…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 14. Juni 2018 

 

 

Auf zum letzten Gefecht – Nein, es geht nicht darum, ob die Voelker die Signale gehoert haben, und ich halte es auch fuer nicht sonderlich wichtig, dass die Fake-Richterin Maria Lourdes Sereno ihre Dienstwaegen noch nicht zurueckgegeben hat, womit “The Manila Times” heute aufmacht. Und dass sie das im “Hardtalk”-Gespraech mit Stephen Sackur in “BBC” verteidigt, spricht weniger fuer sie, als eher gegen Sackurs Auswahl der Gespraechs-Partner und -Themen – wie unwichtig duerfen die eigentlich sein?

Wichtiger ist da schon, dass Noch-Ombudsfrau Conchita Carpio-Morales – sie geht Ende Juli in Rente – schnell noch die restliche Gelbe Brut, ueber der das Damokles-Schwert der Schiebung mit PDAF (Priority Development Assistance Fund) haengt, aus der Gefahrenzone bringt, indem sie die anhaengigen Untersuchungen einfach beendet, obwohl in der Sache eine beeidigte Aussage der Drahtzieherin Janet Napoles vorliegt. Ein letzter Dienst fuer die Gesinnungs-Genossen, bevor fuer sie Zapfenstreich geblasen wird.

Dies stinkt dem Lager des Ex-Vize-Praesidenten Jejomar Binay, gegen den weiter ermittelt wird, und Binays Sprecher Joey Salgado stellt fest: “Es scheint, dass die Ombudsfrau nicht laenger ihre Heuchelei und doppelten Standards verbirgt. Denn die Ombudsfrau kann und wird stets Zeit finden, gegen den frueheren Vize-Praesidenten vorzugehen, selbst wenn es da an Fakten als Basis mangelt. … Es ist klar, dass die Ombudsfrau ihre letzten Tage im Amt damit verbringen will, ihre persoenliche und politische Agenda gegen den frueheren VP Binay zu verfolgen, wo sie doch bis zum Ende eine waschechte Beschuetzerin der Gelben ist. Das ist schlicht und einfach selektive Justiz.

Ob man den amtierenden Obersten Richter Antonio Carpio auch so einschaetzen muss – er geht im Oktober naechsten Jahres in Rente – kann ich nicht sagen. Vielleicht arbeitet der aber schon an seinem Nachruf, seinen Kampf gegen China bis an’s bittere Ende verfolgt zu haben. Nun fordert er, und eine entsprechende “Reuters”-Meldung hat es bis in die “Straits Times” gebracht, die Regierung solle gerichtlich gegen China vorgehen, weil die Korallen-Riffe bei Scarborough Shoal zerstoert haben. Er scheint nicht mitbekommen zu haben, dass China da nicht mitspielen wird. Haben sie schon mal nicht, Carpio war doch selbst dabei in Den Haag und hat die philippinische Seite vertreten. Und den Schiedsspruch vom Juli 2016 koennen die Philippinen sich in die Haare schmieren, denn ein Schiedsspruch ist nur etwas wert, wenn beide Seiten sich dem aus eigenem Antrieb unterwerfen. China ist nicht mal hingegangen – warum sollten sie diesmal kommen?

Aehnlich daemlich findet Sass Rogando Sasot in ihrer Kolumne in “The Manila Times” das Ansinnen des Abgeordneten Gary Alejano, der vorschlaegt, statt der nationalen Gespraeche mit China – bei denen man nicht wisse, was da geredet wird – die Gespraeche auf eine internationale Ebene zu bringen. Sasot weist darauf hin, dass dies nur Sinn macht, wenn China mitspielt, denn “kein Land kann ohne seine Zustimmung gezwungen werden etwas zu tun”. Nun war es aber China, dass internationale Gespraeche (~ “Einmischung”) stets abgelehnt und auf bilateralen Gespraechen bestanden hat. Und wenn das bilateral nicht klappt, dann muss man international daran erinnern, dass man da auch nicht mitkriegt, was die miteinander reden, und dass viele Koeche den Brei verderben, denn auch da gibt es ein Uebereinkommen nur, wenn alle zustimmen, d.h. insbesondere auch China.

Der Opposition faellt schlicht nichts mehr ein, und da kommen dann auch so Anwuerfe wie der von Senator Antonio Trillanes, der meint, dass es “Plan c” von Praesident Rodrigo Roa Duterte sei, seine Tochter Sara Duterte-Carpio 2019 in den Senat und 2022 als seine Nachfolgerin zu installieren, um so seine Herrschaftszeit auszudehnen. Als Duterte-Carpio sich dagegen verwahrt – “Lass mich in Ruhe, Senator Trillanes!” – und Trillanes darauf von Reportern angesprochen wird, blockt der ab: “Dafuer hab ich jetzt keine Zeit.

Richtig! Die Zeit laeuft ihm davon – seine Amtszeit endet mit der Wahl 2019 – und das scheint anderen Mitgliedern der Opposition auch so zu gehen. Sie werden panisch – und blasen zum letzten Gefecht. Dass sie dabei ueberlegen, so illustre Figuren wie die Fake-Richterin Sereno oder “Kris” Aquino – die sich durch ihren “Bong” Go-Anruf selbst in’s Gespraech gebracht hat – in ihr Wahl-Team zu holen, laesst mich hoffen. Nur Mut, noch ein paar Nieten mehr dazu, und die Gelben koennen sich bei der Wahl 2019 einsargen lassen!



Lustreise? – Praesident Duterte hat nun schon einen Ruf, Beamte zu feuern, die in der Welt herumfliegen nach dem Motto: auszer Spesen, nichts gewesen. Auf der anderen Seite hat er aber mehrfach gesagt, zuerst in Soeul und er wiederholte das vorgestern in zwei Reden, dass er “aus Dankbarkeit” nach Kuwait fliegen wolle: “Ich freue mich. Ich werde nach Kuwait reisen, um ihnen zu danken, dass sie praktisch meine Forderungen erfuellt haben. … Ich hab alles bekommen, was ich wollte. So will ich aus Dankbarkeit dort auch Danke sagen. Denn am Ende sind sie auch menschliche Wesen, finde ich.

Nun kann ich die Kritiker schon hoeren, die ihm die Flugkosten unter die Nase reiben und nach dem Nutzen der Reise fragen werden. Und Senatoren wie Risa Hontiveros oder Antonio Trillanes, wird dazu der Begriff “Lustreise” einfallen, und sie werden sagen, dass er dort blosz wieder Frauen kuessen will. Man kann sich ausmalen, wie der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque, die Reise rechtfertigen koennte – “das Abkommen mit Kuwait ist ein Modell fuer den ganzen arabischen Raum, fuer das sich der Praesident mit aller Kraft einsetzt”, oder so aehnlich – aber das trifft die Sache nicht.

Das Herrliche an Duterte ist, dass man ihm in seinen Reden beim Denken zuschauen kann. So wie man Hochspringern bei der Olympiade vor dem Sprung zuschauen kann, wie sie ihre Anlaufkurve im Kopf durchgehen, und zu jedem angedachten Schritt nicken und auf die Stelle schauen, auf die dieser oder jener Schritt fallen soll – ganz genauso entwickelt Duterte in der Folge seiner Reden abweichend von dem, was sein Redenschreiber fuer den jeweiligen Anlass zu Papier gebracht hat, von einem spontanen Gedanken aus Schritt fuer Schritt einen Vorsatz und ringt sich dazu durch. Grad “nickt” er sich durch diese Reise nach Kuwait – und dann faellt ihm auf, dass er mit der Rede noch nicht durch ist, liest den Rest schnell vor und schlieszt mit “Maraming salamat!

Natuerlich weisz Duterte, dass er das rechtfertigen muss, und dazu kommt er nun wieder auf etwas, auf das Hontiveros oder Trillanes nicht gekommen waeren: “Denn am Ende sind sie [die Kuwaitis] auch menschliche Wesen, finde ich.” Was hat er zuvor geglaubt, was die sind? Aber die Frage waere unfair jemandem gegenueber, der sich so beim Denken zuschauen laesst. “Der Weg ist das Ziel”, und auf diesem Weg kommt Duterte stets auf den Menschen zu sprechen. Er redet ueber Drogen. Wie eine Filipina in Kuwait fuer die Familie schuftet, sich erniedrigen laesst und das Geld nach Hause schickt. Und dann kommt sie nach Hause, und sieht, dass das Geld fuer Drogen draufgegangen und die Familie zerstoert ist – eine menschliche Tragoedie. Und dann kommt Dutertes knallharte Drohung an Dealer und Pusher: “Wenn du die Menschen zerstoerst, bring ich dich um!

Wie es den Menschen geht, ist seine Richtschnur, nicht die Laenge seiner Amtszeit, seine Nachfolge oder das Brutto-Sozial-Produkt. Ja, das ist auch wichtig, deshalb schleppt er Vertraege an, aber nicht um gut dazustehen, sondern um Menschen in Arbeit zu setzen. Er will keinen Krieg mit China, nicht, weil er das Recht missachtet, sondern weil da Menschen sterben, und zwar vornehmlich Filipinos. Das will er nicht, und so sagt er in derselben Rede an anderer Stelle: “Ich hab mit Murad gesprochen, wegen des BBL [Bangsamoro Basic Law]. Dann mit Nur Misuari. Nur Misuari, vielleicht erkennt er, dass am Ende des Tages, in den Tagen unseres Sonnenuntergangs, wir auf den Frieden draengen muessen.

Duterte geht es um den Menschen, und da wird er sauer, wenn der misshandelt werden. So wie Joanna Demafelis, ermordet und in die Kuehltruhe gepackt. Da ging Blitz und Donner auf Kuwait nieder, die diplomatischen Beziehungen fast in die Binsen, und – dafuer hat er sich in Soeul entschuldigt. Er hat da nicht nur mit OFWs [Oversea Foreign Workers] rumgemacht. Er hat sich bei den Kuwaitis fuer seine harschen Worte entschuldigt.

Das war nicht Recht, und so fing es an. Das war ihm nicht genug, und da kam der Gedanke an die Reise nach Kuwait. Das waere eine menschliche Geste, die ihm zu Gesicht stehen wuerde – aber die Kosten!

Es ist voellig offen, ob die Reise stattfinden wird. Duterte denkt oeffentlich, aber er entscheidet in der Kabinettsrunde nach Beratung mit seinem Stab. Also hoere ich auf zu spekulieren und warte es mal wieder einfach ab.

Falls jemand meint, ich faende alles gut… – …was Duterte so in den Kopf kommt, dann irrt er. Grad spielt Duterte mit dem Gedanken rum, weil ein paar Barangay-Captains erschossen wurden, Barangay-Offizielle zu bewaffnen und in seinen Krieg gegen Drogen und Kriminalitaet einzubeziehen. Eine entsprechende “Reuters”-Meldung hat es bis in die “South China Morning Post” gebracht. Das finde ich aehnlich daemlich wie Donald Trumps Ueberlegung, wegen der Schieszereien dort in den Schulen die Lehrer zu bewaffnen. Dort wie hier ist das Problem, dass es zu viele Waffen gibt, und das macht sich hier besonders kurz vor Lokal-Wahlen bemerkbar, wie eben dieses Jahr auch wieder. Noch mehr Waffen verteilen hiesze, den Teufel mit Belzebub austreiben.

Ich hoffe, dass Dutertes Gedanke – wie uebrigens auch der von Trump – nur ein voruebergehendes Unwohlsein ist. Hat ja oefter Migraene.



Gemaesz “ManilaTimes”, “StraitsTimes”, “PTV”, “ManilaBulletin”, “ManilaStandard”, “SCMP” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.