…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 13. Juli 2018

 

 

Vor zwei Tagen… – …schrieb Adam Garrie in “Eurasia Future” einen Artikel mit dem viel versprechenden Titel “Ein Fuehrer um Praesident Duterte aufgeschlossenen aber in die Irre gefuehrten Auslaendern zu erklaeren”. Nun war ich zuvor herb enttaeuscht worden, als ich erwartungsvoll in “The Manila Times” mir “Der Schluessel Duterte zu verstehen” vorgenommen hatte, was sich nur als Besprechung eines Buches ueber Duterte von einem britischen Journalisten entpuppte. Von Duterte-Fan Garrie erwartete ich mehr, bekam ich auch. Sauber gegliedert und in aller Sachlichkeit – Drogenkrieg – wirtschaftliche Wiederbelebung – Bekaempfung der Korruption – innerer und aeuszerer Frieden – multipolare Auszenpolitik – Trennung von Kirche und Staat. Lesenswert, nur draengt sich mir die Frage auf – wer liest das? Welcher “aufgeschlossene aber in die Irre gefuehrte Auslaender” bekommt das ueberhaupt zu Gesicht?

Spaszeshalber habe ich in deutschen Medien mal den Suchbegriff “Adam Garrie” eingegeben. Bei “Zeit”, “FAZ” und “Welt” gab es keine Ergebnisse, in der “SZ” ein paar Artikel, in denen der Name “Adam” vorkommen, und im “Spiegel” klingelte es dann: 3 Meldungen zu Schachspielen im Jahre 1998, in denen die Namen Garri Kasparov und Michael Adams vorkommen. Adam Garrie kommt im Westen nicht vor, wie soll man ihn dann lesen?

Das reicht mir als Stichprobe. In Deutschland findet man nur, was westliche Agenturen melden – “Agence France-Press”, “Reuters” oder “Associated Press” – bei denen man sich fragen muss, wer dahinter steht. Hinter “AFP” steht der franzoesische Staat, hinter “Reuters” die kanadische Thomson-Gruppe, und die “AP” ist in New York zu Hause. So bekommt man im Westen ueber die Philippinen genau das zu lesen, was der Westen davon haelt.

Was der Westen aber davon haelt, liesz sich schon im Jahre 1899 in einem Gedicht von Rudyard Kipling nachlesen, der in Deutschland leider nur als Autor des “Dschungelbuches” bekannt ist, und auf dessen andere Seite Yen Makabenta mich gestern in seiner Kolumne in “The Manila Times” aufmerksam machte. Kipling richtete das Gedicht an die Amerikaner, als die nach dem Krieg gegen Spanien deren Kolonien uebernahmen, unter anderen die Philippinen, und forderte sie (in Gisbert Haefs’ Uebersetzung) unter der Ueberschrift “Die Buerde des Weiszen Mannes” oeffentlich auf:

Ergreift die Buerde des Weiszen Mannes –

schickt die Besten aus, die ihr erzieht –

Bannt eure Soehne ins Exil

den Beduerfnissen eurer Gefangenen zu dienen;

in schwerem Geschirre aufzuwarten

verschreckten wilden Leuten –

euren neugefangenen verdrossenen Voelkern,

halb Teufel und halb Kind.

Die Distanz, die daraus spricht, hatte Kipling 10 Jahre zuvor in dem bis heute klassisch gewordenen Satz beschrieben: “Oh, East is East, and West is West, and never the twain shall meet”. Diese Distanz und die zugehoerige Haltung hat sich bis heute nicht geaendert, und von daher versteht sich, dass man von diesen “Voelkern, halb Teufel und halb Kind” auch keine Zeitungen liest, sondern sich dazu “seine eigene Meinung” bildet.



Nun klingt das weit hergeholt – “ist doch schon ueber 100 Jahre her!” – aber ich seh da Parallelen, wenn US-Praesident MadDonald sagt: “Deutschland ist ein Gefangener Russlands, weil es soviel von seiner Energie aus Russland bezieht. Sie zahlen Milliarden Dollar an Russland, und wir muessen sie gegen Russland verteidigen.

Tja – nun steht Deutschland als “Buerde des Weiszen Mannes” da!

Denkmuster sind zaeh. Wie ich Wilhelm Schapps “Philosophie der Geschichten” verstanden habe, loest sich jedes Verstaendnis am Ende in Geschichten auf, und Geschichten sind Wege, wie man von Satz A nach Satz B kommt. Wir verstehen keine Saetze, erst wenn sie unsere Gedanken in einer Geschichte ordnen, machen sie einen Sinn, dem wir zustimmen oder widersprechen koennen. Es sind Wege, die sich im Hirn einschleifen, und, man kennt das von ausgetretetenen Wegen, wenn einer dahergegangen ist und das Gras schon plattgetreten hat, dann sieht der naechste gleich – “ah, da geht’s weiter!” – und geht auch daher. Ist ja auch bequemer.

Und so sehen sich “westlich umgepolte” Filipinos dann auch. Nach den neuesten Umfragen von “Pulse Asia” trauen Filipinos zu 74% den USA, zu 45% den Japanern, zu 32% den Australiern und nur zu 17% den Chinesen. Es sind ehemalige Kolonial-Herren, denen sie ihr Vertrauen schenken, besonders in der Opposition, die sich dem mit US-Hilfe installierten Gelben Kult verschrieben hat, und der vermutlich auch die Banner zu verdanken sind, die gestern frueh an Bruecken angebracht die darunter her Fahrenden begrueszten: “Welcome to the Philippines: Province of China”, was es als “Reuters”-Meldung bis in die “South China Morning Post” gebracht hat. Es war dann auch der oppositionelle ehemalige General Staatsanwalt Florin Hilbay, wie Jojo Robles in seiner Kolumne in “The Manila Times” heute amuesiert anmerkt, der zuerst darauf hinwies, damit das auch ja in die Medien kommt.

Gestern jaehrte sich naemlich zum zweiten Mal, der Spruch des Haager Schiedshofes zur “Nine Dash-Line” und zu Scarborough Shoal, den die Opposition gern als Urteil versteht, dass dies philippinisches Territorium sei. Was aber nicht stimmt, wie Robles aufzeigt, denn der Spruch hat sich zu territorialen Anspruechen nicht geaeuszert. Er hat festgestellt, dass die von China vertretene “Nine Dash-Line” keine historischen Rechte begruenden kann, und dass philippinische Fischer (neben Fischern anderer Nationen) an Scarborough Shoal fischen duerfen. Das hatte die Aquino-Regierung vermasselt, und das hatte Duterte im Gespraech mit Xi Jinping wieder eingerenkt. Dass der Praesident den Haager Spruch darueberhinaus in der Schublade laesst, hat einen praktischen Grund – “ich fuehre keinen Krieg mit China, das wuerde ein Massaker” – und auch einen juristischen. Der Staendige Schiedshof in Den Haag ist kein Gericht, das ein Urteil faellen koennte. Es ist ein Schiedshof, das in einer Sache sprechen kann, wenn es von streitenden Parteien angerufen wird, und wenn die sich dem Spruch unterwerfen. Da China gar nicht erst dorthin hingegangen ist, ist das alles nichts als ein Stueck Papier, das man sich ins Klo haengen kann.

Das sieht die Opposition nicht ein. Sie bleibt den Denkmustern des “Weiszen Mannes” verhaftet, und die sind in der letzten Strophe des Kipling-Gedichtes zur “Buerde des Weiszen Mannes” hervorragend beschrieben:

Ergreift die Buerde des Weiszen Mannes –

macht Schluss mit den Tagen der Kindheit –

dem leicht dargebotenen Lorbeer,

dem muehelosen unangefochtenen Lob.

Nun kommt – eure Mannhaftigkeit zu suchen

durch all die Jahre ohne Dank –,

kalt-geschliffen von teuer erkaufter Weisheit

das Urteil von Ebenbuertigen!

So denken Hardliner wie Senator Antonio Trillanes oder der amtierende Oberste Richter Antonio Carpio, der sich die Sache der Westphilippinischen See zur Lebensaufgabe gemacht hat, und keine Gelegenheit auslaesst darauf hinzuweisen, was da nun alles preisgegeben wird. Tja, was soll ich tun? Muss ich mein Blog “…aus der philippinischen Presse” nun umbenennen und “…aus der chinesischen Provinz” berichten? Die Hoffnung stirbt zuletzt, und so hoffe ich, dass sich Frau Merkel gegen MadDonald so wehrt, wie sich Duterte einst gegen Barack Obama wehrte, als der sich der “Buerde des Weiszen Mannes” annahm, und mit dem “halb Teufel und halb Kind” ueber Menschenrechte sprechen wollte. Anders kriegen wir das koloniale Denken nie aus der Welt.

Gemaesz “ManilaTimes”, “SCMP”, “EurasiaFuture”, “ManilaBulletin”, “Wikipedia” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.