…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 31. August 2018

 

Eine bloede Idee… – …hatte ich heute morgen als mir angesichts der Meldungen zur mangelnden Versorgung mit billigem Reis durch die NFA (National Food Authority) einfiel, man solle Reis doch einfach verbieten. Shabu ist auch verboten, und da klappt die Versorgung ganz hervorragend. Analogie-Schluss: was da hilft, sollte hier auch helfen. Dann las ich die ueblichen “Manila”-Blaetter und fand im “Standard”, dass andere auch bloede Ideen haben. Es ist immer beruhigend, mit seiner Bloedheit nicht allein zu sein.

In einem Radio-Interview schlug Agrar-Minister Manny Piñol implizit vor, man solle den Reis-Schmuggel im Sulu-Archipel gestatten, dann kaeme es nicht zu dieser Knappheit, die dort momentan herrscht und die Preise in Hoehen treibt, die Reis fuer Aermere unerschwinglich macht. Natuerlich hat er das so nicht woertlich gesagt, sondern er wies darauf hin, dass im Sulu-Archipel – Tawi-Tawi, Sulu, Basilan und rauf bis Zamboanga – es immer schon aus Malaysia geschmuggelten Reis gab, was dort als eine Art “traditional trading” betrachtet wurde. Aber Preise schossen nach oben, als nach Gespraechen von Praesident Rodrigo Roa Duterte und Premier Mahathir Mohamad der Schmuggel aufhoerte. Natuerlich wurde Piñol dafuer gleich abgestraft. Senatorin Cynthia Villar: “Wir koennen zum Reis-Schmuggel nicht ermutigen. Auch wenn es ueberall geschieht, es ist gegen das Gesetz.”

Das wirft natuerlich die Frage auf, wie man damit denn gesetzlich fertig wird, wenn ungesetzlich nicht sein soll, was nicht sein darf. Der Leitartikel der “Times” meint, dass man mit gegenseitigen Schuld-Zuweisungen (blame game) nicht weiterkommt. Die NFA gehoert zum Agrar-Ministerium und ist laut “Wikipedia” verantwortlich fuer die Sicherheit der Nahrungsmittel sowie die “Stabilitaet von Versorgung und Preis von Reis, dem philippinischen Grundnahrungs-Mittel (staple food)”. Daneben gibt es noch einen NFA Council (Rat), von dem sich mir nicht erschlieszt, ob der unter, neben oder ueber der NFA angesiedelt ist, ich weisz nur aus Nachrichten, dass NFA und NFA Council sich traditionell in den Haaren liegen, wer das vermasselt hat (blame game), wenn irgendetwas mal nicht klappt. Der Leitartikler hofft, dass der Plan der Regierung, Import-Beschraenkungen von Reis durch Zoelle zu ersetzen, beide Institutionen ueberfluessig werden und uns erspart, “Zeuge dieses Spektakels des gegenseitigen Finger-Zeigens” zu sein.

Eine gute Idee… – …hat in dem Zusammenhang Ramon Ang, Praesident der SMC (San Miguel Corp.) gemaesz der Kolumne von Jojo Robles in der “Times” heute. San Mig braut nicht nur das bekannte Bier, das auch ich konsumiere, sondern SMC ist der groeszte Lebensmittel- und Getraenke-Hersteller in Suedostasien. Dazu gehoeren zum Beispiel auch B-Meg (Futtermittel) und Purefood (Lebensmittel), man kennt sich aus auf dem Reis- und Getreidemarkt. Ang meint, es sei besser, wenn die Regierung den Farmern hoehere Preise fuer Reis zahlt, statt die Gelder fuer den Import von Reis aus Vietnam und Kambodscha auszugeben, dann wuerden die ihre Produktion vermehren (statt abzubauen, weil anderes lukrativer ist), es kaeme nicht zu diesen Mangel-Situationen und man kaeme auch in Richtung Selbst-Versorgung weiter. Und den Import von Reis koenne man im Preis halbieren, wenn man den Reis nicht verpackt, sondern lose einkauft und hier absackt.

Der Vorschlag setzt die Freigabe des Reis-Imports voraus, und ob sich da nicht eins mit dem anderen beiszt, hab ich keine Ahnung. Dass aber gesetzlich und organisatorisch gehandelt werden muss, ist offensichtlich.

Reise nach Jerusalem – Fuer Unruhe sorgte eine Meldung der “FAZ”, in der ueber die geplante Reise von Praesident Duterte nach Israel berichtet wird. Sofort gab es im Netz Postings ueber die “Zeitung mit der man sich den Hintern abwischen kann”, wozu ich anmerken moechte, dass das fuer alle Zeitungen gilt. Ich erinnere mich an Frueher, als ich noch klein war und meine Oma mit dem Kuechenmesser die Zeitungen der letzten Woche in handliche Blaetter zerschnitt, die dann im Klo aufgehaengt wurden. Oma lebt nicht mehr, und wir kaufen Toiletten-Papier, das kratzt nicht so. Ein anderes Posting bemerkt “diffamierende Halbwahrheiten”, ohne eine Einzige zu zitieren. Mir ist nur eine “Halbwahrheit” aufgefallen: die Reise geht nicht nur nach Israel, sondern auch nach Jordanien, was in der Meldung nicht erwaehnt wird.

Auf die anderen Postings will ich gar nicht eingehen. Wie ueblich in Facebook haben die nach der vierten und fuenften Station sich von der urspruenglichen Meldung laengst abgesetzt und zur Diskussion so entscheidender Fragen verselbstaendigt, wie grosz zum Beispiel eine Lupe sein muss, wenn man blind ist – wozu mir wieder einfaellt, dass einem Blinden auch eine Lupe in Groesze eines Pizza-Tellers wenig hilft.

Bedenklich ist, dass “die hard”-Duterte-Fans das Objekt ihrer Verehrung schon angegriffen waehnen, wenn der im Ausland ueberhaupt erwaehnt wird. So beschleicht mich auch ein ungutes Gefuehl, wenn der vor mir sehr geschaetzte Rigoberto Tiglao heute in seiner Kolumne in der “Times” die Frage aufwirft “Warum hasst die New York Times Duterte?” Gut, da ist mal wieder ein daemlicher Artikel zu Duterte erschienen, und die ueblichen Verdaechtigen stecken wohl wieder dahinter: Filipinos und besonders eine reiche Filipina, die in den USA leben und an der alten Heimat nun nur noch Schlechtes finden.

Koennte es sein, dass das auch Deutschen den Blick truebt, dass sie von den Philippinen aus in Deutschland ploetzlich nur noch Schlechtes sehen – und manchmal auch halluzinieren?



Gemaesz “ManilaStandard”, “ManilaTimes”, “FAZ” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

Ein Gedanke zu „…aus der philippinischen Presse

  • September 1, 2018 um 03:46
    Permalink

    Ich freue mich täglich auf die Analysen und die Zusammenfassung der Geschehnisse aus der Sicht von Heiko Eckhard.
    Es ist eine bewundernswerte tägliche „Kolumne“, die davon zeugt, wie intensiv sich Heiko mit dem politischen Geschehen auseinandersetzt.
    Maraming salamat po

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