…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 15. Juli 2018

 

 

Bastille-Day… – …war gestern und morgen ruft die CBCP (Catholic Bishops Conference of the Philippines) zu einem “Fasten und Gebets”-Tag auf und betet fuer die “Gnade und Gerechtigkeit Gottes fuer jene, die Gottes heiligen Namen missbrauchen, jene die verleumden und falsches Zeugnis ablegen, und jene die Mord begehen oder Mord rechtfertigen als Mittel die Kriminalitaet zu bekaempfen.

Carmen N. Pedrosa haelt in ihrer gestrigen Kolumne in “The Philippine Star” diese Demonstration der Macht der Kirche fuer inakzeptabel und kaum unterschiedlich zu Aeuszerungen jener, die Duterte stuerzen wollen. Zudem meint sie, dies sei eine unglueckliche Wahl des Termins, denn die franzoesische Revolution von 1789, die sich in dem Tag des Sturms auf die Bastille selbst feiert, stuerzte nicht nur die Monarchie, sondern brach auch die Macht der Kirche. Dort wurde die Trennung von Kirche und Staat “erfunden”, fuer die Praesident Rodrigo Roa Duterte hierzulande kaempft. Das ist zwar in der Verfassung festgeschrieben, aber bis zur Kirche nicht durchgedrungen, die sich als Staat im Staate versteht und paepstlichen oder bischoeflichen Verlautbarungen mehr als Verfassung und Gesetzen des Landes verpflichtet fuehlt.

Pedrosa erinnert daran, dass die Philippinen eigentlich nicht von Spanien, sondern von der Katholischen Kirche unterworfen wurden, die sich der Staatsmacht fuer ihre Zwecke bediente. Und es waren die Nationalhelden Jose Rizal und Andres Bonifacio, die weniger gegen die Spanier als gegen die Herrschaft der Moenche revoltierten. Pedrosa: “All dies ist relevant fuer den Konflikt von Kirche und Staat in den Philippinen von heute. Die Akteure moegen unterschiedlich sein, doch der Kampf um die Macht zwischen Kirche und Staat ist derselbe.

Schon am 30. Juni machte Pedrosa aufmerksam, dass es in der “Gott ist bloed”-Debatte eben nicht um Gott geht, sondern “Thema ist die Katholische Kirche als Werkzeug um die Regierung zu entmachten.” Und auch dort verwies sie auf die missbraeuchliche Rolle der Moenche, wie Jose Rizal sie in der ueblen  Figur des Padre Damasio in “Noli me tangere” portraetierte. Von diesem Blick her findet Pedrosa: “Dass die Kirche sich auf Seiten der diskreditierten Aquino-Regierung stellt, ist bedauerlich. Es waere angemessener im Hinblick auf ihre Lehre vom Guten und der Erloesung, der Duterte-Regierung in ihrem Kampf gegen Drogenhandel, Kriminalitaet und Korruption zu helfen. Es mag Beispiel philippinisch-katholischer Scheinheiligkeit sein. Sie gehen zur Kirche und empfangen die Kommunion, und dann stehlen sie der Regierung ohne Gewissensbisse Gelder, die an die Armen und an die Gesundheits-Einrichtungen gehen sollten.

Am 10. Juni schrieb Pedrosa in ihrer Kolumne “Zwei Praesidenten werden in der philippinischen Geschichte fuer die Rolle erinnert werden, die sie im Freiheits-Kampf des Landes spielten: Diosdado Macapagal und Rody Duterte. Wenn eine authentische philippinische Geschichte von Filipinos geschrieben wird, wird Diosdado Macapagal erinnert, weil er den Tag der Freiheit der Filipinos vom 4. Juli auf den 12. Juni verlegte, und Duterte dafuer, dass er den Streit fortsetzte, um das auch Wirklichkeit werden zu lassen.

Ich schrieb zu dieser Datums-Aenderung am 12. Juni bereits, dass die Philippinen an diesem Tag 1898 ihre Unabhaengigkeit erklaerten, sie aber nicht bekamen. Den Spaniern folgten die Amerikaner, die am 4. Juli 1946 an ihrem eigenem Tag der Unabhaengigkeit ihrer Kolonie diese dann auch gewaehrten. So wurde der 4. Juli philippinischer Unabhaengigkeitstag, bis Praesident Diosdado Macapagal das historisch zurecht rueckte. Seit 1963 ist der 12. Juni Tag der Unabhaengigkeit. Der Tag, an dem im Jahre 1898 General Emilio Aguinaldo in Kawit, Cavite, dies verkuendete, und dazu erklaerte Praesident Rodrigo Roa Duterte: “Dieser historische Tag bildet die Basis fuer die Freiheiten, die wir heute genieszen.

Ich will das hier nicht weiterfuehren, sondern mich mit diesem Eintrag nur selbst korrigieren. Im Mai hatte ich wegen diverser Falschmeldungen einer Pia Lee-Brago den “Star” von meiner Leseliste gestrichen und dabei das Kind mit dem Bade ausgeschuettet. Ich werde kuenftig die “versprengte Stimme” von Carmen Pedrosa im Auge behalten, auch wenn sie fuer den eher Duterte-feindlichen “Star” schreibt, in dem auch Lee-Brago weiter ihr Unwesen treibt. Denn auf der anderen Seite sieht man: so wie die Duterte-freundliche “Manila Times” ihren Francisco Tatad hat, der an Duterte nichts Gutes finden kann, so hat der “Star” seine Carmen Pedrosa, die den Praesidenten in ein gutes Licht stellt. Gut, dass es sie gibt.



Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft”… – …ist ein Buchtitel aus dem Jahre 1977 von Joseph Weizenbaum, der sich gegen die Computer-Glaeubigkeit seiner Zeit richtet. Wenn ich heute in der “Sueddeutschen Zeitung” einen Artikel lese mit der Ueberschrift “Wenn Programmierer maechtiger als Politiker werden”, dann stellt sich mir das Rueckenhaar auf – hat sich seit 1977 gar nichts geaendert? Ist es noch schlimmer geworden? Da wird diskutiert, wie Algorithmen von facebook und Google “entscheiden, welche Nachrichten wir lesen, welche Partner wir treffen und vielleicht auch, welche Partei wir waehlen.

Ich will den Artikel nicht referieren, er ist mir zu bloed, sondern ich frage mich: welcher Algorithmus entschied heute, dass “The Manila Times” mit der Zeile “Moment of Truth” aufmacht, wobei es um den Kampf von “Manny” Pacquiao vs. Lucas Matthysse in Kuala Lumpur geht? Welcher Algorithmus zwang den “Manila Standard” den Wunsch des Sprechers des Hauses, Pantaleon Alvarez, auf die erste Seite zu bringen, man moege das Wiederwahl-Verbot fuer Politiker streichen, weil das politische Dynastien foerdert? Und verwendet der “Inquirer” denselben Algorithmus wie die “Times”, wenn dort auch auf der ersten Seite zu lesen ist “Billionaire Manny: I’m ready, i’m hungry”?

Soll er doch in ein gutes Restaurant gehen, wenn er Hunger hat, hat doch genug Geld – faellt mir dazu ein. Aber die ganz andere Frage ist, warum ich mich um diese Artikel nicht gekuemmert habe. Ich hab sie nicht mal gelesen. “Ich habe entschieden”, dass mich das nicht interessiert – kein Algorithmus. Und ich nehme an, dass in den Zeitungen immer noch eine Redaktions-Konferenz entscheidet, was auf die Titel-Seite, was auf Seite 15 und was in den Papierkorb kommt – oder? Und “ich” war es, der aus eigener Machtvollkommenheit entschied, dass Carmen Pedrosas gestrige Mauerbluemchen-Kolumne im wenig Duterte-freundlichen “PhilStar” eben mehr Aufmerksamkeit verdient als Schlagzeilen von einem Boxer, der vor dem Ende seiner Karriere steht.

Und meine Entscheidung lass ich mir von keinem Algorithmus abnehmen. Wie andere das handhaben, entzieht sich meinem Verstaendnis, aber – ich muss nicht alles verstehen. Und wer nur facebook kennt, darf sich nicht wundern, wenn er am Ende so bloed aussieht, wie das der “SZ”-Artikel beschreibt.



Gemaesz “PhilStar”, “SZ” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.