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…aus der philippinischen Presse

 

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 05. August 2018

 

Egal wie das Wetter wird – Genießen Sie frisch gerösteten Kaffee aus den philippinischen Cordillera!

 

Das Wort zum Sonntag – Der Vatikan hat seinen Katechismus geaendert, was er selten tut, und die katholische Kirche lehrt nun, dass die Todesstrafe unzulaessig ist. Fuer ein ueberwiegend katholisches Land wie die Philippinen ist das nicht ganz ohne Bedeutung. So wurde mit “Cory” Aquinos Verfassung von 1987 die Todesstrafe abgeschafft. Fidel V. Ramos fuehrte sie 1993 wieder ein. Hingerichtet wurde aber erst ab 1999 unter Ramos’ Nachfolger Joseph Estrada. Gloria Macapagal Arroyo wandelte 2006 das Urteil fuer 1230 Todeskandidaten in lebenslaengliche Haft um und die Todestrafe wurde wieder abgeschafft.

Praesident Rodrigo Roa Duterte will die Todesstrafe wieder einfuehren, und das wurde – nach der Meldung der Aenderung des Katechismus – nun von Malcañang bestaetigt. Man liesz verlauten, dass die Wiedereinfuehrung immer noch eine der Prioritaeten von Praesident Dutertes Regierung sei. In dessen Verstaendnis, er ist Mitglied der Bruderschaft “Lex Talionis Fraternitas”, die den Grundsatz “Auge für Auge” vertritt, sieht das so aus: “Die Menschen in den Philippinen glauben nicht an das Gesetz, weil da keine Furcht ist, und deshalb sage ich: gebt mir die Todesstrafe zurueck.

Dass Duterte in seiner Haltung inkonsistent ist, hatte ich im Januar schon einmal bemerkt, als er zu seiner Zeit als Buergermeister in Davao sagte: “Ich habe nie befohlen jemanden zu toeten, der vor mir kniete. Ich habe nie jemandem etwas zugefuegt, auch dem haertesten Idioten oder Kriminellen nicht, der seine Arme erhoben hat. Ich mach das nicht, weil ich kein Mann bin, wenn ich es tue.

Duterte beruft sich da auf die Ehre, Relikt eines ritterlich-soldatischen Verstaendnisses, Gefangene nicht zu toeten. Ich rechne ihm das an und bin der Meinung, dass dieses Verstaendnis, mit dem man sich, wenn man in Verteidigung des Landes schon toeten muss, den letzten Rest menschlicher Wuerde bewahrt, auch die Todesstrafe verbietet. Denn wenn Duterte es sich zur Ehre anrechnet, Wehrlose nicht zu toeten, um seine Wuerde zu wahren, darf er das auch dem Henker nicht zumuten. Wo ist dessen Wuerde? Soll der ehrlos sein, wie im Mittelalter? Ist das demokratisch?

Doch, gehen wir den Gedanken durch! Wenn die Todesstrafe schon zum Rechtsstaat gehoert, dann muss die Vollstreckung des Urteils jedem zumutbar sein, so wie im Verteidigungsfall per Wehrpflicht jeder herangezogen und ihm das Toeten des Feindes zugemutet wird. Fuer Senator Emmanuel “Manny” Pacquiao ist das kein Problem. Im September 2016, im Senat befragt, welche Art der Hinrichtung er vorschlage, gab er Erhaengen mit der Erlaeuterung an: “Da muss man nur den Stuhl wegtreten.” Von anderen Senatoren zurechtgewiesen, dass das nicht lustig sei, hat er sich fuer die Ausdrucksweise entschuldigt – der Eindruck blieb bei mir aber haften. Stuhl wegtreten kann jeder, und so koennte der Henker doch per Los bestimmt werden. Wie man als Zeuge vor Gericht geladen werden kann und dort erscheinen muss, so muesste es moeglich sein, dass der Leser einen eingeschriebenen Brief erhaelt, er moege am Soundsovielten den verurteilten Moerder Schlagmichtot hinrichten. Das ist kein weltfremder Gedanke. Das alttestamentarische Recht, aus dem Pacquiao und Duterte ihre Weisheiten beziehen, kennt die Beteiligung aller an der Hinrichtung – bei der Steinigung. Auch wenn uns das vielleicht gegen den Strich geht, so stehen dabei doch alle fuer die geltende Rechtsordnung ein. Und da gilt auch der Einwand nicht, dass sich stets Leute finden, die die „Drecksarbeit“ auf sich nehmen. Ein Rechtsstaat kann nicht auf Gesindel bauen, das ihm abnimmt, wozu er sich zu fein ist. Fuer geltendes Recht muss jeder eintreten koennen, sonst duerfen wir dem Henker nicht zumuten, wofuer wir uns selbst verachten muessten. Auch die Wuerde des Henkers muss gewahrt werden, und weil das unmoeglich ist, darf es ihn gar nicht geben. Und wo es keinen Henker gibt, kann auch keine Todesstrafe sein.

Der Senat will zur Todesstrafe nun eine oeffentliche Anhoerung durchfuehren, die – da der eigentlich zustaendige Senator Richard Gordon, Leiter des Rechts-Ausschusses, als Gegner der Todesstrafe die Leitung der Anhoerung ablehnt – von Senator “Manny” Pacquiao geleitet wird, einem Befuerworter der Todesstrafe. Doch Pacquiaos Begruendung, dass die Todesstrafe nach der Bibel erlaubt sei, wirft die Frage auf – weisz dieser demokratisch gewaehlte Senator, dass das politische System der Philippinen auf der Verfassung basiert, und nicht auf der Bibel? Doch, weisz er, denn in neuerer Aussage meint er: “Es steht auch in der Verfassung.” Aber was steht da wirklich, wenn man reinschaut in Article III, Bill of Rights, Section 19, (1) “Exzessive Strafen sollen nicht verhaengt werden, auch sollen keine grausamen, herabwuerdigenden oder unmenschlichen Strafen zugefuegt werden. Weder soll die Todesstrafe eingefuehrt werden, wenn nicht der Kongress, aus zwingenden Gruenden wegen abscheulicher Verbrechen, es hierfuer vorsieht. Jede bereits verhaengte Todesstrafe soll in lebenslange Haft umgewandelt werden.” Es steht eben nicht in der Verfassung. Da ist der Wunsch der Vater von Pacquiaos Gedanken: der Senat muesste es erst beschlieszen.

Der Leitartikel der “Manila Times” ist heute ueberschrieben “Todesstrafe hat keinen Platz mehr in einer zivilisierten Gesellschaft” und der “Manila Standard” leitartikelt “Pacquiao kaempft fuer Todesstrafe”.

Ich hoffe, dass er diesen Kampf verliert.



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaStandard”, “ManilaBulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

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