…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Ostersonntag, den 01. April 2018

 

Es ist kein Aprilscherz… – …wenn ich mir denke, dass bei dem internationalen Kampf, der gegen Preasident Rodrigo Roa Duterte medial gefuehrt wird, der eigentlich gar nicht gemeint ist. Es geht vielmehr um den Uebergang der Liberalen Welt-Ordnung, deren Garant die USA bisher waren, und die Richard Harris, Praesident des Rates fuer Auswaertige Beziehungen in den USA, nun in Gefahr sieht, wie ich letzten Dienstag schrieb, hin zu dem, was Adam Garrie in seinen Beitraegen in “Eurasia Future” als “multi-polare Welt-Ordnung” beschreibt, in der neben den USA ganz sicher China, aber auch Russland und die EU und noch ein paar andere eine Rolle spielen, die nicht ignoriert werden koennen.

In dieser Entwicklung, die jeder sieht, der seine Zeitung mit offenem Auge liest, ist Duterte eine eher unbedeutende Figur. Die Philippinen sind viel zu klein, sodass Dutertes Wendung zu China keine Schwaechung des Westens darstellt. Die AFP (Armed Forces of the Philippines) hatte Schwierigkeiten mit rund Tausend Terroristen in Marawi. Sie sich gegen China vorzustellen ist derart albern, dass Duterte diesen Gedanken gar nicht erst hatte. Und nicht nur deshalb, sondern weil er auch sieht, dass die USA nie gegen China gehen werden. Man muss sich mit China arrangieren, ob einem das gefaellt oder nicht. Ob der US-Praesident das auch so sieht, ist eine andere Frage, doch  sollte die Gefahr eines Handels-Krieges nicht ueberschaetzt werden. Wie ich am Freitag zitierte, gehoert Donald Trumps Auftreten nach Professor Wu zur “Kunst des Verhandelns”.

Wenn das alles aber so unbedeutend sein soll, was stoert den Westen dann an Duterte?

Duterte ist wie der kleine Junge in Hans Christian Andersens Maerchen von des Kaisers neuen Kleidern, der ruft: “Aber der Kaiser ist ja nackt!

Dass die USA bisher Garant der Liberalen Welt-Ordnung waren, ist keine rein militaerische Frage – es muss ihnen auch geglaubt werden. Unsere Welt funktioniert, weil sich jeder an einige Regeln haelt, wenn ich als Beispiel mal das Geld nehme. So ein Schein ist nichts als ein Stueck Papier. Nur dadurch, dass wir alle glauben, was darauf gedruckt ist, erhaelt der seinen Wert. Ich weisz, es gibt Vertraege und Sicherungs-Mechanismen, und was weisz ich, aber – auch die muessen geglaubt werden.

Was ist nun, wenn die USA unglaubwuerdig geworden sind? Ihre Kriege im Nahen und Mittleren Osten – wofuer eigentlich? Sie wollen eine gerechte Welt, sagen sie – warum treten sie dann dem ICC (International Criminal Court) nicht bei? Warum haben sie das Seerechts-Abkommen UNCLOS (United Nations Convention on the Law of the Sea) selbst nicht unterzeichnet, das den juristischen Hintergrund des Streits im Suedchinesischen Meer bildet, mit dem sie die Philippinen nach Den Haag geschickt haben? Warum weigern die USA sich, den Philippinen Gewehre zu liefern, die bei ihnen jeder John Doe kaufen, in die naechste Schule gehen und Studenten abknallen kann? Warum regen sich in den USA Menschenrechts-Gruppen darueber auf, wenn in den Philippinen Drogendealer erschossen werden, die sich der Verhaftung widersetzen, wo bei ihnen Polizisten Afro-Amerikaner erschieszen, die ihr Handy falsch halten?

Das soll hier kein Amerika-Bashing werden. Arabische Staaten, in denen ein Krieg den naechsten jagt, sind die wichtigsten Kunden des Waffen-Lieferanten Deutschland, des drittgroeszten Waffenexporteurs der Welt. Ich weisz, ich weisz, die schoenen Arbeitsplaetze, die wollen wir jetzt bitte nicht kaputt reden. Oder nehmen wir der Deutschen liebstes Ausland, wenn es um TV-Uebertragungen geht – bald kommt ja wieder eine royale Hochzeit, bei der ganz Deutschland vor dem Fernseher hockt. Aber woher weisz Theresa May, dass Wladimir Putin den Gift-Anschlag auf den Spion Skripal angeordnet hat, wenn Scotland Yard die Untersuchung noch nicht abgeschlossen hat? Und warum weist Deutschland russische Diplomaten aus, wo sie das kaum besser wissen koennen?

Ist der Westen ein Huehnerhof, wo alle mitgackern, wenn einer anfaengt, oder ist das wirklich diese oft beschworene Werte-Gemeinschaft, die den Westen von den Barbaren der Dritten Welt und – von den Philippinen unterscheidet?

Glaubensgemeinschaften werden richtig boese, wenn ihr Glaube in Frage gestellt wird. Die katholische Kirche hatte ihre fuerchterlichste Phase, als sie mit der Inquisition gegen Ketzer anging. Heinrich VIII. war mit seiner Kirche auch kein Unschuldslamm und liesz Katholiken abschlachten, die seine Ehe nach der Scheidung nicht anerkannten und die Legitimitaet seines Erbes in Frage stellten. Und der IS (Islamic State) toetet gleich alle Unglaeubigen, das erspart unnuetze Diskussionen – um nur einige Beispiele zu nennen.

Die westliche Glaubensgemeinschaft wehrt sich gegen Duterte, weil er ihre hohlen Phrasen von den Menschenrechten und weltgueltiger Gerechtigkeit in Frage stellt. Er entlarvt sie als Herrschafts-Instrumente, den Rest der Welt kuschen zu lassen. Das hat funktioniert, solange das alle geglaubt und mitgespielt haben, die Philippinen als “kleiner, brauner Bruder der USA” – bis zu Duterte.

Duterte ist der Spielverderber.

 



 

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert”, wusste Wilhelm Busch. Die Einsicht hat ihre Kehrseite: hat jemand erstmal einen ruinierten Ruf, kann man ihm auch alles andere nachwerfen, was man immer schon loswerden wollte, sich zu sagen blosz nicht getraut hat.

Das macht die wegen Drogen-Vorwuerfen inhaftierte Senatorin Leila de Lima, wenn sie grad bei der 61sten Sitzung der Drogen-Kommission in Wien eine Botschaft verlesen laesst, dass Duterte nicht verstanden hat, dass das Drogen-Problem des Landes ein Gesundheits-Problem ist, das einen ganz anderen Ansatz zur Loesung braucht. Das hat sie bei Agnes Callamard abgekupfert, die ja meint, dass Shabu gar nicht so schlimm ist.

Das macht die UN-Berichterstatterin Victoria Tauli-Corpuz, die wegen ihrer angeblichen Verbindung zu Kommunisten auf einer Liste gelandet ist, die per Gericht zu Terroristen erklaert werden sollen. In einem Interview mit der “Zeit” sagt sie zu dieser Liste, die sie mit den Drogenlisten Dutertes vergleicht: “Die Listen sind wie Kampfbefehle: Personen, deren Namen auf den Drogenlisten standen, waren spaeter unter den Opfern auszergerichtlicher Toetungen. Wer jetzt auf der Liste angeblicher Terroristen steht, koennte ebenfalls umgebracht oder verhaftet werden. Anhaenger des Praesidenten koennten auch mich herausgreifen und versuchen, mich unter falschen Anschuldigungen zu verhaften oder mich umzubringen. Das ist eine reelle Gefahr.” Sie haelt sich derzeit im Ausland auf und hat erstmal nicht vor zurueck zu kommen.

Ueber Duterte kann jeder sagen, was er will und verschweigen, dass da ordentliche Gerichtsverfahren laufen, deren Entscheid man abwarten sollte. Aber warum sollte man warten, wenn Scotland Yard so kluengelig ist, und wenn philippinische Gerichte nicht zu den schnellsten der Welt gehoeren?

Schnell-Gerichte gibt es in Diktaturen, nicht in den Philippinen. Doch das interessiert nicht mehr, weil es darum geht, wer in der Welt die Deutungshoheit hat. Tja, wer hat sie denn nun? Der Westen verliert sie gerade, deshalb reagiert er ja so stinkig.

Wir werden uns wohl oder uebel an eine “viel-deutige Welt” gewoehnen muessen, je nachdem, mit wem wir es zu tun haben. Wichtig ist nur, dass wir “ein-deutig” bleiben, und das kann man Duterte nun nicht absprechen. Deshalb kommt er ja so gut an – bei Filipinos, die die “westlichen Werte” nicht schon mit der Muttermilch verabreicht bekamen.

Im Westen luegt man sich lieber was in die Tasche, und das tun auch jene Filipinos und Filipinas, die die westliche Vorherrschaft fuer sich angenommen haben und in selbst gewaehlter Knechtschaft westlichen Denkens nachplappern, was ihnen als “Kultur” untergejubelt wurde. So bleiben sie bei dem Maerchen der internationalen Wertegemeinschaft, und wofuer sind Maerchen gut?

Richtig, man erzaehlt sie den Kindern!

So wandte de Lima sich in einer kuerzlichen Verlautbarung aus der Zelle in Camp Crame heraus an die Jugend und rief sie auf: “Ihr seid das wahre Volk, das eine sogenannte Revolution des Gewissens bewirken kann. Die Jugend sind wirklich die, die unsere Buerger wecken und aufruetteln koennen, die sich bis jetzt blind und taub zeigen und vorgeben zu schlafen gegenueber den Ungerechtigkeiten und der gottlosen Fuehrerschaft derer, die nun an der Macht sind.

Und was meint der “gottlose Fuehrer”?

In seiner Osterbotschaft sagte der demokratisch gewaehlte Praesident Duterte: “Wenn wir uns des Triumphes Christi ueber den Tod erinnern, sollten wir Demut und Versoehnlichkeit in unseren Herzen naehren, da die uns von den Fesseln des Hasses und der Gier befreien. Denn nur wenn wir selbstlos sind, koennen wir wirklich sagen, dass wir der Liebe Gottes wert seien.

Es ist die pharisaeische Selbstgerechtigkeit des Westens und des westlich getraenkten Gelben Kults, der sie solchen Worten und Gedanken gegenueber unempfindlich macht. Und so pruegeln sie lieber den, den sie fuer ihr selbst verschuldetes Scheitern verantwortlich machen, der doch eigentlich nur die Randfigur eines historischen Prozesses ist und damit nicht mehr zu tun hat als der kleine Junge, der die eingebildeten Kleider des Kaisers nicht sehen kann und sich das zu sagen traut. In dem Sinne stimmt sogar, was Tauli-Corpuz sagte: “Ihr koennt weiter die Botschafter erschieszen, doch euch wird die Munition ausgehen, bevor uns die Botschafter ausgehen, und am Ende des Tages wird die Botschaft gehoert werden.

Genau!

Die Frau hat voellig Recht, sie vertut sich nur mit der Botschaft: es wird nicht die Botschaft des Gelben Kults sein, die am Ende des Tages gehoert wird, sondern die des Praesidenten. Und, ich hab’s nun mal mit den versteckten Details der Sprache, das zeigt sich auch in dem fast schon Freudschen Versprecher in de Limas Rede. Sie spricht von der “sogenannten Revolution des Gewissens”, zu der sie gegen Duterte aufruft. Das “sogenannt” verraet, dass es ihr um nichts Echtes geht.



Gemaesz “ManilaBulletin”, “Zeit”, “Tagesschau”, “ManilaTimes”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.