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…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 13. August 2018

 



 

Der Regen… – …liefert heute die Schlagzeilen, der Metro Manila unter Wasser gesetzt und auch etliche benachbarte Provinzen schwer getroffen hat. Das Thema hat es als “Bloomberg”-Meldung in die “South China Morning Post” gebracht – “Zehntausende fliehen als Fluten die philippinische Hauptstadt ueberschwemmen”. Ich will darauf nicht eingehen, Katastrophen sind nicht mein Thema.

Mich interessiert mehr ein Artikel von Subrah Priyadarshini, dem Herausgeber von “Nature India”, der auch in der “SCMP” erscheint mit dem Titel “Fluten und Selbstmord von Bauern: Die wahre Bedrohung von Pakistan und Indien ist das Wetter”. In dem Artikel berichtet Priyadarshini, dass der gewaehlte Premier von Pakistan Imran Khan, dessen Amtszeit diese Woche beginnt, 10 Mrd Baeume in seinem Land pflanzen will, um dem Klimawandel zu begegnen: das Land heizt nicht so auf, bis zu 50 Grad Celsius diesen Sommer, Boden und Wasser wird zurueckgehalten, dass es nicht zu Erdrutschen und Ueberschwemmungen kommt, die Menschen, aber auch ganze Aecker mit sich reiszen, auf denen dann nichts mehr gepflanzt werden kann.

Hoffen wir, dass das klappt, aber damit komme ich zum Thema. Der Artikel erinnert angesichts der Flut in Manila an eine Kolumne von Rigoberto Tiglao in “The Manila Times” vom 23. Juli. Da schreibt er, dass das Laguna Lake Rehablitation Projekt von Benigno “Noynoy” Aquino verworfen wurde, welches Laguna Lake ausbaggern und von Muell und Pflanzen reinigen sollte, dass er mehr Wasser aufnehmen kann, und wozu eine Vertiefung des Napindan Kanal in Taytay gehoerte, dass der die Fluten besser in die Manila Bay ableiten sollte. Dieses Projekt wurde von Benigno Aquino gestoppt, weil es von seiner Vorgaengerin Gloria Macapagal-Arroyo aufgesetzt wurde – seiner Erzfeindin, weil sie hinter Landreform-Gesetzen stand, die den Cojuangco-Aquino-Clan um Profite aus der Hacienda Luisita brachte. Es genuegte ihm nicht, sie aus Rache von seiner Justiz-Ministerin Leila de Lima grundlos ins Gefaengnis werfen zu lassen, nein – ihr Name musste ausgetilgt werden, sodass er nicht womoeglich kuenftig mit einer Verbesserung des Lebens in den Philippinen gebracht werden koenne.

Dabei haette das Projekt “fast nichts” gekostet, wie Tiglao in seiner Kolumne darstellte, denn zu dem vorgesehenen Kredit von 12 Mrd Peso der belgischen BNP Paribas Fortis Bank kam eine Schenkung Belgiens von 7 Mrd Peso, was die Gesamtkosten abdeckte. Der Auftrag sollte an die entwaesserungs-erfahrerene belgische Baagerwerken Decloedt En Zoon gehen, die auch am niederlaendischen Kanal- und Deich-System mitgearbeitet und sich weltweit einen Ruf erworben hat.

Nun, Geld hat Benigno Aquino noch nie interessiert, wenn es nicht sein eigenes war. Am 29. Juni 2016, ein Tag vor Ende seiner Amtszeit, liesz er 32 Mio Peso an die UN ueberweisen fuer ein Unterkunfts-Projekt fuer Yolanda-Opfer, obwohl die UN dort total im Verzug war – 3 Jahre nach dem verheerenden Taifun. Das war gestern die Schlagzeile in “The Manila Times”, die fuer sich nichts Neues war. Heute gehoert sie ins Gesamtbild, dass Geld Aquino egal war. Menschenleben wohl auch, wenn man an Mamasapano, Dengvaxia und angesichts der heutigen Fluten in Manila an das Laguna Lake Rehablitation Projekt denkt.

Gemaesz PNP (Philippine National Police) wurden in Metro Manila ueber 50 Tsd Menschen evakuiert, ueber 30 Tsd in umliegenden Provinzen. Im TV hoerte ich gerade, dass es 3 Tote in Quezon City gab. Hoffentlich werden es nicht mehr, denn nach Wetter-Besserung sieht es erstmal nicht aus.

Die Frage bleibt offen, ob man das Laguna Lake-Projekt nicht wieder aufsetzen sollte – der Bedarf ist ja offensichtlich. Und man koennte auch die Idee des pakistanischen Premiers aufgreifen und abgeholzte Gegenden oberhalb Laguna Lake aufforsten (oder gibt’s da keine?), damit das Wasser oben bleibt, wo es hingehoert. Dann werden die Menschen mit dem ueberschuessigen Wasser unten auch besser fertig.

 

Egal bei welchem Wetter, die Wäsche kommt immer sauber und getrocknet zurück von:

 

Die Glocken von Balangiga… – …sollen zurueckgegeben werden, wie der US-Verteidungs-Minister Jim Mattis mitteilen liesz. Hintergrund ist ein Ueberfall von philippinischen Rebellen auf ein Lager der US-Army im Philippinisch-Amerikanischen Krieg, bei dem 48 US-Soldaten getoetet wurden. Dies gab Anlass zu einer Strafaktion im Jahre 1901, zu der General Jacob Smith laut “Wikipedia” den Befehl ausgab: “Ich wuensche keine Gefangenen. Ich wuensche, dass ihr toetet und niederbrennt, je mehr getoetet und niedergebrannt wird, umso mehr wird es mich freuen.” Er wolle die Insel Samar in eine “heulende Wildnis” verwandeln und dazu jeden toeten, der aelter als 10 Jahre ist. Der Befehl soll zwar vom kommandierenden Major Littleton Waller so nicht an die Truppe weitergegeben worden sein, doch es gab eine Menge Tote, die genaue Zahl ist unbekannt. Schaetzungen liegen zwischen 2 bis 3 Tsd und 50 Tsd. Einen Hinweis darauf, dass es wohl in der Mitte liegt, geben Volkszaehlungen auf der Insel, die von 1887 unter Spanien bis 1903 unter den USA um rund 15 Tsd Personen zurueckgingen.

Als Beute dieser Strafaktion nahmen die Amerikaner die drei Glocken der Kirchen von Balangiga, Eastern Samar, und brachten sie in die USA, wo zwei bei einer Warren Air Force Base bei Cheyenne, Wyoming, sind, die dritte Glocke ist derzeit in Camp Red Cloud bei Uijeongbu, Sued Korea.

Eine Aufforderung die Glocken zurueck zu geben wurde bereits 2002 vom Senat eingebracht. In seiner zweiten SONA (State of the Nation Address) im Juli 2017 forderte Praesident Rodrigo Roa Duterte: “Gebt uns die Glocken von Balangiga zurueck. Das sind unsere. Die gehoeren den Philippinen. Sie sind Teil unseres National-Erbes.” Der US-Botschafter Sung Kim im Publikum setzte damals leicht veraergert die Kopfhoerer ab, und es geschah auch erstmal nichts, bis nun die US-Botschaft die Absicht des US-Verteidigungs-Ministers bekannt gab.

Das Thema hat es auch als “Agence France-Press”-Meldung bis in die “SCMP” gebracht. Ein Datum steht allerdings noch nicht fest.

Als heilige Kuh… – …bezeichnet der Leitartikel des “Manila Standard” die Kommunikations-Unter-Ministerin Margaux “Mocha” Uson, die das Recht auf freie Meinungs-Aeuszerung als “Ausrede fuer Vulgaritaet und kompletten Mangel an Hoeflichkeit und Verantwortlichkeit fuer das eigene Handeln” benutze. Der Leitartikler fuehlt sich dadurch in seiner Intelligenz beleidigt, und ihm waere lieb, wenn man ein Zeichen ueber Usons Haupt anbringt “Heilige Kuh – nicht beruehren.

Ich will jetzt nicht auf die MeToo-Debatte eingehen, dass man die sowieso nicht anfassen darf. Mich stoert mehr, dass ich vor ein paar Tagen geschrieben habe, dass ich oefter versuchte, Usons Kolumne im “PhilStar” zu lesen, das aber nie zu Ende gebracht, sondern die Augen verdreht und liegen gelassen haette. Ignorieren ist einfach, aber liegt man damit immer richtig? Ich habe mir heute also ihre letzte “PhilStar”-Kolumne vom 7. August gesucht und das gefaelligst durchgelesen. Praktischerweise ist das Thema der “Foederalismus”. Die Kolumne sagt mir nichts Neues. Aber das heiszt nichts, weil es nicht auf mich ankommt, der aus der “Federal Republic of Germany” stammt und mit dem Begriff etwas anfangen kann, und weil ich mich nun seit zwei Jahren mit Dutertes Politik befasse. Ich gehoere nicht zur Zielgruppe, die informiert werden soll, was es mit dem Foederalismus auf sich hat. Unter dem Aspekt ist die Kolumne jedoch gut.

Mit Hinweis auf die Verschiedenheit der Regionen und Sprachen argumentiert sie fuer eine diesen Aspekten naehere Form der Regierung – Beispiel Muslim Mindanao. Die Aktionen der naeheren Beduerfnisse und Regierungen seien so regional einsichtiger. Das Land zerfalle aber nicht, weil nationale Sicherheit, Recht und Gesetz, soziale Sicherheit und internationale Beziehungen und Handel bei der Zentral-Regierung bleiben. Eine Zentral-Regierung fuer alle habe es bisher jedoch nicht geschafft, Wohlstand und Wohlergehen fuer alle zu befoerdern. Also, an die Jugend – “Der Wandel zum Foederalismus ist nicht blosz Wechsel zu etwas Neuem; es ist der Weg fuer eure Generation, um den Fortschritt voll zu genieszen.

Ich nehme an, der Leitartikler des “Standard” hat diese Kolumne von Uson, wie auch ich, bisher nicht gelesen, sondern erinnert nur dieses daemliche “I-pepe-dede-ralismo”. Auf der anderen Seite will Uson von alten Knackern wohl gar nicht gelesen werden, denn ueber ihrer Kolumne steht nicht “Federalism”, sondern “What the F?”. Das wird ueblicherweise anders ergaenzt und spricht eher Menschen an, die ihr Leben vor sich haben. Ihre Zielgruppe sind nicht die, bei denen “frueher alles besser” war.

Die Todesstrafe… – …ist mal wieder Thema. In einer Kolumne im “PhilStar” spricht sich Tony Katigbak dafuer aus und argumentiert mit der Abschreckung des Rechts-Grundsatzes “Auge um Auge”. In dieselbe Kerbe haut auch Adam Garrie in “Eurasia Future”, der als zusaetzliches Argument die Ersparnis einbringt, wenn man Moerder nicht bis an ihr Lebensende unterbringt und bekoestigt. Dieses letzte Argument kann ich kaum widerlegen. Dazu faellt mir nur ein, dass Klauen auch nicht so aufwendig ist wie Arbeiten – oekonomisch kann man so fast alles rechtfertigen.

Doch bleiben wir bei der Abschreckung. Das Argument wuerde mich sofort ueberzeugen, wenn es in den Laendern, in denen die Todesstrafe droht auch keine Moerder gaebe. Gibt es aber – komisch, nicht? Abgeschreckt werden nur Jornalisten, Blogger und gesetzestreue Zeitungs-Leser, die finden das echt gut. Aber die braeuchten das Gesetz gar nicht, weil sie sowieso nie jemanden ermordet haetten.

Es ist ein Missverstaendnis der Gesetz-Gebung, wenn man meint, Straf-Gesetze seien dazu da, die genannten Verbrechen zu verhindern. Das ist schlicht Bloedsinn. Die Gesetze sind da, weil es diese Verbrechen gibt und man damit geregelt umgehen muss. Gaebe es keine Morde, braeuchte man kein Gesetz um Mord zu verbieten. Welche Strafe dafuer angedroht wird, geht dem Moerder so am Arsch vorbei – vor der Tat. Hinterher mag er das gern anders sehen, aber wem nuetzt das?



Gemaesz “ManilaTimes”, “SCMP”, “Wikipedia”, “ManilaStandard”, “PhilStar”, “EurasiaFuture” u.a.

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