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…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 19. September 2018

 

Die Tiglaos – Einen nicht unerheblichen Einfluss auf meine Meinung haben die Eheleute Rigoberto und Getsy Tiglao. Sie schreibt eine Kolumne  woechentlich im „Manila Bulletin„, er schreibt zweimal in der Woche fuer die „Manila Times„. Waehrend er investigativ auch noch die letzte Tatsache ausbuddelt, schaut sie auf Zusammenhaenge, was sich fuer mich wunderbar ergaenzt.

Heute, Ladies first, schreibt Getsy unter der Ueberschrift „Duterte zeigt, wie gutes Regieren geht„. Im Gegensatz zu dem Diktator-Bild, das die Opposition zeichnen will, zeigt gerade der Taifun, dass man eine noch groessere Katastrophe verhindern kann, wenn man die dem Staat zur Verfuegung stehenden Mittel auch einsetzt und ihre Umsetzung durchsetzt. Das hat weniger mit Diktatur als vielmehr mit Effizienz zu tun. Und einen Praesidenten als Zuschauer braucht kein Mensch.

Rigoberto befasst sich mit dem derzeitigen Gegenspieler von Praesident Rodrigo Roa Duterte, dem Senator Antonio Trillanes. Der hat – so Rigoberto – nicht bemerkt, dass in seinem Wueten gegen die aufgehobene Amnestie er in eine Falle getappt ist: er hat zum Sturz des Praesidenten aufgerufen. Damit verstoeszt er gegen Artikel 142 des Revised Penal Code, der Aufwiegelung untersagt (anti-sedition law), und entsprechend haben der ehemalige Abgeordnete Jacinto Paras und andere am 14. September Anzeige erstattet. Rigoberto: „Kurzum, Duterte hat ihm [Trillanes] genug Leine gegeben, um sich selbst mit dem anti-sedition law aufzuhaengen.“ Der Witz dabei ist naemlich, dass selbst wenn seine Amnestie bestaetigt wird, Trillanes fuer die Aufwiegelung noch sechs Jahre einfahren kann.

Der Praesident selbst… – …war gestern in Isabela, um sein Bild von der Katastrophe abzuschlieszen. Hierzu zwei Punkte, der menschliche zuerst ganz kurz.

Ich weisz nicht, was er sich da alles zumutet, aber ich habe ihn nun an drei Tagen hintereinander im TV gesehen – „DZRHNews“ war gestern live dabei – und er kam mir jedesmal erschoepfter und abgekaempfter vor. Der Mann schleppt sich da durch, was sich zum Teil aber wohl auch auf Frust angesichts seiner Hilflosigkeit verstehen laesst, und das ist der zweite Punkt.

Der hat es heute zu Schlagzeile und Leitartikel in „The Manila Times“ gebracht: Duterte hat das Mining auf dem Kieker, darueber sprach er gestern in Isabela nur: „Mining hat ein Monster in diesem Land geschaffen.“ Leider kann er da nicht viel tun, es gibt Gesetze, die das erlauben, aber es muss etwas geschehen – was dann ja nur gesetzgeberisch sein kann. In erster Linie sind das illegale Graeber, die sich zum Beispiel in Ucab in Itogo, Benguet, ueber eine aufgelassene Mine der Benguet Corp. hergemacht haben, wo nun durch den Bergrutsch fast die Haelfte aller Todesopfer des Taifuns zu beklagen sind. In einem Telefon-Gespraech mit einer Sprecherin der Benguet Corp. versuchte Jessica Soho in „State of the Nation“ gestern abend in „GMANews“ dort einen Teil der Schuld anzusiedeln. Doch  die Sprecherin wies darauf hin, dass Benguet Corp. die Taetigkeit nicht gestattet und auch die Bewohner dort darauf hingewiesen habe, dass grad das Gebiet Bergrutsch-gefaehrdet ist. Offenbar reicht es aber nicht, ein Schild „Betreten verboten“ vor einen Stollen zu haengen und zwei Bretter davor zu nageln, wenn dahinter Gold lockt und die Menschen arm sind.

Etwas muss geschehen, und gerade um die illegale Buddelei hat sich vor Duterte niemand gekuemmert. Wie gesagt, das war ein Praesident als Zuschauer.



Der tiefe Riss – Dass es in der Bericht-Erstattung bezueglich Praesident Rodrigo Roa Duterte einen Unterschied gibt, der nur noch mit dem Positiv- und Negativ-Abzug ein und desselben Bildes verglichen werden kann, ist keine Neuigkeit. Im Laufe der Zeit habe ich das Gefuehl gewonnen, dass sich die Fronten verhaerten, oder, um im Bild zu bleiben, dass der Kontrast  schaerfer wird. Gestern stieszen mir drei Artikel ins Auge, die ich nur als Symptom aufzaehlen will.

PhilStar“ berichtet, dass Senator Antonio Trillanes die Verleumdungs-Klage von Paolo Duterte und Mans Carpio als reine Schikane empfindet. Doch er stellt sich dem und wird, falls erforderlich, sogar nach Davao fliegen, denn – das sei Dutertes Plan dahinter, sie „wollen mich in ihr Territorium bringen, wo sie Einfluss haben.

PhilStar“ berichtet, dass die Muetter der Studentinnen, fuer deren Entfuehrung Generalmajor Jovito Palparan nun lebenslaenglich bekommen hat, befuerchten, er koenne von Praesident Duterte einen Pardon bekommen und unbehelligt nach Hause gehen.

Im „PhilStar“ schreibt ein Tony Katigbak, dass Amnestien nicht widerrufen werden koennen und bringt als Argument, dass er ja im Fernsehen ein Video gesehen hat, wie Trillanes die erforderlichen Papiere unterzeichnete.

Ich fange gleich mit dem Letzten an, denn ueber dieses Video habe ich mich schon vor ein paar Tagen lustig gemacht. Ein Papier, das dem Gericht nicht vorliegt, existiert nicht, egal wieviele daran glauben. Ich erinnere dazu einen Fall, dass in den USA irgendwer wegen irgendwas eine Klage gegen Gott eingereicht hat. Die Klage wurde abgewiesen, weil sie keine zustellbare Adresse des Beklagten aufwies. Auf dem Niveau bewegt sich der Kommentar von Katigbak.

Schwerwiegender ist der Fall der Muetter, die Duterte zutrauen, dass er dem verurteilten Kidnapper Pardon gewaehrt, weil Duterte Militaers favorisiere und hoeher als Zivilisten einstufe. Man kann das in die uebliche Schublade packen, dass die Studentinnen Aktivistinnen und Palparan ein Kommunisten-Schlaechter war. Und  die Eltern werden von Anwaltsgruppen vertreten, die eher links einzuordnen sind,  und ihre Mandanten entsprechend mit Text-Bausteinen bestuecken, aber – welche Sicht des Praesidenten als Mensch muss man haben, um das zu befuerchten?

Und dann Trillanes, der schieszt die Krone ab. Ist Davao der rechtsfreie Raum, wo der Duterte-Clan mit dem rauchenden Colt in der Hand ueber Leben und Tod entscheidet? Wenigstens will die Formulierung uns das glauben machen, und Sara Duterte hat ja auch schon mal einen Gerichts-Vollzieher geohrfeigt! Und wer sowas tut… Vorsichtshalber versucht Trillanes nun die Verhandlung nach Manila zu verlegen.

Das Bild Dutertes ist kein Vexierbild, das man so oder so sehen kann. Wer nur das Negativ kennt, kann sich das Positiv nicht vorstellen – er haelt doch das Negativ in Haenden, oder hat es sogar im Fernsehen gesehen. Was gibt es da noch zu diskutieren? Umgekehrt funktioniert der Beweis genauso.

Die Fronten sind unversoehnlich. Man traut dem jeweils anderen alles Moegliche zu – und das ist bedenklich. Meist tut man dem jeweils anderen dann auch alles Moegliche an.

Geradezu eine Verhoehnung… – …von Recht und Gesetz scheint mir, dass die australische Polit-Nonne Patricia Fox gestern per Video vor einem „Internationalen Volksgerichtshof“ (nomen est omen?) in Belgien gegen Duterte ausgesagt hat. Sie sieht ihre politische Taetigkeit als christliche Pflicht – was gehen sie da philippinische Gesetze an?

Es ist diese „Ober sticht Unter„-Mentalitaet von Fanatikern, gegen die der Verstand nicht ankommt und deren man sich nur mit aller Haerte des Gesetzes erwehren kann.



Gemaesz „ManilaBulletin„, „ManilaTimes„, „DZRHNews„, „GMANews„, „PhilStar“ u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

 

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