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…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 20. Mai 2018

 

 

Gestern war nichts los… – …und heute gibt es wenig Neues. Das ist eine gute Gelegenheit, mich um ein Buch zu kuemmern, das ich vor einiger Zeit gekauft und nach und nach gelesen, das ich aber auch oefter liegen gelassen hatte. 754 Seiten sind ein Klopfer, und in dem groszen Format kann man es nicht wie ein Taschenbuch bequem auf dem Sofa lesen, sondern man muss sich damit schon richtig an den Tisch setzen.

Als ich 2011 hierher kam, wusste ich von der juengeren philippinischen Geschichte, dass es mal eine Praesidentin Cory Aquino gab, die nach dem Sturz des Diktators Ferdinand Marcos durch die “People Power” der EDSA-Revolution 1986 an die Macht kam und hier “die Demokratie einfuehrte”. Mit der Wahl von Rodrigo Roa Duterte 2016 zum Praesidenten begann mein Interesse an Politik und Artikel, die auf die juengere Geschichte verwiesen, und wachsende Zweifel an meinem Geschichtsbild brachten mich dazu, das dicke Buch, das mich bei seinem Erscheinen 2012 kalt gelassen hatte, nun doch zu kaufen. Also ging ich in den National Bookstore und fragte nach “Juan Ponce Enrile: A Memoir”. Sie hatten es noch vorraetig, denn – Glueck fuer mich – die Restauflage wird verramscht: statt 1.640 Peso Original-Preis, musste ich nur 250 Peso dafuer bezahlen.

Ich will keine Buchbesprechung schreiben und auch das Buch nicht nacherzaehlen. Wen der Lebensweg eines Mannes und Politikers seit dem Zweiten Weltkrieg interessiert, sollte es selbst lesen. Ich will hier nur auf das eingehen, was mich zum Kauf des Buches bewegt hatte. Ein anderes Bild der EDSA-Revolution als das, das sich bei mir mal verfestigt hatte, moeglichst von jemandem, der dabei war. Und Enrile war entscheidend beteiligt.

Juan Ponce Enrile war nacheinander Finanz-, Justiz- und Verteidigungs-Minister unter Praesident Ferdinand Marcos und in den 20 Jahren von 1966 bis 1986 dessen enger Vertrauter. Er hatte “das Ohr des Praesidenten”, und der setzte ihn ueberall ein, wo es Probleme gab. Es kam zu Differenzen, als Marcos General Fabian Ver zum Armee-Chef ernannte, ein Guenstling von Imelda Marcos, die sich mehr und mehr in die Politik einmischte. Ver war in der Armee wenig geachtet, weil er nicht von der Militaer-Akademie der Philippinen und auch kein Absolvent von West Point oder Annapolis in den USA war, sondern aus dem Reserve-Offiziers-Korps kam. Er befoerderte ueber laenger gediente Militaers der Akademien hinweg Leute aus dem Reserve-Korps. Es kam zu Spannungen in der Armee, und Marcos ordnete an, dass Befoerderungen der hoeheren Raenge nicht mehr Sache des Verteidigungs-Ministers Enrile, sondern praesidiale Angelegenheit war – mit Ver als engstem Berater und Vertrauten. Das war ein Knick in Enriles Beziehung zu seinem Dienstherrn, dessen ungebrochenes Vertauen er nicht mehr hatte.



Das Kriegsrecht 1972 wurde wegen Unruhen mit Moros und Kommunisten ausgerufen, und nicht wegen eines Anschlags auf Enrile. Der Anschlag, den Enrile unverletzt ueberlebte, erfolgte in der Nacht nachdem das Kriegsrecht verhaengt worden war, wurde aber von der Presse als Ursache fuer dessen Verhaengung  “verkauft”, sodass sich das bald als Allgemeinwissen einbuergerte.

Anfang der 80er Jahre erkrankte Marcos. Diese Erkrankung war wohl Grund fuer den populaeren Oppositions-Politiker Benigno “Ninoy” Aquino, der in den USA im Exil lebte, 1983 trotz Warnungen auch von Imelda zurueckzukommen, weil er eine Chance sah, in der zu erwartenden Nachfolge Marcos’ eine Rolle zu spielen. Er wurde im August 1983 bei seiner Ankunft in Manila auf dem Flugplatz erschossen. Dies war Anlasz zu Opposition und Protest in der Bevoelkerung, an deren Spitze sich Aquinos Witwe, Cory Aquino stellte. Hinter dem Mord wurde Marcos vermutet, was aber nie geklaert wurde.

Marcos wurde erfolgreich an den Nieren operiert, doch dies war nicht mehr der redegewandte, kuehl rechnende Marcos, den Enrile gekannt hatte, wie er schreibt. Imelda draengte an die Macht, es gab Verfolgungen oppositioneller Offiziere. Zu der Zeit verlor Enrile das Vertrauen in den Lauf der Dinge, und als eine ueberraschend angesetzte Wahl sowohl von Marcos als auch von Cory Aquino als je fuer sich gewonnen angesehen wurde, war es dann soweit. Zusammen mit ihm treuen Generalen und mit General Fidel V. Ramos, West Point-Absolvent und Chef der bewaffneten Polizei, verschanzten sie sich in Camp Aguinaldo und sagten sich in einer Presse-Konferenz 1986 oeffentlich von Marcos los.

Zu dem Zeitpunkt rief Cory Aquino im Land die Bevoelkerung zum Widerstand gegen Marcos auf. Sie war nicht bei den Menschen, die in Manila auf die Epifanio de los Santos-Avenue zogen, sich hinter Enrile und Ramos stellten und die Umstuerzler durch ihre Masse vor Marcos-treuen Truppenteilen schuetzten. Marcos wollte auf Unbewaffnete nicht schieszen lassen, das Ausland sah ihm auf die Finger, und weite Truppenteile liefen zu Enrile und Ramos ueber. Marcos versuchte mit Enrile zu verhandeln, doch der hatte die Bruecken hinter sich abgebrochen. Er sagte Marcos, dass er Cory Aquino unterstuetzt, und Enrile rief sie an, ob sie sich als Praesidentin vereidigen lassen wollte. Es kam zu der absurden Situation, dass gleichzeitig in Malacañang Ferdinand Marcos und im Club Filipino Cory Aquino jeweils als Praesident vereidigt wurden. Da Marcos niemand mehr hinter sich hatte, verlor er den Mut und bat Enrile um Hilfe, der mit den US-Militaers sprach. US-Praesident Ronald Reagan hatte das Vertrauen in Marcos verloren, und so holte US-Militaer Marcos und seine Familie in Malacañang ab und brachten sie nach Hawaii. Cory Aquino wollte Marcos nicht im Land haben.

Cory Aquino nahm Enrile als Verteidigungs-Minister in ihr Kabinett, aber sie traute dem Mann nicht, der 20 Jahre enger Mitarbeiter Marcos’ gewesen war. Schon Ende des Jahres forderte sie ihn zum Ruecktritt auf. Enrile wurde spaeter Senator und war von 2008 bis 2013 Senats-Praesident.

In der “Vermarktung” von “People Power” wurde Cory Aquino dann immer naeher an EDSA herangebracht und Enrile in den Hintergund gedraengt. Dabei taten sich Kardinal Sin und andere Kirchen-Groeszen als Geschichts-Klitterer hervor. Jede Seite hat das Recht sich selbst in das beste Licht zu setzen, das gilt fuer den Gelben Kult wie fuer Enrile. Fuer mich bleibt als Einsicht, dass EDSA nicht Corys Revolution war. Es war die Revolte einer gespaltenen Armee und Polizei, an deren Spitze sich Enrile und Ramos stellten. Da Enrile durch Naehe zu Marcos “politisch verbrannt” war, wurde die “Witwe des Maertyrers” Ninoy Aquino an die Macht gespuelt.

Die hatte dann nichts Besseres zu tun, als alle Kommunisten, darunter Jose Maria Sison aus den Gefaengnissen zu entlassen, der ins Exil in die Niederlande ging, wie auch Moro-Terroristen mit ihrem Anfuehrer Nur Misuari, der sich in Sulu wieder etablieren konnte. Und mit diesen Problemen hat es nun Praesident Duterte zu tun, und vielleicht versteht sich von daher, dass er oft vor Militaers und Polizei spricht, um die unter der Fahne zu einigen. Eine neue Spaltung der Macht will er vermeiden, weil das den Staat zerfallen lassen koennte.

Hierher gehoert dann die heutige Meldung, dass Duterte gestern die Polizistinnen empfing, die von Abu Sayyaf entfuehrt, durch Vermittlung von Nur Misuari freigekommen sind. Duterte kuemmert sich um seine Leute, und Sison und Misuari sind das laestige Erbe, das Cory ihm hinterlassen hat.



Gemaesz “Juan Ponce Enrile: A Memoir; ABS-CBN Publ. 2012”, “ManilaTimes” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

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