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…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 03. Juli 2018

 

 

Wie stuerzt man Duterte? – Im oberbayrischen Dorfen im Landkreis Erding, 50 km oestlich Muenchen, soll ein SPD-Stadtrat ein Ordnungsgeld von 253,50 Euro zahlen, wie die “Sueddeutsche Zeitung” am 30. Juni 2018 sueffisant meldete, weil er “sich zu zweit versammelt hat”. Der Aktivist hatte sich mit einem politischen Plakat gegen eine ihm unliebe AfD-Versammlung auf den Dorfener Marktplatz gestellt und dort mit einem Genossen geplauscht. Die Polizei sah das als “unangemeldete Versammlung” und erstattete Anzeige; der Buszgeld-Bescheid folgte auf dem Fusze.

Nein, es geht nicht um deutsche Politik, und mir ist egal, wie der Rechtsstreit ausgeht, der Stadtrat will nicht zahlen, und ich habe die Meldung ueberhaupt nur gelesen, weil ich schon einmal in Dorfen war. Der Anlass war weniger unterhaltsam. Ein junger Kollege war auf der Heimfahrt in’s Wochenende in einer Kurve von der Sonne geblendet geradeaus gegen einen Baum gefahren. Zur Beisetzung war ich mit Kollegen aus Nuernberg angereist, und wir nahmen an der Messe in der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt teil. So eine Pracht hatte ich noch nie gesehen, und die Eltern, erfolgreiche Geschaeftsleute aus Dorfen, hatten zum Tod ihres einzigen Kindes eine Saengerin aus Muenchen engagiert, die das “Ave Maria” sang. Bei aller Unglaeubigkeit, die mir nun mal zu eigen ist, haette ich da heulen koennen. Gegen Musik kann ich mich nicht wehren. Sie geht ungeachtet aller eigenen Gedanken durch.

Doch das gehoert nicht hierher, und mir fiel diese Meldung nur als Beispiel ein, als ich hier von einer “Oust Duterte”-Bewegung las. Verteidigungs-Minister Delfin Lorenzana wies gestern darauf hin, dass CPP (Communist Party of the Philippines), NDF (National Democratic Front) und NPA (New People’s Army) diese beim 2. Volks-Kongress und der Sitzung ihres Zentral-Kommitees im Mai 2017 aus der Taufe gehoben haben. Ein Drei-Jahres-Plan einer “Massen-Bewegung” soll im Oktober 2018 kulminieren, falls Praesident Rodrigo Roa Duterte eine “Koalitions-Regierung” ablehnt.

Nun, wenn zwei Menschen eine “Versammlung” sind, dann muessen dreiszig Randalierer eine “Bewegung” sein, die man im TV immer sieht, wenn fuer etwas Rotes demonstriert wird, wobei die Kameras nur “close ups” der mitgefuehrten Schilder und grimmige Gesichter zeigen, damit man die leere Strasze hinter ihnen nicht sehen kann.

So stuerzt man Duterte kaum.

Der Praesident selbst haelt die Idee einer “Koalitions-Regierung” mit der “revolutionaeren Bewegung” fuer “totalen Bloedsinn.” Lorenzana raet die Gespraeche mit den Kommunisten zu beenden, da diese die duale Taktik des “vom Frieden reden” und “Gewalt und Terror fortsetzen” verfolgen, um inhaftierte Genossen freizupressen und ihren Kraeften Zeit fuer Anwerbung und Reorganisation zu verschaffen.

Damit liegt Lorenzana auf der Linie, die ich gestern unter dem Stichwort “Kaffeesatz” blosz vermutet hatte. Doch auch Aeuszerungen des Sprechers des Praesidenten, Harry Roque, zeigen an, dass das Kabinett nicht mit den Kommunisten reden will, und was Duterte oeffentlich auch immer von sich gibt – entschieden hat er bisher stets erst nach Beratung im Kabinett.



Iglesia ni Duterte – Der Praesident bleibt weiter auf seiner Linie, den “Baum zu ruetteln”, wie er das versteht. Gestern wieder in Maasin, Leyte, ein Ort, zu dem der Praesident eine besondere Beziehung hat. Er wurde dort geboren und ging dort ein Jahr zur Schule, bis seine Eltern dann nach Davao uebersiedelten. In Maasin sprach er gestern, “PTV” war live dabei, zu welchem Anlass auch immer – er haelt sich nie an die verfasste Rede sondern spinnt einfach die Gedanken fort, die ihn bewegen. In der Literatur ist das als “Bewusstseinsstrom” bekannt, wenn ein Autor, beispielhaft im “Ulysses” von James Joyce, die Gedanken wiedergibt, so wie sie ihm in den Kopf kommen. Ebenso denkt Duterte in seinen Reden laut vor sich hin, und dabei kam gestern eben Folgendes heraus: “Warum spielt ihr verrueckt, wenn ich euren Gott angreife? Gott ist so, wie ihr ihn denkt. Wir haben alle einen anderen Gott. … Sie sagen, Gott steckt mich in die Hoelle. Das ist Bloedsinn. Mein Gott hat weder Himmel noch Hoelle. Glaubt ihr, Gott ist so bloed eine Hoelle zu schaffen? Was ist meine Schuld? Schuerzenjaegerei? Gott vergibt alles. Gott weisz nicht, wie er Leute in die Hoelle schickt… Auch das Fegefeuer ist nicht wahr. Es gibt einen Himmel, aber glaubt blosz nicht, dass Sankt Petrus am Tor Wache haelt.” In Anspielung auf die dreimalige Verleugnung des Herrn durch Petrus bevor der Hahn kraehte, faellt ihm dann ein: “Wenn ich den treffe, und das Tor ist voller Huehnerkacke, knall ich dem eine. Was fuer eine Sorte Waechter bist du? Schau dir hier die ganze Scheisze von deinen Huehnern an!” Dann ging er auf das angekuendigte Gespraech mit dem Vorsitzenden der CBCP (Catholic Bishops Conference of the Philippines) Erzbischof Romulo Valles ein. “Ich mag keinen Streit. Ich werde einen Dialog mit der CBCP fuehren, der Praesident – Valles – ist von Bohol. Wir verstehen uns. Er ist sehr nett. Solange er fuer sich arbeitet und ich arbeite fuer mich, gibt es kein Problem. Wenn euer Himmel nicht wahr ist, kommt her in meinen Himmel. Und wenn mein Himmel nicht wahr ist, lasst mich in euren Himmel.

In dem Zusammenhang fiel dann die Aufforderung, die Leute sollten an die neue Religion glauben, die “Iglesia ni Duterte ~ Kirche des Duterte”. Leider habe ich da kein Wort-Protokoll, aber ich habe “Iglesia ni Duterte” selbst live im TV gehoert.

Im Gegensatz zum Publikum in Iloilo, das eher peinlich beruehrt war, als er seine Verbal-Attacke gegen Gott ritt, ging das Publikum in Maasin gestern voll mit. Als er auf den Tod eines Priesters einging, der wohl wegen zahlreicher Liebschaften getoetet worden war, sagte Duterte: “Da gab es einen Priester, der getoetet wurde. Nach unseren Ermittlungen hatte er Frauen, eine Menge Frauen. Auf seinem Handy waren Meldungen: ‘Bist du grad nackt?’ Dirty talk [schmutziges Reden].” Und als Duterte dann lustvoll stoehnte, tobte das Publikum.

Er kam dann auf “seinen Gott” zurueck: “Den Gott, den ich kenne, habe ich von meinen Eltern gelernt, nicht in der Schule. Das ist der Gott, den ich kenne. Nicht die Goetter von jenen, die Gott als Plattform brauchen, um vor dem Schicksal zu warnen… Mein Gott ist tapferer. Ich will meinen Gott euren Gott pruegeln lassen.

Der Mann, der zuviel wusste… – …koennte nach Meinung von Adam Garrie in “Eurasia Future” Buergermeister Antonio Halili sein, der gestern frueh bei der Flaggen-Parade in Tanauan, Batangs, von einem unbekannten Scharfschuetzen erschossen wurde. Die Tat, von der ein Video-Clip in Netz kursierte, der auch im TV gezeigt wurde, hat es in Agentur-Meldungen bis in die “South China Morning Post” gebracht.

Halili war bekannt fuer die “Walk of Shame ~ Gang der Schande”, bei denen er geschnappte Drogen-Dealer mit umgehaengten Plakaten ihrer Tat durch die Stadt marschieren liesz, angefuehrt von zwei Leuten, die ein Transparent mit der Aufschrift “Flores de Pusher” trugen. Dies ist eine Anspielung auf die “Flores de Mayo”-Parade, die im Mai zu Ehren der Jungfrau Maria stattfindet.

Diese Demuetigung von Drogen-Taetern hielt Praesident Duterte fuer ein Tarn-Manoever, denn Halili soll selbst in Drogen-Geschaefte verwickelt gewesen sein. Er stand in der Drogen-Liste des Praesidenten, und ihm wurde die Befehls-Gewalt ueber die oertliche Polizei entzogen. Hier vermutet Garrie den Hintergrund der Tat. Seiner Meinung nach kamen die Ermittlungen der Polizei zu nah an Halili und damit an die mit ihm verbundenen Drogen-Bosse heran. Er wusste wohl zuviel, und so schlug man zu, bevor er verhaftet wurde und reden konnte – eine Parallele zum Tod des Buergermeisters von Leyte, Rolando Espinosa, im November 2016, der im Gefaengnis erschossen wurde, und wohl auch zuviel ueber die Drogen-Geschaefte seines Sohnes Kerwin wusste, der derzeit ihn Haft ist und auf seinen Prozess wartet.

Nicht nur die Revolution frisst ihre eigenen Kinder, und so merkt Garrie zum Schluss an: “Da die in den Drogenhandel Verwickelten bemerken, dass unter der Duterte-Regierung ihre Zeit gekommen ist, ist es unvermeidlich geworden, dass sie sich gegeneinander wenden.



Gemaesz “SZ”, “PTV”, “CNNPhil”, “GMANews” “ManilaStandard”, “ManilaBulletin”, “EurasiaFuture”, “SCMP” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

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