…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 17. Juli 2018

 

 

Cha-cha oder lieber nicht? – Es geht wieder um eine Umfrage, die aber diesmal ziemlich unstrittig ist: rund zwei Drittel der Filipinos wollen keine Aenderung der Verfassung (~ Charter change). Das sollte eigentlich verblueffen, denn laut Aussage der Opposition leben wir doch in der Duterte-Diktatur, und Praesident Rodrigo Roa Duterte redet sich ja nun wirklich den Mund fusselig, wie toll und wichtig ein foederales System ist. Diese offene Bockigkeit der Filipinos, die doch zu ueber 80% angeblich hinter Duterte stehen, gegenueber dem Wunschtraum ihres geliebten Fuehrers, sollte gar nicht moeglich sein, und das auch noch mit Zwei-Drittel-Mehrheit, was meist die fuer wesentliche Aenderungen erforderliche Groeszenordnung ist.

Irgendwas stimmt da nicht: entweder leben wir nicht in einer Diktatur und das Volk hat doch eine eigene Meinung, oder aber – ja, was sonst?

Der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque, muss dazu eine Meinung haben, das ist sein Job, und die klingt so: “Wir koennen nicht erwarten, dass unser Volk eine Initiative unterstuetzt, von der es nur wenig weisz. Da ist sicherlich viel Arbeit zu tun bezueglich der Verbreitung von Bewusstsein und Kenntnis des zuvor erwaehnten Gegenstandes.” Oh, wie ich diese Saetze liebe, die man ueberall sagen kann, da total inhaltsfrei – das geballte Vakuum voll auf das ungeschuetzte Ohr!

In seiner Kolumne in “The Manila Times” nimmt Yen Makabenta sich heute der Frage an und waehlt dazu einen physikalischen Ansatz – die Traegheit eines Koerpers. Gemaesz dem Ersten Gesetz der Bewegung beharrt laut Newton ein Objekt in seinem jeweiligen Bewegungs-Zustand, wenn es nicht durch eine aeuszere Kraft davon abgebracht wird. Was ruht, das ruht, was sich bewegt, bewegt sich weiter so, und damit ist Makabenta bei Cha-cha: der erste Gedanke des Volkes sei doch, warum man ein foederales System einfuehren, die Verfassung ueberhaupt aendern soll. Funktioniert doch alles, und da gelte der Grundsatz: wenn’s nicht kaputt ist, reparier es nicht! In meiner Branche hiesz das “Never change a running system.



Das Problem sei, dass niemand sich die Muehe gemacht haette zu erklaeren, worin denn nun die hervorragenden Vorteile des Foederalismus liegen, die in diesem praesidialen System nicht realisierbar seien. Auch Praesident Duterte haette da nichts gesagt, auszer dass er auf dem Schlagwort vom “imperial Manila” herumreitet, diesem Zentrum der Macht, das – jetzt reize ich mal den physikalischen Ansatz Makabentas aus – gleich einem Schwarzen Loch alles an sich zieht und nichts hergibt, nicht einmal Licht.

Makabenta schlieszt: “Die Argumente ueberschauend habe ich wenig Zuversicht, dass die Leute das Gesetz der Traegheit ueberwinden und ‘Wenn’s nicht kaputt ist, reparier es nicht.’ Es braucht mehr Forschung und Studium. Sie haben bisher noch keine ueberzeugende Antwort gefunden.

Tja, da war guter Rat teuer, heiszt es an der Stelle immer im Maerchen, und meist taucht dann eine gute Fee oder ein edler Prinz auf, der die Sache wieder einrenkt.

Ich will jetzt nicht auf die Kolumne von Ma. Lourdes Tiquia in “The Manila Times” eingehen, die in dem Sieg von “Manny” Pacquiao einen Phoenix aus der Asche aufsteigen sieht, und die Karriere des “armen Jungen aus GenSan in Mindanao” mit dem Weg der Philippinen vergleicht: “Die Geschichte des Pacquiao ist die Geschichte der Philippinen.” Von daher kommt sie mit Hinweis auf Dutertes “Build, Build, Build”-Programm muehelos zu dem Schluss: “Kritiker sahen einen Geist, als Pacquiao in den Ring stieg, aber nach den erstaunlichen Runden wurde der Geist ein aufsteigender Phoenix. ‘Um sich aus der Asche erheben zu koennen, muss ein Phoenix erst brennen.’ Und so wie wir als Nation brennen, ‘steigt die Hoffnung wie ein Phoenix aus der Asche der zerstoerten Traeume.’ Wir werden uns durchsetzen, und es werden bessere Philippinen sein.

Das mag literarisch wertvoll sein, aber so einfach ist das nicht. Gerade die Verwerfungen durch politische Aenderungen lassen Investoren zoegern, und das ganz besonders in einem unsicheren Klima, fuer das US-Praesident MadDonald derzeit sorgt. Er verfolgt dabei die Strategie, die man China bezueglich des Suedchinesischen Meeres vorgeworfen hat. China weigerte sich mit ASEAN zu verhandeln, sie wollen das lieber bilateral, “one to one” loesen. Blosz nicht, riefen alle, gemeinsam sei man stark. Tja, da spielte China aber nicht mit, so wie es sich ja auch nicht um das Haager Schiedsgericht gekuemmert hat. Und Praesident Duterte gibt da den Spielverderber und redet “one to one” mit Xi Jinping, und – es klappt. Genauso pfeift MadDonald auf alle internationalen Verbaende und knoepft sich jedes Land einzeln vor: Deutschland ist ploetzlich ein Gefangener Russlands (ist das eigentlich schlimm, wo Trump Putin doch so lieb hat?), und das United Kingdom kriegt den Brexit um die Ohren gehauen, und im Interview sagte er laut der “Sueddeutschen Zeitung”: “Ich denke, die Europaeische Union ist ein Gegner, angesichts dessen, was sie uns beim Handel antun.

Soll man sich darauf einlassen und klein beigeben, oder ist der Rest der Welt grosz genug, sich das nicht bieten zu lassen? Die Neue Seidenstrasze – China, ASEAN plus Europa mit den Anrainern Indien und Afrika – koennten ganz gut ohne die USA auskommen. Gilt das auch umgekehrt? Ich glaube nicht. Gemeinsam ist man stark, aber wer ist schon gemeinsam?

Dabei stehen in China im Moment alle Tueren offen, denn China braucht die Seidenstrasze. Und so meldet “Xinhua” ja auch gestern, dass sich China und die EU im 20sten China-EU Fuehrungstreffen unter der Leitung von Chinas Premier Li Keqiang, EU-Ratspraesident Donald Tusk und EU-Kommissions-Praesident Jean-Claude Juncker darauf geeinigt haben, den Multilateralismus zu foerdern und den freien Handel zu unterstuetzen. Und die “Welt” meldete gestern, dass Japan und die EU nach vier-jaehrigen Verhandlungen ihr Freihandels-Abkommen heute unterzeichnen wollen, womit sie Trump in die Defensive bingen. Die Verhandlungen begannen, als Barack Obama US-Praesident war, und die Verhandlungen zogen sich endlos, bis Trump zu MadDonald mutierte – da wurden die EU und Japan sich ganz rasch einig.

Weiter so, und dann merkt man wohl auch, dass Praesident Duterte im Alleingang und allseits geschmaeht diesen Weg laengst eingeschlagen hat. Er sollte ihn weitergehen, das ist gut fuer die Philippinen, und er sollte die Verfassung Verfassung sein lassen, denn ich ahne, dass das Volk lieber ihn mit der alten Verfassung als eine neue Verfassung mit wer weisz wem haben will. Das Plebiszit wird nicht durchkommen, da kann Roque soviel reden wie er will.



Gemaesz “ManilaTimes”, “SZ”, “Xinhua”, “Welt” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.