…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 09. August 2018

 

 

Die Kolumne… – …von Sass Rogando Sasot in “The Manila Times” ist heute ueberschrieben “Die nicht so unsichtbare Hand von Uncle Sam” und beunruhigt mich etwas mehr als die Schlagzeile, dass das Haus das Budget fuer 2019 abgelehnt hat. Fuer das Budget fehlt mir der Hintergrund, woran es hakt, und am Ende einigen sie sich ja doch, weil sie sonst selbst im Regen stehen. Bei Uncle Sam ist das anders. Da hab ich derzeit eher zu viel Hintergrund, als dass ich das Thema uebergehen koennte. Doch immer langsam und von Anfang an.

Sasot beginnt mit einem Zitat der verstorbenen Senatorin Miriam Defensor-Santiago, die zu den Wahlen 2016 sagte: “Ich weisz nicht, wieviel Geld fuer diese Wahl ausgegeben wurde, aber die CIA hatte schon immer ein wachsames Auge auf die philippinischen Wahlen.” Das kann als Fortsetzung meiner gestrigen Hinweise zum Wahlbetrug 2016 verstanden werden, aber es geht tiefer, da Sasot nicht Comelec/Smartmatic als Ausfuehrende im Auge hat, was derzeit vom Senat untersucht wird, sondern die Politik der USA als Urheber und Vater dieses ueblen Treibens.

Die CIA verhinderte 1957 die Wahl von Claro M. Recto zum Praesidenten. Er war ihnen unangenehm aufgefallen, als er 1951 in einer Rede sagte: “Wie ein kleiner Hund, zockeln wir hinter Uncle Sam her, wo immer der in Asien herumlaeuft, und bellen hier und da die Kommunisten an mit unserem duennen, fast unhoerbaren Gebell.” In Manila diskutierte General Ralph B. Lovett, Chef des dortigen CIA-Bueroes, mit dem US-Botschafter Admiral Raymond A. Spruance, wie Recto vergiftet werden koenne. Ein paar Jahre spaeter starb Recto 1960 in Rom an einer mysterioesen Herz-Attacke, nachdem er zwei unbekannte Herren kaukasischen Aussehens in Geschaefts-Anzuegen getroffen hatte. Eine Herzschwaeche Rectos war zuvor nicht bekannt. (Die Information hat Sasot sich nicht aus den Fingern gesogen, sondern stammt aus dem Buch “The Worst Book of 2002” von Max Boot, und wird auch im Recto-Artikel in der “Wikipedia” zitiert. Ich stuetze mich auf die englische “Wikipedia”, die deutsche ist ahnungslos, was die Philippinen angeht.)

Rodrigo Dutertes auszen-politische Sicht unterscheidet sich nicht von Rectos…”, schreibt Sasot in ihrer Kolumne, “…er ist der erste philippinische Praesident, der offen fuer eine neutrale Auszen-Politik wirbt. In meinem Interview letztes Jahr in Mailand erklaerte mir Auszen-Minister Alan Peter Cayetano kurz und buendig Dutertes Auszen-Politik: ‘Freund von jedem, Feind von keinem.’ Das ist natuerlich inakzeptabel fuer Uncle Sam der glaubt, man ist enweder fuer oder gegen ihn.

Der amerikanische Auszen-Minister Dean Acheson definierte die amerikanische Verteidigungs-Linie im Pazifik als bei den Aleuten beginnend ueber die Ryukyu-Inseln Japans bis runter zu den Philippinen. Sichtbar ein Schirm in Erinnerung von Pearl Harbour, als die Japaner die amerikanische Flotte dort angreifen und schwer treffen konnte. Der Pazifik ist amerikanisch beherrscht, und gegen die Kommunisten – Russland und China – ist man gut abgeschirmt. Und so achtet man auch darauf, dass dort Wahlen in die richtige Richtung laufen.

Der “Rappler” berichtete 2013, dass eine TAF (The Asia Foundation) 5.7 Mio Peso an eine philippinische Gruppe gab, um die elektronische Wahl zu unterstuetzen und sah da “auslaendischen Einfluss”. “Rappler” fiel nicht auf, dass TAF ein CIA-Produkt ist, das “substantiell zu den nationalen Interessen der USA in Asien beitraegt.

Interessant findet Sasot auch, dass die USAID (United States Agency for International Development) den PhilamFund (Philippine-American Fund) mit 23 Mio Dollar aus der Taufe hob, der von der GRF (Gerry Roxas Foundation) gemanagt wird. Judy Roxas ist Praesidentin des GRF, und Vicky Garchitorena steht dem PhilamFund vor. Judy ist die Mutter des 2016-Wahlkandidaten Mar Roxas, und Vicky ist Anhaenger der Liberalen Partei.

Warum, fragt Sasot zum Schluss ihrer Kolumne, ist es in amerikanischem Interesse, die Liberale Partei zu unterstuetzen? Nun, die Frage ist rhetorisch: da hatte man einen Lakai wie Benigno Aquino, der sich widerspruchslos nach Den Haag schicken liesz, um die amerikanische Verteidigungs-Linie im Pazifik juristisch zu sichern, da man als Nicht-Anrainer ja selbst nicht hingehen konnte.

Nun kann man das alles fuer abgehakte Geschichte halten, haette die Sache nicht einen Hintergrund. Zwar sind die Praesidenten Rodrigo Duterte und Donald Trump “Freunde”, wie sie sagen, doch man sollte da vorsichtig sein, dass Duterte als “Freund von jedem” irgendwann von Trump gegen Xi Jinping ausgespielt wird. Nicht nur, dass Trump grad den Handelsstreit eskaliert, in dem die Philippinen als wirtschaftlich internationaler Winzling selbst keine Rolle spielen, sondern hinter Trumps Bully-Politik droht der “Deep State”, der in den USA die Faeden zieht und jeweiligen Praesidenten nur soviel “Leine laesst”, wie das in ihrem Interesse laeuft. Wo das liegt, kann man wieder nur ahnen, und daher hier ein paar Hinweise, was zu erwarten ist.



Im Mai haben die USA China von einer Marine-Uebung der Pazifik-Rim-Staaten wieder ausgeladen. Als Begruendung gaben sie Chinas Militarisierung des Suedchinesischen Meeres an und lieszen verlauten: “China hat anzuerkennen, dass sie von der Freiheit der Seefahrt profitiert haben, und dass die US-Marine dies garantiert.” Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – die USA verstehen sich als Welt-Meeres-Polizei!

Die ASEAN-Staaten haben zu einer gemeinsamen Marine-Uebung mit China im Suedchinesischen Meer die USA nicht eingeladen, und Malacañang findet da nichts Schlimmes dran. Der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque: “Ist doch klar, die USA sind 10.000 Meilen entfernt, und so sind sie wirklich fehl am Platze, wenn hier die Nachbarn staerkere Beziehungen ihrer Militaer-Kraefte aufbauen wollen.” Die Meinung der USA in diesem Punkt aeuszerte Piper Campbell, Bevollmaechtigter der US-Mission bei ASEAN am Rande des Treffens der ASEAN-Mitglieder in Singapur, die sich auf eine Basis fuer den Code of Conduct im Suedchinesischen Meer geeinigt hatten. Er meint, dass “…jeder Code of Conduct die Bedenken und Rechte dritter Parteien einschlieszen muss.” Wen mag er mit dieser “dritten Partei” wohl im Sinn haben?

Ein Beitrag von “Radio Free Asia” erlaeutert vorgestern die Ansichten einer US-Denkfabrik, die sich mit amerikanischen Interessen in Asia-Pacific befasst. Darin heiszt es, dass die USA versuchen sollen, proaktiv die Sicherheits-Situation in Suedost Asien zu formen, sodass das zu Frieden und Stabilitaet beitraegt, und dass die USA “selbst als Vermittler der ASEAN-Staaten verfuegbar ist, wenn die ASEAN-Staaten den Frieden nicht aufrecht erhalten koennen.” Hoppla, wenn das nicht ein Wink mit dem Zaunpfahl ist, wen ASEAN da als Ober-Aufpasser zu erwarten hat! Und in dem Bericht geht es weiter, dass die USA dabei “good governance ~ gute Regierungsfuehrung” ueber “Demokratisierung” stellen soll. Es soll alles glatt laufen, Demokratie, der Wille des Volkes, spielt keine Rolle, sondern “eine breitere und tiefere Umarmung freier Maerkte und zugaengliche und verantwortliche Regierung wuerde Amerikas Anstreben seiner Sicherheits-Ziele in der Region unterstuetzen.” Nun, wie die “freien Maerkte” gedacht sind, sieht man derzeit an den Zoellen, mit denen Trump den Rest der Welt belegt.

Das US Naval Institute veroeffentlichte vorgestern einen Bericht, dass die USA sich verpflichtet fuehlen, der militaerischen Einschuechterung durch China in Suedost Asien zu begegnen. Dazu wolle man die “Erosion der Souveraenitaet” der suedost-asiatischen Staaten verhindern. Also, wenn China Einfluss nimmt, untergraebt es die Souveraenitaet der Staaten. Wenn die US Einfluss nimmt, was ist das – Befoerderung der Souveraenitaet durch Beeinflussung der Wahlen?

Die USA werden die Philippinen nicht von der Leine lassen, auf welchen Umwegen auch immer, und Praesident Duterte sollte jetzt schon nachdenken, wie er sich als Verbuendeter der USA und als “Freund von jedem” verhalten will, wenn die USA sehen, dass sie mit ihrem Handelskrieg nicht durchkommen und sich an den Satz von Clausewitz erinnern: “Der Krieg ist eine blosze Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.” Uncle Sam kennt naemlich nur zwei Einstellungen, wie Sasot meint: man ist entweder fuer oder gegen ihn, ein Drittes gibt es nicht.



Gemaesz “ManilaTimes”, “Wikipedia”, “SCMP”, “PhilStar”, “RadioFreeAsia”, “USNavalInstitute” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.