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…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 07. Juni 2018

 

 

Die Schlagzeile… – …in “The Manila Times” berichtet exklusiv vom Urteil des Appellations-Gerichts, dass die 14,5 Mio Peso Honorar an die Fake-Richterin Maria Lourdes Sereno, die laut Vertrag von 2003 an die damalige juristische Beraterin fuer ihre Dienste beim Bau des Terminals 3 des Ninoy Aquino International Airport in Manila gezahlt wurden, illegal sind. Dasselbe gilt fuer die Zahlungen an ihre Kollegen, weil der Beratungs-Auftrag damals ohne oeffentliche Ausschreibung vergeben wurde, was gegen die Vorgaben des RA 9184 (Government Procurement Act) verstoeszt. Damit hebt das Gericht eine fruehere Entscheidung auf, nach der die Zahlung auf Eingabe des OSG (Office of the Solicitor General) als legal erkannt wurde, und fuehrt dazu aus: “Niemand steht ueber dem Gesetz, nicht einmal das OSG. Als Berater der Regierung sollte das OSG ein Beispiel geben und fuer die vollstaendige Anwendung von RA 9184 eintreten, um sein lobenswertes Ziel der Foerderung von Transparenz und Nachvollziehbarkeit in der Besorgung von Guetern und Dienstleistungen in allen Zweigen und Einrichtungen der Regierung zu erreichen.

Nun ist diese Meldung eigentlich nur interessant im Zusammenhang mit den nicht eingereichten SALNs SALN (Statements of Assets, Liabilities and Net Worth) der Sereno, die zu ihrem Rausschmiss gefuehrt haben, worueber man sich empoeren koennte nach dem Motto “nicht nur nicht gemeldet, auch noch illegal”. Doch das ist mir zu billig. Mich stoert vielmehr, dass in den “Manila”-Blaettern heute Nachrichten erscheinen mit Ueberschriften wie “NEDA: Familie von 5 kann mit 10 Tsd Peso pro Monat ueberleben” (Times), “NEDA hat kein Gefuehl fuer die Realitaet – Zarate” (Bulletin) und “Lebenskosten 10 Tsd Peso pro Monat?” (Standard).

Die NEDA (National Economic Development Authority) hatte eine Uebersicht aufgestellt, wie ihrer Meinung nach eine Familie von 5 Koepfen ueber die Runden kommen koenne. Das Ganze ist im Zusammenhang zu sehen mit der Diskussion um TRAIN (Tax Reform for Acceleration and Inclusion), der nun die Schuld fuer Preiserhoehungen durch Inflation gegeben wird, und mit Forderungen zu Mindestloehnen in Hoehe von 800 Peso pro Tag. Der derzeitige Mindestlohn in Metro Manila ist 512 Peso bis runter zu 265 Peso in der ARMM (Autonomous Region in Muslim Mindanao). In dem Rahmen nehmen sich die 333 Peso pro Tag von NEDA als hinreichend fuer eine Familie von 5 geradezu erbaermlich aus.

Also dreschen Politiker jeder Richtung auf NEDA ein, wie fern jeder Realitaet das sei, und Senator Panfilo Lacson macht sich darueber lustig, dass man davon leben koenne, wenn man nur einmal am Tag isst, sich die Zaehne nicht putzt oder badet und zu Fusz zur Arbeit geht ohne zu schwitzen, damit man seine Waesche nicht waschen muss.

Das geht alles ein biszchen an der Realitaet vorbei, und dazu moechte ich eine Geschichte wiederholen, die ich im Oktober 2016 schon mal in diesem Blog geschrieben hatte. Das ist lang genug her, dass ich mich hier selbst zitieren darf:

’Basura’ ist spanisch und heist ‘Muell’, und die Basurera ist die, die den Muell abholt und wegbringt. Einmal die Woche kommt sie mit einem ‘sidecar’ (Fahrrad mit Beiwagen) und ihren kleinen Kindern hier vorbei. Es gibt auch eine staedtische Muellabfuhr, aber die kommt nicht immer, und die nehmen nun keinen Gruenschnitt mehr. Wir haben aber einen Garten, und meine Frau will keinen Komposthaufen anlegen, was irgendeine umweltfreundliche Regelung des Barangays fordert. Wir bezahlen lieber die Basurera, und sie ist sehr geknickt, wenn wir mal keinen Muell haben – das sind umgerechnet zwei Kilo Reis weniger fur die Familie. Die Basurera war mit zwei Kindern verwitwet, wie meine Frau weisz, hat wieder geheiratet und noch zwei Kinder bekommen. Der Mann, Diabetiker, hatte einen Schlaganfall und kann nicht arbeiten, sonst hatte er als Helfer im Straszenbau gearbeitet. Sie leben in einer Squatter-Siedlung, und nun hat ein SUV-Fahrer ihr den Beiwagen angefahren. Der ist kaputt und der SUV ist einfach weitergefahren – was kuemmert ihn eine Muellkarre? Sie leiht sich jetzt ein ‘Sidecar’ fuer ihre Tour, und zahlt dafuer jedes Mal 40 Peso – 1 Kilo Reis weniger fur die Familie. Die Reparatur wuerde um 500 Peso kosten, das ist unerschwinglich. Sie braucht jeden Peso fur das Essen. Meine Frau hat ihr diesmal schon ein paar Kilo Reis neben der Gebuehr fuer den Muell eingepackt und gruebelt nun. Sie wird mit der Basurera reden und die Reparatur bezahlen – was sind schon 500 Peso?

Warum erzaehl ich das?

Die Mindestlohn-Debatte betrifft nur Leute, die eine feste Anstellung haben. Die hat aber nicht jeder, ich weisz nicht, wie hoch die Arbeitslosenzahl im Moment ist. Ich weisz aber, dass zum Beispiel die meisten Sikad- und Tricyle-Fahrer nicht als “arbeitslos”, sondern als “selbstaendig” gelten, und dass die kaum den jetzigen Mindestlohn erreichen. Wird der erhoeht, gibt das Preissteigerungen, man kennt das, der die Erhoehung ausgleicht. Das aergert die, deren Erhoehung wieder weggefressen wird. Das ist aber viel schlimmer fuer die, die keine feste Anstellung haben – deren Einkommen bleibt gleich, nur die Preise gehen rauf.

Die Schere zwischen arm und reich oeffnet sich immer weiter, und fuer die da unten sind die Gespraeche da oben aehnlich absurd, wie die NEDA-Rechnungen fuer die Mitglieder des Kongresses. Und von da aus kann ich mich ueber das unerklaerte Mio-Einkommen der Fake-Richterin Sereno nicht einmal mehr aufregen: “Naa ta sa Pilipinas! – Wir sind in den Philippinen!” Von daher versteht sich aber auch, wie wichtig die “Build, build, build”-Kampagne von Praesident Rodrigo Roa Duterte ist, um Arbeit zu schaffen. Nur Arbeit hilft wirklich die Probleme des Landes zu loesen.



Der Kuss IV – Man koennte meinen, dass ein Thema im vierten Aufguss wirklich ausgelutscht ist, doch so einfach ist das nicht. Eine neue Debatte hat “Mocha” Uson ausgeloest, als sie ein Video postete, in dem Benigno “Ninoy” Aquino im Flugzeug von Frauen gekuesst wird. Dazu fragt sie, warum Dutertes Kuss schlecht sein soll, und das “Ninoy”-Kuessen nicht. Das regt “Kris” Aquino auf, Tochter des “Ninoy”, der kurz nach diesen Video-Kuessen auf dem Fughafen in Manila erschossen wurde, der nun seinen Namen traegt. Hier geht es um mehr, denn “Ninoy” ist eine Ikone der philippinischen Geschichte, die sich von dem “Tod dieses Maertyrers der Demokratie” mit der spaeteren “People Power”-Revolution her versteht. Die Liberale Partei zehrt heute noch von dieser von ihr selbst auch kraeftig genaehrten Erinnerung.

Dass da ein falscher Ton in die Debatte kommt, hat Praesident Duterte sofort begriffen. “Kris” rief den ihr bekannten “Bong” Go an, Assistent des Praesidenten und mit ihm im Flieger auf dem Rueckflug von Soeul, dem sie sagte, dass sie sich verletzt fuehlt. Duterte zu “Bong” Go: “Sag ihr, dass wir den Vorfall bedauern”. Go entschuldigte sich auch im Namen seines Dienstherrn bei “Kris” Aquino und sagte spaeter, dass eine Entschuldigung von “Mocha” Uson folgen wird.

Diese Entschuldigung kam jedoch nicht. “Mocha” Uson liesz wissen, dass es hier nicht um Miss Aquino geht, und ueberhaupt: “Mit allem schuldigen Respekt gegenueber allen Beteiligten, ich lehne es ab, mich fuer die Wahrheit zu entschuldigen.

Das ist nun aber ein Affront gegenueber Duterte, der die Angelegenheit vom Tisch haben wollte. Das zeigt auch seine Aeuszerung vor der Presse in Manila, als er zu dem Kuss befragt sagte, dass er zu Hause Aerger erwartet: “Die eine Tochter, sie ist wirklich der eifersuechtige Typ. Die stellt mich zur Rede. Ich erwarte, dass sie sich vor mir aufbaut und was zu sagen hat [wenn ich nach Hause komme]. Deshalb geh ich da erstmal nicht hin. Ich lass sie sich erst beruhigen. Ihr wisst, man kann nicht mit seinen Toechtern streiten. Wir Vaeter koennen uns das nicht leisten.

Wo alle anderen – mal wieder – Partei ergreifen, bleibt Duterte Mensch, und will das auf dieser Ebene halten. Von daher ist auch sein Angebot zu verstehen, dass er zuruecktreten wird, wenn genuegend Frauen eine entsprechende Petition unterschreiben. Diese diversen Ruecktritts-Angebote sind ein “running gag” von ihm, ueber den man nicht weiter nachdenken muss.

Ob er diese Haltung – “man wird doch wohl noch Mensch sein duerfen, oder?” – aber durchhalten kann, ist nun fragwuerdig geworden, nachdem “Mocha” Uson ihm in die Suppe gespuckt hat.

Ich fuerchte, ich werde mich in “Der Kuss V” mit weiteren Folgen befassen muessen – auch wenn mich das Thema langsam ankotzt.



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “ManilaStandard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

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