…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 05. Mai 2018

 

Die “Aera der starken Maenner” sei da… – …titelt das “Time”-Magazin und zeigt auf dem Titelbild die “strongmen” Wladimir Putin (Russland), Recep Tayyip Erdogan (Tuerkei), Viktor Orban (Ungarn) und Rodrigo Duterte (Philippinen). Ich habe ueberlegt, ob ich mir das anschaue, denn die amerikanische Presse hat ueber Praesident Rodrigo Roa Duterte bisher nur Unfug geschrieben. Nachdem aber ueberall im TV dieses Titelbild herumgezeigt und irgendwas dazu gesagt wurde, hab ich mir den Artikel dann doch angetan.

 

 

Er hat mit Duterte eigentlich gar nichts zu tun. Sein Name kommt in dem Artikel von Ian Brenner genau zweimal vor. Da heizt es einmal: “In den Philippinen half eine wachsende Flut gewalttaetiger Straszen-Kriminalitaet Rodrigo Duterte zu waehlen, ein frueherer Buergermeister, der mehr wie ein Gangster-Boss denn wie ein Praesident sprach, wegen seiner Versprechen den Drogenhandel auszuloeschen mit seiner eigenen Marke von Justiz.” Und dann taucht Duterte noch einmal auf, als Brenner fragt: “Wo ist Trumps Platz hierbei? Der US-Praesident hat seine sichere Bewunderung ausgedrueckt fuer Leute wie Putin, Xi, al-Sisi und Duterte.

Der Witz dabei ist, dass der Artikel eigentlich Donald Trump zum Thema hat, den Brenner aber wohl mit Absicht nicht unter die starken Maenner zaehlt. Trump ist eher der “would be strongman”, der Moechtegern gegenueber jenen, mit denen er nicht mithalten kann. Und da analysiert Brenner nun herum, ob es da ein “wir gegen sie”-Denken gibt, das die Popularitaet der starken Maenner verstaendlich macht. Das ist Bloedsinn. Hinter dem Ganzen steckt ein amerikanischer Ueberlegenheits-Duenkel. Wenn andere Laender sich andere Ziele setzen und Fehler in Nachahmung der USA nicht wiederholen, sondern eigene Wege suchen wollen, dann muss das nicht gleich falsch und vom Uebel sein. Brenner, und er ist nicht der einzige US-Journalist mit diesem Denkfehler, kann sich nicht vorstellen, dass es Wege zum Wohl eines Landes gibt, die nicht nach amerikanischem Vorbild gestaltet sind. Dass die Amerikaner mit ihrem eigenen Weg nicht zufrieden sind, zeigt ja gerade die Wahl von Donald Trump.

Der Artikel, der wie eine Kritik an starken Maennern klingt, offenbart nur eine Krise des amerikanischen Selbstverstaendnisses. Sie sind nicht mehr die Nummer Eins, sondern nur eine davon.

Gegen den Artikel verwahrt sich Praesident Duterte selbst wie “Manila Times”, “Manila Bulletin” und “Manila Standard” heute morgen uebereinstimmend berichten: “Sie sagen, ich sei einer der starken Maenner (strongmen). Ich bin kein starker Mann. Ich hab nie einen in’s Gefaengnis geschickt, der mich kritisiert hat. Ich hab keinen in den Knast gesteckt, der schlecht ueber mich geredet hat. Du kannst mich kritisieren und Mist ohne Ende reden. Ich werd damit fertig, weil du mein Chef bist. Ich bin halt Regierungs-Angestellter. Nutz dein Recht auf freie Rede. Aber wenn du ein Auslaender bist, ist das was anderes. Auch wenn du eine Nonne oder religioes bist.

 



 

Zu dem “Time”-Artikel passt… – …wie es der Zufall will, dass das Weisze Haus vorgestern China vor weiterer Militarisierung des Suedchinesischen Meeres warnte. In der Presse wurden Fotos von Bauten auf Riffen und Atollen gezeigt, mit Pfeilen auf dunkle Punkte, die Raketen-Basen oder was auch immer sein sollen. Kann man glauben, sehen kann man’s kaum. Hierzu sagt die US-Presse-Sprecherin Sarah Sanders: “Wir sind uns der Militarisierung des Suedchinesischen Meeres sehr wohl bewusst. Wir haben Bedenken darueber direkt bei den Chinesen angemeldet, und es wird in naher Zukunft und auf lange Sicht Konsequenzen haben.

Duterte hat da auch eine Meinung. Die Amerikaner haetten gegen China vorgehen sollen, als die mit der Militarisierung begannen. Stattdessen haben sie Benigno Aquino einen Prozess anzetteln lassen und so die Konfrontation gesucht. Umso mehr fuchst die Amerikaner, dass Duterte dabei nicht mit dem Saebel rasselt – er ist halt kein “strongman” – sondern die Verstaendigung mit China sucht. Das ist verstaendlich, weil die USA sich selbst nicht gegen China stark gemacht haben. Sollte die philippinische Kuestenwache mit ihren Kuttern China den Krieg zur See erklaeren? Praesident Duterte sieht das nicht ein, und einen Artikel zu diesem Punkt in “Eurasia Future” ueberschreibt Andrew Korybko “Such’s dir aus: Chinesische oder amerikanische Raketen im Suedchinesischen Meer”.

Die USA argumentieren dabei gern mit der “freien Seefahrt”, aber – was haben sie da verloren? Sie sind kein Anrainer? Dann wird immer gern gesagt, welche Warenwerte durch die See dort transportiert werden, und dass deshalb freie Seefahrt garantiert werden muesse. Nicht erwaehnt wird, dass es sich dabei zum groeszten Teil um Waren handelt, die von China als Produkte kommen, oder als Rohstoffe dorthin gehen. Wer haette mehr Interesse, die freie Seefahrt dort zu garantieren als China? So sagt denn Hua Chunying, Sprecherin des chinesischen Auszen-Ministeriums: “Chinas friedliche Bauten auf dem Spratly Archipel, einschlieszlich der Verlegung notwendiger nationaler Verteidigungs-Mittel, zielt auf den Schutz von Chinas Souveraenitaet und Sicherheit. … Jene, die nicht vorhaben dies zu verletzen, haben keinen Grund zur Sorge.

Es ist nun mal so: das Suedchinesische Meer gehoert China de facto, den Philippinen (und anderen) de iure. Man kann das einsehen, wie Praesident Duterte, und sich um eine realistische Politik bemuehen, ohne sich de iure festzulegen. Oder man steckt den Kopf – “unter Wasser” kann man schlecht sagen – in den Sand und beharrt auf Prinzipien, an die man sich selbst nicht haelt, wenn es um andere Fragen geht.

Und so verweist das derzeitige Gerangel um Raketen im Suedchinesischen Meer auch nur auf die Krise amerikanischen Selbstverstaendnisses. Sie sind nicht mehr die Nummer Eins, sondern nur eine davon. Das koennen sie jedoch nicht anderen ankreiden, wie stark die auch immer in ihren Laendern auftreten moegen, sondern damit muessen sie wirklich selbst fertig werden.



Gemaesz “Time”, “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “ManilaStandard”, “EurasiaFuture”, “GMANews”, “CNNPhil” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.