…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 20. Juni 2018 

 

Jomar Canlas… – …ist Gerichts-Reporter der “Manila Times”. Als er am 4. Juni 2013 schrieb, dass die Oberste Richteren Maria Lourdes Sereno eine TRO (Temporary Restraining Order) der Richterin Teresita de Castro gefaelscht hat, konnte er kaum wissen, dass er damit Geschichte machen wird.

In der Eroeffnung des Amtsenthebungs-Verfahrens gegen die Oberste Richterin fuehrte Anwalt Larry Gadon am 23. November 2017 vor dem Justiz-Ausschuss des Hauses seine Klage-Punkte auf. Er stuetzte sich auf Interna des Obersten Gerichts von denen er indirekt durch Jomar Canlas Kenntnis hatte, der ihn ueber die Vorgaenge mit der Richterin Teresita de Castro informierte.

Die Richterin de Castro sagte am 24. November 2017 vor den Ausschuss, dass sie nie Informationen an Jomar Canlas gegeben habe. Das heiszt nicht, dasz die Information nicht stimmt, denn es lag eine beglaubigte Kopie eines Dokumentes vor. Von dem blieb nur offen, wie das an Jomar Canlas kam, und so wurde der vor den Ausschuss geladen.

Am 28. November 2017 erschien Jomar Canlas vor dem Ausschuss und stand zu seinem Artikel vom 4. Juni 2013, auf den sich Anwalt Gadon stuetzt. Wie vorherzusehen, nannte Canlas seine Quelle nicht. Der Quellenschutz ist das Recht von Journalisten. Er gilt nicht, wenn die Sicherheit des Landes auf dem Spiel steht. Das wollte ein Abgeordneter Canlas auch einreden, immerhin ginge es ja um die Oberste Richterin, aber das sah Canlas anders.

Am 3. Januar 2018 sah Jomar Canlas das Ende Serenos voraus, als 10 Richter am Obersten Gericht bereit waren, gegen sie auszusagen. Am 27. Februar verfasste Jomar Canlas den Aufmacher der “Manila Times”, dass die Richter des Obersten Gerichts ihre Chefin zum Ruecktritt auffordern wollen.

Sereno trat nicht zurueck, aber nun war General Staatsanwalt Jose Calida auf die Causa aufmerksam geworden. Im Maerz 2018 stellte er Antrag beim Obersten Gericht, Sereno “quo warranto” aus dem Amt zu werfen, da ihre Unterlagen zur Bewerbung unvollstaendig waren. Das hielt Sereno fuer verfassungswidrig und wollte verhindern, dass in der Sache auch jene Richter abstimmen, die gegen sie vor dem Ausschuss des Hauses ausgesagt hatten. Das sahen die betroffenen Richter anders. Und so wurde die Oberste Richterin am 11. Mai 2018 dem “quo warranto”-Antrag entsprechend mit 8:6 Stimmen aus dem Amt entfernt.

Sereno erhob Einspruch und tourte durch das Land um fuer sich zu werben, was aber nicht lief. Gestern, am 19. Juni 2018, hat das Oberste Gericht, wie von Jomar Canlas vorhergesagt, in der Sache endgueltig mit 8:6 Stimmen entschieden, dass Maria Lourdes Sereno nicht mehr Oberste Richterin der Philippinen ist. Praesident Rodrigo Roa Duterte hat 90 Tage Zeit, den Posten gemaesz einer Vorschlagsliste des JBC (Judicial and Bar Council) neu zu besetzen.

Warum dieser lange Blick zurueck? Haette es nicht genuegt zu sagen, dass die Kuh vom Eis ist?

Das Verdienst des Jomar Canlas von der “Manila Times” in der Causa Sereno fuer die Philippinen ist so einzuschaetzen, wie das von Bob Woodward und Carl Bernstein bei der “Washington Post” fuer die USA. Dort stuerzte ein Richard Nixon. Hier wird der Sturz Serenos Nachwirkungen fuer Ex-Praesident Benigno Aquino haben, der die Richterin, die nie einen Gerichts-Saal von innen gesehen hatte, an die Spitze der Justiz brachte, um sich vor juristischen Masznahmen nach Ablauf seiner Amtszeit zu sichern. Er kann nun mit Mamasapano, Dengvaxia und wer weisz was sonst nicht mehr siegesgewiss vor’s Oberste Gericht ziehen. Und da Ende Juli auch Ombudsfrau Conchita Carpio-Morales in Rente geht, faellt die letzte Bastion der Aquino-Selbstschutz-Anlagen. Von da an wird Benigno Aquino nicht mehr Fackel-Traeger des Gelben Kults sein, sondern ein Buerger wie jeder andere Filipino auch.




Nachbeben? – Der Oppositions-Abgeordnete Carlos Zarate meint zwar zum Abschluss der Sereno-Farce, “Dies ist ein dunkles Kapitel unserer Geschichte”, und er haelt das Oberste Gericht fuer “kompromittiert”, mir faellt hingegen auf, dass sowohl “The Straits Times” als auch die “South China Morning Post” den endgueltigen Rauswurf mit keinem Wort erwaehnen. Zwar kommt dort das Oberste Gericht der Philippinen vor, aber mit der Nachricht, dass es eine Anhoerung zu “same sex-marriage” gab. Es scheint ziemlich uninteressant zu sein, einen unfaehigen Beamten vor die Tuer zu setzen.

Und so stoeszt auch Getsy Tiglao in ihrer Kolumne im “Manila Bulletin” die merkwuerdige Auswahl der Nachrichten hierzulande auf. Es werde ein groszes Geschrei angestimmt, wenn eine australische Nonne, die sich hier politisch betaetigt, nicht gleich des Landes verwiesen wird, aber die wichtigere Meldung sei doch, dass Ex-Gesundheits-Ministerin Janette Garin, die schon wegen Dengvaxia in Noeten ist, einen 8 Mrd Peso-Vertrag fuer 5.700 Gesundheits-Station landesweit in Schulen unterzeichnet hat. Von diesen sollen Rechnungen ueber 2,9 Mrd Peso fuer 270 Stationen bezahlt werden, doch nur 8 davon waeren tatsaechlich fertig. Untersuchungen sind angesagt, und Getsy Tiglao raet der Presse doch Schluss zu machen mit der Trauer um vergangene Gelbe Groeszen und sich mehr um die Gegenwart zu kuemmern.

Meine Frau fand… – …das auch alles ziemlich langweilig, nur gestern Abend bei Jessica Sohos “State of the Nation” wurde sie ploetzlich munter. Es ging um das Thema “g.m.r.c. ~ good manners and right conduct ~ Gutes Benehmen und korrektes Verhalten”. Dies soll in den Schulen wieder staerker beachtet werden, und in dem Zusammenhang fragte Jessica Soho die Journalistin vor Ort, wie denn die Kinder gutes Benehmen lernen koennten, wenn der Praesident des Landes, Rodrigo Roa Duterte, dauernd unflaetige Ausdruecke gebraucht. “Genau!” federte meine Frau vom Sofa hoch, “dieses Schandmaul…” Ich lass den Rest aus, es ging da um eine private Unterhaltung, aber dem Praesidenten muessen maechtig die Ohren geklingelt haben. Das gefaellt ihr nun ueberhaupt nicht, und dass er so gegen die Kirche wettert – tss, tss, tss…



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “PhilStar”, “GMANews” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.