…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 22. August 2018

 

Ein paar interessante Eindrücke und Einblicke wie von Heiko Eckhard, sollten immer von einem guten, frisch gebrühten Kaffee aus den philippinische Cordillera begleitet werden – Zum Online Shop —>

 

Gestern war… – …”Ninoy Aquino Day”, ein “Special Holiday”, was sich ein biszchen stoeszt mit dem “National Heroes Day”, ein “Regular Holiday”, der naechsten Montag sein wird. Ich zitierte bereits vor einem Jahr Rigoberto Tiglao, der erlaeuterte, dass offiziell nie eine Liste der nationalen Helden Jose Rizal, Andres Bonifacio, Emilio Aguinaldo, Apolinario Mabini, Marcelo del Pilar, Sultan Dipatuan Kudarat, Juan Luna, Melchora Aquino (“Mother of the Katipunan”) und Gabriela Silang herausgegeben wurde. Dazu Tiglao damals: “Warum? Der Gelbe Kult blockierte Bewegungen um National-Helden des Landes zu benennen – weil Benigno ‘Ninoy’ Aquino, das Objekt ihrer Helden-Verehrung, nicht in der Liste enthalten war.” Also forderte der Gelbe Kult einen eigenen Feiertag fuer seinen Helden, was im Februar 2004 von Praesidentin Gloria Macapagal-Arroyo per Unterschrift zum Gesetz wurde. Haette sie damals gewusst, was sie von dem Sohn des Helden, der nach ihr Praesident wurde, zu erwarten hatte, haette sie das besser nicht getan.

Nun ist der Feiertag aber mal da, und Praesident Rodrigo Roa Duterte liesz letztes Jahr zu “Ninoy” Aquino verlauten: “Bis an sein Lebensende belebte er den Gedanken einer friedlichen Revolution, die zu den Freiheiten fuehrten, deren wir uns heute erfreuen.” Dieses Jahr fand er: “Die tiefe Liebe zu seinem Land inspirierte eine Revolution, die den Lauf der Geschichte unseres Landes aenderte und die Freiheiten hervorbrachte, deren wir uns heute erfreuen.

Ninoy Aquino war Senator und die Stimme der Opposition gegen Marcos. Die beiden beschreibt der Zeitzeuge Juan Ponce Enrile, nacheinander Finanz-, Justiz- und Verteidigungs-Minister unter Marcos, in “A Memoir” so: “Ferdinand Marcos und Ninoy Aquino waren zwei kontrastierende Persoenlichkeiten. Marcos war nachdenklich, stoisch und allgemein zurueckhaltend. Er hielt seine Gefuehle vor jedem verborgen, auch vor seinen engsten Freunden. Er war schwer auszuloten. Man wusste nie wirklich, ob er erfreut oder veraergert war. 

Auf der anderen Seite war Ninoy ueberschwaenglich, umgaenglich und durchsichtig. Er war ein guter Geschichten-Erzaehler. Er liebte es zu reden. Er war immer gut aufgelegt. Er war nassforsch und ungestuem und ein ueberzeugender Redner. Man konnte ihn leicht verstehen.

Der Bomben-Anschlag auf der Plaza Miranda am 21. August 1971, als dort eine Veranstaltung der Liberalen Partei stattfand, und bei der es 8 Tote und 120 Verletzte gab, hatte zur Folge, dass Marcos das Kriegsrecht ausrief. Und Ninoy Aquino wurde damit in Verbindung gebracht, weil er als einziger Kandidat der Liberalen Partei nicht auf der Plaza war. Angeblich haette er einen Tip von Freunden in der NPA (New People’s Army) erhalten. Hinter dem Anschlag steckten “Joma” Sisons Kommunisten. Aquino wurde verhaftet, vor ein Militaer-Gericht gestellt und 1977 zum Tod durch Erschieszen verurteilt. Das Urteil wurde 1980 von Marcos umgewandelt.



In Haft erlitt Aquino eine Herz-Attacke, und da er einer Operation in den Philippinen unter Marcos nicht traute, gestattete der, dass Aquino in die USA ging und sich dort operieren liesz. Er ging mit Frau, “Cory” und seinen Kindern nach Massachusetts. 1983 hoerte er von der Nieren-Erkrankung Marcos’, Geruechte ueber dessen bevorstehendes Ableben kursierten, und Aquino plante die Rueckkehr, um seinen Hut in den Ring zu werfen, wenn es um die Nachfolge ging. Marcos ueberlebte die erste Nieren-Transplantationen, und Aquino wurde am 21. August 1983 – Plaza Miranda Day – auf dem Flughafen in Manila erschossen.

Der Rest ist Geschichte. Marcos, der auch die zweite Nieren-Transplantation ueberlebte, die erste wurde vom Koerper abgestoszen, wurde in der EDSA-Revolution 1986 gestuerzt, floh mit seiner Familie nach Hawaii und “Cory” Aquino wurde Praesidentin der Philippinen.

Man kann nun philosophieren, waere die Geschichte anders verlaufen, ob “Ninoy” Aquino ein guter Praesident gewesen waere – seine Frau war es jedenfalls nicht, und sein Sohn “Noynoy” Jahre spaeter war eine totale Niete. Beide zehrten jedoch von dem von der Liberalen Partei gehegten und gepflegten “Ninoy”-Mythos, machten daraus einen Feiertag, und versauten durch Schluderei und Korruption den guten Ruf so sehr, dass heute niemand mehr etwas davon wissen will. Ich schrieb neulich, dass Duterte unter anderem auch deshalb mit groszer Mehrheit gewaehlt wurde, weil die Filipinos auf keinen Fall einen aus der Aquino-Clique wieder da oben sehen wollten.

Das haben hier im Land alle verstanden – bis auf “Noynoy” Aquino. Der will nun auch die Kandidaten der Opposition unterstuetzen, wie er gestern sagte, damit die Minderheit eine staerkere Stimme im Senat bekommt, so wie sein Vater, der verstorbene Senator Benigno “Ninoy” Aquino: “Ich plane denen zu helfen, die aehnliche Meinungen und Ansichten haben wie ich.

Ich finde das richtig gut, denn er wird das genauso vermasseln, wie er seine Praesidentschaft vermasselt hat. Einen besseren Wahlkaempfer gegen den Gelben Kult kann man sich nicht wuenschen, als dessen Top-Versager nochmal oeffentlich auftreten zu lassen, denn was Ponce Enrile ueber “Ninoy” schrieb – “Er war nassforsch und ungestuem und ein ueberzeugender Redner” – davon hat der Sohn “Noynoy” nun mal nichts mitgekriegt. Und wenn sich dem auch noch Mar Roxas anschlieszt, der gestern bei der Erinnerungs-Feier fuer “Ninoy” gesichtet wurde, dann duerfte “Mocha” Uson jubeln, dass sie gegen den alten Trapo wieder ins Feld ziehen kann.

Trapo” habe ich gestern als “traditional politician” uebersetzt, was in dem Zusammenhang passt. Aber, wie ich heute in der Kolumne von Rachel Reyes in “The Manila Times” entdecke, ist mir der Doppelsinn des Wortes entgangen. Dieses Wort aus dem Spanischen bezeichnet einen “Wischlappen”, was Reyes gleich als “filthy rag ~ dreckiger Wischlappen” uebersetzt. Sie nennt so die Kandidaten, mit denen Sara Duterte Carpio in die Wahl 2019 ziehen will – die Senatorin Cynthia Villar, Juan Edgardo “Sonny” Angara. J. V. Ejercito, Gouverneurin Imee Marcos und die fruehere Senatorin Pia Cayetano. An denen sei nichts Neues, und die Aspiranten Christopher “Bong” Go, Ronald “Bato” dela Rosa und Harry Roque – na ja. “Bong” Go, Aktentaschentraeger des Praesidenten, “Bato” dela Rosa, der die Polizei nicht reformieren konnte, und Harry Roque, von dem man nicht weisz, ob er bei den Presse-Meetings fuer sich oder fuer den Praesidenten spricht – sehen so Sieger aus?

Lassen wir das mal beiseite, so steht da noch das Versprechen von Praesident Duterte im Raum, das er bei eben dieser Veranstaltung der Hugpong ng Pagbabago (Allianz fuer den Wechsel) in Davao gab, in dem Reyes nur alte Trapos erkennen konnte: “Ich versichere dem philippinischen Volk, dass dies [2019] eine saubere Wahl sein wird.” Er wolle die Comelec (Commission on Elections) bitten, ihn dafuer einzusetzen. Mit Verlaub, Herr Praesident, das ist in Ihrer Ausdrucksweise Ochsenkot. Auszer denen, die die Wahl 2016 – vermutlich auch schon die 2013 – verschoben haben, weisz kein Mensch, wie das gedreht wurde. Das waere aber die unabdingbare Voraussetzung dafuer, es diesmal zu verhindern.

Auf der anderen Seite kann kaum geleugnet werden, dass der Praesident derzeit einen Durchhaenger hat. Das hat sich sogar bis in die “Sueddeutsche Zeitung” herumgesprochen, die einen Bericht von Arne Perras aus Singapur bringt, der mit den Worten beginnt: “Der Vollstrecker ist muede.” Der Bericht bedient die ueblichen Platitueden zu Duterte, die im Westen bevorzugt gelesen werden, doch nicht falsch ist die Beobachtung: “Er klang in seiner Rede manchmal abwesend, er stockte immer wieder beim Sprechen oder musste neu ansetzen. Selten hoerten die Philippiner ihren Praesidenten derart aufgeloest und lustlos.

Die Frage nach seiner Gesundheit stellen da nicht nur “Joma” Sison und Senator Antonio Trillanes. Auch Reyes erwaehnt in ihrer Kolumne: “es wurde gefluestert, dass er Blut erbrochen habe grad vor seiner SONA [State of the Nation Address].” Offiziell wurde das damals verleugnet. Der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque: “Da ist nichts Wahres an den Geruechten, dass der Praesident eilig ins Hospital eingeliefert wurde (was rushed to the hospital)… Das ist tsismis. Das ist fake-news.” Er sagte aber auch: “Er brauchte anderthalb Stunden fuer eine Routine-Untersuchung. Sein Gesundheits-Zustand wurde als gut bezeichnet.” Man kann es sich nun aussuchen: der Sprecher des Praesidenten muss diesen gut aussehen lassen, das ist sein Job; die Gegner des Praesidenten muessen den Praesidenten heruntermachen, das ist ihr Interesse. So richtig glauben kann man keinem, doch sollte man sich grad nach “Ninoy” Aquino Day daran erinnern, dass Ferdinand Marcos 1983 auch als “im Ableben” eingeschaetzt wurde – er starb 1989 im Exil in Hawaii, da war “Ninoy” schon 6 Jahre tot.

Gestern war… – …auch “Eid’l Adha” oder “Eid al-Adha”, ein “Regular Holiday”. Das “Opferfest” ist das Fest zum Hoehepunkt des “Haddsch”, der Wallfahrt nach Mekka, und offizieller Feiertag in den Philippinen. Ich weisz, ich weisz, ueber 80% der Filipinos sind Christen, meist Katholiken, es sind aber eben auch, je nach Quelle, 5 – 10% Moslems, meist Sunniten, die in der Mehrzahl in Mindanao und dem Sulu-Archipel leben. GenSan ist gemischt, 80% Christen, 20% Moslems, z.B. mein Nachbar gegenueber. Des friedlichen Zusammenlebens halber werden die hohen Feste beider Religionen in den Philippinen zu Feiertagen erklaert. Das Opferfest bezieht sich auf Ibrahim/Abraham, der auf Allahs/Gottes Weisung seinen Sohn Ishmael/Isaak opfern sollte. Um Theologie zu vermeiden, versuche ich die Geschichte mal ganz weltlich zu verstehen.

In der Zeit, als Gott noch mit den Menschen gesprochen hat, befahl er Abraham seinen Sohn Isaak zu opfern. Als Abraham das tatsaechlich tun wollte, fiel Gott ihm jedoch in den Arm mit den Worten: “War nur Spasz! Natuerlich darfst du deinen Sohn nicht toeten – nimm lieber den Hammel da hinten fuer das Opfer.” Heute leben wir in einer Zeit, in der Gott nicht mehr mit den Menschen spricht, und so koennen wir auch nicht blind jeder Weisung trauen, sondern muessen selbst herausfinden, was richtig ist, weil uns niemand mehr in den Arm faellt, um das Schlimmste zu verhindern. Es geht also um die Selbstverantwortlichkeit des Menschen, und dies nahm sich Alzad Sattar als Thema fuer seine Predigt zum Opferfest in Cotabato City. Sattar ist Untersekretaer im Erziehungs-Ministerium der ARMM (Autonomous Region in Muslim Mindanao), die durch  das BOL (Bangsamoro Organic Law) nun nach einem Plebiszit aufgeloest und in Bangsamoro (Land der Moros) uebergehen soll. Angestellte der ARMM haben nun Angst um ihren Job. Sattar fragte, wenn ein Prophet wie Abraham seinen eigenen Sohn im Namen Gottes opfern konnte, warum koennen nicht ARMM-Angestellte ihren Job im Namen der Einheit fuer einen dauerhaften Frieden opfern?

Anwalt Naguib Sinarimbo beruhigte in einem Forum solche Befuerchtungen allerdings mit dem Hinweis, dass das Ende der ARMM nicht gleich dem Ende des Jobs der Angestellten sei. Vermutlich werden die meisten uebernommen.

Da im Netz spekuliert wurde, ob “Eid’l Adha” das “Eid’l Fitr ~ Fastenbrechen” sei – nein, ist es nicht. “Eidul Fitar”, wie es hier geschrieben wird, war am 15. Juni, und wer damals Zeitung gelesen hatte, wuesste jetzt, dass das auch ein “Regular Holiday” ist. Kleiner Tipp fuer jene, die nur facebook kennen. Auszerhalb facebook gibt es Welten wie Google oder Wikipedia, maechtiger und bedeutender noch als facebook. Wer selbst lesen kann, ist da gut aufgehoben und muss nicht immerzu fragen, obwohl – Fragen ist bequemer als selbst Lesen.



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “Wikipedia”, “SZ” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.