenlos mich anzuwerben.



Gemaesz „Express„, „PhilStar„, „ManilaBulletin„, „CNNPhil„, „ManilaTimes“ u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.