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…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 22. September 2018

 

Misogynist„… – …war ein Wort, das ich das erste Mal am 6. Oktober 2016 in einer Meldung von “GMANews” las. Ich musste googeln, was das ist – ein “Frauenfeind”. Aha, der Rest war klar. Senatorin Leila de Lima hatte, nachdem sie ihren Angriff auf Praesident Rodrigo Roa Duterte zu den Davao-Todesschwadronen an die Wand gefahren hatte, als Rettungsanker die Frauenkarte gezogen. Als Gastrednerin des Forums “Buhay at Babae ~ Leben und Frau” der Menschenrechts-Kommission, bezeichnete sie damals den Praesidenten als “flaming misogynist ~ gluehender Frauenfeind”. Irgendetwas musste sie ihm einfach anhaengen.

Ich hatte die Sache abgehakt, doch das waere dank “#MeToo” heute nicht mehr so einfach. Das merkt Brett Kavanaugh, den US-Praesident Donald Trump zum Richter am Obersten Gericht ernennen will. Da faellt Universitaets-Professorin Christine Blasey Ford nun ein, dass Kavanaugh sie vor 30 Jahren vergewaltigen wollte. Warum ihr das jetzt einfaellt, bleibe dahingestellt. Bedenklicher ist, wie immer das auch ausgeht, dass der Mann praktisch schon vernichtet ist.

In der “Sueddeutschen Zeitung” war am 20. September eine Meldung, dass der Chefredakteur des “New York Review of Books”, Ian Guruma, von seinem Posten wegen heftigster Proteste zurueckgetreten ist. Er hatte einen Text von Jian Ghomeshi veroeffentlicht. Dieser Ghomeshi war “2016 vor Gericht freigesprochen worden. Mehr als 20 Frauen hatten ihm sexuelle Uebergriffe vorgeworfen, unter anderem habe er sie geschlagen und gewuergt. In seinem Text in der New York Review of Books (NYRB) raeumt er ein, dass er oft ‘emotional gedankenlos’ gehandelt habe und das bereue, er beklagt aber auch, dass er ‘genuegend Demuetigung für ein ganzes Leben’ erfahren habe. Staendig muesse er mit einer Schurkenversion seiner selbst im Internet konkurrieren.

Freispruch hilft nicht. Wer einmal “#MeToo” zum Opfer faellt, der kommt da nie mehr raus, und wer ihm eine Stimme verschaffen will, der kann selbst seinen Job auch gleich an den Nagel haengen. Buruma: “’Ich hatte starke Reaktionen erwartet. Meine Hoffnung war, dass sich eine Diskussion darueber entwickelt, wie wir mit Leuten umgehen, die sich falsch verhalten haben, aber vor Gericht freigesprochen worden sind.’ Die heftige Kritik an ihm selbst empfindet er als ‘ironisch’, wie er sagt: ‘Ich habe ein Themenheft ueber Menschen gemacht, die nicht von der Justiz, sondern von sozialen Medien verurteilt worden sind. Jetzt stehe ich selbst am Pranger.’

Ich lass das mal einfach im Raum stehen, so als eine Art Gewitterwolke, und wenn das irgendjemand an die Kachelmann-Affaere erinnert, dann ist das kein Zufall, doch es gibt nicht nur “#MeToo”.

In der “Manila Times” war am 19. September ein Beitrag von George F. Will von der “Washington Post”, der unter der Ueberschrift “Der Kult der Anfaelligkeit des College Campus” schreibt. Im Campus-Betrieb schleicht sich eine Verschulung und Buerokratisierung ein, der sich der Anfaenger hilflos gegenuebersieht. So nistet sich nach und nach eine Schicht von Parasiten ein, die fuer den Lehrbetrieb nicht gut genug, aber zur Anleitung von Anfaengern durchaus geeignet sind. Diese Micro-Manager bestimmen immer mehr das politische Klima und tragen zu Ideologisierung und Uniformierung der Studenten bei, die vom Gruppendruck getriggert wird. Ist aber ein Uebel ausgeraeumt , muss sich das naechste finden lassen. So zieht “expliziter Rassismus” in den USA nicht mehr, das hat man hinter sich. Da aber die Ideologen nicht arbeitslos werden wollen, haben sie als naechstes den “impliziten Rassismus” als Gegner ausgemacht und erhalten sich ihre Arbeitsplaetze auf dem Campus, indem sie jungen Studenten zeigen, hinter welcher unbedachten Aeuszerung sich noch ein “bisher unentdeckter, impliziter Rassist” verbergen koennte.



Ich lass das auch mal so stehen, wie man halt seinen Elefanten vor dem Porzellanladen parkt, damit nichts kaputt geht.

Nun erschien gestern die Kolumne von Rigoberto Tiglao in “The Manila Times”, und er befasste sich mit dem – so Tiglao – aengstlichen Praesidenten der UP (University of the Philippines), Danilo Concepcion. Der war mal ein strammer Marcos-Mann auch zu Kriegsrechts-Zeiten, und so traf er sich neulich zu einer Reunion mit Freunden aus jener Zeit. Dafuer kritisierte ihn eine offensichtlich links-lastige Web-Seite der historischen Abteilung der UP, und Concepcion hatte nichts Eiligeres zu tun, als sich vielmals zu entschuldigen, dass er alte Freunde getroffen hat. Tiglao: “Was fuer ein feiger und prinzipienloser Bursche ist dieser Concepcion. Er war ein kraeftiger Unterstuetzer des Kriegsrechts, und als es 1986 endete, sagte er nie etwas Schlechtes darueber. Doch nachdem ihm von einer linken Raenke an der Universitaet gedroht wird, aendert er seine Meinung, teilt die linke Sicht der Dinge, dass das Kriegsrecht ‘eine dunkle Periode’ unserer Geschichte war.

Aus all den Wolken, Elefanten und Feiglingen verstehe ich, warum hier 46 Jahre nach Ende des Kriegsrechts Studenten immer noch dagegen  auf die Strasze gehen. Da sind diese Parasiten, die Anfaenger einnorden, und die davon leben, dass sie Frieden auf dem Campus um Himmels willen nicht aufkommen lassen. Ist also die Marcos-Diktatur aufgebraucht, muss halt die Duterte-Demokratie her, die Transparente sind rasch geaendert. Auf die Strasze gehen so nicht die Opfer des Kriegsrechts unter Marcos, sondern die Opfer dieser Gruppen, die eine bewaehrte Protest-Marke weiter auf dem Campus verscherbeln.

Und dazu gehoert auch, was Antonio Contreras in seiner heutigen Kolumne  in „The Manila Times“ schreibt. Ihm faellt auf, dass nach der Aquino-Zeit, in der Politik allein daraus bestand, gegen Marcos zu sein, die Duterte-Zeit sich darauf einpendelt, nur gegen die Opposition zu sein. Das ist nicht genug, auch ein Duterte braucht seine Opposition, und wenn die Liberale Partei dazu nicht in der Lage ist, und das ist sie nicht, dann muessen eben seine Anhaenger einspringen. Contreras: „Unterstuetzer des Praesidenten sollten einen kritischeren und unabhaengigen Standpunkt einnehmen. Als Buerger sollten wir uns der Tatsache bewusst sein, dass am Ende des Tages unsere Unterstuetzung fuer den Praesidenten auf der Voraussetzung basiert, dass er zum oeffentlichen Wohl beitraegt. Und wenn in der Hinsicht der Praesident fehlt, sollten wir nicht vor unserer moralischen Pflicht zurueckschrecken und konstruktive Kritik beitragen. Indem wir das tun, fuellen wir tatsaechlich die Rolle aus, die von der politischen Opposition nicht erfuellt wird, deren Mitglieder ihre Rolle als verantwortliche Kritiker aufgegeben haben und nun verzehrt werden von ihrem Markenzeichen zerstoererischer und stoerender Politik.

Ansonsten kann alles nur schlimmer werden. Doch das ist eine Ausrede, die einem das Nachdenken erspart, wie die Welt sich so aendern konnte, dass wir sie nicht mehr verstehen. Doch all das – PC, Internet, IPhone, Facebook, Campus-Kult – wurde von der Generation in die Welt gesetzt, die dem angerichteten Schaden nun sprachlos gegenuebersteht. Man kann niemanden mehr einfach wegsperren, und Ruhe ist! Seit de Lima sitzt, hat sie mehr Buecher veroeffentlicht und Zeitungs-Artikel ueber sich erhalten als in ihrem ganzen politischen Leben zuvor. Ich warte darauf, dass Antonio Trillanes sein Buch  „Gefangen im Senat“ herausgibt. Vielleicht kriegt er auch einen Preis, das muss nur richtig getriggert werden. Das Argument gegen Duterte, dass er seine Gegner mundtot machen will, sticht nicht: die werden lauter.

Ich will mich nicht ueber den Hinkefusz lustig machen, aber Joseph Goebbels‘ Volks-Empfaenger war ein Klotz am Bein im Vergleich zu den heutigen Moeglichkeiten Meinungen in die jeweils gewuenschte Richtung zu drehen. Doch eines sollte uns der Hinkefusz lehren: dieser schweflige Geruch wird auch von der heutigen Technik nicht verdeckt. Man muss sich nur vor Augen halten, dass Facebook jetzt „Rappler“ und „Vera Files“ zur Wahrheits-Findung einsetzt: das nenn ich den Teufel mit Belzebub austreiben.

Wie auch immer, ich will in keiner Sache reden.

Es gibt nicht nur die Frauen-Karte, es gibt auch die Macho-Karte,  die Diktator-Karte, die Kriegsrechts-Karte, die Menschenrechts-Karte, die Revolutions-Karte, die Todestrafen-Karte, die Drogen-Karte, die Raucher-Karte, nur die Oppositions-Karte fehlt. Es genuegt nicht, sich die eine oder andere Karte rauszugreifen, man muss das Spiel begreifen. Ich tue mich da auch nicht leicht. Es waren etliche Nachrichten, die erst zusammen kommen mussten, bevor ich dazu etwas schreiben konnte. Das wollte ich gestern an den „Volksgerichtshof“ in Bruessel anhaengen. Social Media funktionieren so aehnlich wie jene Schauprozesse unter Roland Freisler an einem Ort gleichen Namens, und deshalb konnte ich kaum glauben, dass Menschenrechtler das wieder aus der Taufe heben. War aber zuviel das gestern Morgen auf die Reihe zu bringen, und es hat mich den ganzen Tag und den heutigen Morgen gekostet, auch wenn ich das Gefuehl habe, immer noch nicht fertig zu sein. Aber die Karten sind schon mal verteilt.

Ein Missverstaendnis… – …gab es wohl bei Lesern, die diesen selbsternannten „Volksgerichtshof“ in Bruessel, der Duterte, Trump und anderen Menschenrechts-Verbrechen anhaengen will, mit dem ICC (International Criminal Court) in Den Haag verwechselten. Den gibt es wirklich, aber der hat grad nichts gesagt, nur ueber ihn wurde geredet.

Der US-Sicherheits-Berater John Bolton sagte kuerzlich, der ICC sei „ineffizient, unzuverlaessig und nachgerade gefaehrlich“ und, schlimmer noch „gegen amerikanische Prinzipien.“ Das war Wasser auf die Muehlen von Praesident Duterte, der sich im Maerz des Jahres aus dem ICC (genauer aus den Roemischen Vertraegen, die dem ICC zugrunde liegen) zurueckgezogen hat.

Allerdings wird die Kuendigung der Vertraege erst nach einem Jahr wirksam, also im Maerz 2019. Bis dahin sollte das Oberste Gericht auch eine Klage der Opposition klaeren, ob der Praesident ohne den Senat ueberhaupt kuendigen durfte. Zur muendlichen Verhandlung erschienen die klagenden Senatoren nicht, weil die einsitzende Senatorin Leila de Lima keinen Freigang bekam. Da waren sie beleidigt, woraus man sieht, dass ihnen ihre Klage nicht so wichtig ist wie ein Medien-Auftritt fuer de Lima. Es geht immer um Medien-Praesenz. Wer da nicht ist, ist so gut wie tot.

Wie auch immer.

Bolton findet den ICC nun bloed, was er leicht tun kann, denn die USA sind dem Verein gar nicht erst beigetreten, weil sie ihre Buerger und insbesondere Soldaten nicht von anderen Maechten vor Gericht stellen lassen. Freut sich Duterte: „Das zeitige Wort von Bolton ist sehr erfrischend fuer uns, da ich der lauteste unter den Kritikern des ICC bin. Der ICC ist ruede mit mir, ich bin ruede mit ihm. Ich beuge mich nur dem philippinischen Volk, ich beuge mich sonst niemandem.



Gemaesz “SZ”, “ManilaTimes” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

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