…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 01. Juni 2018

 

 

Wo stehen wir? – Eine der schoensten philosophischen Schriften ist Johann Gottfried Herders “Abhandlung ueber den Ursprung der Sprache”, die 1770 den Preis der Berliner Akademie der Wissenschaften gewann. Herder versteht den Menschen als von der Natur her instinkt- und wehr-los benachteiligtes Wesen, das von einer Welt ueberflutet wird: “Der Mensch trat in die Welt hin; von welchem Ozean wurde er auf einmal bestuermt!” In dieser Welt kann der Mensch nur mit Hilfe der Sprache ueberleben Und, da man mit sich selbst kaum spricht, sondern stets zu und mit jemandem, so ist der Mensch auf Gemeinschaft hin angelegt. Man muss miteinander auskommen, oder, wie Herders das in seiner Zeit ausdrueckte: “Kein einzelner Mensch ist fuer sich da; er ist in das Ganze des Geschlechts eingeschoben, er ist nur eins fuer die fortgebende Folge.

Diese Sprache macht den Menschen zu den Herren der Welt, und die sieht etwas anders aus als jene Welt, in der die ersten Menschen sich die Sprache zu eigen und zunutze machten um miteinander auszukommen. In einer Vortragsreihe, die von der Deutschen Botschaft in Manila organisiert wurde, und ueber die Teresita Tanhueco-Tumapon heute in “The Manila Times” schreibt, beschreibt ein Herr Narayanan Sreenivas die Fortschritte zum heutigen Stand der Welt als Folge von vier industriellen Revolutionen. Die erste Revolution, Industrie 1 (1794) brachte “Arbeitsteilung, Elektrizitaet und Massen-Produktion”, Industrie 2 (1870) brachte “Elektronik, IT und automatisierte Produktion”, Industrie 3 (1969) brachte die “Cyber-Systeme”. Heute befinden wir uns in Industrie 4, die auf “Dampfmaschine, Elektrizitaet und Computer” folgt, und die sich wirtschaftlich an folgenden Merkmalen festmachen laesst: “Uber, das welt-groeszte Taxi-Unternehmen, besitzt kein Fahrzeug. Facebook, das populaerste Medien-Unternehmen der Welt, schafft keine Inhalte. Alibaba, der welt-groeszte Haendler, hat kein Inventar. Und Airbnb, der welt-groeszte Anbieter von Unterkuenften, hat keinen Grundbesitz.

Von diesem Ozean werden nun wir bestuermt und muessen miteinander auskommen, und wenn das nicht klappt, rufen wir ein Gericht an – hierzulande gern das Oberste Gericht. Weltweit sieht das jedoch nicht so geordnet aus, wie Sass Rogando Sasot in ihrer Kolumne gestern in “The Manila Times” schrieb: “Das internationale System ist anarchisch. Alle Staaten sind gleich souveraen mit keiner Autoritaet ueber ihnen, die Gehorsam erzwingen koennte. Der UN Sicherheitsrat handelt wie eine Polizei-Truppe oder wie eine ‘Militaer-Junta’, wie mein Lehrer fuer internationale Beziehungen einmal sagte, aber er schreitet nur ein, wenn die Situation bereits den internationalen Frieden, Sicherheit und Stabilitaet bedroht. Jedoch, wenn die Situation die Interessen der fuenf staendigen Mitglieder des Sicherheitsrates beruehrt (China, Vereinigte Staaten, Russland, Frankreich und Groszbritannien), erwarte kein Handeln des Sicherheitsrates.

Wenn China sich nun im Suedchinesischen Meer ausbreitet um seine Handelswege zu sichern und die Opposition von der Regierung fordert, dagegen anzugehen, was ist zu tun?



Getsy Tiglao schrieb kuerzlich in ihrer Kolumne im “Manila Bulletin”: “Ueberlassen wir es den USA sich von China bedroht zu fuehlen.” Und offensichtlich fuehlen die sich bedroht, wenn sie, obwohl kein Anrainer des Suedchinesischen Meeres, nun wieder den Lenkwaffen-Zerstoerer USS Higgins und den Lenkwaffen-Kreuzer USS Antietam zu den Paracel-Islands schicken, um den Chinesen dort vor der Nase herumzuschippern.

Auf Draengen der Opposition hat die Regierung nun einen formellen diplomatischen gegen Chinas Militarisierung des Suedchinesischen Meeres eingereicht. Mehr ist nicht bekannt, man will die Sache still verhandeln, und wie Sasot ihre Kolumne schloss: “Da du keine Macht hast, China zu zwingen, seinen Mangel an Einsicht aufzugeben, was ist deine einzige andere Option? Mach, worauf es sich schon wiederholt eingelassen hat: verhandle bilateral.

Diese bilateralen Verhandlungen muessen zwei Dinge beruecksichtigen. Zum einen ist diplomatische Macht wirtschaftliche Macht. Da ist zu bedenken, dass China weltweit wichtigster Partner von 167 Laendern als Importeur und von 88 Laendern als Exporteur ist. Die Philippinen sind im Export wichtig fuer Kiribati und Trinidad & Tobago, und im Import fuer Palau. Die philippinische Maus sollte da dem chinesischen Elefanten nicht allzu sehr auf die Fuesze treten – der koennte zuruecktrampeln.

Aber wir wollen den Scheuklappen-Blick der Opposition ablegen und uns weltoffen fragen, worum es im Groszen und Ganzen geht. Die USA koennen sich nicht damit abfinden, dass sie militaerisch und wirtschaftlich nicht mehr die Nummer 1 sind. Und da sie wirtschaftlich auf dem absteigenden Ast sind, machen sie militaerisch umso mehr Laerm. Ob das hilft, ist fraglich, denn die Welt befindet sich nun in Industrie 4. Es kommt nicht mehr darauf an, welche Fabrik wo steht und ob man auf die Laender Druck ausueben kann oder nicht. Es kommt darauf an, miteinander zu reden, um dieses weltweite Geflecht am Leben zu erhalten. Und das einzige Mittel dazu ist die Sprache, wie das schon Herder erkannte: “Kein einzelner Mensch ist fuer sich da; er ist in das Ganze des Geschlechts eingeschoben, er ist nur eins fuer die fortgebende Folge.

Tut mir Leid… – …dass ich gestern mal wieder Halb-Verstandenes geschrieben habe. Aus gutem Grund fragt Leser Bertrand Cézoé nach, ob bei dieser Beitritts-Option des BBL (Bangsamoro Basic Law) 10% einer angrenzenden Region entscheiden, ob die dazu gehoert oder nicht, oder ob es nicht so ist, dass 10% eine Abstimmung verlangen koennen, in der dann die Mehrheit entscheidet.

Es ist so wie Herr Cézoé vermutet, nur komplizierter (weshalb sich vermutlich jeder nur unklar darueber ausdruecken kann).

Gemaesz dem BBL-Entwurf Article III, Section 2, kann die Verwaltung einer angrenzenden Region, die nicht schon zur ARMM gehoert oder im 2001-Plebiszit fuer Zugehoerigkeit gestimmt hat, oder 10% ihrer registrierten Waehler mindestens 2 Monate vor Ratififkation des BBL eine Petition zum Anschluss einreichen, worueber dann per Volksabstimmung (popular ratification) entschieden wird.

Ein spaeterer Anschluss ist gemaesz Article XV, Section 4, 25 Jahre nach Ratifizierung und dann alle 5 Jahre in periodischen Plebisziten nach demselben Modus moeglich.

Wie auch immer das nun richtig zu verstehen ist, dies ist klar: 10% entscheiden nicht, sondern eine Mehrheit.

Und offen ist weiterhin, ob diese Option noch in dem Entwurf enthalten ist, der nun in den Senat geht. Ich habe im Netz nur den Entwurf vom 17. Juli 2017 gefunden, den die Bangsamoro Uebergangs-Kommission in Malacañang eingereicht hat.



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaBulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.