…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 03. September 2018

 

Gerechtigkeit – Ich habe mich gestern darueber ausgelassen, dass Praesident Rodrigo Roa Duterte hierzulande fuer seine grundehrliche Offenheit respektiert wird. Grund dazu waren eigene Zweifel an meiner “Duterte-Treue” angesichts einer immer erbitterteren Presse der Opposition und des Restes der Welt, die an Duterte nichts Gutes finden kann, und wie ich meine, auch nicht mehr finden wird. Die Zweifel habe ich in einem Gespraech mit meiner Frau ausgeraeumt. Wir stehen zu Duterte unter dem Vorbehalt, ihm nicht fraglos zuzustimmen, was zum Beispiel die Todesstrafe angeht. Ich will diese “reflektierte Lobhudelei” heute fortsetzen.

Praesident Duterte ist ein “law and order”-Mann. Die Opposition stellt das als Polizei-Staat eines Diktators dar, in dem die Gerechtigkeit auf der Strecke bleibt. Das Gegenteil ist der Fall. Ein Leitartikel des “Philippine Star” kommentiert heute das Urteil des Richters Alfredo Ampuan beim Distrikts-Gericht Manila, das den Tricycle-Fahrer Francisco Maneja von Drogen-Vorwuerfen freispricht. Maneja war bei einer angeblichen Scheinkauf-Operation im September 2016 in die Brust geschossen und fuer “tot” am Tatort belassen worden. Er verhielt sich still, und erst als Presse mit Kameras vor Ort war, machte er auf sich aufmerksam. Er wurde verhaftet, ins Hospital gebracht und wegen Drogenbesitzes angeklagt. Der Richter glaubte die Aussagen der Polizisten nicht, die gesundem Menschenverstand widersprachen. Zudem wurden Drogen nicht am Tatort, sonder erst spaeter im Hospital bei ihm “gefunden”. Richter Ampuan sprach Maneja frei.

Der “PhilStar” findet bemerkenswert, dass so ein armer Hund wie ein Tricycle-Fahrer Recht bekommt in diesem Land, in dem Gerechtigkeit doch kaeuflich sein soll und stets zu Lasten der Armen geht. Auf der anderen Seite gefaellt dem “PhilStar” – das muss man mit philippinischen Maszstaeben messen – die Geschwindigkeit, mit der die Justiz hier gearbeitet hat und schliezt: “Die Herren der Justiz sollten dieses Tempo der Behandlung eines Falles vor Gericht zur Regel machen. Wenn das geschieht, wird das Land wissen, dass Recht geschieht und die Regeln des Gesetzes greifen.

Praesident Duterte greift in Gerichts-Verfahren nicht ein. Waere er dieser “Polizeistaats-Diktator”, wie die Opposition ihn beschreit, gaebe es den Freispruch nicht. Duterte weisz, dass 40 Prozent der Polizei “Gauner und Schurken” sind, und seit Oscar Albayalde Polizei-Chef ist, geht man auch dagegen vor. So wurden gerade erst 68 Polizisten der Talisay-Polizei-Station in Cebu aus dem Dienst entfernt, die mit dem “Recycle” von Drogen in Verbindung standen – so heiszt das, wenn beschlagnahmte Drogen von Polizisten aus den Asservaten entwendet und wieder verkauft werden.

Duterte kaempft gegen Drogen, doch dabei haelt er sich an Recht und Gesetz, und er laesst sich von der Polizei selbst auch nicht an der Nase herumfuehren.



Praesident Duterte… – …ist mit groszem Gefolge unterwegs auf seiner Reise nach Israel und Jordanien. Zurueck blieb wohl nur Justiz-Chef Menardo Guevarra als Minister vom Dienst fuer die laufenden Geschaefte. Die Reise ist Duterte wegen seines leidigen Hitler-Vergleichs vorab schon von der Welt-Presse unter die Nase gerieben worden, und so kann auch die “South China Morning Post” sich heute nicht verkneifen, eine Meldung der “Agence France-Press” dazu zu bringen, aber lassen wir dass.

In Israel und Jordanien arbeiten 28 bzw. 48 Tsd OFWs (Oversea Filipino Workers), in Israel meist in der Altenpflege und zu guten Arbeitsbedingungen. Zu 1.400 dieser OFWs hat der Praesident heute Morgen um 1 Uhr hiesiger Zeit in einem Hotel in Jerusalem gesprochen, was ich gern live gesehen haette, aber – mitten in der Nacht? In meinem Alter braucht man geregelte Ruhezeiten.

Und das mit dem “live” ist immer relativ. Ich habe “Cignal”, wo auf dem Empfaenger-Display eine Uhr eingeblendet ist. Schalte ich nachmittags um 6 Uhr “CNNPhil” fuer “NewsNight” ein, so laeuft dort auch eine Uhr countdown-maeszig auf die 6 Uhr zu. Doch wenn bei “CNNPhil” 6 Uhr ist, ist es bei “Cignal” bereits 6:01. Das ist nicht komisch, sondern Absicht. “CNN” bringt Nachrichten nie live, sondern mit einer kleinen “Anstands-Schleife”, damit man ein “beep” darueber setzen kann, wenn eine Person dort “four letter words” verwendet. Bei “BBCWorld” zum Beispiel stimmen die Uhren bis auf 3 Sekunden ueberein, aber das liegt wohl an der Uebertragung von Computer zu Computer, bevor es zum Satelliten hochgeht.

Bei Duterte ist das anders. Nach dem Kuss von Soeul, den die Presse zum “Kissgate” aufgebauscht hat, sagte Dutertes Tocher Sara Duterte-Carpio, wenn ich recht erinnere, damals dem Sinne nach, sie werde ihren Vater kuenftig bei Auslands-Reisen begleiten, um solche Entgleisungen zu verhindern. Ob das Spasz oder Ernst war, weisz ich nicht, aber Sara Duterte-Carpio ist bei dieser Reise nun in der Entourage des Praesidenten.

Weiterer Anschlag – In Isulan, Sultan Kudarat, ist erneut ein IED (Improvised Explosive Device) explodiert. 1 Mensch wurde getoetet, 15 verwundet, als das IED vor einem Internet-Cafe Sonntag Nacht explodierte. Das war nun der zweite in kurzer Folge, nachdem am 28. August bei dem ersten Anschlag dort 3 Menschen getoetet und 35 verletzt wurden.

Dahinter wird BIFF (Bangsamoro Islamic Freedom Fighters) vermutet, eine Gruppe, die sich  2008 von der MILF (Moro Islamic Liberation Front) abgespalten hat, als die sich mit der Regierung auf Verhandlungen zur Autonomie einliesz, die nun in das BOL (Bangsamoro Islamic Law) muendeten. Die BIFF besteht auf eigenstaatlicher Unabhaengigkeit, und hat dem IS (Islamic State) Treue geschworen, und das ist das Problem. Mit dem IS sind auch auslaendische Kaempfer ins Land gekommen, die die Regierung mit Resozialisierungs-Programmen wie zum Beispiel bei der NPA (New People’s Army) nicht erreichen kann, und die auch in den Mittleren Osten nach Lage der Dinge dort nicht mehr zurueck gehen koennen. Mit denen kann es nur einen Kampf bis zum bitteren Ende geben.

Da die nun offenbar letzte Kraefte mobiliseren, sehe ich nicht, dass das Kriegsrecht in Mindanao mit Jahresende auslaeuft – das geht weiter. Auf den Anschlag geht auch eine “Agence France-Press”-Meldung in “The Straits Times” ein. Offensichtlich sollen die Friedens-Bemuehungen der Regierung mit dem BOL torpediert werden. Frieden kann der IS nicht gebrauchen.



Gemaesz “PhilStar”, “ManilaTimes”, “PTV”, “SCMP”, “StraitsTimes” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.