…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 13. Juni 2018 

 

Die bemerkenswerteste Nachricht… – …heute ist die Frage, die ein gewisser “Tonton” heute frueh um 1:08 Uhr aufwarf. Die Ausgabe der “Manila Times” muss noch druckfrisch im Internet getropft haben, als er die Frage unter die Kolumne von Francisco Tatad postete, die die ominoese Ueberschrift trug “Haben sie nun angefangen katholische Priester zu ermorden?” Hierzu merkt “Tonton” an: “Auf welche ‘sie’ bezieht sich Tatad?

 

 

Dieselbe Frage kann man an Erzbischof Socrates Villegas richten, der grad sagte: “Sie toeten unsere Herde. Sie toeten uns die Hirten. Sie toeten unseren Glauben. Sie verfluchen unsere Kirche. Sie toeten wiederum Gott, wie sie das auf dem Kalvarienberg getan haben.” Wer sind “sie”? Auf jeden Fall sind sie gefaehrlich, denn “Sie toeten in den Straszen. Sie toeten in den Haeusern. Sie toeten in Tricycles und Jeeps. Sie toeten in den Malls. Sie toeten in den Kirchen.” Da muss man sich doch die Frage stellen: “Applaudiert ihr noch? Lacht ihr noch? Findet ihr das lustig? … Sagt ihr noch unser Volk fuehlt sich sicherer jetzt? Sagt ihr noch, dies sei die beste Regierung, die wir je hatten?

Und die Gefahr ist grosz, wie Erzbischof Kardinal Luis Antonio Tagle feststellt: “Der Frieden ist falsch, wenn wir mit der Justiz herumspielen. Wir wiederholen: Es ist gegen den Willen Gottes Leben zu zerstoeren. Toeten ist keine Loesung fuer persoenliche und soziale Probleme.” Und natuerlich hat auch Vize-Praesidentin Leni Robredo die Gefahr erkannt: “In diesen Tagen sieht sich unsere Freiheit einer Menge Gefahren gegenueber, von steigenden Preisen fuer Grundnahrungsmittel, Verleugnung des Rechts, Missachtung des Menschenrechts und Invasion unseres Staatsgebietes durch fremde Maechte”, und sie hofft: “Ich bin voller Hoffnung, dass wir Filipinos den Mut haben uns miteinander aus der Armut zu erheben, den Mut unsere Recht und die Freiheit gegen alle Bedrohungen zu verteidigen.

Und die Filipinos haben Mut. Um die 10 junge Leute protestierten gegen Praesident Rodrigo Roa Duterte, der zum 120sten Unabhaengigkeitstag in Kawit, Cavite, war und dort zu den Leuten sprechen wollte. Sie hielten Plakate hoch und riefen “huwad na kalayaan ~ falsche Freiheit”. Duterte liesz sich nicht aus der Ruhe bringen und meinte: “Ich verstehe das. Unsere Verfassung garantiert Presse-Freiheit, Freiheit der Versammlung und der Meinung. Ich moehte die Gesetzeshueter bitten, mit ihnen friedlich und mit hoechster Toleranz umzugehen.” Die Demonstranten wurden zerstreut und konnten bis auf einen entwischen, ein 20jaehriger, vermutlich indoktriniert von den Duterte-feindlichen Professoren an seiner Uni, ueber die sich  Antonio Contreras gestern ausgelassen hat.

Duterte gab sich versoehnlich und meinte – vor dem Hintergrund des gegebenen Anlasses – der gemeinsame Nenner von ihm und den Protestlern sei die Liebe fuer das Land.

Genau das bezweifel ich.

Ein “gemeinsamer Nenner” eint Unterschiedliches. Dazu passt aber nicht – siehe “Tontons” Frage – dass man “sie” sagt und von “ihnen” spricht, die Boeses tun. Die Opposition, sei sie nun in der Kirche, an den Unis, im Kongress, in den Medien oder Vize-Praesidentin, will das Land spalten. Dazu gehoert rhetorisch einfach, dass man von “uns” als den Guten spricht, und mit dem Finger auf “sie”, die Boesen zeigt.

Ob das klappt, ist eine andere Frage, und hierzu passen wieder Meldungen, dass BMI Research, eine westliche Einrichtung in London, einen Niedergang der Freiheit in den Philippinen erkannt haben will – Beispiel ist Dutertes Angriff auf “Rappler” und der Sereno-Rauswurf – waehrend zur gleichen Zeit SWS (Social Weather Stations) hierzulande feststellt, dass 78 Prozent der Filipinos mit ihrer Demokratie zufrieden sind.

Man kann sich die Wahrheiten aussuchen, die man glauben will. Gefaehrlich dabei ist, dass in diesem Land nur drei “Manila”-Blaetter – “Times, Bulletin und Standard” – hinter den 78 Prozent der Filipinos stehen, die sich mit Praesident Duterte und dem Land identifizieren, waehrend (vermutlich) 78 Prozent der Presse und Intelligenz hinter der westlich orientierten Opposition stehen. Nur als Beispiel: die Zeitungen waren vor zwei Wochen voll davon, dass Leni Robredos Tochter Aika ihren Master gemacht hat – an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts, USA. Da wird sie was von “unserer Freiheit” gelernt haben.

Nichts eint dieses Land, und daran arbeiten “sie”.



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “ManilaStandard”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

Ein Gedanke zu „…aus der philippinischen Presse

  • Juni 13, 2018 um 14:58
    Permalink

    Man gab bekannt dass 78 % der Filipinos mit der Demokratie zufrieden seien. Es stand aber auch dabei dass 60 % die Demokratie anderer Länder bevorzugen würden. Anhand der Zahlen sieht man was man davon zu halten hat.

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